Erlösung im interreligiösen und konfessionell-kooperativem Unterricht


Essay, 2019
12 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interreligiöses Lernen

3 Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht

4 Erlösung aus christlicher Perspektive

5 Erlösung aus islamischer Perspektive

6 Islamische und christliche Erlösungsvorstellung im Dialog: Probleme und Chancen

7 Literaturverzeichnis

Essay

Welche Probleme und Chancen existieren bei einer Thematisierung von Erlösung im interreligiösen und konfessionell-kooperativem Unterricht, angesichts dessen was die Konzepte leisten sollen?

Johannes Krahforst

1 Einleitung

Das vorliegende Essay soll zum einen die Dimensionen der Didaktik interreligiösen Lernens sowie den Konfessionell-kooperativen Religionsunterricht näher beleuchten und zum anderen, vor diesem Hintergrund, die Thematisierung von Erlösung in einem interreligiösen und interkonfessionellen Setting kritisch hinterfragen. Dabei soll als Bei- spiel eine Auseinandersetzung des Themas anhand islamischer und katholischer /evangelischer Perspektiven dienen. Aktuell steht der Religionsunterricht in Deutsch- land vor der Aufgabe einer zunehmend multikulturelleren und multireligiöseren Gesell- schaft gerecht zu werden. Rückläufige Zahlen von Schülerinnen und Schülern die den Religionsunterricht besuchen fordern außerdem konfessionsübergreifende Unterrichts- modelle wie den Konfessionellen-kooperativen Religionsunterricht (KokoRu). Erlö- sung, als ein zentraler Gegenstand der Theologie des Christentums, droht dabei in einer interreligiösen und interkonfessionellen Debatte der Oberflächlichkeit zu verfallen. Da- her sollen nachfolgend gemeinsame Aspekte herausgestellt werden, anhand derer ein interreligiöses bzw. interkonfessionelles Lernen in Bezug auf Erlösungstheologie im Religionsunterricht gelingen oder erschwert werden kann. Zunächst werden dafür As- pekte interreligiösen Lernens dargestellt, sowie der KoKoRu als Konzept zur Begeg- nung interkonfessioneller Begegnungen legitimiert.

2 Interreligiöses Lernen

Leimgruber definiert interreligiöses Lernen in zwei Dimensionen. Einerseits bezeichnet er interreligiöses Lernen im weiten Sinne als eine Verarbeitung und Integration aller Wahrnehmungen in das eigene Bewusstsein, „die eine Religion und deren Angehörige betreffen.“1 Im engeren Sinne spricht Leimgruber von interreligiösem Lernen als Pro- zess in der direkten Begegnung (Konvivenz) und im Gespräch von Angehörigen unter- schiedlicher Religionen.2 Abhängig vom Bundesland und dem Grad der Pluralisierung der Gesellschaft entstehen allerdings unterschiedliche Zielsetzungen und Konzepte in- terreligiösen Lernens. Bedeutsame Konzepte stellen dabei der vor allen Dingen in den Norddeutschen Städten vertretene „Religionsunterricht für Alle (RuA)“, und das LER (Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde) Konzept dar, welches besonders in den neuen Bundesländern verbreitet ist. Leimgruber verweist dabei auf einen religionskundli- chen Charakter der Konzepte hin.

