Entwicklungspolitik als Grund für die Brände im Amazonas. Der Fall Brasilien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Entwicklungsmodell in Lateinamerika
2.1 (Neo)-Extraktivismus als Entwicklungsmodell

3 Die Politik Brasiliens als zentrales Problem der Brände

4 Externe Entwicklungshilfe für Brasilien
4.1 Die Entwicklung der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in
Brasilien
4.2 Deutsche Entwicklungshilfe für Brasilien
4.3 Exkurs: Konsumverhalten der Industrieländer als Ursache der Brände des Amazonas-Regenwaldes

5 Diskussion

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Brände im Amazonas-Regenwald, die sich über die südamerikanischen Länder Brasilien, Bolivien und Peru strecken, haben seit August eine Gesamtfläche von über 950.000 Hektar betroffen (Stand 01.09.2019, Banner, 2019). Die Löscharbeiten gestalten sich aufgrund der schlechten Infrastruktur in den Gebieten als schwierig. Der Amazonas-Regenwald gilt als die „Grüne Lunge“ der Erde, da er mehr als 20% des weltweiten Sauerstoffs produziert. Der Regenwald wandelt das Kohlenstoffdioxid (CO²) durch den Prozess der Photosynthese in Sauerstoff um. „Wenn die Wälder brennen, gelangt der Kohlenstoff aus den Pflanzen allerdings wieder als Treibhausgas CO² in die Luft. Die Feuer verstärken also den Klimawandel.” (Zeit, 2019). Viele NGOs (Non- Governmental Organization) und Umweltschützer geben dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro einen großen Teil der Schuld für die Brände, da er die Bauern durch seine Politik zur Abholzung und Brandrodung ermutigen würde (Focus, 2019). Dieser wiederum sucht die Schuldigen genau bei den NGOs, Umweltschützern oder den Bewohnern und Arbeitern der Landwirtschaft des Regenwalds selbst und sieht in den Vorwürfen eine politische und persönliche Verschwörung gegen seine Person und seine Regierung (Rodriguez, 2019; Backnanger Zeitung, 2019). Der Amazonas-Regenwald schrumpft aber nicht erst seit den Bränden im Sommer 2019. In den letzten 20 Jahren schrumpfte der Regenwald durch Abholzung um etwa 10%. (Zeit, 2019). Doch wer ist Schuld an dieser Katastrophe?

Viele sehen im brasilianischen Präsidenten und in dessen Politik den Schuldigen. Seine Politik um das Land weiterzuentwickeln (vor allem wirtschaftlich), die keineswegs als nachhaltig bezeichnet werden kann, ist vielen Umweltschützern ein Dorn im Auge. Aber nicht nur die Entwicklungspolitik Brasiliens, sondern auch die von internationalen Organisationen, die Brasilien in den letzten Jahren durch Entwicklungshilfe geholfen haben wirtschaftlich zu wachsen, werden beschuldigt. Das Konsumverhalten der Industriestaaten wird als Ursache für die entwicklungspolitischen Entscheidungen, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler (brasilianischer) Ebene, oftmals genannt.

Die vorliegende Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Entwicklungspolitik“ soll die Rolle der internationalen Entwicklungspolitik/-hilfe und der brasilianischen Politik im Bezug auf die Brände im Amazonas-Regenwald darstellen. Hierzu wird die Theorie des (Neo)-Extraktvismus vorgestellt, die die entwicklungspolitischen Entscheidungen begründen kann. Zudem wird das Konsumverhalten der Industriestaaten kritisch in Bezug auf die Ursache der Waldbrände betrachtet.

2 Entwicklungsmodell in Lateinamerika

2.1 (Neo)-Extraktivismus als Entwicklungsmodell

In den süd- und mittelamerikanischen Ländern steigen seit ein paar Jahrzenten die Wachstumsraten durch ein neo-extraktivistisches Entwicklungsmodell stark an. Neo-Extraktivismus bedeutet, dass durch exzessive Ausbeutung und den Export von Ressourcen die Ökonomie eines Landes verbessert werden soll und auch Sozialprogramme (Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bewohner) dadurch finanziert werden sollen (Crinic, 2014, S.53). Durch den starken Ressourcenexport erleben die lateinamerikanischen Länder ein ökonomisches „Hoch“.

