Die globale Stadt New York. Soziale und ethnische Segregation durch die Global City?


Seminararbeit, 2018
38 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Global City als Begriff und konzeptionelle Grundlage ..
2.1. Definition einer Global City .
2.2. Kriterien für eine globale Stadt
2.3. Der Global City Index (GCI) und der Global City Outlook (GCO)

3. New York als Global City
3.1. Der Aufstieg zur globalen Weltstadt
3.2. Manhattan - ein internationales Finanzzentrum
3.3. Aufschwung durch Unternehmensorientierte Dienstleistungen

4. Soziale und ethnische Segregation New Yorks durch die Global City?
4.1. Soziale Polarisierung in New York
4.1.1. Einfluss der Entwicklungsgeschichte und Immigrantenwellen
4.1.2. Demografische Gegebenheiten der Stadt und deren Viertel
4.2. New York als "Dual City"
4.2.1. Einkommenspolarisierung zwischen den verschiedenen Ethnizitäten
4.2.2. Arbeitslosigkeit und Armut

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit widmet sich der sozialen und ethnischen Segregation durch das Phänomen der Global City am Beispiel New Yorks. Um die Entwicklungen der US-Stadt verstehen zu können ist erst einmal wichtig, den Begriff der Global City zu definieren und diese von anderen Gattungen wie z.B. die World Cities abzugrenzen. Zentral ist hier vor Allem Literatur der Soziologin Saskia Sassen, die den Begriff der Global City und deren Funktionen definiert und auch die Stadt New York darauf untersucht hat. Deshalb gilt es als nächsten Schritt die verschiedenen Merkmale und Kriterien für eine Global City abzustecken, wobei hier einige Hypothesen und das ,Global City Model" Sassens erklart werden soll. Ebenso sollen zusätzlich, die Hierarchiestufen der Global Cities definiert und ein Vergleich mit anderen globalen Städten angestellt werden, um die führenden Global Cities die sogenannten ,Gro�en Vier" und deren Charakteristika festzustellen. Diese werden im nächsten Punkt im Global City Index (GCI) durch die internationale Unternehmensberatungsfirma A.T. Kearney jedes Jahr neu nach bestimmten Kriterien in ein Ranking gebracht. Dasselbe geschieht anhand des Global City Outlooks (GCO), nur dass dieser die Global Cities anhand bestimmter Maßeinheiten nach geschätztem Wirtschaftswachstum und voraussichtliche Wettbewerbsfähigkeit in ein Ranking setzt. Im Hauptteil beschäftigt sich diese Arbeit mit der Global City New York, wobei hier zuerst abgeklärt werden muss, wie die Stadt überhaupt im Verlauf der Geschichte zur heutigen globalen Weltmacht wurde. Dies wird besonders anhand der Entwicklung des Arbeitsmarktes und dessen Veränderung im Laufe der Zeit erläutert. Folglich soll darauf eingegangen werden, wie New York und vor Allem Manhattan zum Finanz- und Bankenzentrum wurde, das der Stadt zu immer mehr Internationalität und schließlich auch Globalität verhalf. Im nächsten Kapitel spielt die Entwicklung New Yorks in den letzten Jahrzehnten mit Fokus auf den Arbeitsmarkt und dessen extreme Veränderung eine besondere Rolle, da hier eine Verlagerung des Herstellungs- bzw. Produktionssektors auf unternehmensorientierte Dienstleistungen erfolgte und zu einem zusätzlichen wirtschaftlichen Wachstum der Stadt führte. Das letzte Hauptkapitel widmet sich allerdings den Schattenseiten der Stadt die das Wachstum mit sich gebracht hat. Hier soll besonders die Frage der ethnischen und sozialen Segregation geklärt werden, wie stark und inwiefern diese in New York vor Allem in Anbetracht der verschiedenen Bevölkerungsschichten ausgeprägt ist. Ebenso spielt dabei die geschichtliche Entwicklung und deren Immigrantenwellen eine übergeordnete Rolle. Anschließend, werden die demografischen Gegebenheiten der fünf Viertel New Yorks geklärt und im darauffolgenden Gliederungspunkt anhand der bereits gesammelten Daten, die Stadt final als sogenannte "Dual City" beleuchtet.