Vertreter des Konzeptes des RuA versuchen sich allerdings von dieser Charakterisie- rung zu distanzieren: „RuA will mehr sein als Religionskunde. […] RuA setzt aber da- rauf, in gemeinsamen Lern- und Kommunikationssituationen von Schüler/innen, die aus unterschiedlichen Weltanschauungen und Religionen kommen, religiöse Themen dialo- gisch und aus unterschiedlichen Perspektiven zu besprechen.“3 Auch das Konzept LER versteht sich selbst als Unterstützung, um „sich in einer demokratischen und pluralisti- schen Gesellschaft mit ihren vielfältigen Wertvorstellungen und Sinnangeboten zuneh- mend eigenständig und urteilsfähig zu orientieren.“4 Unabhängig von den unterschiedli- chen Ausprägungen der Konzepte zum interreligiösen Lernen, stellt Leimgruber ge- meinsame Ziele heraus. So steht dabei die respektvolle Begegnung gegenüber den An- gehörigen anderer Religionen im Vordergrund sowie das Üben von Toleranz. Gleichzei- tig soll die Religion anders Gläubiger als sinnstiftendes Ganzes verstanden werden und mit der eigenen Religion in Beziehung gesetzt werden.5 Das Ziel eines wertschätzenden und anerkennenden Umgangs in einer von religiöser Pluralität geprägten Gesellschaft schwingt in allen Konzepten mit. Die SuS können dann zum einen die Wurzeln des ei- genen Glaubens ergründen, Kritik an ihrem Glauben erfahren und an fremdem Glauben ausüben. An dieser Stelle sei auf die religionstheologischen Modelle verwiesen, die das Verhältnis der Religionen zueinander beschreiben. Damit interreligiöses Lernen funkti- onieren kann, ist ein pluralistisches Verständnis der Religionen ein wichtiger Aspekt. John Hick gilt dabei als Vordenker eines neuen Absolutheitsmodells, in dem er das Sub- jekt des religiösen Geltungsanspruches verschiebt und Gott allein in den Mittelpunkt theologischer Reflexionen stellt.6

Der Religionsunterricht in Deutschland steht jedoch nicht nur der Herausforderung in- terreligiöser Lerngruppen gerecht zu werden, auch der gemeinsame Unterricht der Kon- fessionen wird dabei besonders durch das Konzept des Konfessionell-kooperativen Re- ligionsunterricht konkretisiert. Im Nachfolgenden soll dieses Konzept näher erläutert werden.

3 Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht

Aktuell ist der konfessionell-kooperative Religionsunterricht in drei Bundesländern im Schulrecht etabliert oder kann mittels eines Antrages genehmigt werden.7 Mette kriti- sierte bereits in den 90er Jahren das Konfessionalitätsprinzip in Bezug auf den Religi- onsunterricht und forderte eine Öffnung des Unterrichts im Sinne einer interkonfessio- nellen Pädagogik.8 Als Grund dafür sieht Mette das fehlende Verständnis der Öffent- lichkeit für das Prinzip eines konfessionellen Unterrichts. Als zentrales Lernziel stellt Mette das sich Kennenlernen in Unterschiedlichkeit, sowie die Fähigkeit sich „auf der Basis gegenseitiger Anerkennung […] miteinander zu verständigen.“ 9 Diese Überle- gungen Mettes zeigen Parallelen zu den Ansichten Leimgrubers im Hinblick auf interre- ligiösen Religionsunterricht auf.

Woppowa stellt in seinem Aufsatz zur Grundlegung einer Didaktik der konfessionellen Kooperation sieben Legitimationsgründe für den KokuRu auf, die im Folgenden kurz beschrieben werden.10 Das sozialpolitische Argument Woppowas bezieht sich auf die demographischen Faktoren, wie den Rückgang getaufter SuS, welche eine Legitimie- rung des konfessionellen Religionsunterrichts erschweren. Kulturgeschichtlich begrün- det Woppowa den Konfessionell-kooperativen Religionsunterricht durch die Ausbil- dung einer konfessionellen Identität nur in Auseinandersetzung mit anderen Konfessio- nen. Auch aus schulpädagogisch weist Woppowa auf negative Konsequenzen hin, da die Trennung nach Konfessionen die Klassengemeinschaften und deren soziale Prozesse stören können. Religionspädagogisch wird der KokoRu durch die sinnvolle und kon- struktive Auseinandersetzung innerhalb einer Selbst- und Fremdbegegnung zum Ziele eines persönlich verantworteten Standpunktes begründet. Aus theologischer Perspektive kann der KokoRu als Ort der Entstehung interkonfessioneller theologischer Fragen ver- standen werden und den Weg einer Christen vereinenden Theologie ebnen. Aus einer funktionalen Perspektive stellt Woppowa den KokoRu in dem Sinne dar, als dass er zum einen „elementare christlich-moralische Grundsätze, die universale Geltung beanspruchen können“11 sichtbar macht und zum anderen „wertvolle interkonfessionelle Kontroversen“12 ausgelöst werden können. Abschließend formuliert Woppowa das ideologiekritische Argument, welches besagt, dass der „schulische Religionsunterricht dieses ihm zukommende geistige Widerstandspotenzial aus einem christlichen Traditi- onszusammenhang umso besser zum Ausdruck und zur Wirkung kommen lassen [kann], je geschlossener er nach außen hin auftritt.“13

