Die Vandalen von Genua. Eine Analyse des politischen Diskurses um den G8 Gipfel in Genua


Hausarbeit, 2017
12 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktion des Textes in der Diskursanalyse
2.1 Was ist ein Text? Nach Dreßler
2.2 Diskurs nach Norman Fairclough
2.3 Bourdieu's Feldtheorie

3. Analyse der Berichterstattung des G8 Gipfels in Genua
3.1 Die Vandalen von Genua

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der G8 Gipfel in Genua 2001 fand zu einer besonders politisch aufgeladenen Zeit statt. Anfang der 2000 gewann die globalisierungskritische Bewegung zunehmend an Größe und verneigte, wie nur die 68ger Bewegung vor ihr, verschiedenste linke Gruppen, Organisationen, Parteien und Gewerkschaften unter einem Claim. Hauptkritikpunkt der Bewegung war sowohl das Gremium selbst wie auch die Entscheidungsfindung dessen, das nach Meinung der Bewegung zu tiefst undemokratisch war genau wie die vielen einzelnen politischen Bereiche, die von diesen Entscheidungen beeinflusst wurden.

Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ versammelten sich ökologische, soziale, handels- und außenpolitische Forderungen der Bewegung. Diese wurden in einem großen Protest von 300.000 Tausend Menschen in den Austragungsort der Konferenz gebracht.

Im Rahmen großer politischer Konferenzen, besonders mit einer globalen Tragweite, werden zur Sicherung des Ablaufes besondere Sicherheitskonzepte eingesetzt. Auch in Genua wurde ein großes Polizeiaufgebot von über 15.000 Einsatzkräften eingesetzt. Die Polizei versuchte im gesamten Stadtgebiet Aktionen des zivilen Ungehorsams zu verhindern so wie den Austragungsort von den vielen Demonstrationen, die in der Stadt liefen, abzusichern. Dabei kommt es, wie bei den meisten Veranstaltungen dieser Art, zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstrierenden, die wenigsten verlaufen dabei friedlich. So auch in Genua. Zum Höhepunkt der Eskalation der Proteste seitens der Polizei kam es am 20sten Juli als bei einer der vielen Demonstrationen Carlo Giuliani von einem Polizisten erschossen wurde.1 Des weiteren wurde in der Nach vom 21 Juli die Diaz Schule, die Aktivisten der Gipfelproteste beherbergte, von der Polizei gestürmt. Infolge dessen wurden 73 junge Menschen mit überwiegend lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.2

In beiden Fällen hat die Polizei nach einem altbekannten medialen Muster in den Diskurs interveniert, in dem sie mit Nachdruck jegliches Fehlverhalten von sich wies, dafür aber die Schuld bei den Demonstrierenden zu finden glaubte. So behauptete beispielsweise der Polizist Massimo Nucera von einem der Aktivisten mit einem Messer attackiert worden zu sein, was sich nach gründlicher forensischer Untersuchung als eine falsche Angabe herausgestellt hat. Im Falle von Carlo Giuliani hatte der Polizist angegeben aus Angst gehandelt zu haben, die Polizeiführung hatte sich zwar nicht zu hundert Prozent hinter den Beschuldigten gestellt, blieb aber dennoch bei der Version der Notwehr in einer gefährlichen Situation. Was hier als drastische Beispiele dargestellt wurde, passte durchaus in die mediale Strategie der Polizei. Diese hatte bereits früh versucht die Proteste als Gefahr für die Teilnehmer des Gipfels und die Stadt zu diskreditieren. So wurden in der medialen Kommunikation bestimmte Metaphern oder Frames verwendet um die öffentliche Wahrnehmung der Proteste gezielt zu beeinflussen um ein bestimmtes festes und eindimensionales Bild der Proteste selbst als Abstraktion der konkreten Ereignisse, sowie der Aktivisten der globalisierungskritischen Bewegung als Abstraktion ihrer realen Natur und ihrer Absichten.

