Oral History. Vor- und Nachteile der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht


Hausarbeit, 2018
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Oral History
2.1. Historischer Hintergrund
2.2. Genaueres zur Methode
2.3. Oral History im Sachunterricht

3. Vor- und Nachteile von Oral History
3.1. Vorteile
3.1.1. Zugang zu historischem Lernen und Denken
3.1.2. Kommunikation der Generationen wird angeregt und die Empathiefähigkeit der Schüler gefördert
3.1.3. Erkennen von Subjektivität und Perspektivität ...10
3.2 Nachteile
3.2.1 Subjektivität und Perspektivität
3.2.2. Arbeitsaufwand
3.2.3. Auswahl der Zeitzeugen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die historische Perspektive ist eine der fünf Perspektiven des Sachunterrichts in der Grundschule. Desweiteren gibt es noch die räumliche, die soziale, die naturwissenschaftliche und die technische Perspektive. Die verschiedenen Perspektiven helfen den Grundschülern, ein erstes Verständnis für die jeweiligen Teilbereiche zu erhalten. Zudem bereite n sie sie auf den Unterricht in den Fächern Sozialkunde, Physik, Chemie, Biologie und Geschichte in der weiterführenden Schule vor.

Das Fach Geschichte wird von vielen Schülern als sehr ‚trocken‘ empfunden. Es geht um das Auswendiglernen historischer Daten und Fakten, welches meist mit dem studieren komplizierter Textquellen in Verbindung gesetzt wird. Diese Arbeit Grundschulkinder im jungen Alter zuzumuten sehen viele als unpassend an, weshalb Geschichte im Sachunterricht ein diskutiertes Thema ist.

Dennoch müssen Kinder einen Zugang zu historischem Lernen und Denken erhalten. In der Grundschule geht es schließlich auch darum, Kinder in „zeitlicher Verlässlichkeit und effizienter Nutzung von Zeitressourcen“ (Kübler 2015, S.336) zu erziehen. Außerdem wissen wir aus zahlreihen Erfahrungsberichten, dass Grundschüler bereits ein großes Interesse an Geschichte haben (vgl. Beilner 2007, S.169). Dieses Interesse kann genutzt werden und durch Unterrichtsmethoden, die Spaß an historischem Lernen erzeugen, weiter ausgebaut werden. Oral History ist eine Methode, in der Schüler Geschichte hautnah durch die Erzählung von Zeitzeugen erfahren. Sie erhalten dadurch nicht nur zahlreiche Informationen über das Leben in einer vergangenen Zeit, sondern bekommen auch eine erste Vorstellung von Entwicklung und Wandel. Zudem lernen sie, dass sie in gewissem Sinne selbst Zeitzeugen sind – Zeitzeugen unserer heutigen Zeit (vgl. Bretschneider & Lühr 2016, S.228).

Oral History ist seit nunmehr fast einem halben Jahrhundert eine sehr beliebte Unterrichtsmethode im Sachunterricht. Sie bietet viele Vorzüge, hat aber, wie jede Methode, auch ihre Schwächen. Diese Hausarbeit gibt zunächst einen groben Überblick über die Methode und erörtert danach die Vor- und Nachteile dieser. Sie werden gegeneinander abgewogen um letztendlich im Fazit zu erläutern, wie die Methode so eingesetzt werden kann, dass die Vorteile bestens genutzt werden können und die Nachteile soweit es geht vermieden werden können.

2. Oral History

Um die im Hauptteil beschriebenen Vor- und Nachteile der Unterrichtsmethode Oral History genau erörtern zu können, wird in diesem Teil der Hausarbeit zunächst der Begriff genauer erklärt. Es wird ein kleiner Überblick über die Entwicklung der Unterrichtsmethode folgen, sowie eine kurze Erläuterung, warum Oral History im Sachunterricht in der Grundschule verwendet wird.

In dieser Hausarbeit ist des Öfteren die Rede von ‚Schülern‘ und ‚Lehrern‘. Dies schließt sowohl weibliche Schülerinnen und Lehrerinnen als auch männliche Schüler und Lehrer ein. Dasselbe gilt für Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Der durchgehende Gebrauch der maskulinen Form der Nomina wurde lediglich für einen besseren Lesefluss verwendet.

Zudem enthält „Oral History als Begriff eine Zweideutigkeit, weil er sowohl für eine spezifische Methode als auch für die stimulierte Quelle, das Interview, verwendet wird“ (Bosshart-Pfluger 2013, S.135). Die genannte Zweideutigkeit wurde dadurch vermieden, dass für die Methode der Begriff Oral History gebraucht wurde und für die Quelle der Begriff ‚Zeitzeugeninterview‘.