Woppowa formuliert darüber hinaus didaktisch-methodische Leitlinien für konfessio- nell-kooperative Lehr-Lern-Prozesse. Aufgrund des Umfanges wird an dieser Stelle auf die genaue Beschreibung aller Leitlinien verzichtet. Besonders herausgestellt sei jedoch das religionspädagogische Zielspektrum. Hier beschreibt Woppowa das Lernziel der religiösen Kompetenz. Dabei stellt er besonders das „Erlernen einer umfassenden reli- giösen Sprachfähigkeit an elementaren Inhalten des Christentums“14 heraus, welche mit dem „Lernprozess einer religiösen Pluralitätsfähigkeit und Dialogfähigkeit in der Aus- einandersetzung mit dem anderen Fremden einhergehen.“15 Hier lassen sich durchaus erneut Parallelen zu den interreligiösen Kompetenzen nach Leimgruber erkennen.

Im Hinblick auf den interkonfessionellen und interreligiösen Dialog kommt der religiö- sen Kompetenz eine besondere Bedeutung zu. Sie ist nötig um, wie in diesem Essay beispielhaft thematisiert, anhand des zentralen theologischen Themas der Erlösung ver- antwortungs- und respektvoll in einen Dialog zu treten. Nachfolgend soll die Erlösungs- theologie aus christlicher und islamischer Perspektive beleuchtet werden um die Eig- nung dieses Themas für sowohl den interreligiösen als auch konfessionell-kooperativen Religionsunterricht zu überprüfen.

4 Erlösung aus christlicher Perspektive

Zunächst scheint die Antwort auf die Frage nach der Erlösung im christlichen Glauben offensichtlich zu sein: Es geht um die Erlösung von den Sünden durch Jesus Christus. Doch der Erlösungskomplex geht viel weiter, als diese simple Definition erwarten lässt. Der Tod Jesu Christi dient dabei als zentrales Ereignis der Erlösung. Wenn allerdings die Erlösung anhand eines bestimmten Ereignisses festgemacht werden sollte, so müsste die Erlösung bereits stattgefunden haben. Schon Nietzsche zeigt mit folgendem Satz die offenkundige Problematik auf: „[…] erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“16 In der heiligen Schrift lassen sich für alle Zeitformen der Erlösung, Vergangenheit, Ge- genwart und Zukunft, Argumente finden. Taxacher spricht daher von einer Erlösung die noch nicht vollendet ist, deren Anfang im Damals und im Jetzt liegt und auch in Zu- künftigem vorhanden ist.17 Die Frage nachdem, was letztendlich der Gegenstand der Erlösung sei, ist vieldimensional. Ruster stellt ein Modell von einer Erlösung von der Sünde, des Todes und des Teufels vor. Damit ist nicht nur die Erlösung von Sünden im Sinne eines Fehlverhaltens der Menschen gemeint, sondern auch eine Erlösung von Endlichkeit und strukturellem Bösen.18 Auch Pannenberg kritisiert die Reduzierung Jesu Handeln auf eine Erlösung der Sünden: „Das Heil des Gottesreiches, wie es in den Mahlfeiern Jesu seine Darstellung fand, auf die Sündenvergebung einzuschränken, ist der Botschaft Jesu nicht angemessen.“19

