Diese Arbeit widmet sich der Subkulturforschung im Rahmen der Cultural Studies und insbesondere der des Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham (Birmingham School). Es soll dargelegt werden in welcher Weise die Theorien über Subkulturen sich in den Bereich der Cultural Studies eingliedern und somit die Überlegungen der Wissenschaftler zweiter Generation an die Forschungsergebnisse der Kulturtheoretiker erster Generation des CCCS, wie zum Beispiel Richard Hoggarts und Raymond Williams anknüpfen.
Im ersten Teil dieser Arbeit soll zunächst die Entstehungsgeschichte der Cultural Studies so wie der Wandel und die Neufassung des Kulturbegriffs beschrieben werden. Ich werde den kulturellen Diskurs am Beispiel der Forscher Richard Hoggart, Raymond Williams und Roland Barthes, bzw. an deren grundlegenden Erkenntnisse veranschaulichen.
Das darauf folgende Kapitel skizziert die Anfänge der Subkulturforschung, ab den zwanziger Jahren, des amerikanischen Soziologen Albert K. Cohen.
Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit den Forschungsergebnissen des Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) im Bereich subkultureller Strategien und Stilmerkmale. Dabei stehen der von Claude Levi-Strauss geprägte Begriff Bricolage sowie die diesbezüglichen Untersuchungen des Kulturwissenschaftlers Dick Hebdige im Fokus dieser Arbeit.
Im Schlussteil werde ich den Wandel subkultureller Stilmerkmale am Beispiel der Punks darstellen. Es wird auf die Einflüsse afrikanischer (Sub)Kulturen auf Punk eingegangen, sowie den Einfluss und Wandel afrikanischer Kulturen im Allgemeinen auf Subkulturen, erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Cultural Studies
2.1 Entstehung und Wandel der Cultural Studies:
Theorien von:
Raymond Williams
Roland Barthe
Richard Hoggarts
3. Kodieren und Dekodieren
4. Subkulturtheorie
4.1 Begriffsbestimmung Subkultur
4.2 Entstehung der Subkulturtheorie - Chicago School
5. Subkulturforschung
im Centre for Contemporary Cutural Studies
Dick Hebdige
5.1 Stilschöpfung durch Bricolage
5.2 Hegemonie und die Bedeutung von Zeichen
5.3 Stilanalyse am Beispiel von Punk
5.4 Dialektische Bewegung von weiß zu schwarz
6. Schlussbemerkung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Subkulturforschung innerhalb der Cultural Studies, insbesondere am Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS), und analysiert deren theoretische Fundierung sowie die praktische Anwendung am Beispiel der Punk-Subkultur.
- Entwicklung und Wandel der Cultural Studies sowie des Kulturbegriffs.
- Methodische Ansätze der Kodierung und Dekodierung kultureller Zeichen.
- Die theoretische Herleitung von Subkultur durch die Chicago School.
- Untersuchung von Stil, Bricolage und Hegemonie im Kontext subkultureller Strategien.
- Analyse der dialektischen Bewegung zwischen weißen und schwarzen Subkulturen am Beispiel von Punk.
Auszug aus dem Buch
5.4 Stilanalyse am Beispiel der Punks
Mitte der siebziger Jahre war die Jugend Großbritanniens einer Massenarbeitslosigkeit ausgesetzt. Die Jugendlichen sahen einer chancenlosen Zukunft entgegen und suchten nach neuen Idealen. In ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrer Musik hielten die Punks die miese Stimmung der siebziger Jahre Großbritanniens fest. Sie waren sichtbare Zeichen des öffentlich beklagten Zerfalls- „which perfectly the atrophied condition of Great Britain.“
Das äußere Auftreten der Punks traf auf eine konservative Gesellschaft, die eine Mode, zusammengesetzt aus alten Stofffetzen, Sicherheitsnadeln bunten Haaren nicht akzeptierte. Mit dieser Mode, die sich jeder nachdem „Do it yourself“- Prinzip selber anfertigen konnte, wollte man nach außen die eigene Unabhängigkeit und die Verabscheuung der moralischen Abhängigkeit demonstrieren.
