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Der Stereotyp "guter" versus "schlechter" Migrant

Erklärungsversuch eines hundertjährigen Stereotyps am Beispiel Italiens

Title: Der Stereotyp "guter" versus "schlechter" Migrant

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Tobias Schmitt (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Ziel dieser Arbeit ist es, sich an erwartete Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von Migranten heranzutasten. Dabei soll ein Erklärungsversuch dafür unternommen werden, ob und warum bestimmte Erwartungshaltungen hinsichtlich der Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von Migranten so langlebig zu sein scheinen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum im Kontext von Einwanderung und Migration von Migranten nach mehr als einhundert Jahren scheinbar immer noch ähnliche Charaktereigenschaften und Verhaltensmuster erwartet werden.

Obrigkeitshörig und Unterordnung, Tüchtigkeit, Pflichtbewusstsein und Wehrlosigkeit wurden bereits um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhunderts von Migranten bei der Einreise in die USA gefordert und von den Einwanderungskommissaren überprüft. Doch auch mehr als einhundert Jahre später gilt in einigen Ländern der Welt für zahlreiche Migranten, dass sie hart arbeitend und pflichtbewusst erscheinen sollen, um als "gute Migranten" in den Grenzen des anderen Nationalstaates toleriert zu werden.

Ist diese Erwartungshaltung tatsächlich über Ländergrenzen und Zeiten hinweg so stabil geblieben? Und wenn ja, wie lässt sie sich erklären? Spielt ein europäischer beziehungsweise westlicher Überlegenheitsgedanke und Überlegenheitsanspruch eine Rolle?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Theorieteil

3.1 Erwartete Charakterzüge und Verhaltensweisen der „Anderen“ im kolonialen Diskurs

3.2 Erklärungsmuster für diese Erwartungshaltungen laut postkolonialer Theorie

3.3 Weitere Kernelemente der postkolonialen Theorie

4. Analyseteil

4.1 Erwartete Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen im italienischen Diskurs

4.2 Sonstige Übereinstimmung mit Kernelementen der postkolonialen Theorie

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die langlebigen Erwartungshaltungen an Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von Migrant_innen im aktuellen italienischen Migrationsregime. Dabei wird analysiert, inwiefern der theoretische Rahmen postkolonialer Studien zur Erklärung dieser diskursiv konstruierten Normen beitragen kann und welche Rolle diese bei der Legitimation von Machtverhältnissen und ökonomischer Ausbeutung spielen.

  • Postkoloniale Theorie als Erklärungsmodell für Migrationsdiskurse
  • Konstruktion des "guten" vs. "schlechten" Migrant_innen-Ideals
  • Rolle der Polizei und staatlicher Institutionen bei der Migrationssteuerung
  • Prekarisierung und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse im italienischen Kontext
  • Agency und Widerstand von Migrant_innen im Spannungsfeld zwischen Unterordnung und Infragestellung

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Während Migration seit Menschengedenken eine der Kernelemente menschlichen Lebens darstellt (vgl. Manning 2013; Fisher 2014 u. A. m.) ist staatliche Migrationssteuerung und –Kontrolle ein Phänomen der Neuzeit. Mit dem Entstehen moderner Nationalstaaten und dem damit verbundenen Streben nach einem „Staatsvolk“ in Abgrenzung zu unerwünschten Außenseitern spielten ab der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts weltweit Maßnahmen der Ein- und Auswanderungskontrolle eine immer größere Rolle (vgl. Torpey 2000: 93).

Interessanterweise ergeben sich dabei möglicherweise sogar Überschneidungen zwischen dem Handeln und den Haltungen der amerikanischen Einwanderungsbehörden Ende des 19. Jahrhunderts und dem Handeln und der Haltung der Europäischen Union und den Mitgliedsländern hinsichtlich Migration. So lässt eine Studie von Fabini (2017: 50, 54) vermuten, dass die Polizei in Italien die Gesetze zu Einwanderung und Aufenthalt weniger gegen illegale Migration, sondern eher als Werkzeug gegen Prostitution und „Kriminalität“ nutzt. Auch Louis Anthes (1998) und Broughton Brandenburg (1904), zeigt, dass bei der Einreise in die USA um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd. die Einwanderungskommissare insbesondere nach potentiellen Prostituierten Ausschau hielten, um Ihnen die Einreise zu verwehren (vgl. Anthes 1998: 574, 578f.). Ebenso verweigerten Sie Menschen die Einreise, die als arbeitsunfähig oder anderweitig problematisch auffielen. Dazu gehörte auch das Einhalten ungeschriebener Verhaltensregeln, die Migrant_innen an den Tag legen sollten; darunter vor allem: Obrigkeitshörigkeit und Unterordnung (vgl. Anthes 1998: 586), Tüchtigkeit, Pflichtbewusstsein und Wehrlosigkeit (vgl. ebd.: 566, 577, 594).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Migrationskontrolle in einem historischen und aktuellen Kontext und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Relevanz postkolonialer Erklärungsansätze für aktuelle italienische Migrationsdiskurse.

