In der heutigen Zeit haben Massenmedien einen unentbehrlichen, aber auch allgegenwärtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft erlangt. Gerade in den letzten Jahren konnte man eine rasante und fortlaufende Innovation des Medienmarktes beobachten. In rapider Geschwindigkeit werden Neuerungen präsentiert und auf den Markt gebracht. Wegen der sich ständig fortentwickelnden Technik sind die „alten“ Medien den neuen, durch eine größere Nutzungsmöglichkeit, gewichen.
Innerhalb des Tonträgermarktes, der mit der Schelllackplatte in den 20er Jahren begann, bringen heute CD, MD und Micro-Chip einen weit größeren Absatz als LP und Kassette, die nur noch in kleinen Auflagen in den Geschäften zu finden sind. Die LP und die Kassette sind die Grundtonträger für Kinderhörspiele und Märchen. Da vor allem durch das Medium Kassette Hörspiele erstmals ihren festen Standpunkt im Alltag von Kindern erlangt haben, beschäftige ich mich im Folgenden mit dem Umgang und der Bedeutung von Hörspielkassetten im Alltag von Kindern, vor dem endgültigen Durchbruch der CD als Tonträger in den 90er Jahren des letzen Jahrhunderts.
Dazu gebe ich zunächst einen kurzen Einblick in die Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis 1994. Es folgt die Darstellung der Entwicklungslinie vom Medienverhalten von Kindern von 1979 bis 1990 und eine Übersicht über den Umgang von Kindern mit Tonträgern im Jahre 1990. Darauf erläutere ich, welche Bedeutung Hörkassetten im Alltag von Kindern zu dieser Zeit hatten. Anschließend gehe ich auf das Thema Hörerziehung ein und mache Vorschläge zur Umsetzung im Unterricht für Kinder des 3. und 4. Schuljahres. Den Schlussteil bildet ein kurzes Fazit zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre
3. Entwicklungslinie zum Medienverhalten von Kindern und Übersicht ihres Umgangs mit Tonträgern im Jahre 1990
4. Bedeutung von Hörkassetten im Alltag von Kindern
5. Der Tonträgermarkt für Kinder
5.1 Der serielle Tonträgermarkt
5.2 Der alternative Tonträgermarkt
6. Hörerziehung im Unterricht
6.1 Umsetzung
6.1.1 Geräuscheraten
6.1.2 Geräuschejagen
6.1.3 Geräuschememory
6.1.4 Geräuschherstellung
6.1.5 Geräuschegeschichten
6.1.6 Geräusche imitieren
6.1.7 Klanggeschichten erzählen
6.1.8 Kettengeschichten erzählen
6.1.9 Stimmungen erzeugen
6.1.10 Geschichten nachspielen
6.1.11 Weitererzählen und weiterspielen
6.1.12 Collagieren
6.1.13 Hörspielproduktion
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Stellenwert von Hörspielkassetten im Alltag von Kindern vor der massiven Verbreitung der CD in den 1990er Jahren sowie deren pädagogisches Potenzial für eine aktive Hörerziehung im Unterricht der Grundschule.
- Historische Entwicklung des Tonträgermarktes für Kinder in der BRD.
- Mediennutzungsverhalten von Kindern und die Bedeutung auditiver Medien.
- Analyse des seriellen versus des alternativen Tonträgermarktes.
- Didaktische Konzepte zur kreativen Hörerziehung und Hörspielproduktion.