„Die hohe Nachfrage nach Naturressourcen – einem Exportschlager der Region – und die Verbesserung der terms of trade für Erdöl, Erdgas, Kohle, Edelmetalle und Soja scheinen hier eine entscheidende Rolle zu spielen.“ (ebd., S.54)

Dies macht die „neuen“ Exportländer aber abhängig vom Weltmarkt und den Rohstoffpreisen.

Besonders in Lateinamerika spielt dieser Entwicklungsweg seit den 1990er Jahren eine zentrale Rolle um die Armut und soziale Ungleichheiten zu reduzieren (Brand

& Dietz, 2014). Die Nachfrage nach Ressourcen wie Soja, Palmöl, fossile Brennstoffe und Bergbauprodukte erhöhte die Weltmarktpreise für diese Produkte in den 2000er Jahren stark, wodurch die lateinamerikanischen Länder stark profitierten (Schilling-Vacaflor & Steinert, 2017, S. 241) All diese Rohstoffe benötigen jedoch Nutzflächen zum Abbau. Diese werden in den lateinamerikanischen Ländern beispielsweise durch die Abholzung und Brandrodung des Amazonas-Regenwaldes gewonnen, also durch eine „wachsende Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlagen“ (ebd.). Andererseits ist nachweislich die Armutsquote und die soziale Ungleichheit durch den starken Wirtschaftswachstum in Südamerika reduziert worden (genaueres hierzu in den folgenden Kapiteln). Durch die Brände im Amazonas-Regenwald wird jedoch das neo-extraktivistische Entwicklungsmodell kritisch diskutiert. Eine Abkehr von diesem Modell scheint nicht gewünscht, sowohl von den lateinamerikanischen Ländern als auch von den Industrieländern, da diese auch wirtschaftlich profitieren. Trotzdem müssen sich alle beteiligten Länder nun mit den Herausforderungen, vor allem im ökologischen Bereich, auseinandersetzen.

„Denn einerseits könnte die zu beobachtende Fortsetzung ressourcenintensiver Lebens-, Konsum-, und Produktionsweisen im globalen Norden und Süden dem (Neo)-Extraktivismus immer mehr Attraktivität verleihen und somit einem Entwicklungs- und Gesellschaftmodell Vorschub leisten, das in dominanter Weise auf Ausbeutung von Rohstoffen und der Aneignung der Rohstoffrenten basiert. Andererseits verschärft die anhaltende Ausbeutung fossiler und mineralischer Rohstoffe sowie die agrarindustrielle Produktion von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen bestehende sozial-ökologische Krisenphänomene wie den Klimawandel, die Entwaldung, Die Wasserverschmutzung sowie den Verlust der Ernährungssouveränität und der biologischen Vielfalt“ (ebd.)

In den folgenden Kapiteln wird am Fallbeispiel des brennenden Amazonas- Regenwaldes in Brasilien die Problematik, unter Einbezug der Theorie des (Neo)- Extraktivismus und der internationalen Unterstützung (Entwicklungshilfe), der Entwicklungspolitik erörtert.