2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über bestehende Studien zu Migrant_innen-Idealen und Stereotypen, wobei der Fokus auf der Lücke zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und tieferliegenden diskursiven Dynamiken liegt.

3. Theorieteil: Hier werden zentrale Konzepte postkolonialer Studien, wie der Orientalismus, "colonial mimicry" und die Internationale Arbeitsteilung, auf ihre Anwendbarkeit auf Migrationsdiskurse hin untersucht.

4. Analyseteil: Der Analyseteil überträgt die theoretischen Kernelemente auf den aktuellen italienischen Diskurs und untersucht reale Beispiele wie das Caporalato-System sowie Protestbewegungen von Migrant_innen.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt die hohe Relevanz postkolonialer Erklärungsmuster für den italienischen Kontext und regt dazu an, zukünftig verstärkt die Dichotomie zwischen Helfer- und Anti-Immigrations-Diskursen zu hinterfragen.

6. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen.

Schlüsselwörter

Postkoloniale Studien, Migration, Italien, Migrationsregime, Stereotype, Agency, Subalterne, Diskursanalyse, Internationale Arbeitsteilung, Colonial Mimicry, Prekarisierung, Ausbeutung, Machtverhältnisse, Epistemische Gewalt, Identitätskonstruktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die diskursive Konstruktion von Migrant_innen im heutigen Italien und analysiert, warum bestimmte Verhaltens- und Charaktereigenschaften an diese Gruppen herangetragen werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind Migrationskontrolle, koloniale Kontinuitäten im Diskurs, Arbeitsmarktintegration, Prekarisierung und die Rolle des Selbstverständnisses der Aufnahmegesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu ergründen, inwiefern postkoloniale Theorien erklären können, warum bestimmte Erwartungshaltungen an Migrant_innen in Italien über lange Zeiträume stabil bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine diskursanalytische Vorgehensweise gewählt, die postkoloniale Konzepte (u.a. Said, Bhabha, Spivak) auf aktuelle empirische Befunde aus Italien anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung und eine anschließende Analyse des italienischen Kontexts, in der Diskurse über Passivität, Rückständigkeit und ökonomische Verwertbarkeit untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Postkoloniale Studien, Identitätskonstruktion, Agency, Caporalato-System und Epistemische Gewalt charakterisiert.

Welche Rolle spielt das "Caporalato-System" in der Analyse?

Das System dient als zentrales Fallbeispiel für die ökonomische Ausbeutung und die Rolle von Mittelsmännern, die eine moderne Form der "mimic men" darstellen und die Ausbeutung anderer Migrant_innen aufrechterhalten.

Wie bewertet der Autor die Handlungsmacht (Agency) der Migrant_innen?

Der Autor stellt fest, dass der italienische Diskurs ambivalenter ist als frühe postkoloniale Theorien annehmen; es gibt durchaus Momente des Widerstands und der Agency, auch wenn diese oft prekär und begrenzt sind.

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Details

Title
Der Stereotyp "guter" versus "schlechter" Migrant
Subtitle
Erklärungsversuch eines hundertjährigen Stereotyps am Beispiel Italiens
College
University of Osnabrück  (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien)
Course
Einführung in die Historische Migrationsforschung
Grade
1,0
Author
Martin Tobias Schmitt (Author)
Publication Year
2019
Pages
26
Catalog Number
V504646
ISBN (eBook)
9783346055545
ISBN (Book)
9783346055552
Language
German
Tags
Stereotyp Vorurteil Migranten Immigration Act Slaves Sklaven Einwanderung Immigration Immigration Control Illegalität illegale Einwanderung agriculture Ausbeutung caporalato caporale caporali gang-master Diskriminierung Menschenrechte Protest Demonstration Proteste Nardo Rosarno Postkolonialismus postkolonial postkoloniale Theorie postkoloniale Studien Said Edward Said Spivak Orientalismus Orientalism mimicry cultural mimicry subaltern
Product Safety
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Quote paper
Martin Tobias Schmitt (Author), 2019, Der Stereotyp "guter" versus "schlechter" Migrant, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504646
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