Das Thema dieser Hausarbeit ist der Versuch einer Annäherung an den Begriff der Aura in Walter Benjamins Aufsatz:Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeitund seine Übertragung in eine ästhetische Medientheorie. Die Arbeit wird die Frage klären, ob der Begriff der Aura für den, von Benjamin konstatierten und beschriebenen, Funktionswechsel in den Künsten konsequent im Sinne von konstitutiv ist. Für ein Verständnis von Benjamins Kunstwerkaufsatz scheint mir ein kurzer Überblick der historischen Entstehungsbedingungen und eine Erläuterung des Bezugs zur Kritischen Theorie unerlässlich. So wird die Arbeit im zweiten Abschnitt diese Kontexte schildern. Im folgenden werde ich die Entwicklung des Begriffs der Aura im Werk von Walter Benjamin aufzeigen und auf die Verwendung und Definition im Kunstwerkaufsatz eingehen. Im vierten Abschnitt erfolgt eine Übertragung des Begriffs auf die ästhetische Medientheorie anhand der Wirkung auf die Fotografie und den Film. Sowie eine Schilderung des Funktionswechsels der Kunst, die eng mit dem Wechsel der Wahrnehmung verknüpft ist. Die politische Relevanz des Aufsatzes, gerade im Hinblick auf den Faschismus bleibt unberücksichtigt, ebenso die Auseinandersetzung Benjamins mit Horkheimer und Adorno bezüglich des Aufsatzes. Den letzten Abschnitt bildet eine Zusammenfassung mit Schlussfolgerung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer und theoretischer Kontext des Kunstwerkaufsatzes
2.1 Kurzer Überblick der historischen Entstehungsbedingungen
2.2 Bezug des Aufsatzes zur Kritischen Theorie
3. Der Begriff der Aura
3.1 Der Begriff der Aura im Werk von Walter Benjamin
3.2 Der Begriff der Aura im Aufsatz von Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
4. Die Übertragung des Begriffs der Aura auf die ästhetische Medientheorie Walter Benjamins
4.1 Die Aura und ihre Wirkung auf die Fotografie und den Film
4.2 Der Verfall der Aura und der Funktionswechsel der Kunst
5. Zusammenfassung / Schlussfolgerung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Walter Benjamins Begriff der Aura in dessen zentralem Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" und analysiert dessen Bedeutung für seine ästhetische Medientheorie. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob der Begriff der Aura als konstitutives Element für den von Benjamin beschriebenen Funktionswandel der Kunst zu verstehen ist.
- Historische und theoretische Kontextualisierung von Benjamins Kunstwerkaufsatz
- Analyse des Aura-Begriffs im Kontext von Authentizität und Einmaligkeit
- Untersuchung der technischen Reproduzierbarkeit und des Verfalls der Aura
- Veränderung der Kunstrezeption von Kontemplation hin zur Zerstreuung
- Medientheoretische Bedeutung der Fotografie und des Films
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Begriff der Aura im Werk von Walter Benjamin
Aura ist die Art und Weise ihrer Erfahrung, die Aura „atmen“ bedeutet in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes: >Hauch<, >Luft<. Der Begriff der Aura steht bei Benjamin im Kontext ästhetischer Erwägungen. Er findet sich in vielen Texten, vor allem in: Kleine Geschichte der Fotografie (1931), in: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936) und in: Über einige Motive bei Beaudelair (1939). Benjamin definiert den Begriff der Aura wie folgt:
„Was ist eigentlich Aura? Ein sonderbares Gespinst aus Raum und Zeit: eine einmalige Erscheinung der Ferne, so nah sie sein mag. An einem Sommernachmittag ruhend einen Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen.“
Diese Verschränkung von Raum und Zeit, von Ferne und Nähe ist logisch nicht nachvollziehbar. Aura kann so nur als Metapher verstanden werden, die für eine Erfahrung steht. Sie ist damit gebunden an bestimmte Bedingungen beim betrachtenden Subjekt.
