Diese Arbeit behandelt die Quartiersentwicklung am Beispiel der Maikäfersiedlung in München. Zu Beginn wird der geschichtliche Hintergrund der Siedlung beschrieben und die Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus aufgegriffen. In einem weiteren Unterkapitel wird die Entstehung der Siedlung sowie die damalige vorzufindende Architektur dargestellt. Hierbei wird außerdem auf die Arbeit der gemeinnützigen Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft (GWG) in Zusammenarbeit mit dem Architekten Guido Harbers eingegangen. Das dritte Kapitel beschreibt die Entwicklung der Maikäfersiedlung in der Nachkriegszeit bis zur Neustrukturierung heute, da die GWG in den siebziger Jahren beschloss, die Siedlung nahezu in Gänze abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Hauptgrund für die mehr oder weniger nicht vermeidbare Neukonstruktion war der zur Bauzeit verwendete Porenbetonstein, welcher als sehr feuchtigkeitsanfällig gilt und verantwortlich für die schweren Bauschäden wurde.
Bereits seit mehreren Jahrzehnten zählt der Wohnungsmarkt in München zu den angespanntesten in ganz Deutschland. Daher kommt der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum insbesondere in Bezug auf den sozialen Wohnungsbau eine besondere Bedeutung zu. Unter anderem die GWG hat sich schon zu Beginn ihrer Tätigkeit die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Form von Volkswohnungsanlagen zur Aufgabe gemacht. Volkswohnungen sind billigste Kleinstmietwohnungen in ein- oder mehrgeschossiger Bauweise. So entstand in den dreißiger Jahren als erstes großes Wohnprojekt der GWG die "Maikäfersiedlung" im Osten Münchens, welche noch heute ihre Bedeutung als ein Areal mit bewegter Vergangenheit hat und im Dritten Reich als Musterbeispiel für den sozialen Wohnungsbau galt. Wann und warum der Name "Maikäfersiedlung" eigentlich entstanden ist, ist heute umstritten. Einerseits wird behauptet, es habe zur Entstehungszeit viele Maikäfer in der Gegend gegeben, andere meinen, man sei sich aufgrund der Kleinstwohnungen wie ein Krabbeltier in einer Schachtel vorgekommen und wieder eine andere Version besagt, die Familien seien damals so groß gewesen wie die der Maikäfer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die „Maikäfersiedlung“
2.1 Geschichte und sozialer Wohnungsbau
2.2 Entstehung und Architektur
3. Die „Maikäfersiedlung“ nach dem Krieg bis heute
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der „Maikäfersiedlung“ in München, von ihrer Entstehung in den 1930er-Jahren als Wohnprojekt für sozial benachteiligte Gruppen bis hin zur umfassenden Neugestaltung und Modernisierung in der Nachkriegszeit.
- Historischer Kontext und Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus in München
- Architektonische Konzeption und Bauweise durch die GWG und Guido Harbers
- Herausforderungen durch bauliche Mängel (Porenbeton) und deren Folgen
- Prozess der Abrissentscheidungen, des Bewohnerwiderstands und der modernen Neukonstruktion
Auszug aus dem Buch
2.2 Entstehung und Architektur
Erste Pläne für eine Siedlung südlich von Berg am Laim planten die Architekten Roderick Fick und Alwin Seifert im Rahmen eines Wohnungsbauprogramms von 1924. Umgesetzt werden sollte das Projekt ursprünglich von der GEWOFAG München, wurde es jedoch nie. Erst Guido Harbers brachte wieder Bewegung in die Planung am Echardinger Grünstreifen. Die meisten Entwürfe betreffend den Städtebau und die verschiedenen Wohnungstypen im bodenständig-konservativen Stil hatte er bereits vor Wiedergründung der GWG entworfen. Nach dem Erwerb des Grundstücks durch die GWG von der Stadt für vier Reichsmark pro Quadratmeter konnte der Bau zügig begonnen werden, eine Zeilenbebauung dem Straßenverlauf folgend, entlang der Hauptstraße geschlossen, welche erst später durch Unterbrechungen der Blocks etwas aufgelockert wurde. Die Hauseingänge lagen auf der straßenabgewandten Seite mit einer Orientierung nach innen. Die von Nord nach Süd orientierten Zeilen waren spiegelsymmetrisch um die Achse des Grünstreifens angeordnet. Zur Auflockerung der Symmetrie machte der Straßenverlauf der Krumbadstraße eine leichte Kurve. Diese diente außerdem lediglich mit der Bad-Kreuther-Straße als Durchgangsstraße. Mist- und Kieswege für Fußgänger verbanden die Randbebauung mit dem Siedlungskern, welcher in erster Linie aus der Gaststätte "Echardinger Einkehr" und kleinen Läden bestand. Der Platz davor diente unter den Nationalsozialisten als Aufmarschplatz.