2. Die Global City als Begriff und konzeptionelle Grundlage

In den letzten Jahrzehnten unterzog sich die weltweite Wirtschaft mehreren Transformationsprozessen und formte so die Städte wie wir sie heute kennen. Ab den 1960er Jahren kam es zum Einbruch der einst führenden Industriestaaten wie Amerika, den Vereinigten Königreich England und etwas später in Japan. Folglich, brachte die rasche Industrialisierung der Dritte Welt Länder die Internationalisierung der Finanzindustrie, was wiederum zu einem weltweiten Netzwerk von finanziellen Prozessen führte. Besonders die USA traf es hart mit den Ölkrisen 1973 sowie 1980, als auch plötzlich die Dritte Welt in der Schuldenkrise steckte. Die zerstreute globale Finanzindustrie, rückte vor Allem jene Städte in ein anderes Licht, die bis dato für internationalen Handel und für das Bankwesen zuständig waren, unter anderem auch die in dieser Arbeit analysierten Stadt New York (vgl. Sassen 2001, 3).

2.1. Definition einer Global City

Für das Verständnis dieser Arbeit, ist es zuerst einmal wichtig abzuklären, was sich hinter dem Begriff "Global City" verbirgt und durch welche Kriterien sie definiert wird. Die amerikanische Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin Saskia Sassen definierte den Begriff der Global City bereits 1991. In einem Interview aus dem Jahre 2012 sagt sie folgendes dazu:

,Global Cities sind Finanzzentren, genau. Wenn eine Firma global tatig sein will, muss sie in die nationalen Märkte eindringen, in die nationalen Rechtssysteme. Doch mit denen ist sie nicht vertraut. Und daraus schöpft die Global City ihr Potenzial: Im Verbund mit andern Global Cities weltweit macht sie den globalen Markt aus. Sie ist die Zugangstür - eine Art Zwischenebene" (vgl. Meister 2012, 15).

Dieses Zitat veranschaulicht erst einmal sehr gut, welche generellen Faktoren eine Global City auszeichnen. Diese muss als eigenständiges Finanzzentrum fungieren, im nationalen Rechtssystem tätig sein, sowie auch ihre nationalen Märkte kontrollieren. Durch diese Fähigkeiten, wird eine Stadt folglich zu einem Global Player, indem sie sich dadurch mit anderen Global Cities vernetzt und austauscht, um am weltweiten Markt wettbewerbsfähig zu sein. Die Zwischenebene von der Sassen ebenso spricht, liefert lokale Spezialisten aller Art wie z.B. Buchhalter und Anwalte. Hierbei resultiert laut Sassen ,urbanes Wissenskapital", da diese spezialisierten Arbeitskrafte mit der lokalen wirtschaftlichen Struktur und deren Abläufe der Stadt bestens vertraut sind (vgl. Meister 2012, 15).

Es ist aber wichtig die Global City von anderen Typen wie z.B. die sogenannten "World Cities" zu unterscheiden, die Friedmann 1986 in seinem Aufsatz "The World City Hypothesis" beschrieb (Friedmann). Aufs Erste erscheint der Begriff "World City" als Synonym zur Global City, allerdings handelt es sich laut Sassen dabei um einen älteren Städtetypus, den man in den letzten Jahrhunderten beobachten konnte. Der Begriff fungiert mehr aus der politischen und kulturellen Sicht einer Stadt, wohingegen durch die

Globalisierung vor Allem der Wirtschaft, die Global City entstand. Allerdings schließen sich beide Definitionen nicht gegenseitig aus: eine World City kann auch eine Global City sein, aber nicht jede Global City ist auch eine World City, jedoch sind viele Städte meist beides, eine Weltstadt sowie auch globale Stadt (vgl. Sassen 2001, xix).