Doch die Polizei war nicht der einzige hegemoniale Akteur des politischen Diskurses um den G8 Gipfel. Auch Politiker haben sich in den Diskurs eingeschaltet und ebenfalls ihre gesellschaftliche Stellung im Diskurs nutzten um die Proteste gegen den Gipfel oder zumindest ihre militanten Teile zu delegitimieren. So wurden auch in diesem Falle bekannte Metaphern verwendet um ein möglichst bedrohliches Bild zu erzeugen um damit die Situation besonders gefährlich aussehen zu lassen. Diese wurden anschließend durch überregionale Medien an die Öffentlichkeit geleitet und entfalteten ihre Wirkung. Von diesen Metaphern soll die folgende Arbeit handeln und vor allem von ihrer Wirkung auf die öffentliche Meinung also den Diskurs der um das Thema geführt wurde. Angesichts der zyklischen Wiederkehr solcher Großereignisse ihrer Gegenproteste so wie der Verwendung solcher oder so ähnlicher Metaphern, ist eine solche Aufarbeitung auch eine Vorarbeit für kommende diskursive Auseinandersetzungen.

Im folgenden Texte werde ich zunächst die Funktionen eines Textes darlegen, die Funktionsweise des Diskurses und die Funktion von Texten im Diskurs. Diese werden anschließend durch die Theorie der Diskursanalyse von Norman Fairglough in Verbindung mit der Theorie der sozialen Felder von Pierre Bourdieu in einen theoretischen Überbau eingebettet. Anschließend soll anhand eines konkreten Beispiels von Metaphern ein Teil der Diskursanalyse nach Fairglough und Lakoff (Metaphern) durchgeführt werden. Das Beispiel werden in Form eines Auszugs aus einem Zeitungsartikeln der Repubblica präsentiert und analysiert. Dabei steht die Bedeutung der Metaphern, ihre Funktion und Tragweite im Diskurs im Vordergrund, des weiteren ist die gesellschaftliche, wie auch politische Stellung der Interlokutoren für die Bestimmung der Einflussnahme auf den Diskurs von erheblicher Wichtigkeit.

2. Funktion des Textes in der Diskursanalyse eingebettet in Bourdieu's Feldtheorie

Doch bevor der Text zur eigentlichen Analyse des Themengegenstandes kommt, ist es notwendig zunächst sich zu vergegenwärtigen was als veräußerter Text zu werten ist, was ein Diskurs ist, wie dieser Text in dem Diskurs funktioniert und wie der Diskurs in den sozialen Raum einzubetten ist.

2.1 Was ist ein Text? (Nach Dreßler 1981)

Wolfgang Dreßler beschäftigte sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit des Bereichs der Linguistik vor allem mit den Fragen von Texten und der Verbalisierung und Verschriftlichung dieser. So entwarf er 1981 zusammen mit Robert De Beaugrande eine Theorie die, die Einordnung von Texten ermöglichen soll. An dieser Stelle sei gesagt dass Dreßlers Theorie einige Fragen bezüglich der Wertigkeit von Texten offen lässt, besonders bei der Frage was ein „Nicht-Text“ ist und wie dieser zu bewerten sei.Nun stellt Dreßler Kategorien auf nach dem Text als Text zu erkennen ist. Vorab sei gesagt, sollte der Untersuchungsgegenstand eines der Kriterien nicht erfüllen gilt dieser als „Nicht-Text“, diese Frage soll uns aber in der folgenden Arbeit nicht weiter beschäftigen und soll Gegenstand einer anderen Diskussion sein. Zunächst ist festzustellen, dass sowohl geschriebene als auch mündlich (wie auch anderweitig, bspw. In Zeichensprache) geäußerte Spracheinheiten als Texte gelten können3. Bevor sie jedoch als solche gelten können müssen sie folgende sieben Kriterien, welche sich in die beiden Bereiche Textgrammatik und Textpragmatik teilen, erfüllen:

Erstens die Kohäsion (Textgrammatik). Es ist die Art, wie Worte in Text miteinander verbunden sind. Diese hängen durch bestimmte grammatische Regeln von einander ab. Zweitens die Kohärenz (Textgrammatik). Kohärenz ist die Funktion des Textes, also die Konstellation von Konzepten und Verhältnissen, welche dem Text zugrunde liegen. Drittens die Intentionalität (Textpragmatik). „Diese bezieht sich auf die Absicht des Interlokutors bei der Erstellung des Textes. Viertens die Akzeptabilität (Textpragmatik) Sie löst die Frage nach Möglichkeit ds Hörer oder Lesers einen informativen und vollständigen Text zu erwarten. Fünftens die Informativität (Textpragmatik) bezieht sich auf den Gehalt der Information des Textes. Sechstens die Situationalität (Textpragmatik) betrifft die Angemessenheit eines Textes in einer bestimmten Situation. Siebtens die Intertextualität (Textpragmatik) fragt nach der Voraussetzung des Text um das Wissen anderer Texte zum Verständnis dieses.4 Das heißt dass jeder von uns produzierte Text bestimmten Kriterien folgt und so mit dann als solcher zu erkennen ist. Was für uns erlaubt nun mit dem Verständnis davon was wir untersuchen den nächsten Schritt zu gehen und sich an zuschauen welche Funktion nun diese Texte haben.