Die Bauleitung übernahm Georg Lex als Verantwortlicher der technischen Betreuung der GWG. Die späteren Bewohner der Maikäfersiedlung waren anders als üblich nicht am Bau beteiligt. Der Bau erfolgte in drei Abschnitten. Im ersten Bauabschnitt entstanden bis 1937 im Kernbereich 421 Mietwohnungen und 190 Eigenheime. Der zweite Bauabschnitt erfolgte 1938 mit 190 Wohnungen in 38 Fünfparteienhäusern entlang der Bad-Schachener-Straße.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Wohnungsmarktsituation Münchens ein und erläutert die Bedeutung der Maikäfersiedlung als historisch bedeutsames, aber umstrittenes Wohnprojekt.
2. Die „Maikäfersiedlung“: Dieses Kapitel behandelt die historischen Hintergründe der Entstehung von Berg am Laim sowie die architektonische Vision von Guido Harbers für die neue Siedlung.
3. Die „Maikäfersiedlung“ nach dem Krieg bis heute: Hier werden die kriegsbedingten Zerstörungen, die baulichen Mängel der Nachkriegszeit sowie der lange Prozess der Modernisierung und des Neubaus beschrieben.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit resümiert die wirtschaftliche Bedeutung der ursprünglichen Bauweise und bewertet die heutige Rolle der Siedlung durch die bauliche Verdichtung.
Schlüsselwörter
Maikäfersiedlung, München, sozialer Wohnungsbau, GWG, Guido Harbers, Architektur, Porenbeton, Iporit, Siedlungsbau, Stadtentwicklung, Modernisierung, Nachkriegszeit, Wohnungsnot, Quartiersentwicklung, Berg am Laim
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, Entwicklung und bauliche Transformation der Maikäfersiedlung im Münchner Stadtteil Berg am Laim.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte des sozialen Wohnungsbaus, der städtebaulichen Planung der 1930er-Jahre sowie dem Konflikt zwischen notwendiger Sanierung und dem Erhalt historischer Bausubstanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Quartiersentwicklung vom Ursprung als Volkswohnungsanlage bis zur modernen Wohnumgebung nachzuvollziehen und die Hintergründe für den baulichen Wandel aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine deskriptive historische Analyse, die auf Literaturquellen, Fachberichten und Bildquellen zur städtebaulichen Entwicklung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die geschichtlichen Hintergründe, die architektonischen Spezifikationen der 1930er-Jahre sowie die kriegsbedingten Schäden und die spätere Neukonstruktion ab den 1970er-Jahren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem soziale Wohnungsbaugesellschaften (GWG), Volkswohnungen, Porenbeton (Iporit), Mieterschutz, Abrissplanung und Quartiersverdichtung.
Warum wird der Werkstoff "Iporit" in der Arbeit explizit thematisiert?
Iporit war ein innovativer, aber feuchtigkeitsanfälliger Kunststein der 1930er-Jahre, der für die später auftretenden, massiven Bauschäden an der Siedlung verantwortlich war.
Wie reagierten die Anwohner auf die Abrisspläne der 1970er-Jahre?
Die Bewohner leisteten massiven Widerstand gegen den Abriss, da sie den günstigen Wohnraum und den einzigartigen Charakter ihrer Siedlung bewahren wollten.
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- Sina Schulze (Author), 2019, Die Quartiersentwicklung der Maikäfersiedlung in München, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504314