Nähe ist hier die Beschreibung einer nicht aufzuhebenden Distanz, einer Distanz, die keine räumliche Entfernung ist und die durch Annäherung nicht überwunden werden kann. Sie unterliegt subjektiven Bedingungen, denn es geht um den Gefühlswert der Distanz bzw. um das Bewusstsein des Unerreichbaren. Mit dem Satz:
„Das wesentlich Ferne ist das Unnahbare.“
beschreibt er Ferne und Unnahbarkeit als Qualität des Kunstwerks die der Betrachter auf der sinnlichen Ebene erfährt. So ist die Aura ein Schein, eine Art und Weise, in der dem Betrachter Dinge erscheinen. Die besondere Beschaffenheit eines Gegenstandes, sein Schutz oder sein Ausdruck. Die Aura ist damit Metapher für die Echtheit und bezogen auf die Kunst, die Bestimmung des originalen Kunstwerks als Einmaligkeit, als Einzigartigkeit aus dem Vorgang der Produktion. Die Aura des Kunstwerks ist demzufolge eine Erscheinung der Subjektivität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Aura in Benjamins Kunstwerkaufsatz zu untersuchen und deren Relevanz für seine ästhetische Medientheorie zu klären.
2. Historischer und theoretischer Kontext des Kunstwerkaufsatzes: Dieses Kapitel bettet Benjamins Werk in den historischen Exil-Kontext sowie in den theoretischen Rahmen der Kritischen Theorie, insbesondere unter Einfluss von Marx, Hegel und Freud, ein.
3. Der Begriff der Aura: Hier wird der Aura-Begriff als Metapher für die Einmaligkeit und Authentizität des Kunstwerks im Gegensatz zur technischen Reproduzierbarkeit analysiert.
4. Die Übertragung des Begriffs der Aura auf die ästhetische Medientheorie Walter Benjamins: Dieses Kapitel erläutert den Wandel der Kunstfunktion durch Fotografie und Film, geprägt durch den Verfall der Aura und eine veränderte Wahrnehmung.
5. Zusammenfassung / Schlussfolgerung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass der Aura-Begriff als Hilfskonstruktion dient, um den Funktionswandel der Kunst und die damit einhergehenden Veränderungen in der Wahrnehmung der Gesellschaft zu begreifen.
6. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Aura, Kunstwerk, technische Reproduzierbarkeit, Medientheorie, Kritische Theorie, Authentizität, Funktionswechsel, Fotografie, Film, Zerstreuung, Kontemplation, Wahrnehmung, Schockwirkung, Kultwert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Walter Benjamins berühmtem Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" und dem darin zentralen Begriff der Aura.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der ästhetischen Medientheorie, dem historischen Kontext Benjamins, der Analyse des Aura-Begriffs und dem Wandel der Kunstrezeption.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob der Begriff der Aura konstitutiv für den Funktionswandel der Künste ist, den Benjamin durch die modernen technischen Medien wie Film und Fotografie konstatiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer hermeneutischen Textanalyse von Benjamins Hauptwerk unter Einbeziehung philosophischer und kunsttheoretischer Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verankerung, die Definition der Aura, die Analyse des Aura-Verfalls bei Fotografie und Film sowie den daraus resultierenden sozialen Funktionswechsel der Kunst.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Aura, technische Reproduzierbarkeit, Authentizität, Kultwert, Ausstellungswert und Zerstreuung.
Was bedeutet der "Verfall der Aura" laut Benjamin?
Der Verfall der Aura beschreibt das Ende der Einmaligkeit und der traditionellen Autorität des Kunstwerks, bedingt durch seine technische Reproduzierbarkeit und die Verschiebung vom Kult- zum Ausstellungswert.
Inwiefern beeinflusst der Film die menschliche Wahrnehmung?
Der Film konfrontiert den Zuschauer mit einer neuen Geschwindigkeit und einer "Schockwirkung", die das menschliche Wahrnehmungsvermögen verändert und von der Kontemplation zur Zerstreuung führt.
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- Monika Skolud (Author), 2004, Der Begriff der Aura in Walter Benjamins Aufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und die Übertragung des Begriffs auf die ästhetische Medientheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50377