3 Die Politik Brasiliens als zentrales Problem der Brände

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der dem rechtextremen Spektrum zuzuordnen ist, zählt, ähnlich wie Donald Trump, zu den wenigen Regierungschefs unseres Planeten, die den Klimawandel auf der Erde leugnen. „Umweltschutzbeamte seien "eine Strafzettelindustrie"! Umweltschutz sei etwas für "Leute, die Grünzeug essen"! (Fischermann, 2019) so Bolsonaro vor wenigen Monaten. Bolsonaro sieht im Amazonas-Regenwald großes wirtschaftliches Potenzial und möchte die dort angesiedelten Rohstoffe erschließen. Nicht nur Abholzung, sondern auch Brandrodung (oftmals illegal aber ohne wirkliche strafrechtliche Verfolgung) zählen zu den gängigen Methoden, um das Land zu „erschließen“. Natürlich brachen in den Jahrzehnten ebenfalls Brände im Amazonas-Regenwald aus, auch aufgrund „natürlicher“ Umstände. Da die „Brandsaison“ in Lateinamerika aber im August erst beginnt und es jetzt schon die stärksten Waldbrände seit Jahren (siehe Abb. 1), sind mit dem höchsten Brandemissionswerten von Kohlenstoffdioxid und anderen Gasen (Rohwedder, 2019) sind die Messungen sehr bedenklich. „Ein Großteil der Brände brach erst danach aus. Bereits am 26. August lag die Zahl der Feuer um gut 75 Prozent über dem Wert des Vorjahrs.“ (ebd. 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anzahl der Brandausbrüche im Amazonasgebiet (Rohwedder nach INEP, 2019)

Die mit Bolsonaros Amtseintritt im Januar einhergehende, gestiegene Rodung des Regenwaldes war bis zum Ausbrechen der Brände nur ein regionales Thema. Das neo-extraktivistische Entwicklungsmodell wird durch Bolsonaros Politik noch stärker verwirklicht als in den vorherigen Regierungen. Nachdem Brasilien seit den 1990 Jahren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen hatte, erlebt das Land seit 2014 einen wirtschaftlichen Wachstumseinbruch (Figueira, 2019). Deshalb soll die Landwirtschafts- und Bergbauindustrie vergrößert werden (hierfür ist die Abholzung des Regenwaldes u. a. notwendig). Die Kontrolle der staatlichen Behörden bezüglich der illegalen Abholzung und das unerlaubte Eindringen in Gebiete der indigenen Bevölkerung wurde stark verringert (Blasberg, 2019). „Allein im Juli wurden demnach 2255 Quadratkilometer Wald abgeholzt - beinahe viermal so viel wie im Juli 2018“ (Hecking, 2019). Die Interessen der Wirtschaft stehen bei dem Präsidenten und seiner Regierung weit über denen des Naturschutzes. Diese politische Einstellung ermutigt, so der Vorwurf vieler Umweltschützer, Bauern in Bereichen der Landwirtschaft die Wälder in Brand zu stecken. Seit Bolsonaros Amtsantritt im Januar sind die Feuer und Brandrodungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83% gestiegen (Stand 23.08.2019; Gehm, 2019). Angeblich soll es sogar am 10. August einen „Tag des Feuers“ unter vielen Bauern im südlichen Teil des Amazonas vereinbart worden sein, um neue Nutzflächen zu gewinnen (ebd., 2019). Diese werden dann zum Beispiel für die Fleischwirtschaft (Weideflächen), Soja-Produktion oder auch für Palmöl-Plantagen verwendet. Durch die mediale Aufmerksamkeit, vor allem durch soziale Medien, wurde das Interesse bezüglich der Brände international geweckt. Besonders Brasiliens Rindfleischexporte (in den Bundesstaaten um den Amazonas wächst die Zucht) stiegen in den letzten Jahren stark an:

„ Seit einigen Jahren leben mehr Rinder als Menschen auf Brasiliens Staatsgebiet: Insgesamt sind es laut der nationalen Statistikbehörde ungefähr 215 Millionen Tiere; die Exporte haben sich seit der Jahrtausendwende mehr als vervierfacht. Vergangenes Jahr verkaufte Brasilien Rindfleisch im Wert von 6,5 Milliarden Dollar in die Welt. Bolsonaro wird eine große Nähe zur Branche nachgesagt. Einer seiner engsten Mitarbeiter flog auf, als er Geld vom Fleischkonzern JBS annahm“ (Hecking, 2019)

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Entwicklungspolitik als Grund für die Brände im Amazonas. Der Fall Brasilien
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Veranstaltung
Entwicklungspolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V504228
ISBN (eBook)
9783346046239
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entiwcklungspolitik, Bolsonaro, Brasilien, Amazonas, Waldbrände
Arbeit zitieren
Patrick Schulze (Autor), 2019, Entwicklungspolitik als Grund für die Brände im Amazonas. Der Fall Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504228

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