Die Betrachtung der Ursachen von Arbeitslosigkeit ist wichtig, aber die Betrachtung der Auswirkungen, die diese auf den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes haben, sind ebenfalls von zentraler Bedeutung. Daher soll in der vorliegenden Arbeit auf die verschiedenen Wirkungsebenen und die psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit eingegangen werden und hierbei vor allem auf die Korrelationen zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit bzw. den sozialen Netzwerken. Außerdem soll anhand zweier ausgewählter Studien näher auf die bisherigen Erkenntnisse der Arbeitslosenforschung eingegangen werden.
Was ist eigentlich Arbeitslosigkeit? Wenn man sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit beschäftigt, gilt es zu nächst einmal zu klären, was man eigentlich darunter versteht. Es gibt eine Vielzahl von Definitionen, aber eine international verbindliche Definition existiert nicht. Arbeit ist eine existenzielle Lebensaufgabe für den Menschen. Sie dient dabei nicht nur der Erlangung von finanziellen Ressourcen um den Lebensunterhalt zu sichern, sondern ist ebenfalls wichtig für die Entwicklung der persönlichen Identität und der Zuweisung eines sozialen Status. Weiter fördert Arbeit den Aufbau von Sozialkapital und führt zur Strukturierung des Tagesablaufs. Aufgrund dessen stellt der Eintritt von Arbeitslosigkeit einen fundamentalen Eingriff in das Leben des Individuums dar und kann zu schweren Krisen bei den Betroffenen führen.
Die markantesten Phasen von Arbeitslosigkeit im 20 Jahrhundert stellten die Zeit der Weltwirtschaftskrise
in den 1930 Jahren und die Zeit der 1970 Jahre dar. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist seit den 1970 Jahren kontinuierlich, wenn auch mit Schwankungen, gestiegen und lag im Jahr 2012 bei einer Arbeitslosenquote in Höhe von 7,6 Prozent. Die Ursachen für Arbeitslosigkeit werden häufig in den gesellschaftlichen und ökonomischen Gegebenheiten gesehen, aber oftmals auch den Betroffenen selbst zugeschrieben. Diese werden als weniger motiviert und geringer qualifiziert eingestuft und mit dem Vorwurf konfrontiert, sie seinen mit den staatlichen Leistungen zufrieden. Die Ursache für Arbeitslosigkeit wird somit auf individuelles Versagen zurückgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Die Wirkungsebenen von Arbeitslosigkeit
3.Die Folgen von Arbeitslosigkeit
3.1.Folgen für die physische und psychische Gesundheit
3.2. Folgen für die sozialen Netzwerke
4.Studien zu den psychosozialen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit
4.1.Die Arbeitslosen von Marienthal
4.2.Die Arbeitslosenstudie von Lucas et al. (2004)
5.Die Verarbeitungsformen von Arbeitslosigkeit
6.Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Bedeutung von Arbeitslosigkeit und analysiert deren vielfältige psychosoziale Auswirkungen auf den Einzelnen, sein soziales Umfeld sowie die Gesellschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich der Verlust der Erwerbstätigkeit auf das Befinden auswirkt und welche Verarbeitungsmechanismen hierbei identifiziert werden können.
- Psychologische und physische Folgen von Erwerbslosigkeit
- Veränderungen sozialer Netzwerke im Kontext von Arbeitslosigkeit
- Historische und moderne Studien zur Arbeitslosenforschung (Marienthal-Studie, Lucas et al.)
- Unterschiedliche Typologien und Phasen der Verarbeitung von Arbeitslosigkeit
- Einflussfaktoren wie Persönlichkeitsstruktur und Arbeitsorientierung
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Arbeitslosen von Marienthal
Die Studie wurde im Jahr 1932 in der Arbeitersiedlung Marienthal, die in der Nähe von Wien liegt, durchgeführt, als dort durch die Schließung der Textilfabrik eine umfassende und dauerhafte Arbeitslosigkeit entstand.
Das Ziel der Studie war es, heraus zu finden, welche Auswirkungen dauerhafte Arbeitslosigkeit hat. Dabei stand nicht der einzelne Betroffene im Mittelpunkt der Untersuchung, sondern das komplette Dorf. Um Zugang zu den Menschen zu erhalten, nahmen die Forscher direkt am Leben im Dorf teil. So integrierten sie sich beispielsweise ins Vereinsleben, organisierten Turn- und Nähkurse und organisierten Kleidersammlungen.
