Wandern als erlebnispädagogische Maßnahme


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erlebnispädagogik
2.1. Kurt Hahn
2.2. Verschiedene Wirkungsmodelle der Erlebnispädagogik
2.3. Eine Auswahl von erlebnispädagogischen Aktivitäten

3. „Auf dem Weg“
3.1. Notwendigkeit des Wanderns für Jugendliche
3.2. Der Jakobsweg
3.3. Praktische Erfahrungen

4. Transferproblematik

5. Schlusswort

Literatur

1. Einleitung

Erlebnispädagogik: Erziehen durch außergewöhnliche Situationen. Was für eine Idee und was für Möglichkeiten verbergen sich wohl dahinter. Seit dem Seminar „Erlebnispädagogik“ habe ich einen ersten Eindruck gewonnen, wie wirkungsvoll und vielfältig diese handlungsorientierte Methode sein kann.

Betrachtet man die Gesellschaft, in der wir gegenwärtig leben, muss man nach den Missständen nicht lange suchen. Spontaneität und Eigeninitiative nehmen immer mehr ab und „Individualismus“ wurde zum neuen Massenziel erklärt. Das Leben vieler Deutschen ist geprägt von Hektik, Selbstgefälligkeit und festgefahrenen Strukturen.

Die Erlebnispädagogik bietet Elemente, die diesen gesellschaftlichen Mängeln entgegen wirken können. In nichtalltäglichen Situationen wird versucht, den Einzelnen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen zu stellen, um damit Erfahrungen zu ermöglichen, aus denen für den Alltag neue Einsichten, Einstellungen oder Verhaltenspotentiale erwachsen sollen.

Diese Form der Pädagogik hat gegenwärtig recht gute Chancen: In dem Maß, in dem Erlebnis– und Erfahrungsräume für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene eingeengt werden oder völlig verschwinden, und in dem eigenes unmittelbares Erleben aus unserer Zeit und Lebenswelt verdrängt wird, in diesem Maße scheint der Bedarf am Erlebnis zu wachsen. Leider zählen Hilfsbereitschaft, Neugierde, Hingabe, Zusammenarbeit etc. nicht mehr zur ‚Grundausstattung’ jedes Individuums und sind längst nicht mehr selbstverständlich. Die Erlebnispädagogik bietet Elemente, wo beispielsweise durch Projekte oder Expeditionen ein Zugang zu solchen Kompetenzen vermittelt werden soll. Deshalb scheint es auch nicht verwunderlich, dass Erlebnispädagogik reformpädagogischer Tradition heute vorwiegend an den Rändern unserer Gesellschaft zu finden ist. Dort, wo bereits die Einstiege in ein Erleben erschwert wurden und Lebensprozesse tatsächliche Gratwanderungen sind. Wodurch aber sollte man ‚Erleben können’ und Lebensgestaltung besser lernen und entwickeln können als eben durch vitales, aktives, unmittelbares Erleben?

Im folgenden habe ich mich mit dem Wandern als einer erlebnispädagogischen Maßnahme in diesem Sinne speziell auseinandergesetzt. Nachdem ich einen groben Überblick über Wirkungsmodelle und verschiedenen Aktivitäten der Erlebnispädagogik gebe, stelle ich das Wandern bzw. Pilgern vor und schildere diese Maßnahme mit persönlichen Erfahrungen am Beispiel des spanischen Jacobsweges.

2. Erlebnispädagogik

2.1. Kurt Hahn

Die Ursprünge der Erlebnispädagogik genau zu benennen, ist schwierig. Sicher haben Goethe, Rousseau und die Französische Revolution mit den Forderungen nach „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ eine gewisse ‚Vorarbeit’ geleistet, doch entscheidend war das Schaffen des Pädagogen Kurt Hahn (1980 – 1974). Nicht umsonst wird er als Vater der Erlebnispädagogik bezeichnet. Zwar gab es bereits vorformulierte Ideen anderer Pädagogen auf diesem Gebiet, doch er setzte als entscheidenden Schritt diese Ideen in die Tat um. Er gründete Schulen (z.B. Salem) und führte dort erstmalig die sogenannte „Erlebnistherapie“ ein. Das Ziel war, die Jugendlichen, die an modernen Verfallserscheinungen litten, zurück zu den gesunden Tugenden zu führen.

