Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Sprachentstehungstheorie von George Herbert Mead. Als Forschungsgrundlage bezieht sie sich im Wesentlichen auf das Buch "Geist, Identität und Gesellschaft" von George Herbert Mead. Auf Grundlage der daraus gewonnenen Eindrücke hat sich folgende Leitfrage ergeben: Können wir eine eindeutige Identität entwickeln, wenn unsere Sprache mehrdeutig ist? Da es verschiedene Arten gibt, wie ein Wort mehrdeutig aufgefasst werden kann, beschränkt sich die Autorin auf eine Art und Weise. Sie bezieht sich ausschließlich auf die Äquivokation, also den Umstand, dass zwei Wörter gleich klingen, aber je nach Gebrauch und Auffassung des Empfängers unterschiedliche Bedeutungen haben können. Auch laut Baumgart gibt es verschiedene Arten der Sprache. Die Sprache der Gesten, die Sprache des Mienenspiels und die Sprache der Worte oder die vokale Geste. Letztere ist das, worauf sich diese Hausarbeit im Kern bezieht und die mit der Äquivokation einhergeht.
Mead sieht die Identität als "Objekt für sich selbst" an. Die Identität eines Menschen ist nichts, was eins mit dem Körper ist, sondern abgegrenzt davon zu betrachten. Des Weiteren ist die Identität eines Menschen nicht von Geburt an vorhanden, sondern entwickelt sich erst im Laufe seines Lebens durch einen gesellschaftlichen Prozess, in dem der Mensch Erfahrungen macht und Tätigkeiten ausführt. Diese Erfahrungen werden im Austausch mit der Gruppe (oder anderen Individuen) gemacht, in der sich jener Mensch befindet oder der er sich zuordnet. Je nach diesem Umfeld entwickelt sich die Identität eines jeden Einzelnen verschieden, beziehungsweise übernimmt man bestimmte Verhaltensmuster oder Denkweisen. Findet dieser Prozess nicht statt, so entsteht laut Mead auch keine Identität. Dieser Prozess ist auch auf die Sprache übertragbar. Ein weiterer Punkt ist, dass jedes Individuum nie seine komplette Identität gegenüber seinem sozialen Umfeld preisgibt. Es gibt also Teile der Identität, die wir verdrängen, entweder bewusst oder unbewusst.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITION WICHTIGER GRUNDBEGRIFFE
3. DIE IDENTIÄTSENTWICKLUNG NACH MEAD DURCH DEN FAKTOR SPRACHE
4. MEHRDEUTIGKEIT DEUTSCHER WÖRTER (MIT BEISPIELEN)
5. KOMMUNIKATION IN DER SCHULE
5.1. LEHRER - SCHÜLER KOMMUNIKATION
5.2. SCHÜLER - SCHÜLER KOMMUNIKATION
6. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachentstehungstheorie von George Herbert Mead vor dem Hintergrund der zentralen Forschungsfrage, ob eine eindeutige Identitätsbildung möglich ist, wenn die Sprache, die als Fundament für Kommunikation dient, durch Mehrdeutigkeit geprägt ist.
- Sprachentstehungstheorie nach George Herbert Mead
- Die Rolle der Kommunikation bei der Identitätsentwicklung
- Phänomen der Äquivokation und Fehlkommunikation
- Herausforderungen der Kommunikation im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3. Identitätsentwicklung nach Mead durch den Faktor Sprache
In seinem Kapitel über die Identitätsentwicklung stellt Mead ganz deutlich heraus, dass der Sprachprozess „maßgebend“ für jene ist.11 Mead vertritt die Meinung, dass sich die Sprache eines Individuums durch die Teilnahme an der Gesellschaft entwickelt. Entgegen seiner Meinung steht die des Psychologen John B. Watson, der die gesellschaftliche Komponente bei der Sprachentstehung vollständig außer Acht lässt12. Doch die Wechselbeziehungen und das Reagieren auf andere Personen in dem Umfeld eines Menschen oder einer Gruppe ist genau das, was Sprache so spannend macht. Durch das Sprechen drücken wir Gedanken und Ideen aus und teilen diese mit unserer Umgebung. Dieser Ausdruck ist folglich ein Ausdruck eines „denkenden Wesens“, welches durch das Denken einen Geist besitzt. Die Sprache und das Denken formen im Zusammenschluss den Geist eines Individuums; alle drei vereint bilden die Bausteine der Identität 13. Bringt man das Ganze in eine chronologische Reihenfolge des Entstehens, so existiert zuerst die vokale Geste aus welcher dann die Sprache entsteht. Schlussendlich bildet sich dann aus diesen beiden der Geist eines denkenden Wesens heraus14. Ausgehend von der Sprache an sich, von der Mead immer wieder betont, sie sei das Fundament der Identität15, gehen wir nun auf die nächste Ebene und betrachten die vokale Geste genauer. Damit eine Kommunikation funktioniert, muss sich jeder über die Gesten, die er selbst aussendet im Klaren sein und deren Bedeutung kennen. Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass eine Verständigung mit anderen möglich ist. Hinzu kommt, dass die vokale Geste die einzige ist, die sich auf jedes Individuum an sich gleich stark auswirkt, wie auf Andere16.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Theorie von George Herbert Mead ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage bezüglich der Identitätsentwicklung bei mehrdeutiger Sprache.