2.2. Kriterien für eine globale Stadt

Sassen definierte den Begriff der "Global City" und nannte folglich, vier weitere grundlegende Funktionen, die die Zukunft jener wichtigen Städte wie New York, Tokyo, Paris, Frankfurt oder London fortan bestimmen sollten. Erstens, fungieren diese nun auch als geballte Kommandozentralen der Weltwirtschaft und besitzen die Macht und den

Einfluss diese zu steuern. Zweitens, sind solche Städte gleichzeitig auch internationale Finanzzentren und beinhalten spezialisierte, führende Dienstleistungsunternehmen, anstatt den Fokus auf einen starken Produktions- und Herstellungssektor zu legen. Drittens, die Produktion wird hauptsächlich für neue Innovationen zu verwendet, was wiederum zu viertens führt, als eigener Markt für solche zu funktionieren. Diese vier zusätzlichen Funktionen von Global Cities verantworten diese über enorme Ressourcen zu verfügen und jene auch zu kontrollieren, wohingegen die Dienstleistungs- sowie Finanzindustrie nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Leben in solchen Städten maßgeblich verändert hat (vgl. Sassen und Schulze 1997; Sassen 2001).

Sassen stellte hierzu das sogenannte "Global City Model" bestehend aus sieben Hypothesen auf: die erste Hypothese geht dabei von einer Ausbreitung der wirtschaftlichen Aktivitäten im Rahmen des Prozesses der Globalisierung aus. Denn desto mehr Unternehmen sich weltweit vernetzen, desto komplexer werden deren Aufgaben und Firmenstrukturen im Bereich Management, Koordination, Kundendienst und Finanzierung. Die zweite Hypothese beschreibt die immer wichtiger werdende Stellung von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen für große Firmen. Letztere, beauftragen serviceorientierten Unternehmen beispielweise für Buchhaltung, Programmierung oder Telekommunikation, anstatt diese selbst intern auszuführen. Das bedingt die dritten Hypothese Sassens, sodass durch die Dienstleistungsunternehmen eine neue Dynamik in Ballungszentren eintritt. Denn die Dienstleistungsbereiche erfordern hohe Flexibilität in ihrer Vielseitigkeit, sowie auch in Punkto Schnelligkeit und vor Allem Schnelllebigkeit. Durch diese Verquickung von Spezialisten, verschiedenen Firmen und Talenten, wird die Global City zu einem dynamischen Informationszentrum. Viertens, in diesem Zentrum siedeln sich viele Hauptverwaltungszentralen von großen Unternehmen an, die alle bestimmte Bereiche outsourcen und an externe Dienstleister abgeben, was wiederum zu hoher Anhäufung von Dienstleistungsfirmen führt. Fünftens, diese Dienstleistungsunternehmen müssen wiederum global agieren und auch mit internationalen Firmen agieren. Daraus entsteht ein stärkeres Netzwerk von länderübergreifenden Transaktionen. Es sei aber erwähnt, dass sich dadurch die Global City, immer mehr von lokalen und nationalen Konzernen entfernt und abkoppelt. Hypothese sechs weist eine Folgeerscheinung auf: denn durch die spezialisierten Dienstleistungsunternehmen und deren immer mehr gefragten, hochausgebildeten Mitarbeitern, kann eine soziale sowie wirtschaftliche Kluft gegenüber der Industrie und deren Arbeitern entstehen. Der letzte und siebte Punkt beinhaltet den Dienstleistungssektor als informellen wirtschaftlichen Sektor, der also nicht staatlich kontrolliert wird und daher auch keine Unterstützung oder Schutz dessen erhält. Des Weiteren, erfolgt auch meist eine schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen (vgl. Sassen 2001, xix-xxi). Allerdings, erhielt Sassens Global City Modell harsche Kritik seitens Hill und Kim, dass viel zu ,denationalisiert" sei, wie diese anfOhren. Sie argumentieren, dass New York ohne die Unterstützung des US-Staats keine führende Global City geworden wäre und daher Sassens fünfte These in Frage stellen (vgl. Child Hill und Kim 2001). Diese Kritik jedoch ist in modernen Zeiten so nicht mehr tragbar, da auch in instabilen Zeiten wie es aktuell der Fall ist und die USA stark an Glaubwürdigkeit durch den Präsidenten Trump verliert, bleibt New York nach wie vor eine führende globale Stadt. Demnach hätte Sassen recht, dass Global Cities folglich losgelöst von ihrer Umgebung und vollkommen autonom handeln.