Autoren wie Treat entwickelten in den letzten Jahren neue Perspektiven auf das Wirken Jesu und die Bedeutung für die Erlösung. Treat versucht das Konzept der drei Ämter Jesu (König, Priester, Prophet) in eine Erlösungstheorie zu münden, in der vor allen Dingen von der Gründung des Reiches Gottes unter den Menschen die Rede ist.20 As- pekte wie die Menschwerdung Gottes durch Jesus zum echten Menschen als unabding- bares Geschehen werden besonders berücksichtigt. Dabei wird Jesus als eine Art König gesehen, der den Grundstein für die Erlösung legt, welche einen Prozess des Aufbauens einer Verbindung zu Gott darstellt und gleichzeitig die menschliche Freiheit begründet: „Ja, Erlösung ist unsere Freiheit in Christus, weil sie dessen Freiheit in Gott ist.“21

An dieser Stelle sei kurz die intrachristliche Diskussion zwischen der reformierten Kir- che und der katholischen Kirche skizziert. Die Theologie Luthers und Calvins zeichnet sich durch die Rechtfertigungslehre aus, die besagt, dass die äußerliche Gerechtigkeit Gottes, welche durch und in Christus in die Welt gelangt ist, die Rettung darstellt. Diese Fokussierung auf eine äußerliche Erlösung stellte die reformierte Kirche vor das Problem, eine Erlösung ohne eigenes Handeln zu legitimieren.22 Die spätere protestantische Theologie hat dieses Problem wahrgenommen und es bildeten sich Richtungen die in das genaue Gegenteil umschlagen: Eine Erlösung die fast ausschließlich nur durch eige- ne Frömmigkeit erreicht werden kann. Die Diskussion über Erlösung als „Fremdbe- stimmten“ Prozess oder intrasubjektiven Prozess ist weiterhin Teil aktueller Theologie.

Auf eine weitere Darstellung aktueller Diskussionen um den christlichen Erlösungs- komplex sei aufgrund des Umfangs verzichtet. Dieser kurze Einblick stellt bereits ein grundlegendes Problem im Umgang mit dem Erlösungsbegriff nicht nur im interreligiö- sen Kontext dar. Die Mehrdimensionalität und die durchaus aktuelle Diskussion über die Grundlagen der Erlösung erschweren einen interreligiösen Dialog, da die Frage nach der Erlösung einen zu umfangreichen Komplex aus Deutungen darstellt. Daher sei die These aufgestellt, dass der christliche Erlösungskomplex einer engeren Definition be- darf, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Mehrdimensionalität, um einem interreli- giösen Dialog ausgesetzt werden zu können. Nichtsdestotrotz lassen sich in der Litera- tur Ansätze finden, die einen interreligiösen Dialog mit der islamischen Vorstellung von Erlösung eröffnen.

5 Erlösung aus islamischer Perspektive

Nach Karimi, zählt die Soteriologie nicht zu den zentralen Themen der islamischen Theologie.23 Jedoch finden zentrale Erlösungsthemen wie Sünde und Schuld im Koran ihre Beachtung. Karimi stellt jedoch heraus, dass sich der Islam als eine Offenbarungs- religion versteht und sich von der Bezeichnung einer Erlösungsreligion distanziert: „Der Islam ist […] die bedingungslose Hingabe des Menschen an den unbedingten Willen Gottes in der Erwartung des Gerichtstages. Er versteht sich mithin als eine Offenba- rungsreligion derart, dass er keine Erlösungsreligion ist.“24 Grundlegendes Thema ist dabei die Menschwerdung des Menschen, gekoppelt an die Heilserfahrung und der äs- thetischen Erfahrung des Korans. Diese Rückkehr zu sich selbst geschieht im Islam aus dem unverfügbaren, beständigen, lebendigen und einzigen Gott.25 Im Gegensatz zum Christentum findet sich im Islam eine Ablehnung der Erbsündenlehre. Der Koran gibt Anhaltspunkte für die präexistente Zusage Gottes und zeigt, dass der Mensch nicht durch eine Sünde, sondern durch Gottes Gegenwart bestimmt ist.26 Erst in gänzlicher Hingabe zu Gott kann die Existenz des Menschen Erfüllung erfahren.

