Die vorliegende pädagogische Facharbeit befasst sich mit der Aufmerksamkeits-/Konzentrationsförderung in einer siebten Gymnasialklasse im Fach Biologie. Anhand verschiedener Strategien wird hierbei versucht, die Konzentrationsbereitschaft und -fähigkeit der Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen. Im Rahmen der Reihe zur Zelle und Mikroskopie werden Konzentrationsübungen durchgeführt, die in dieser Arbeit zunächst beschrieben, erklärt und im Hinblick auf ihre Durchführbarkeit und ihren Ertrag in der Praxis ausgewertet werden. Außerdem beinhaltet die Arbeit im vorherigen Schritt eine Erläuterung der Ausgangslage in der Lerngruppe im Hinblick auf den Aufmerksamkeits-/Konzentrationsaspekt sowie einem theoretischen Teil, der sowohl Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen als auch Ursachen für Unaufmerksamkeit darlegt. Die Arbeit endet mit einem abschließenden Fazit, das den Ertrag dieser Arbeit reflektiert sowie eine Schlussfolgerung für die Weiterarbeit beinhaltet.
Im alltäglichen Unterricht fallen mir immer wieder Schülerinnen und Schüler auf, die Schwierigkeiten mit ihrer Konzentrationsfähigkeit haben und folglich unaufmerksam sind. Dies äußert sich beispielsweise darin, dass sich Lea durch Gespräche mit Vanessa ablenken lässt, Paul verträumt durch den Klassenraum schaut oder Maria vor sich hin malt. Sie scheinen alles Unwichtige um sie herum mitzubekommen, aber sich auf die wesentlichen Aufgaben zu fokussieren, können sie nicht. Statistisch gesehen hat etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in einer Unterstufenklasse Konzentrationsprobleme. Das bedeutet, sie können irrelevante Reize nicht ausblenden und Aufgaben nicht angemessen bearbeiten. Folglich leidet nicht nur ihr Arbeitsverhalten darunter, sondern ebenso die gesamte Klasse.
Außerdem beschreibt die Konzentrationsfähigkeit eine wichtige Voraussetzung für das Lernen. Um den Schulalltag, den steigenden Anforderungen und zahlreichen Herausforderungen der modernen Welt gewachsen zu sein sowie später das Leben als junge/r Erwachsene/r im Beruf oder an der Universität zu meistern, ist die Fähigkeit, aufmerksam und konzentriert zu sein, unabdingbar. Insofern ist die Förderung dieser von großer Wichtigkeit, speziell im Kindes- und Jugendalter, um in diesem Bereich frühzeitig positiv auf sie einzuwirken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Aufmerksamkeit
1.1 Definition und Abgrenzung
1.2 Ursachen für Unaufmerksamkeit
1.3 Bedeutung für die schulische Praxis
2. Darstellung der Ausgangslage
2.1 Aufmerksamkeit in der Lerngruppe
2.2 Fragebogen zur Konzentration
2.2.1 Bedeutung der Fragen
2.2.2 Auswertung
3. Vorstellung ausgewählter Strategien
3.1 Was ist Achtsamkeit?
3.1.1 Achtsamkeitsübungen und verbale Selbstinstruktion
a) Stundenbeginn
b) Während der Arbeitsphasen
c) kurze Pausen innerhalb der Unterrichtsstunde
4. Einordnung in die Unterrichtseinheit
4.1 Dokumentation ausgewählter Unterrichtssequenzen
5. Evaluation
5.1 Rückmeldungen der Lerngruppe
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende pädagogische Facharbeit untersucht Möglichkeiten der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsförderung in einer siebten Gymnasialklasse im Fach Biologie, um ein lernförderliches Unterrichtsklima zu etablieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob spezifische Strategien die Konzentrationsfähigkeit der Lernenden positiv beeinflussen können.
- Analyse von Ursachen für Unaufmerksamkeit im Schulkontext
- Erprobung von Achtsamkeitsübungen und Entspannungsreisen als Ritual
- Einsatz verbaler Selbstinstruktion zur Strukturierung von Arbeitsaufträgen
- Evaluation von Wirksamkeit und Akzeptanz der Maßnahmen durch Schülerfeedback
- Reflexion über die Durchführbarkeit dieser Strategien im Klassenverband
Auszug aus dem Buch
1.1 Definition und Abgrenzung
Die Frage, wie Aufmerksamkeit definiert wird, lässt sich nicht eindeutig beantworten, da in der Wissenschaft keine einheitliche Definition des Aufmerksamkeitsbegriffs besteht. In der Literatur finden sich allein in der psychologischen und neurobiologischen Forschung zahlreiche Aufmerksamkeitsdefinitionen. RAPP nimmt folgende Definition vor, die hierbei exemplarisch ausgewählt wurde, weil sie in den Schulkontext passt und keine allzu spezielle Definition der Psychologie darstellt:
„Aufmerksamkeit ist keine gesonderte Funktion, die losgelöst von anderen psychischen Funktionen auftritt. Aufmerksamkeit begleitet und verändert vielmehr bestimmte psychische Prozesse und Handlungsabläufe. Das allgemeine und unklare Wahrnehmen wird durch die Aufmerksamkeit auf bestimmte Gegenstände ausgerichtet und intensiviert.“ (RAPP 1982: 20)
Da die Begriffe Aufmerksamkeit und Konzentration häufig als Synonyme verwendet werden, werden im Folgenden als Versuch einer Begriffsabgrenzung Definitionen vorgestellt, die den Zusammenhang beider Begriffe veranschaulichen sollen:
„‘Sich konzentrieren‘ heißt nichts anderes, als seine Aufmerksamkeit auf genau die Information zu richten, die man sich merken muss.“ (STÜCKE 1999: 7)
„Konzentration ist als Fähigkeit zu verstehen, die eigene Aufmerksamkeit zielgerichtet über einen begrenztem Zeitraum hinweg auf einen bestimmten Reiz zu richten.“ (KROLL-GABRIEL 2011: 3)
„Konzentration [wird] […] als eine besondere Form der Aufmerksamkeit im Sinne einer Steigerung angesehen, bei der die willentliche Ausrichtung und die Länge der Aufmerksamkeit bedeutsam sind.“ (KÜHL 2000: 718)
Konzentration kann also als Fähigkeit verstanden werden, die eigene Aufmerksamkeit zu nutzen, um sich auf etwas Bestimmtes zu fokussieren. Da beide Begriffe äußerst eng miteinander zusammenhängen bzw. der Bedeutungsgehalt beider Begriffe stark miteinander korreliert, ist hierbei eine Begriffsabgrenzung kaum möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Konzentrationsschwierigkeiten im Unterricht ein und stellt das Ziel der Arbeit, die Förderung der Aufmerksamkeit in einer siebten Klasse, vor.
