Warum bedient sich ein Action Film des 20. Jahrhunderts Shakespeares "Hamlet" & läßt das Stück als Teil der Handlung, sowie den Charakter Hamlets als Vorlage für den Titelhelden wirken? Was bezweckte Regisseur John McTiernan in seinem Film "Last Action Hero" damit?
Dieser Film von 1993 ist eine Persiflage auf das Genre des Action Films an sich. Also sind viele Motive, die in Action Movies vorkommen, in "Last Action Hero" überzogen dargestellt. Aus diesem Grund kann es auch kein Zufall sein, warum gerade eine klassische Figur wie der Hamlet aus einer charakteristischen elisabethanischen Rachetragödie zur Vorlage genommen und auch explizit zum Thema des Films gemacht wird.
Film generell ist eine besondere Art von Umsetzung der Stücke Shakespeares. Da die Dramen eigentlich für die Bühne des 16. bzw. 17. Jahrhunderts geschrieben wurden, ergibt sich zwischen den Inszenierungen auf der Bühne & den Möglichkeiten der Umsetzung auf der Leinwand eine große Differenz. Filmische Mittel werden ganz anders eingesetzt als bühnentechnische. Darüber hinaus eröffnet der Film weitaus größere Möglichkeiten in der Gestaltung, z.B. kann man mit ganz anderem Licht arbeiten, die gezeigten Bildeinstellungen des Geschehens konzentrieren die Aufmerksamkeit des Zuschauers ganz anders, viel intensiver. Denn etwa Details, müssen nicht in große Gesten übertragen werden, die das Theaterpublikum auch noch in der letzten Reihe sehen können muss. Gerade zum elisabethanischen Theater hat der Film sowohl mehr, als auch ganz andere Mittel zur Verfügung, denkt man z.B. nur daran, dass alle Stücke bei Tageslicht gezeigt werden mußten, also auch die zeitliche Einordnung der Geschehnisse per Text der Figuren erfolgen mußte, während es im Film nur einer kleinen Veränderung des Lichtes bedarf. Einzelne Textstellen des Originals werden damit, alleine durch technische Mittel, überflüssig. Und andere Textstellen können, mit den speziellen Effekten die visuell arbeiten, in der Interpretation des Regisseurs vom Bühnenstück, in eine besondere Richtung gelenkt werden.
Im Folgenden werde ich untersuche, wie und in welcher Weise (auch filmtechnisch) "Hamlet" für den Film "Last Action Hero" als Vorlage benutzt wurde; wie das Thema Rache durch die Einflechtung von Teilen des elisabethanischen Dramas unterstrichen wird; und ganz besonders wie die Person Hamlets als Muster für den Titelhelden dient, und damit in der Persiflage als Prototyp eines Actionhelden gesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Einordnung der „Last Action Hero“ Hamlet Szenen in den Gesamtzusammenhang des Filmes und in das Stück Shakespeare’s
2. Filmtechnische Umsetzung der Hamletszene Act III Scene 3 in „Last Action Hero“
a.) Die Umsetzung und die Bedeutung für den Zuschauer
b.) Das Bild des Helden
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, in welcher Weise Shakespeares „Hamlet“ als Vorlage für den Actionfilm „Last Action Hero“ dient, wie das Rachemotiv in die filmische Erzählung eingebettet wird und wie die Figur Hamlets als Prototyp für die Konstruktion des modernen Actionhelden Jack Slater fungiert.
- Analyse der filmischen Adaption und Persiflage klassischer Shakespeare-Dramen im modernen Kino.
- Untersuchung der technischen Umsetzung von Kameraeinstellungen und deren Bedeutung für die Zuschauerrezeption.
- Dekonstruktion des Actionhelden-Bildes durch den Vergleich mit dem elisabethanischen Rachetragödien-Protagonisten.
- Betrachtung der Interaktion zwischen filmischer Realität und der Wahrnehmung durch den jugendlichen Protagonisten.