Die Offenbarung, die im Islam eine zentrale Rolle spielt, dient u. a. der Erkenntnis Gott in der Welt wahrzunehmen. Muhammad Iqbal beschreibt diese Erkenntnis wie folgt:

„Die Realität ist daher in ihrem Wesen spirituell.“27 Der Koran schließt innerhalb dieser Offenbarung weiterhin das Menschsein auch in seinen negativen Facetten ein. Karimi zeigt auf, dass zu dem Menschsein, welches das Ziel der Offenbarung im Islam ist, auch „seine Verblendung, seine Verdammnis und seine Vergebung“ gehören.28 Die Vergäng- lichkeit im Sinne des Sterbens, stellt innerhalb der Lehre des Islams die Rückkehr des Lebens in seinen Ursprung dar.

Weiterhin enthält die Offenbarungstheologie im Islam die besondere Funktion der Un- terscheidungsfähigkeit, mit dessen Hilfe die Menschwerdung gelingen kann: „Somit wird der Koran insofern die Offenbarung Gottes, qua Unterscheidung begriffen, als das er den vollkommenen Maßstab für die Unterscheidung von einerseits wahr und falsch und andererseits von gut und schlecht darstellt.“29

6 Islamische und christliche Erlösungsvorstellung im Dialog: Probleme und Chancen

Wie zu Beginn herausgestellt wurde, ist das Ziel interreligiösen Unterrichtes besonders die Auseinandersetzung, Erfahrung und Reflektion unterschiedlicher Religionen im konstruktiven Dialog. So sollen Toleranz, Akzeptanz und Wertschätzung gefördert und gefordert werden, um zum einen die eigene religiöse Position zu stärken und zum ande- ren den Umgang mit Kritik zu lernen. Diese Ziele lassen sich in Parallelen auch in den Legitimierungen Woppowas für den konfessionell-kooperativen Unterricht finden. Die in diesem Essay besonders berücksichtigte religiöse Kompetenz die Woppowa be- schreibt, dient der religiösen Sprachfähigkeit in Bezug auf fundamentale theologische Themen des Christentums und soll so dem interkonfessionellen Dialog eine Basis geben. Die Frage danach, inwiefern diese Ziele vor dem Hintergrund eines Dialoges über Erlösung aus islamischer und christlicher Perspektive erfüllt werden können, sollen im Folgenden erörtert werden. Grundsätzlich lassen sich immer wieder Parallelen finden, die Themen erschließen, die für einen interreligiösen und interkonfessionellen Dialog fruchtbar gemacht werden können. Als Beispiel sei hier die Gottesverbindung genannt, als Element der Erlösung. Treat spricht in seinem Aufsatz von einer notwendigen Grün- dung des Königreiches Gottes unter den Menschen, als Voraussetzung für die Erlösung. Dabei stellt er die Menschwerdung Jesu besonders heraus.30 Ähnliche Ansätze lassen sich auch im Koran finden, so steht dort: „Und er begann die Schöpfung des Menschen aus Lehm. […] Dann formte Er ihn und blies ihm ein von Seinem Geist.“31 Die Verbin- dung zu Gott soll dabei Grundvoraussetzung sein, um als Mensch seine Bestimmung zu finden.

Christan Danz beschreibt in seinem Aufsatz die ontologischen Möglichkeitsbedingun- gen christlichen Offenbarungsdenkens. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass die Christologie ein potenzieller Raum sei, um religiöser Pluralität zu begegnen. Er geht dabei besonders auf die anthropozentrischen Aspekte der Christologie ein und stellt spezielle Aspekte zum menschlichen Selbstverständnis auf, die Parallelen zum Islam aufweisen.32

Pourmohammadi zeigt weiter Berührungspunkte in Bezug auf die Vorstellungen von Erlösung auf. Dabei geht sie besonders auf das Thema der Gnade ein und vergleicht es mit dem islamischen Konzept der Fürsorge Gottes.33

Dass sich der Islam als eine Offenbarungsreligion versteht, lässt nicht zwangsweise den interreligiösen Dialog scheitern. Im Gegenteil: Besonders in der Auseinandersetzung lassen sich zentrale Glaubensinhalte in ihrer Differenziertheit erfahren. Punktuell lassen sich Aspekte erarbeiten die Grundlage für einen interreligiösen Dialog bieten können.

