Der Deutsche Orden und der Preußische Bund


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung
1.1 Allgemeine Einleitung
1.2 Die Quellenlage zur Gründung des Preußischen Bundes

II Hauptteil
2.1 Historischer Kontext
2.2 Die Vorwürfe gegen den Deutschen Orden
2.2.a Ermordungen
2.2.b Illegale Bereicherung
2.2.c Rechtswillkür und Missachtung der Privilegien
2.2.e Andere Vergehen
2.2.g Verhinderung einer friedlichen Verständigung

III Schluss
3.1 Fazit

IV Anhang
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis..

I Einleitung

1.1 Allgemeine Einleitung

Als die Stände Preußens 1440 n. Chr. den Preußischen Bund gründeten, wusste der Deutsche Orden vermutlich nicht, wie folgenschwer die Bekämpfung des Bundes für ihn sein würde. Denn der Konflikt zwischen beiden spitzte sich soweit zu, dass im Februar 1454 die „Stände eines ganzen Landes [...] ihren Landesherrn [...]“ durch die Aufkündigung ihres Gehorsams verließen und stattdessen dem polnischen König als neuen Landesherrn huldigten.[1] Solch ein Akt ist in der Geschichte eines Landes einzigartig. Doch während die Historiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts diesen Zusammenschluss mit dem polnischen König als „[...] Verrat an der Nation.“ ansahen und somit den ganzen Preußischen Bund negativ bewerteten,[2] erscheint der Entschluss des Bundes in der modernen Forschung verständlich und nachvollziehbar. Denn der darauf folgende Dreizehnjährige Krieg war keineswegs ein Krieg zweier Nationen, sondern er beinhaltete das Widerstandsrecht der Stände und die alten Gebietsansprüche Polens.[3]

Liest man diese Zeilen, stellt sich wohl unweigerlich die Frage, wie es überhaupt zu solch einem Bund kommen konnte. Ziel dieser Arbeit ist es, genau diese Beweggründe anhand der Rechtfertigungsschrift „Orsachen des bundes“ zu thematisieren und zu untersuchen. Da diese allerdings erst nach der Gründung verfasst wurde, ist es zunächst notwendig, das vorliegende Quellenmaterial genauer zu betrachten. Ebenfalls ist es wichtig, die Gründung des Preußischen Bundes in einen historischen Kontext einzufügen, denn „Die Stände entwickelten sich in Preußen zunächst nicht anders als in anderen deutschen Territorien[...]“.[4]

Der Umfang und Inhalt dieser Quelle zeigt, dass folgende Thesen zum Deutschen Orden und dem Preußischen Bund aufgestellt werden können: Der Orden hatte nicht nur den Kontakt zur Bevölkerung verloren, indem er eine Art Willkürherrschaft in Preußen aufgebaut hatte, sondern viele der Ordensmitglieder verstießen trotz der Ermahnung des Carthäusers immer noch gegen die zehn Gebote.

Alle folgenden Jahresangaben sind verständlicherweise nach Christus. Die Kenntnis der Begriffe geistlicher Ritterorden, Ordenskorporation und zehn Gebote wird bei dieser Arbeit vorausgesetzt.

1.2 Die Quellenlage zur Gründung des Preußischen Bundes

„Das wichtigste Quellenmaterial zur Geschichte der ständischen Repräsentation im

Deutschordenland Preußen[...]“ ist in den „Acten der Ständetage Preussens unter der

Herrschaft des Deutschen Ordens“ in fünf Bänden von Max Toeppen ediert.[5] Die bereits in der Einleitung erwähnte Quelle „Orsachen des bundes“ stellt die erste Beilage des Recesses der Graudenzer Tagfahrt vom 10.August 1453 dar.[6] Eine “[...] Reihe theils [sic!] älterer, theils [sic!] neuerer Urkunden [...]“ sind ebenfalls als Beilagen dieses Recesses erhalten.[7] Die Quelle selbst besteht aus 66 Punkten, die schwere Vorwürfe gegen den Deutschen Orden oder einzelne Ordensmitglieder wie z.B. gegen die Hochmeister formulieren. Sie rechtfertigen, wie der Titel vermuten lässt, die Gründung bzw. das Bestehen des Preußischen Bundes. Denn während diese Rechtfertigungsschrift erst im Jahr 1453 verfasst wurde, gründeten die Stände den Bund bereits im Jahr 1440. Da 1455 der von beiden Seiten als neutral akzeptierte Schiedsrichter Kaiser Friedrich III. das Gerichtsverfahren, ob der Bund illegal war, führen sollte,[8] war diese Schrift, die 1454 mit der sogen. „Nota“ einen Nachtrag über die Aufkündigung der Eidespflicht erhielt, für den Anwalt des Bundes bestimmt. Die Entgegennahme dieser Rechtfertigungsschrift von Kaiser Friedrich III. und das Urteil des Verfahrens lässt sich bei Erich Weise nachlesen.[9]