Erlebnispädagogik war eine der Basisgrundlagen des Hahnschen Erziehungskonzeptes. Er befand die Jugend als gesellschaftlich krank, da sie im Netzwerk der modernen Gesellschaft nicht durch natürliche Herausforderungen angeregt wird, grundlegende menschliche Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Hahns Antwort darauf war, den Jugendlichen besondere Erlebnisse zu ermöglichen und so ihren Horizont zu erweitern. Er setzte somit an den Stärken und Fähigkeiten der Kinder an (vgl. Reiners 1993).

2.2. Verschiedene Wirkungsmodelle der Erlebnispädagogik

“The mountain speaks for themselves” - Modell

Wie der Name hier schon sagt, geht dieser Ansatz davon aus, dass der Berg (oder auch der Fluss, die Wildnis, die Stadt etc.) für sich selbst spricht und somit als stiller Lehrmeister fungiert. Die erzieherische Funktion kommt hier durch bloßes Vorhandensein der natürlichen Umwelt und dem Leben fern von zivilisatorischen Einflüssen.

Das bedeutet auch, dass der Begleiter nicht unbedingt pädagogische Kenntnisse haben muss, sondern dass vielmehr die persönliche Erfahrung bzw. sogenannte „Aha-Erlebnisse“ von besonderer Bedeutung sind.

Durch Handeln eigene Erfahrungen machen, ist sicherlich die natürlichste und intensivste Form von Erziehung. Die Kehrseite ist allerdings, dass diese Art von Pädagogik ab einem gewissen Punkt von außen nicht mehr erreichbar ist und dass damit das Resultat eben extrem positiv oder auch extrem negativ sein kann.

Die Begleitung von Klienten (beispielsweise Jugendliche mit konfliktreichen Hinterrund) ohne entsprechende Beratung oder Reflexion halte ich persönlich deshalb für sehr riskant.

„Outward Bound“

Dieses – auch genannte „Aktion Reaktion“ – Modell knüpft an das vorhergehende an und erweitert die Praxis mit der Theorie. Der Begriff bezieht sich ursprünglich auf die Seefahrt und bedeutet ‚für die große Reise gerüstet’. Bei diesem Modell findet zusätzlich eine Auswertung statt, wo Erkenntnisse verarbeitet und somit zu Erfahrungen werden können. Eine wesentliche Rolle hierbei spielt das Gespräch, das ermöglicht, Erlebtes in der Gruppe zu teilen. Tatsache ist, dass pädagogische Leiter hier zusätzlich zu wildnistechnischen und natursportlichen Kompetenzen auch pädagogisches Geschick und psychologisches Hintergrundwissen etc. mitbringen.

Kritisch zu diesem Modell wäre anzumerken, dass sich dieser Ansatz größtenteils über die Reflexion und das Gespräch definiert. Doch grade in Extremsituation gibt es Momente, die wertvoller sind, wenn sie nicht zerredet werden. Ich denke, dass viele Erlebnisse nicht auswertbar sind und die Aktion selbst schon für sich spricht.

Metaphorisches Modell

Dieses von Stephen Bacon entwickelte Modell, ist eine Fortsetzung des „Outward Bound“ und soll den Transfer des Erlebten in die Alltagssituation besser gewährleisten. Der Ansatz setzt auf die Wirkung von Metaphern/ Bildern, die im Verlauf eines erlebnispädagogischen Projektes auftauchen und sich anbieten. Gleichzeitig sind sie auch relevant für die Alltagswelt der Teilnehmer. Die Bilder sollen als Anker wirken. Sie sollen es ermöglichen, im Alltag auftauchende Situationen mit Erlebnissen im Projekt in Verbindung zu bringen und damit auch neu gelernte Verhaltensweisen bzw. Handlungen im Alltag zugänglich zu machen. Damit werden die Metaphern/ Bilder zu Transportmitten für wesentliche Lernbotschaften. Um einen positiven Transport zu gewährleisten, sollten Situationen möglichst so gestaltet sein, dass sie große Strukturähnlichkeit zu denen der Lebensumwelt der Teilnehmer aufweisen.

Allerdings besteht bei diesem Modell die Gefahr, dass das Erlebnis verflacht, da der Ablauf bereits geplant ist, und die Erfahrungen möglicherweise vorweggenommen werden (vgl. Meier-Gantenbein 2000).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wandern als erlebnispädagogische Maßnahme
Hochschule
Technische Universität Dresden
Veranstaltung
Erlebnispädagogik
Note
1,4
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V50465
ISBN (eBook)
9783638466806
ISBN (Buch)
9783638791595
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandern, Maßnahme, Erlebnispädagogik
Arbeit zitieren
Claudia Franke (Autor), 2003, Wandern als erlebnispädagogische Maßnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50465

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