Dirk Bronger teilte Sassens Definition von Global Cities, fand es aber für nötig, diese zusätzlich in drei verschiedenen Hierarchiestufen zu unterteilen. Kategorie 1 bilden hierbei die primaren Global Cities, die sogenannten ,Gro�en Vier" Tokyo, New York, London und Paris. Somit verteilt sich diese Kategorie weltweit von Europa über Asien bis zur USA. Dabei fällt auf, dass Europa eine Doppelführung mit Paris und London aufweist, anders als im Gegensatz zu den anderen Kontinenten. Allerdings könnte man auch argumentieren, dass Europa es nicht schafft, eine maßgebliche Global City zu bieten, wie es im Vergleich New York oder Tokyo sind. Die Städte in der zweiten Kategorie, können nur eingeschränkt als Global Cities bezeichnet werden, da diese nur teilweise als globale Angelpunkte fungieren. Beispiele hierfür sind Chicago, Los Angeles, Frankfurt a. Main, Singapur usw. Städte der dritten Kategorie und wie es Bronger beschreibt mit ,spezialisierten Kommandofunktionen" sind z.B. Shanghai, Rotterdam, Toronto, Zürich, München usw. (vgl. Sassen und Schulze 1997; Bronger 2016).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Global Cities der Gegenwart Ranking (Bronger 2016, 191)

In Tabelle 1, sind alle drei Kategorien nach Bronger erkennbar, wobei die Global Cities in dieser Arbeit am meisten interessieren sollen. New York steht an erster Stelle, kurz vor Tokyo und um die Hälfte der Punkte abgeschlagen Paris und London. Gemessen wird hier anhand folgender acht Bereichen: Anzahl der Unternehmen und deren Umsatz (2001), Banken (2001), Börse (2000), Flugverkehrpassagiere (2001), Fracht, Häfen (2000) und niedergelassene internationale Institutionen (2003). Besonderes Augenmerk in dieser Arbeit gilt New York, wobei hier sofort zu erkennen ist, dass die Global City bei der Unternehmensanzahl und dessen Umsatz, sowie auch bei den Banken schlechter abschneidet als der japanische Gigant Tokyo, welcher hier die Höchstpunktzahl von 100 erreicht. Auch in punkto Häfen, muss New York die Vorrangstellung abgeben. Allerdings, bei Börsenaktivitäten (Ampex, NYSE, Nasdaq), dem Flugverkehr und dessen Fracht, sowie auch der angesiedelten internationalen Institutionen (UNO-Hauptsitz, Zentralbanken) ist New York klarer Spitzenreiter. Wie bereits erwähnt, hinken die beiden europäischen Global Cities stark hinterher und können mit den zwei anderen Riesen nicht mithalten. Lediglich Paris, verfügt über genauso viele internationale Institutionen (OECD, UNESCO) wie Tokyo, und London sticht alle anderen Global Cities im Bereich Flugverkehr, durch dessen vier großen Flughäfen (vgl. Bronger 2016, 191).