Auszug aus dem Buch
Die Umsetzung und die Bedeutung für den Zuschauer
Die Szene beginnt mit einer Schiebeblende auf den Olivier Film, der in 16mm Version in der Klasse gezeigt wird. Die Wirklichkeit wird mit dieser Blende zur Seite geschoben und macht der mittelalterlichen Welt Hamlets Platz. Der König startet mit seinem Monolog: „O bosom black as death“ und kniet sich hin. Die Einstellung zeigt ihn in Nahaufnahme. Alles ist schwarz-weiß. Der Monolog von Claudius geht weiter mit: „Help angels“. Die Kinder lachen im Off noch über die ungewöhnliche altertümlichen Worte, besonders aber über „bosom“ - Busen. Ein Zwischenschnitt in Halbnahaufnahme zeigt Danny in Farbe, der sein Kinn auf seine über dem Tisch verschränkten Arme stützt und im abgedunkelten Klassenraum sitzt. Ein leichter Zoom auf Danny macht die Einstellung zur amerikanischen Einstellung. „All may yet be well“, erklingt Claudius aus dem Off, und ein weiter Zoom auf Danny bringt den Zuschauer noch näher zu Dannys Gesichtsausdruck. Er ist erwartungsvoll aufmerksam. Hamlet beginnt aus dem Off über die Einstellung von Dannys Gesicht zu sprechen. „Now he is praying and now I’ll do it.“ Und der folgende Schnitt auf Hamlet bringt diesen ins On. Er steht hinter einem Wandvorsprung. Die Kamera beginnt in amerikanischer Einstellung, doch ein weiterer Zoom läßt den Schnitt in einer Nahaufnahme enden. Es folgt ein Gegenschnitt, der wieder Hamlet zeigt, jedoch aus anderer Perspektive in der Halbnahaufnahme, wie er hinter dem Vorsprung hervortritt, die Kamera zoomend ihn bis zur Nahaufnahme heran.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum ein Actionfilm des 20. Jahrhunderts Motive und Charaktermodelle aus Shakespeares „Hamlet“ für eine Persiflage des Action-Genres nutzt.
1. Die Einordnung der „Last Action Hero“ Hamlet Szenen in den Gesamtzusammenhang des Filmes und in das Stück Shakespeare’s: Dieses Kapitel erläutert die Rahmenhandlung des Films und setzt die Figur des Actionhelden Jack Slater in Bezug zu Dannys Begeisterung für das Genre sowie zum klassischen Rachemotiv.
2. Filmtechnische Umsetzung der Hamletszene Act III Scene 3 in „Last Action Hero“: Die Analyse untersucht, wie filmische Mittel wie Kameraeinstellungen, Coloration und Schnittfolgen eingesetzt werden, um die Parodie auf Shakespeare zu unterstreichen und den Heldencharakter zu kontrastieren.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Last Action Hero“ eine durchdachte Persiflage darstellt, in der der Hamlet-Stoff als zeitloses Muster für die heldenhafte Identitätskonstruktion des modernen Action-Kinos dient.
Schlüsselwörter
Hamlet, Last Action Hero, Shakespeare, Actionfilm, Filmparodie, Jack Slater, Arnold Schwarzenegger, Rachemotiv, Filmtechnik, Heldenbild, John McTiernan, Kameraeinstellungen, Intertextualität, Moderne Adaption, Filmanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die filmische Integration von William Shakespeares „Hamlet“ in den Hollywood-Actionfilm „Last Action Hero“ und untersucht, wie dieses klassische Drama zur Persiflage des Action-Genres genutzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die filmische Umsetzung von Shakespeare-Stoffen, die Dekonstruktion des Heldenmythos im Actionfilm sowie die spezifische Rolle der Kameraarbeit bei der Darstellung von Actionsequenzen im Kontrast zum klassischen Bühnendrama.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Figur des Hamlet als Prototyp für die Konstruktion eines modernen, maskulinen Actionhelden wie Jack Slater herangezogen und gleichzeitig durch die Überzeichnung in der Parodie hinterfragt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine filmanalytische Untersuchung, bei der spezifische Szenen in Bezug auf filmtechnische Gestaltungsmittel (Kamera, Schnitt, Farbe) und literaturwissenschaftliche Vorlagen (Shakespeare) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Einordnung der Hamletszenen in den Filmkontext sowie eine detaillierte filmtechnische Analyse der Darstellung des Helden und der für den Zuschauer intendierten Wirkung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, Parodie, Action-Held, filmische Adaption und den Vergleich zwischen elisabethanischem Drama und zeitgenössischem Hollywood-Kino.
Wie unterscheidet sich der Schwarzenegger-Hamlet vom klassischen Hamlet?
Während der klassische Hamlet durch innere Zerrissenheit und moralische Zweifel an der Ausführung der Rache gehindert wird, wird der Schwarzenegger-Hamlet als entschlossener, gewaltbereiter und „actionorientierter“ Held inszeniert, der das Rachemotiv in physische Gewalt übersetzt.
Warum spielt die Kameraführung in der Analyse eine so große Rolle?
Die Kameraführung (zoomen, Schnitte, Einstellungsgrößen) dient laut Autorin dazu, den Zuschauer aktiv in die Gefühlswelt der Figuren einzubinden und durch die bewusste Differenzierung zwischen schwarz-weißen und kolorierten Bildelementen die parodistische Absicht des Regisseurs zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Kerstin Wien (Author), 2002, Hamlet und Last Action Hero - Der elisabethanische Hamlet als Prototyp des Helden in einem Action Film des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5038