Auszug aus dem Buch
4. Bedeutung von Hörkassetten im Alltag von Kindern
Obwohl Hörkassetten einen subjektiv bedeutsamen Platz im Alltag von, wie oben erläutert, besonders jüngeren Kindern hatten, wird dieser Bereich heutzutage eher sekundär untersucht und beobachtet. Dabei „ist der kindliche Hörsinn von ganz zentraler Bedeutung für die Welterfassung jüngerer Kinder“7. Die Hörkassette wird zu Unrecht als „Anhängsel des Fernsehens“ gesehen, denn Kinder weisen ihr einen ganz besonderen Stellenwert zu. Zwei Zitate der Befragung von 418 Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren im Jahre 1995 zu ihrem Umgang mit Hörkassetten zeigt, wie sehr Kinder von Hörkassetten fasziniert sein können, und wie sie mit ihnen umgehen:
Robert, 6 Jahre: „Meine Lieblingskassetten sind Kriminalkassetten. Das ist spannend, spannender als im Fernsehen, weil man ja nichts sieht, nur was hört. Und dann stell´ ich mir das vor. Manchmal stell´ ich mir das richtig gruselig vor. Da kann ich mir das so gruselig machen, wie ich will. Und wenn´s dann zu gruselig wird, dann stell´ ich auch schon mal aus. Das mit dem Gruseln, das ist toll. Ich sitz´ dann in der Ecke in meinem Zimmer und träume davon, wie das wär´, wenn ich auf der Kassette wär´, was ich da machen würd´, wenn ich in Gefahr wär´. Ich hör´ meistens Kriminalkassetten wenn mir langweilig ist. Aber auch einfach nur so, wenn ich Lust dazu hab`.“8
Manuela, 8 Jahre: „Bibi Blocksberg, die find´ ich einfach spitze. Und irgendwie ist das auch noch spannend, ja das ist richtig spannend. Dann kann alles drumherum passieren, wenn ich das hör´, dann merk´ ich nichts. Manchmal hör´ ich nur einige Stellen, vor allem die witzigen. Immer und immer wieder. Die kann ich schon richtig auswendig. Die sprech´ ich mal mit, die Stellen, weißt du. Und manchmal sprech´ ich die auch, wenn die Kassette gar nicht läuft. [...] Ich glaub´, das ist ja auch nichts für Erwachsene, das ist was für Kinder. Am liebsten hör´ ich Kassetten, wenn ich im Bett liege, so gekuschelt, das ist gemütlich.“9
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Stellenwert von Massenmedien und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Rolle von Hörkassetten.
2. Entwicklung des Tonträgermarktes in der BRD bis Mitte der 90er Jahre: Historischer Abriss von der Schallplatte bis zum Siegeszug der Kassette als Massenmedium für Kinder.
3. Entwicklungslinie zum Medienverhalten von Kindern und Übersicht ihres Umgangs mit Tonträgern im Jahre 1990: Statistische Analyse der Mediennutzungsdauer und inhaltlichen Vorlieben bei der Tonträgernutzung von Kindern.
4. Bedeutung von Hörkassetten im Alltag von Kindern: Beleuchtung der emotionalen und kognitiven Faszination, die Hörspiele auf Kinder ausüben.
5. Der Tonträgermarkt für Kinder: Gegenüberstellung des kommerziell dominierten seriellen Marktes und des künstlerisch orientierten alternativen Tonträgermarktes.
6. Hörerziehung im Unterricht: Praktische Anleitung und methodische Vorschläge für Lehrer zur Gestaltung eines hörorientierten Unterrichts.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz von Hörspielen im kindlichen Alltag und deren didaktischem Nutzen.
Schlüsselwörter
Hörkassetten, Kindermedien, Medienverhalten, Tonträgermarkt, Hörerziehung, Hörspielproduktion, Auditive Medien, Grundschule, Medienerziehung, Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg, Geräuschegeschichten, Hörsinn, Kassettenrekorder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Hörkassetten für Kinder in den 1990er Jahren und entwickelt didaktische Ansätze, wie man dieses Medium sinnvoll in die schulische Hörerziehung einbinden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung des Tonträgermarktes, das kindliche Medienverhalten, die Analyse von Hörserien sowie praktische Unterrichtsvorschläge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den speziellen Stellenwert von Hörkassetten im kindlichen Alltag zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Lehrer durch kreative Hörspielarbeit die Medienkompetenz und den Hörsinn von Kindern fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Studien zum Medienverhalten und zur kindlichen Wahrnehmung, ergänzt durch didaktische Konzepte zur Hörerziehung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Marktentwicklung, die Funktion des Hörens für Kinder, die Unterschiede zwischen kommerziellen und alternativen Angeboten sowie konkrete methodische Schritte für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hörkassetten, Medienerziehung, Tonträgermarkt, Hörerziehung, auditive Wahrnehmung und kreative Medienarbeit.
Warum wird zwischen dem seriellen und dem alternativen Tonträgermarkt unterschieden?
Diese Unterscheidung ist wichtig, da der serielle Markt (z.B. Bibi Blocksberg) auf Massenkompatibilität setzt, während der alternative Markt gezielt künstlerische und pädagogisch anspruchsvolle Inhalte bietet.
Welche konkreten Übungen zur Hörerziehung werden für den Unterricht vorgeschlagen?
Es werden diverse praxisnahe Methoden wie Geräuscheraten, das Erstellen von Geräuschgeschichten, Klanggeschichten, Kettengeschichten und schließlich die Produktion eines eigenen Hörspiels in Gruppenarbeit empfohlen.
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- Myrna Fuchs (Author), 2005, Kinder und Hörkassetten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50462