2.3. Der Global City Index (GCI) und der Global City Outlook (GCO)

Die internationale Unternehmensberatungsfirma A.T. Kearney machte sich im Jahre 2008 zur Aufgabe, die wichtigsten Daten von 128 weltweiten Städten unter anderem auch von Global Cities zu sammeln und auszuwerten. Hierbei setzten sie den Global City Index (GCI) und den Global City Outlook (GCO) fest. Ersterer, misst anhand von 27 Faktoren die Stärke, Entwicklung und Performance von Städten in folgenden Bereichen: business activity1, human capital2, information exchange3, cultural experience4 und political engagement5. Der GCO hingegen, soll das Entwicklungspotenzial einer Stadt in Hinblick auf die Zukunft mithilfe von 13 verschiedenen Faktoren folgender vier Dimensionen zeigen: personal well- being6, economics7, innovation8 und governance9. Damit versucht man anhand der Entwicklungsgeschwindigkeit von Städten jene herauszufiltern, die in den kommenden Jahren besonderes wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vorweisen werden (vgl. Hales et al. 2017, 1). Folgend soll zuerst der GCI von 2017 (Tabelle 2) von A.T. Kearney betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Global City Index (GCI) 2017 (Hales et al. 2017, 2)

Anhand der Grafik ist ersichtlich, dass hier 25 Städte nach Rank aufgeführt sind, bewertet nach den bereits oben aufgeführten fünf Faktoren des GCIs. Auffällig ist hier, dass die "Global Four" an der Spitze der Rangliste stehen, wobei der erste Platz an New York geht, dicht gefolgt von London, Paris und anschließend Tokyo. New York hat von allen vier Global Cities, die höchste Konjunktur zu verzeichnen, also die beste gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Im Bereich des human capitals - gemeint ist damit das Leistungspotenzial von ausgebildeten Arbeitskräften - liegen New York und London in etwa gleich auf, wobei hier Paris stark hinterherhinkt. Bezüglich des Informationsaustausches ist wiederum Paris der Spitzenreiter und die anderen drei Global Cities halten sich die Waage. Am meisten kulturelle Erfahrungen und Möglichkeiten kann London vorweisen und Tokyo bildet das Schlusslicht der vier. Allerdings in Bezug auf politisches Engagement macht New York niemand etwas vor, nur politische Kontrollzentren die weiter unten im Ranking liegen wie z.B. Brüssel oder Washington, D.C. Interessant ist, dass im vorherigen Jahr 2016 London noch an erster Stelle des Rankings vor New York stand, gefolgt von Paris und Tokyo. Ebenso verschlechtert haben sich beispielsweise Los Angeles oder Sydney. Verbesserungen sind unter anderem bei Singapur, Berlin oder Boston vorzuweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Global City Outlook (GCO) 2017, (Hales et al. 2017, 2)

Der GCO (Tabelle 3) zeigt mit Abstand San Francisco als Spitzenreiter der Tabelle, gefolgt von New York, Paris und London. Im GCI liegt San Francisco nur auf Platz 23, aber durch die sehr gute Bilanz in den vier Dimensionen des GCOs, zeichnet sich immer mehr die aktuell errungene Vorrangstellung des Gründer- und IT-Mekkas Silikon Valley ab, welches der Stadt zu neuen Glanz und Aufschwung verhilft. Im Vergleich zu New York, weißt letztere einen besseren Wert für Langzeit-Investitionen und das BIP auf, wohingegen es im Bereich der Innovationen deutlich gegen San Francisco verliert. Bezüglich des Rankings hat Paris im Vergleich zum Vorjahr 2016 einige Plätze gut machen können, ebenfalls wie Melbourne, Washington D.C., Düsseldorf oder Moskau. Abgerutscht sind z.B. Chicago, Atlanta oder Amsterdam. Auffällig ist, dass Städte wie München, Houston, Stockholm oder Zürich plötzlich auftauchen, die im GCI sehr weit abgeschlagen sind und nicht in Tabelle 3 auftauchen. Große Abstürze im Hinblick des GCI zum GCO verzeichnet Tokyo, das sich erst auf Platz 23 wiederfindet, oder auch Hong Kong bzw. Peking die beide in Tabelle 3 ebenso nicht mehr aufgeführt sind.