2. DEFINITION WICHTIGER GRUNDBEGRIFFE: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Identität, „SELF“, „ME“, „I“ und den Prozess der Rollenübernahme (role-taking) im gesellschaftlichen Kontext.
3. DIE IDENTIÄTSENTWICKLUNG NACH MEAD DURCH DEN FAKTOR SPRACHE: Hier wird der Sprachprozess als maßgebliches Fundament für die Identitätsbildung und die Entstehung des Geistes eines denkenden Wesens analysiert.
4. MEHRDEUTIGKEIT DEUTSCHER WÖRTER (MIT BEISPIELEN): Das Kapitel beleuchtet die Herausforderungen von Wortspielen und fehlerhaften Begriffsverwendungen für das Verständnis innerhalb einer sozialen Gruppe.
5. KOMMUNIKATION IN DER SCHULE: Dieses Kapitel untersucht die Störanfälligkeit von Kommunikation im Schulalltag und die Rolle des Lehrers als Vermittler.
5.1. LEHRER - SCHÜLER KOMMUNIKATION: Es wird analysiert, wie Fachsprache und unterschiedliche Interpretationen zu Missverständnissen zwischen Lehrkräften und Schülern führen können.
5.2. SCHÜLER - SCHÜLER KOMMUNIKATION: Der Fokus liegt hier auf Verständigungsproblemen bei Gruppenarbeiten und Diskussionen, die durch soziale Herkunft und emotionale Faktoren beeinflusst werden.
6. FAZIT: Das Fazit resümiert, dass eine gelungene Kommunikation als Voraussetzung für die Identitätsentwicklung ständige Selbstreflexion und soziale Integration erfordert.
Schlüsselwörter
George Herbert Mead, Identitätsentwicklung, Sozialisation, Sprachentstehung, Äquivokation, Fehlkommunikation, Kommunikation, Schule, Rollenübernahme, Symbolischer Interaktionismus, vokale Geste, Identitätsfindung, Sprachsymbolik, soziale Gruppe, Selbstreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Ansätze von George Herbert Mead zur Sprachentstehung und deren Bedeutung für die Entwicklung der menschlichen Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Soziologie der Sprache, die Mechanismen der Identitätsbildung, das Problem der Mehrdeutigkeit (Äquivokation) und die Dynamiken der schulischen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu beantworten, inwiefern eine eindeutige Identitätsbildung trotz der inherenten Mehrdeutigkeit unserer Sprache möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis der Literatur von George Herbert Mead, ergänzt durch beispielhafte Analysen von Kommunikationsprozessen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der Begriffsdefinition (Self, Identität) über die Funktion der Sprache als Fundament der Identität bis hin zur praktischen Anwendung dieser Theorie auf das Schulumfeld.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Identitätsentwicklung, Rollenübernahme, vokale Geste, Fehlkommunikation und Symbolischer Interaktionismus.
Warum spielt die „vokale Geste“ eine so wichtige Rolle für Mead?
Mead betrachtet die vokale Geste als fundamentale Basis der Kommunikation, da sie bei allen Beteiligten idealerweise die gleiche geistige Reaktion auslösen muss, um ein gemeinsames Verständnis zu ermöglichen.
Wie beeinflusst die soziale Herkunft laut der Autorin die Kommunikation?
Unterschiedliche soziale oder kulturelle Hintergründe führen dazu, dass Individuen Worte unterschiedlich deuten; die Autorin betont, dass Lehrkräfte dies bei der Vermittlung von Wissen berücksichtigen müssen.
- Arbeit zitieren
- Freda Jansen (Autor:in), 2019, Sozialisation durch Sprache nach George Herbert Mead, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504164