Andere Autoren geben allerdings zu bedenken, dass durch die grundsätzliche Ableh- nung des Erlösungsgedankens im christlichen Sinne eine „nahezu unüberwindbare Kluft zum Christentum“ existiere.34 Ob die theologische Diskussion über Soteriologie als Ganzes in der Schule ein angemessenes Thema darstellt, sei an dieser Stelle angezwei- felt. Besonders die Diskussion über den Erlösungskomplex im Christentum scheint in den letzten Jahren neu entfacht zu sein. Die zahlreichen Unterthemen, die bei der Erlö- sung eine Rolle spielen, bieten durchaus mögliche Themen die einen interreligiösen Dialog im Religionsunterricht eröffnen können. Allerdings droht Soteriologie damit als abtrennbare Lehre mit einzelnen Kapiteln zu werden, die der Verwobenheit der Thema- tik, zumindest aus christlicher Perspektive, nicht gerecht wird. Auch im Konfessionell- kooperativen Unterricht könnte eine Auseinandersetzung mit Soteriologie spannend sein. Die Diskussion über „Fremd“- und „Eigen“-Erlösung zwischen der reformierten Kirche und der katholischen Kirche scheint ein Themenfeld aufzuspannen, dass für den Unterricht sinnvolle Aspekte enthält. Besonders aus dieser Perspektive erhalten ethische Themen neue Bezüge, wenn ein Verständnis von Erlösung miteingebracht werden kann. Mit Rückbezug auf die Zielsetzungen des interreligiösen und konfessionell- kooperativen Unterrichts, die besonders die respektvolle Begegnung gegenüber den Angehörigen anderer Religionen und Konfessionen sowie die Konfrontation mit der eigenen Religion beinhaltet, kann die Thematisierung von Erlösung ein tieferes Ver- ständnis der eigenen und der fremden Religion bewirken. Es wird vermehrt betont, dass viele Christen die Erlösung auf das Sterben Christi am Kreuz und die Befreiung von Schuld reduzieren. Daher kann ein intensives Beschäftigen mit der eigenen Religion, eventuell in kontrastierenden Aspekten zum Islam, eine wirkungsvolle Erfahrung sein.

7 Literaturverzeichnis

Danz, C., Versöhnung und Christusbild im interreligiösen Dialog. Überlegungen zur Christologie als Reflexionsort religiöser Pluralität, in: A. Langenfeld (Hg.), Streitfall Erlösung, Beiträge zur Komparativen Theologie (FS K. von Stosch), Paderborn 2015, 123-138.

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Taxacher, G., Nachricht von der Erlösung. Hinführung zur Soteriologie. Skript zur Vorlesung im WS18/19, Dortmund 2018.

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Woppowa, J., Grundlegung einer Didaktik der konfessionellen Kooperation im schulischen Religionsun- terricht, in: Woppowa Jan (Hg.), Perspektiven wechseln: Lernsequenzen für den konfessionell- kooperativen Religionsunterricht. Paderborn 2015, 5-17.

[...]

1 Leimgruber, S., Interreligiöses Lernen, München 2007, 20.

2 Vgl. Ebd.

3 Schambeck, M., Interreligiöse Kompetenz, Göttingen 2013, 98.

4 Ministerium Für Bildung, Jugend und Sport, Brandenburgisches Schulgesetz, Brandenburg 2007, §11 S.25.

5 Vgl. Leimgruber, S., Interreligiöses Lernen, München 2007.

6 Vgl. Hick, J., God has many names, Westminster 1982.

7 Pemsel-Maier, S., Sajak, C. P., K onfessionelle Kooperation in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – eine zukunftsorientierte Zusammenschau, in: Lindner, Konstantin/Schambeck, Mirjam/Simojoki, Henrik/Naurath, Elisabeth (Hg.), Zukunftsfähiger Religionsunterricht. Konfessionell – kooperativ – kontextuell, Freiburg 2017, 261-280.