Hinzufügend lässt sich sagen, dass der Spitzenreiter nach den Dimensionen des GCIs in der Kategorie Business Activity und Human Capital New York ist. Information Exchange führt Paris an, Cultural Experience wiederum die Event-Stadt London und Political

Engagement Washington D.C. Vorreiter im GCO je Dimension sind Melbourne für Personal Well-Being, für Economics New York, Innovation San Francisco und Governance Genf sowie Zürich (vgl. Hales et al. 2017, 4f.).

3. New York als Global City

In dieser Arbeit soll das Hauptaugenmerk der Stadt New York gelten, die als Prototyp für eine amerikanische Global City gilt und nicht umsonst den ersten Platz im GCI 2017 und den zweiten im GCO belegte. New York fungiert als Dreh- und Angelpunkt nicht nur für die nationale, sondern auch für die weltweite Wirtschaft, sowie auch als Finanzzentrum und Sitz von internationalen Unternehmen und Banken. Die Stadt besitzt des Weiteren, eine sehr gute Infrastruktur vor Allem im Informationsaustausch bei transnationalen Kooperationen. Ebenso die hohe Multikulturalität macht New York zu einem Ort vieler verschiedener Kulturen, wobei 23% der Bevölkerung Immigranten sind und sogar weniger als in Toronto mit 50% oder Los Angeles mit 31%. Allerdings ist in New York die Diversität der Immigranten breiter angesiedelt und die Stadt gilt nicht umsonst als "the immigrant city" (vgl. Pooch, 33-35). Wie es Pooch passend ausdrückte: "New York thus became the major starting point for American consumerism, commercialization and global Westernization" (vgl. Pooch, 124).

3.1. Der Aufstieg zur globalen Weltstadt

1624 war New York noch als ,New Amsterdam" bekannt, als sich dort am hiesigen Hafen die erste Firma niederließ. Dieser erbrachte der Stadt damals nationalen, sowie auch internationalen Handel und bereits im Jahre 1643 wurden dort 18 verschiedene Sprachen gesprochen. Zu jener Zeit war New York bzw. New Amsterdam ein melting pot für verschieden Kulturen und Nationalitäten, aber auch Konflikte die besonders in Kapitel 4 beleuchtet werden sollen. Den Status als Stadt mit weltweitem Handel, erreichte New York früher als alle anderen Städte in Amerika und war Vorreiter in den Bereichen Banken- und Börsenwesen, Versicherungen und im Immobilienhandel. Den Aufschwung im Finanzwesen erfuhr die Stadt dabei durch den damaligen Sklavenhandel, sowie durch die starke Wirtschaft und Politik während des Zweiten Weltkriegs (vgl. Pooch, 124f.). Um 1950, war die Anzahl der Beschäftigten in New York stabil und lag bei 3,5 Mio., was sich bis zu den 60er Jahren sogar auf 3,8 Mio. steigerte. Nach 1969 allerdings, kam es zu einem massiven Arbeitsplatzrückgang von über einer halben Million also in etwa um 50% in den Bereichen Produktion und Herstellung, ebenso von Bürojobs in Firmenzentralen. 1950 waren es in der Herstellung noch 1 Mio. Arbeitsplätze, 0,9 Mio. im Jahr 1960, 0,8 Mio. zehn Jahre später, eine halbe Million 1980 und nur noch 387 000 im Jahr 1987. 1975 bis 1976 resultierte daraus eine Finanzkrise in New York, wobei 1977 sich die Beschäftigtenquote auf einem Tiefstand von nur 3,0 Mio. befand. Dafür ist vor Allem der Rückgang der