II Hauptteil

2.1 Historischer Kontext

Nach der Schlacht von Tannenberg und dem Ersten Thorner Frieden im Februar 1411 nahmen die internen Spannungen im Deutschen Orden zu. Während sich das Volk aufgrund vieler Ärgernisse, die in den Ständeakten festgehalten wurden,[10] immer mehr vom Deutschen Orden bzw. von der Landesherrschaft entfremdete, forderten die Stände, ausgenommen der Klerus, ein politisches Mitspracherecht durch einen Landesrat.[11] Der Hochmeister Paul von Rusdorf

versuchte diese Weiterentwicklung dadurch zu stoppen, indem er 1427 eine neue Landesordnung erließ, die die elementaren Probleme für die Bevölkerung lösen sollte. Doch das schlechte Verhältnis zur Bevölkerung blieb und der Deutsche Orden verlor mehr und mehr „[...]von seiner einstigen politischen und geistigen Führungskraft[...]“.[12]

Dass vor allem die sechs Hansestädte, wie Thorn und Elbing, „[...]die Weiterentwicklung der ständischen Organisation[...]“ trugen,[13] so wie es Hartmut Boockmann behauptet, muss nicht bezweifelt werden, da die Hochmeister schon lange auf das Geld bzw. die Wirtschaftskraft dieser großen Städte angewiesen waren.[14] Der Einfluss der preußischen Stände nahm soweit zu, dass 1435 aufgrund ihres Drucks bzw. des kriegsmüden Adels der Hochmeister Paul von Rusdorf den Friedensvertragvertrag von Brest mit Polen abschließen musste.[15]

Doch während die internen Zwistigkeiten im Orden nicht abnahmen und „[...]der heillose Streit im Orden nunmehr auch seine zersetzende Wirkung[...]“ zeigte,[16] forderten nun die Stände eine regelmäßige Einbeziehung in die Politik des Ordens. Da der Hochmeister ihnen dies aber nicht zusicherte und sie vermutlich “[...]im gewissen Grade die Sorge um das Staatsganze[...]“ hatten,[17] gründeten sie am 14. März. 1440 bei einer Zusammenkunft in Marienwerder den Preußischen Bund. Unterzeichnet wurde der Bundesvertrag von 53 Hauptvertretern des Adels, wobei der Großteil aus dem Kulmerland stammte, von den sieben Hansestädten und von zwölf kleinen Städten.

[...]


[1] Ziegler, Uwe: Kreuz und Schwert. Die Geschichte des Deutschen Ordens, Köln/ Weimar/ Wien 2003, S. 179

[2] Boockmann, Hartmut: Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, München 1981, S. 208

[3] vgl. Boockmann, Deutsche Orden, S. 208

[4] Boockmann, Deutsche Orden, S. 197

[5] Boockmann, Deutsche Orden, S. 282

[6] Orsachen des bundes, ed. von Max Toeppen, in: Acten der Ständetage Preussens unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, Bd. 4, Leipzig 1878, Artikel 17, S. 21-31.

[7] Toeppen, Max: Rückblick, in: Acten der Ständetage Preussens. Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft, Bd. 4, Leipzig 1878, S. 194

[8] vgl. Ziegler, Kreuz, S.178

[9] Weise, Erich: Die Staatsverträge des Deutschen Ordens in Preußen im 15. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung ; 27), Bd. 2, Marburg 1955, S. 162 f

[10] vgl. Boockmann, Deutsche Orden, S. 201

[11] vgl. Krollmann, Christian: Politische Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen, Königsberg 1931, S. 132 f

[12] Ziegler, Kreuz, S. 177

[13] Boockmann, Deutsche Orden, S. 198

[14] Krollmann, Politische Geschichte, S. 117

[15] vgl. Biskup, Marian/Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen. Wirtschaft -Gesellschaft -Staat -Ideologie(Klio in Polen; 6), Osnabrück 2000, S. 428

[16] Krollmann, Politische Geschichte, S. 136

[17] Krollmann, Politische Geschichte, S. 136

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Orden und der Preußische Bund
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
PS Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V50375
ISBN (eBook)
9783638466066
ISBN (Buch)
9783638902557
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche, Orden, Preußische, Bund, Mittelalter
Arbeit zitieren
André Miething (Autor), 2005, Der Deutsche Orden und der Preußische Bund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50375

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