In ihren verschiedenen Stilzusammensetzungen drückten die Punks ihre Angst und Frustration, ja sogar teilweise in parodistischer Art und Weise aus. Durch ein Sortiment untergründig komischer Zeichen symbolisierten sie ihre Knechtschaft, indem sie Ledergurte, Ketten, Bondagehosen, oder biedere Jackets trugen.
Punk kombinierte sich aus einer ganzen Reihe heterogener Jugendstile ein komplexes Image zusammen und kristallisierte sich zu einer Art Zwitterwesen der Popkultur. Vom Glam Rock, über Stilelemente der Mods (Pub Rock) bis hin zu etlichen Elementen Schwarzer Kultur, insbesondere der der Rastafarians, dem Reggae, schusterten sich die Punks eine regelrecht furcht einflößende Identität zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Einbindung von Subkulturtheorien in den Kontext der Cultural Studies und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie den thematischen Fokus auf das CCCS.
2. Cultural Studies: Es wird die historische Entstehung der Cultural Studies beschrieben und die theoretischen Erkenntnisse von Schlüsselfiguren wie Williams, Barthes und Hoggart vorgestellt.
3. Kodieren und Dekodieren: Dieses Kapitel thematisiert die semiotische Analyse von Kultur als Text, wobei Zeichen als ideologische Kodes interpretiert werden.
4. Subkulturtheorie: Neben einer Begriffsbestimmung von Subkultur wird die Entstehung der theoretischen Ansätze, insbesondere durch die Chicago School, nachgezeichnet.
5. Subkulturforschung: Hier liegt der Schwerpunkt auf den Arbeiten des CCCS und Dick Hebdiges, mit Fokus auf Bricolage, Hegemonie und die stilistische Analyse der Punk-Subkultur.
6. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Bedeutung der Subkulturforschung für die heutige Wissenschaft zusammen und reflektiert die Kommerzialisierung subkultureller Stile.
Schlüsselwörter
Cultural Studies, Subkultur, CCCS, Punk, Bricolage, Hegemonie, Semiotik, Kodierung, Dekodierung, Popkultur, Identität, Stil, Ideologie, Arbeiterklasse, Chicago School.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Subkulturforschung innerhalb der Cultural Studies und analysiert, wie diese Theorien zur Entschlüsselung jugendkultureller Stile beitragen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Entstehungsgeschichte der Cultural Studies, semiotische Analysemethoden, das Konzept der Bricolage sowie die soziologische Betrachtung von Subkulturen im Verhältnis zur Hegemonie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Theorien über Subkulturen in den Rahmen der Cultural Studies eingliedern und wie die "Birmingham School" Erkenntnisse über soziale Identität und Stilmerkmale generiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt in der Arbeit zum Einsatz?
Der Autor nutzt vor allem kulturwissenschaftliche und soziologische Theorien, insbesondere Ansätze der Semiotik (Kodierung/Dekodierung) und der strukturalistischen Kulturanalyse nach Claude Levi-Strauss.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Forschungsergebnisse des Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) und analysiert anhand der Theorie von Dick Hebdige die Mechanismen subkultureller Stilschöpfung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wesentliche Begriffe sind Cultural Studies, Bricolage, Hegemonie, Subkulturtheorie, Semiotik sowie die praxisnahe Analyse der Punk-Bewegung.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des CCCS von frühen soziologischen Studien?
Im Gegensatz zur rein soziologischen "Gang-Forschung" der Chicago School betrachtet das CCCS Subkulturen stärker durch die Linse von Kulturtheorie, Klasse und ideologischer Zeichensetzung.
Welche Rolle spielt der Begriff "Bricolage" in der Analyse der Punk-Subkultur?
Bricolage beschreibt das bewusste Neukombinieren von Alltagsgegenständen und Symbolen, um eine eigene, oft widerständige Identität zu schaffen und bestehende hegemoniale Bedeutungen zu untergraben.
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- Lars Nemeth (Author), 2005, Subkulturforschungtheorie als Bestandteil von Cultural Studies mit einer beispielhaften Auseinandersetzung der Punk Subkultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50394