2.2) Diskurs nach Norman Fairclough

Diese Texte also die wir in unserer alltäglichen Kommunikation nutzen betten sich in ein größeren Kontext ein, sie stehen nicht allein und sind nicht von einander unabhängig sie stellen in all ihren Dimensionen eine Form der sozialen Praxis dar5. Das heißt das wir durch und in unserem Gesagten oder Geschriebenen bestimmten Regeln folgen. Alleine eine bestimmte Art der Begrüßung für verschiedene Mitglieder unserer Gesellschaft ist ein Beispiel dafür. Weitergehend entwickeln wir größere Felder unserer Sprache um bestimmte Themen, auch diese Felder folgen bestimmten Regeln und werden in der Linguistik als Diskurse bezeichnet. Einer der Linguisten der sich speziell mit dem Diskurs als solches beschäftigt hat war Norman Fairclough er hat insbesondere die soziale Dimension der Sprache aufgegriffen, wozu wir später kommen. Er hat aber vor allem Funktionen des Diskurses herausgearbeitet die uns dabei helfen diese besser zu verstehen.

Zunächst erfüllt der Diskurs für einen Teilnehmer dieses die Form der sogenannten Subjektidentifikation. Es bedeutet dass der Interlokutor über den Diskurs seine Rolle im sozialen Raum erfährt. Er wird durch die Kommunikation bestimmter Texte erfahren welche Stellung in der Gesellschaft er einnimmt und welche die anderen Interlokutoren, er wird erfahren wie bestimmte soziale Gruppen zusammengesetzt sind und nach welchen (auch sprachlichen) Regeln sie funktionieren und anschließend wird er eine eigene Identität innerhalb dieses Systems entwickeln. Die zweite Funktion des Diskurses ist die der Verhältnisse zwischen den Interlokutoren. Das verwenden von Texten bestimmter Register und Themen, so wie eine spezielle Ansprache beispielsweise in Form der Höflichkeit stellen ein soziales Verhältnis der Interlokutoren ein. Anschließend ist die dritte Funktion des Diskurses die Weitergabe von Glaubens- und Wissenssystemen. Durch das Wiedergegeben von Texten in bestimmten Diskursen haben wir die Möglichkeit zu erfahren wie die Welt die uns umgibt funktioniert und dieses Wissen folgend auch weiter zu geben. Beispielsweise lernen wir bereits sehr früh bestimmte Funktionsweisen der Familie, etwas später der Schule und später anderer gesellschaftlicher Institutionen. Diese können wir nur durch die Äußerungen von Texten anderer im sozialen Raum wahrnehmen und erlernen.6 Gleichzeitig wirken wir selbst durch die Äußerung von Texten, also unsere soziale Praxis, auf Diskurse in dem wir in sie eingreifen und sie dadurch verändern.

[...]


1 Summers, Chris Peroni, Irene Ghosts of G8 haunt Genova BBC News Online 7 February 2005

2 Schlamp, Hans-Jürgen, Italiens Folter-Anführer kommen davon Spiegel Online 7 April 2015

3 de Beaugrande, Robert-Alain/Dressler, Wolfgang Ulrich. Einführung in die Textlinguistik, Max Nimeyer Verlag 1981 S.3

4 de Beaugrande, Robert-Alain/Dressler, Wolfgang Ulrich. Einführung in die Textlinguistik, Max Nimeyer Verlag 1981 S.3ff

5 Fairclough, Norman. Discourse and Social Change, Polity Press 1992 S62

6 Fairclough, Norman. Discourse and Social Change, Polity Press 1992 S.64f

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Vandalen von Genua. Eine Analyse des politischen Diskurses um den G8 Gipfel in Genua
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V504350
ISBN (eBook)
9783346049476
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vandalen, genua, eine, analyse, diskurses, gipfel
Arbeit zitieren
Julius Zukowski-Krebs (Autor), 2017, Die Vandalen von Genua. Eine Analyse des politischen Diskurses um den G8 Gipfel in Genua, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504350

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