1. Aufmerksamkeit: Das Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund von Aufmerksamkeit und Konzentration sowie deren Abgrenzung und Ursachen für Unaufmerksamkeit.
2. Darstellung der Ausgangslage: Hier wird der Ist-Zustand der Lerngruppe durch Beobachtungen und eine Fragebogenauswertung analysiert, um die spezifischen Probleme der Schülerinnen und Schüler zu identifizieren.
3. Vorstellung ausgewählter Strategien: Das Kapitel stellt die erprobten Interventionsmethoden vor, insbesondere Achtsamkeitsübungen, verbale Selbstinstruktion und Entspannungsreisen.
4. Einordnung in die Unterrichtseinheit: Hier erfolgt die Dokumentation der praktischen Umsetzung und der einzelnen Unterrichtssequenzen innerhalb der Biologie-Reihe.
5. Evaluation: Dieses Kapitel wertet die Wirksamkeit der eingesetzten Methoden anhand von Lehrkraftbeobachtungen und Schülerfeedback aus.
6. Fazit: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und zieht Schlussfolgerungen für die zukünftige pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeitsförderung, Konzentration, Achtsamkeitsübungen, verbale Selbstinstruktion, Entspannungsreisen, Biologieunterricht, Schulpraxis, Lerngruppe, Selbstregulation, Klassenmanagement, Pädagogik, Lernfähigkeit, Unterstufe, Schülerfeedback, Konzentrationsstörungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der pädagogischen Förderung von Aufmerksamkeit und Konzentration bei Schülerinnen und Schülern einer siebten Gymnasialklasse im Biologieunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung von Aufmerksamkeit, die Analyse des Ist-Zustands der Lerngruppe sowie der gezielte Einsatz von Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch ausgewählte methodische Strategien die Konzentrationsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen und zu evaluieren, inwieweit diese Maßnahmen den Unterricht verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein handlungsorientierter Ansatz gewählt, der durch eine empirische Bestandsaufnahme (Fragebogen) und eine praxisbezogene Dokumentation der Unterrichtseinheiten (Aktionsforschung) charakterisiert ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einordnung, die Beschreibung der Ausgangslage, die Vorstellung spezifischer Interventionsstrategien sowie die Dokumentation deren Durchführung im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Achtsamkeitsförderung, Selbstregulation, verbale Selbstinstruktion, Entspannungsreisen, Lerngruppenanalyse und Konzentrationsfähigkeit.
Wie effektiv erwies sich die verbale Selbstinstruktion in der Praxis?
Diese Methode scheiterte im Klassenverband weitgehend, da die Schülerinnen und Schüler sie als seltsam oder „albern“ empfanden und sie den natürlichen Arbeitsfluss eher störte als förderte.
Warum schnitten die Entspannungsreisen bei den Schülern so gut ab?
Die Mehrheit der Schüler empfand diese Übungen als entspannend und hilfreich, um dem stressigen Schulalltag zu entkommen und im Anschluss wieder fokussierter am Unterricht teilzunehmen.
Welche Rolle spielten die Achtsamkeitsübungen als Ritual?
Sie etablierten sich als fester Bestandteil zum Stundenbeginn, den die Schülerinnen und Schüler nach kurzer Zeit einforderten, da sie eine beruhigende Wirkung auf das Unterrichtsklima hatten.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Anwendbarkeit?
Die Autorin hält fest, dass die bewusste Einplanung von Entspannungsphasen lohnenswert ist, jedoch Methoden wie die Selbstinstruktion an die Dynamik des Klassenverbandes angepasst werden müssen, um erfolgreich zu sein.
- Arbeit zitieren
- Thuy Linh Ly (Autor:in), 2019, Aufmerksamkeitsförderung im Biologieunterricht einer siebten Klasse. Achtsamkeitsübungen und verbale Selbstinstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504093