2.1. Historischer Hintergrund

Wie an dem Namen schon erkennbar hat Oral History ihren Ursprung in den USA (vgl. Bosshart-Pfluger 2013, S.136). Dort wurde sie genutzt zur Untersuchung und Erforschung „schriftloser Kulturen“ (Michalik 2013, S.46), was dort zu Lande besonders „die Schwarzamerikaner als Nachkommen schwarzer Sklaven und die Indianer“ (Bosshart-Pfluger 2013, S.137) betraf. Ihren größten Aufschwung erhielt die Methode in den 1940er Jahren mit der Erfindung dreier großer technischer Gerätschaften; das Telefon, das Radio und das Tonbandgerät. Mit Hilfe dieser war es möglich geworden, nicht mehr alle wichtigen Gespräche zu verschriftlichen, sondern in Audiodateien zu speichern. So konnten Zeitzeugenbefragungen als historische Quelle genutzt und für die Nachwelt gespeichert werden.

In Deutschland wurde die Methode erst in den 1970er Jahren beliebt – im internationalen Vergleich also erst recht spät (vgl. Bosshart-Pfluger 2013, S.138). Dies lag an den „markanten Brüchen in der deutschen Geschichte [welche] rasche Anpassungsprozesse von den Zeitzeugen forderten und möglicherweise zu einem latenten Misstrauen gegen alles Subjektive führten“ (Bosshart-Pfluger 2013, S.138). Dazu kam die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands, weshalb bei vielen Bürgern eine lange Zeit ein Misstrauen gegen produzierte mündliche Quellen bestand (vgl. Bosshart-Pfluger 2013, S.138).

Durch kleinere Arbeitsgewerkschaften und Projekte an Universitäten und Hochschulen sowie dem Schülerwettbewerb ‚Deutsche Geschichte‘ wurde Oral History dann großflächig bekannt und häufig im Sachunterricht an Grundschulen oder im Geschichtsunterricht an weiterführenden Schulen verwendet (vgl. Michalik 2003, S.46). Besonders Befragungen zum Nationalsozialismus, zur Nachkriegszeit und zum Leben in der DDR sind beliebt.

2.2. Genaueres zur Methode

„‚Oral History‘ nennt man die Methode, durch Befragung von Zeitzeugen etwas über Geschichte zu erfahren“ (Sauer 2001, S.196). Dazu sollte man zunächst ein geeignetes Thema finden, welches man als Lehrkraft mit der Klasse gemeinsam vorbereitet. Anschließend sollte man ein Erkenntnisziel formulieren, dass am Ende der Unterrichtseinheit mit Hilfe der Zeitzeugenbefragungen erreicht werde kann. Die Schüler sollten sich in den historischen Kontext einarbeiten und dass Interview zusammen mit der Lehrkraft vorbereiten. Das Frageverhalten können Schüler bereits vorab trainieren, indem sie als Hausaufgabe ältere Menschen aus der eigenen Verwandtschaft, der Nachbarschaft und dem weiteren Bekanntenkreis befragen. Die Suche nach mehreren geeigneten Zeitzeugen ist ein sehr wichtiger Aspekt, der nicht zu missachten ist. Schließlich erfolgt die Durchführung der Zeitzeugeninterviews – zum Abgleich der Informationen sollten es immer mehrere Interviews sein – mit Transkription oder auditiven Protokollierung. In der Klasse werden dann im Anschluss die Gespräche ohne die Anwesenheit der Zeitzeugen der reflektiert. Das erreichte Erkenntnisziel wird herausgestellt und in der Nachbearbeitung werden alle gesammelten Informationen abgeglichen und schriftlich festgehalten (vgl. Sauer 2001, S.197 ff. ‚Ablauf Zeitzeugengespräch‘).

Der hohe zeitliche Aufwand stellt sich bereits deutlich heraus, weshalb Oral History gerne in Projektwochen genutzt wird, da „Zeitzeug_inneninterviews […] auch und gerade in einem multimethodisch angelegte[m] Forschungsprojekt vielfältig einsetzbar [sind]“ (Bretschneider & Lühr 2016, S.227).

So genannte „Heute-Früher-Themen“ eigenen sich im Sachunterricht besonders gut, um Grundschülern eine erste Vorstellung von Zeit und Wandel zu generieren (vgl. Beilner 2007, S.171). Dazu lassen sich sehr einfach Zeitzeugen finden (siehe 3.2.3.).

2.3. Oral History im Sachunterricht

Da Oral History die Geschichte der ‚kleinen Leute‘ erzählt (vgl. von Reeken 1999, S.110) ist es besonders für Grundschüler im Sachunterricht sehr gut geeignet. Das Interview lässt sich leicht auf alltägliches Leben in einer vergangenen Zeit fokussieren, was für Grundschüler leichter zu verstehen und besser geeignet ist als ein Fokus auf einzelne politische Ereignisse, die sie erst schwer in ihren beschränkten historischen Kontext einordnen können (vgl. Michalik 2003, S.47). Grundschüler bekommen dadurch, dass sie die Alltagswelt des Zeitzeugen mit ihrer eigenen vergleichen, ein erstes Geschichtsbewusstsein. Schließlich verfügen wir über keinen angeborenen Zeitsinn, „Zeit muss gelernt werden“ (Kübler 2015, S.336). Oral History ist daher in Grundschulen sehr beliebt, da es Schülern bei richtiger Umsetzung einen einfachen Zugang zu historischem Denken und Lernen verschafft (siehe dazu 3.1.1.). Auf Grund dessen, dass Grundschüler bereits ein geschichtliches Interesse haben, was sich „facettenreich auf viele Zeiten, Lebensbereiche, Zustände, Ereignisse und personengebundene Situationen bzw. Leistungen“ (Beilner 2007, S.169) bezieht, ist es recht einfach, sie für Zeitzeugenbefragungen zu begeistern.

