In welcher Form divergiert die Berichterstattung zu einem spezifischen Thema? Welche Unterschiede lassen sich finden? Diese Überlegungen und Fragen bilden das Fundament dieser Hausarbeit. Auf ihnen basiert die Fragestellung: Wie (in Form von Häufigkeit, Tonalität, thematischer Schwerpunktsetzung, politischer Positionierung, sprachlich-stilistischer Ästhetik) wird in deutschsprachigen alternativen, im Vergleich zu etablierten Monatsmagazinen über das katalanische Unabhängigkeitsbegehren 2017 berichtet?
Um die Forschungsfrage zu beantworten, werden die Beiträge alternativer und etablierter Monatsmagazine zu dem katalanischen Unabhängigkeitsreferendum mittels einer quantitativen Inhaltsanalyse untersucht.
Alternative Medien bilden einen Gegenpol zu etablierten Medien. Sie bespielen eine Gegenöffentlichkeit - die den etablierten Medien das Vertrauen entzieht. Obwohl alternative Medien kein neues Phänomen sind gibt es kaum wissenschaftliche Studien über sie. Ihrem Auditorium oder den konkreten Differenzen in der Berichterstattung etablierter und alternativer Medien wurde bisweilen keine Erforschung zuteil. Mit der Nähe zu (Protest-)Bewegungen und der kritischen Haltung gegenüber etablierten Medien sind bereits zwei Distinktionsmerkmale alternativer Medien benannt.
Hieraus resultiert die Frage, welche weiteren Prämissen alternative und etablierte Medien konkret voneinander unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Differenzierung alternativer und etablierter Medien
2.1 Etablierte Medien
2.2 Alternative Medien
2.2.1 Ideelle Distinktionsmerkmale
2.2.2 Stilistische Distinktionsmerkmale
3. Operationalisierung und methodisches Vorgehen
3.1 Vorstellung der Methode: Quantitative Inhaltsanalyse
3.2 Operationalisierung
3.3 Pretest und Codierung
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Formale Erkenntnisse
4.2 Hypothesenprüfende Ergebnisse
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in der journalistischen Berichterstattung über das katalanische Unabhängigkeitsreferendum 2017 zwischen etablierten und alternativen deutschsprachigen Monatsmagazinen, um die Hypothese zu prüfen, ob alternative Medien eine radikalere, politisch gefärbtere und inhaltlich divergierende Perspektive einnehmen.
- Vergleich der Berichterstattung zwischen etablierten und alternativen Medien
- Analyse von Häufigkeit, Tonalität und thematischer Schwerpunktsetzung
- Untersuchung der politischen Verortung von Akteuren
- Evaluation sprachlich-stilistischer Merkmale und Authentizitätsansprüche
- Methodische Anwendung einer quantitativen Inhaltsanalyse
Auszug aus dem Buch
Kritische Haltung
Sandoval betrachtet die kritische Haltung alternativer Medien als Hauptmerkmal der Differenzierung (2011, 146). Sie erachtet die „derzeitig[e] Dominanz des Paradigmas der Partizipation innerhalb der Alternativmedientheorie“ (2011, 146) als kritisch. Die „herrschaftskritische, an Emanzipation orientierte Zielsetzung“ alternativer Medien und einem Gros ihrer Rezipient_Innen evaluiert Oy als elementares Distinktionsmerkmal (2001, 98). Fuchs plädiert sogar für den Ausdruck radical media anstelle des Begriffes alternativ media (2010, 177). Der Terminus betont die alternative Vision zu, sowie radikale Kritik an, hegemonialer Politik, Werten und Perspektiven der normativen bürgerlichen Gesellschaft und Medienlandschaft (Fuchs 2010, 177; Downing 2001, v). Diese kritische Grundhaltung, so Fuchs und Sandoval, stellt das minimale Kriterium für die Definition alternativer Medien dar (Fuchs/Sandoval 2010, 146).
An interpretation of media content is critical if the consumed form or content causes subjective insights that allow the recipients to question certain forms of domination, develop ideas of alternative models of existence that advance co-operation, and can potentially be guiding in transformative actions and social struggles (Fuchs 2010, 189).
In dieser Tradition steht auch das Veröffentlichen „unterdrückter Nachrichten aus der partikularen Welt des Alternativmilieus“, als Distinktionsmerkmal alternativer Medien (Reichardt 2014, 238). Zum Beispiel in Form von Zahlen, Fakten, Einschätzungen und Richtigstellungen, die in etablierten Medien nicht oder falsch ausgeführt werden (Reichardt 2014, 238).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Vertrauensverlusts in etablierte Medien und die Rolle alternativer Medien als Gegenöffentlichkeit.
2. Differenzierung alternativer und etablierter Medien: Theoretische Abgrenzung der beiden Medientypen anhand ideeller und stilistischer Merkmale.
3. Operationalisierung und methodisches Vorgehen: Erläuterung der quantitativen Inhaltsanalyse als Erhebungsmethode und Definition des Samples.
4. Darstellung der Ergebnisse: Präsentation und Diskussion der Daten hinsichtlich formaler Erkenntnisse und der Prüfung der aufgestellten Hypothesen.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion des methodischen Vorgehens.
Schlüsselwörter
Alternative Medien, Etablierte Medien, Journalismus, Katalanisches Unabhängigkeitsreferendum, Tonalität, Inhaltsanalyse, Gegenöffentlichkeit, Medienkritik, Politische Kommunikation, Berichterstattung, Nachrichtenfaktoren, Qualitative Sozialforschung, Parteipolitik, Mediennutzung, Journalistische Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Berichterstattung über das katalanische Unabhängigkeitsreferendum 2017 zwischen etablierten und alternativen deutschsprachigen Monatsmagazinen unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Tonalität der Berichterstattung, die thematische Schwerpunktsetzung sowie die politische Verortung und Bewertung von Akteuren in den analysierten Magazinen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob alternative Medien tatsächlich in einer Form berichten (Häufigkeit, Tonalität, politische Positionierung), die sich substanziell von etablierten Medien unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse angewendet, bei der Textmerkmale deduktiv in Kategorien und Indikatoren überführt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen alternativer Medien, die methodische Operationalisierung, die Darstellung der Analyseergebnisse sowie deren Diskussion im Kontext der Hypothesen behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie alternative/etablierte Medien, Berichterstattung, Inhaltsanalyse, Tonalität und das katalanische Unabhängigkeitsreferendum charakterisiert.
Welche Magazine wurden für die Analyse ausgewählt?
Es wurden die Magazine COMPACT (rechts-alternativ), konkret (links-alternativ) und Cicero (etabliert) ausgewählt.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Divergenzen?
Die Autorin stellt fest, dass die Unterschiede in der Berichterstattung insgesamt eher marginal als explizit sind und die theoretisch erwartete Intensität der politischen Distinktion nicht in vollem Maße messbar war.
- Arbeit zitieren
- Felicitas Schneider (Autor:in), 2018, Ehrlicher Journalismus in Zeiten der Lüge?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504376