8 Mette, N., Das umstrittene Konfessionalitätsprinzip. Anmerkungen zur aktuellen Auseinandersetzung um den Religionsunterricht, in: Ders., Praktisch-theologische Erkundungen, 2, Berlin 2007, 205-221.

9 Ebd. S. 220.

10 Woppowa, J., Grundlegung einer Didaktik der konfessionellen Kooperation im schulischen Religions- unterricht, in: Woppowa Jan (Hg.), Perspektiven wechseln: Lernsequenzen für den konfessionell- kooperativen Religionsunterricht. Paderborn 2015, 5-17.

11 Ebd. S. 10

12 Ebd. S. 10

13 Ebd. S. 10

14 Ebd. S. 12

15 Ebd. S. 12

16 Nietzsche, F. W ., Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen -Kapitel 37 „Von den Pries- tern“. (Zitiert nach der Online-Ausgabe http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3248/37).

17 Vgl. Taxacher, G., N achricht von der Erlösung. Hinführung zur Soteriologie. Skript zur Vorlesung im WS18/19, Dortmund 2018.

18 Vgl. Ruster, T., Erlöst von Sünde, Tod und Teufel. Aus systematisch-theologischer Sicht das Geheimnis der Erlösung zeitgemäß deuten, in: S. Horstmann (Hg.), E. Ballhorn, Theologie verstehen, 113-124.

19 Pannenberg, W.: Systematische Theologie Band 2, Göttingen 1991, 508.

20 Vgl. Treat, J. R., The Crucified King, Atonement and Kingdom in Biblical and Systematic Theology, Grand Rapids 2014.

21 Taxacher, G., Nachricht von der Erlösung, Dortmund 2018, 135.

22 Vgl. Taxacher, G., Nachricht von der Erlösung, Dortmund 2018,

23 Karimi, M., Zur Frage der Erlösung des Menschen im religiösen Denken des Islam,in: A.Langenfeld (Hg.), Streitfall Erlösung, Beiträge zur Komparativen Theologie (FS K. von Stosch), Paderborn 2015, 17-38, 20.

24 Ebd., 20.

25 Vgl. Ebd.

26 Vgl. Langenfeld, A., Kritik der Erlösung Neue Perspektiven für den anthropologisch-soteriologischen Diskurs von Christen und Muslimen, in: D. C., Siedler (Hg.), Dialog und Begegnung: Impulse für das Gespräch zwischen Christen und Islam, Göttingen 2017, 191-204.

27 Iqbal, M., Wiederbelebung des religiösen Denkens. Aus dem englischen von Axel Monte und Thomas Stemmer, Berlin 2003, 98.

28 Karimi, M., Zur Frage der Erlösung, Paderborn 2015, 22.

29 Karimi, M., Zur Frage der Erlösung, Paderborn 2015, 23.

30 Vgl. Treat, J. R., The Crucified King, Grand Rapids 2014.

31 Q 32: 7-9.

32 Vgl. Danz, C., Versöhnung und Christusbild im interreligiösen Dialog. Überlegungen zur Christologie als Reflexionsort religiöser Pluralität, in: A. Langenfeld (Hg.), Streitfall Erlösung, Beiträge zur Kompa- rativen Theologie (FS K. von Stosch), Paderborn 2015, 123-138.

33 Vgl. Pourmohammadi, N., Überprüfung des Problems „Erlösung“ im christlich-islamischen Dialog, in: A. Langenfeld (Hg.), Streitfall Erlösung, Beiträge zur Komparativen Theologie (FS K. von Stosch), Paderborn 2015, 83-94.

34 Langenfeld, A., Kr itik der Erlösung Neue Perspektiven für den anthropologisch-soteriologischen Dis- kurs von Christen und Muslimen, in: D. C., Siedler (Hg.), Dialog und Begegnung: Impulse für das Ge- spräch zwischen Christen und Islam, Göttingen 2017, 191-204, 194.

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Erlösung im interreligiösen und konfessionell-kooperativem Unterricht
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V504336
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erlösung, unterricht
Arbeit zitieren
Johannes Krahforst (Autor), 2019, Erlösung im interreligiösen und konfessionell-kooperativem Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504336

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