Zudem bietet die Methode eine gute Abwechslung, da sie weg von der Lektüre und der direkten Instruktion und hin zum offenen, abwechslungsreichen und kommunikativen Unterricht geht (vgl. Henke-Bockschatz 2013, S.354). Hierbei hat die Klasse auch die Möglichkeit, viel Eigeninitiative zu ergreifen, selbständig zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Dennoch geschieht es, dass die „in das Gespräch zwischen Schülern und Zeitzeugen gesetzten Erwartungen […] allerdings nicht selten enttäuscht [werden]“ (Henke-Bockschatz 2013, S.354). Dies liegt tendenziell an einem falschen Gebrauch der Methode, d.h. zu wenig Vorarbeit, eine schlechte Auswahl der Zeitzeugen, Nichtbeachten von gewissen Aspekten auf der emotionalen Ebene, mangelnde Reflexion usw.

Die im Weiteren beschriebenen Vor- und Nachteile weisen auf mögliche ‚Gefahren‘ hin und zeigen auf, welche Vorzüge die Klasse aus ihrem Gebrauch ziehen kann.

3. Vor- und Nachteile von Oral History

Oral History bietet für den Geschichtsunterricht „eine ganze Reihe von Vorzügen, aber auch Gefahren“ (Sauer 2001, S.196). Besonders in der Grundschule im Sachunterricht sollte man diese beachten, da die Schüler zunächst über kein Zeit- und Geschichtsbewusstsein verfügen, sondern dies erst entwickeln (vgl. Kübler 2015, S.337). Dennoch bietet Oral History Kindern eine gute Möglichkeit, historisches Denken und Lernen zu entwickeln und zu praktizieren. Dafür muss die Methode allerdings richtig eingesetzt werden und die begleitende Lehrkraft sich vorab bereits sorgfältig informieren und mit der Vorgehensweise vertraut machen. Oral History ist komplex und kann keinesfalls ohne weitere Vorarbeit in den Sachunterricht einbezogen werden. Allerdings können bei ausreichender Vorbereitung (auch in Hinblick auf die Klasse), ordentlicher Durchführung und intensiver Nachbereitung Zeitzeugeninterviews Grundschülern nicht nur historische Fakten lehren, sondern ermöglichen ihnen auch, sich auf vielen anderen Ebenen weiter zu entwickeln. Dabei sollten die Vorteile der Oral History genutzt werden und die Nachteile beachtet und vermieden werden.

Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit den drei größten Vorteilen und den drei größten Nachteilen dieser Unterrichtsmethode. Sie werden genauer benannt und erläutert. Außerdem werden mögliche Folgen geschildert, die bei Nichtbeachtung gewisser Aspekte geschehen können.

3.1. Vorteile

Oral History bietet eine Vielzahl an Vorteilen, da sie „über die Erhebung von Sachinformationen und fakten über den Alltag und das Leben in vergangener Zeit weit hinausgeht“ (Michalik 2003, S.46). Nicht ohne Grund ist die Methode seit den 70er Jahren sehr beliebt in Deutschland (vgl. Michalik 2003, S.46). Die Geschichte von alltäglichen Situation ganz „normaler“ Menschen kann durch Oral History in einem Maße lebendig werde, die keine andere Methode des historischen Lernens ermöglicht. Daher ist Oral History besonders geeignet für Grundschüler, die historisches Denken zunächst durch einfache Zugänge sich aneignen sollten. Desweiteren wird die Kommunikation zwischen den Generationen angeregt, sowie die Empathiefähigkeit der Schüler gefördert. Zudem bieten Zeitzeugeninterviews als Methode auch ein hohes Maß an Subjektivität und Perspektivität. Während der Unterrichtseinheit zu Oral History können Schüler neben dem historischen Lernen daher auch zudem noch lernen, medienkritisch zu arbeiten und Informationen zu reflektieren und hinterfragen. Im Folgenden werden diese drei besonders überzeugenden Vorteile genauer beschrieben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Oral History. Vor- und Nachteile der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V504035
ISBN (eBook)
9783346041463
ISBN (Buch)
9783346041470
Sprache
Deutsch
Schlagworte
oral, history, vor-, nachteile, zeitzeugenbefragung, sachunterricht
Arbeit zitieren
Anna Diehl (Autor), 2018, Oral History. Vor- und Nachteile der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504035

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