Arbeitslöhne im Bereich der Produktion verantwortlich, der 1982 nur bei 87,6% des nationalen Durchschnitts lag und sogar noch niedriger wäre, wenn Ausbeuterbetriebe noch mitgezählt worden wären. Mit dem Beginn der 80er Jahre erholte sich die wirtschaftliche Lage und führte überwiegend+ in Manhattan zu einem Wachstum im Finanz- sowie auch im Herstellungssektor. Somit stieg die Anzahl der Beschäftigten erneut auf 3,6 Mio. an (vgl. Sassen 1988, 140f.; Sassen 2001, 204f.). New Yorks prosperierende Wirtschaft, sollte das im Jahr 1971 erbaute World Trade Center in dessen Funktion als Wahrzeichen zusätzlich unterstreichen und auch die Macht dieser Stadt als Handels- und Finanzstadt demonstrieren. Ebenso die Wall Street oder der New York Stock Exchange sind heute noch Sinnbilder für globale Transaktionen. Trotz einiger Niederschläge wie z.B. die Great Depression im Jahre 1928, der Anschlag 9/11 oder der Börsencrash 2008, ließ die Stadt ihren Status als Global City nicht streitig machen - im Gegenteil New York zeigte sich immer wieder gestärkt von solchen Krisen (vgl. Pooch, 125-129). Außerdem, bereits 1986 bezeichnete Friedmann New York als Stadt für Kunst und Kultur und verglich diese damals noch mit Los Angeles, was sich bis heute deutlich zugunsten New Yorks geändert hat (vgl. Friedmann, 73).

Der wirtschaftliche Wandel New Yorks spiegelt sich auch in einer von Sassens Tabellen wieder (Tabelle 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Employment Distribution: United States, New York, Manhattan, 1984 und 1996 in Prozent (Sassen 2001, 208)

[...]


1 Gemessen an Kapitalbewegung, Marktdynamik und angesiedelten Hauptfirmensitze (vgl. Hales et al. 2017, 10).

2 Gemessen an dem Level der Ausbildung von Arbeitskraften.

3 Gemessen an Erreichbarkeit von lnformationen uber lnternet und andere Medien.

4 Gemessen am Zugang zu grogen Sportevents, Museen und Expos.

5 Gemessen an politischen Events, Denkfabriken und Botschaften.

6 Gemessen an Sicherheit, medizinische Versorgung, Ungleichheit und wirtschaftliche Performance.

7 Gemessen an Langzeit-lnvestitionen und BlP.

8 Gemessen am Unternehmertum durch Patente, private lnvestitionen und Grunderlnnen.

9 Gemessen an Langzeitstabilitat durch Transparenz, Qualitat der Burokratie und der Leichtigkeit Geschafte zu machen.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die globale Stadt New York. Soziale und ethnische Segregation durch die Global City?
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Auf dem Weg in die urbane Zukunft. Soziokultureller Wandel und aktuelle Leitbilder in den Städten der Welt
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
38
Katalognummer
V504022
ISBN (eBook)
9783346055774
ISBN (Buch)
9783346055781
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Global City, New York, USA, Segregation, global, Globalisierung, sozial, ethnisch, arm, reich, Soziale Polarisierung, Amerika, Politik, Global City Index, GCI, Global City Outlook, GCO, Weltstadt, Weltmacht, Internationalität, Digitalisierung, Manhattan, Finanzzentrum, Immigranten, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Armut, Stadt, Viertel, Ghetto, globale Stadt, Saskia Sassen, Metropolen, Bank, Börse, Megacity, UNO, Paris, London, Tokio, Tokyo, NY, NYC, Internationaler Vergleich, Wall Street, Dienstleistung, Bevölkerung, Hispanisch, Schwarze, Weiße, Asiaten, Ethnien, Religion, Staten Island, Boston, Brooklyn, Bronx, Queens, dual city, duale stadt, Haushalt, Rang, Rate
Arbeit zitieren
Juliane Breit (Autor), 2018, Die globale Stadt New York. Soziale und ethnische Segregation durch die Global City?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504022

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