Das zu Verfügung stehende Material und die Methoden dieses zu erheben waren sehr vielfältig und beinhaltete sowohl quantitative als auch qualitative Methoden. So benutzen die Forscher neben objektiven statistischen Daten, unter anderem Interviews, Zeitverwendungsbögen und Beobachtungsprotokolle.
Insgesamt lebten in Marienthal 479 Familien. Von diesen waren 93 Familien erwerbstätig, 18 bezogen Abfertigung oder Pension, und 367 Familien waren arbeitslos, hatten also kein Mitglied der Familie in Erwerbstätigkeit. Von diesen 367 Familien wiederum bezogen 358 Arbeitslosenunterstützung oder Notstandsaushilfe, während neun Familien entweder nicht Unterstützungsberechtigt oder völlig ausgesteuert waren. Somit lebten dreiviertel der Familien des Ortes in Abhängigkeit von der Arbeitslosenunterstützung.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Es werden der Begriff der Arbeitslosigkeit definiert und die Bedeutung der Arbeit als existenzielle Lebensaufgabe sowie als Grundlage für Identität und sozialen Status hervorgehoben.
2.Die Wirkungsebenen von Arbeitslosigkeit: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Ebenen der Betroffenheit, angefangen beim Individuum über die Angehörigen und Arbeitnehmer bis hin zur Gesamtgesellschaft.
3.Die Folgen von Arbeitslosigkeit: Hier werden die gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen analysiert, wobei insbesondere psychische Belastungen und der Wandel sozialer Netzwerke beleuchtet werden.
4.Studien zu den psychosozialen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit: Die Forschungsergebnisse werden anhand der klassischen Marienthal-Studie und der modernen Studie von Lucas et al. konkretisiert.
5.Die Verarbeitungsformen von Arbeitslosigkeit: Es wird dargestellt, dass es keine gleichförmige Reaktion auf Arbeitslosigkeit gibt, sondern individuelle, soziologische und demographische Faktoren die Verarbeitung maßgeblich beeinflussen.
6.Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel reflektiert die zentralen Erkenntnisse über die negativen psychosozialen Folgen und betont die Bedeutung individueller Bewältigungsstrategien.
Schlüsselwörter
Arbeitslosigkeit, Psychosoziale Auswirkungen, Marienthal, Lebenszufriedenheit, Erwerbstätigkeit, Soziale Netzwerke, psychische Gesundheit, Arbeitsmarkt, Anpassungsprozess, Resignation, Identität, Sozioökonomisches Panel, Arbeitsorientierung, Arbeitslosenquote, Feldforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den psychologischen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf den Menschen und sein soziales Umfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die psychische und physische Gesundheit, der Wandel sozialer Netzwerke, die Auswirkungen auf die Familie sowie der langfristige Einfluss auf die Lebenszufriedenheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die verschiedenen Wirkungsebenen und die psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Forschungsanalyse, insbesondere unter Heranziehung klassischer und moderner empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Wirkungsebenen, die Analyse der gesundheitlichen und sozialen Folgen sowie eine detaillierte Betrachtung von Fallstudien zur Arbeitslosenforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Arbeitslosigkeit, Lebenszufriedenheit, Marienthal-Studie, psychosoziale Folgen und Anpassungsprozesse sind zentral für die Arbeit.
Welche Haltungstypen im Umgang mit Arbeitslosigkeit wurden in der Marienthal-Studie identifiziert?
Die Studie unterschied vier Typen: die innerlich Ungebrochenen, die Resignierten, die Verzweifelten und die apathisch Verwahrlosten.
Wie verändert sich die Lebenszufriedenheit laut der Studie von Lucas et al. langfristig?
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Arbeitslosigkeit die Lebenszufriedenheit nachhaltig verändert und die Betroffenen nach der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit meist nicht ihr ursprüngliches Ausgangsniveau erreichen.
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke bei der Bewältigung von Arbeitslosigkeit?
Soziale Netzwerke können einerseits Unterstützung bieten, sind aber andererseits durch das Risiko der sozialen Isolation bei Arbeitslosigkeit gefährdet, wobei die Auswirkungen individuell sehr unterschiedlich ausfallen.
- Citar trabajo
- Annika Frings (Autor), 2013, Arbeitslosigkeit. Eine Analyse ihrer psychologischen Bedeutung und der Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504012