Diese Bachelorarbeit widmet sie sich der Fragestellung, ob, und inwieweit, das soziale Milieu, sowie die Armutslagen von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik, Bildungschancen nachhaltig prägt. Dabei wird der eben getätigten Annahme - jedes Individuum habe eine Chance auf Bildung - nach der deutschen Gesetzeslage, nachgegangen.
Nach der Bestimmung wichtiger Grundlagen und der Definition relevanter Begriffe wird die Theorie von Pierre Bourdieu vorgestellt, die die Basis der Arbeit bilden. Darauf aufbauend werden Faktoren, welche Bildungschancen beeinflussen, untersucht. Das soziale Milieu und dessen Einfluss auf die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern werden dann genauer betrachtet.
Hier ein kleines Gedankenexperiment: Sie sind Lehrkraft an einer beliebigen Grundschule. Im Rahmen des Sachunterrichts in Klasse 3 behandeln Sie das Thema Berufe. Alle Kinder dieser heterogenen Lerngruppe erhalten den Auftrag ihren Traumberuf auf ein Blatt Papier zu malen oder zu schreiben. Am Ende der Unterrichtseinheit stellen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse kurz und präzise der Klasse vor. Die Kinder haben klare und sehr unterschiedliche Traumberufe. Tierärztin, Fußballspielerin, Polizistin, Krankenpfleger, Lehrer, Pilotin und "Chefin" sind die Berufe, welche am häufigsten von den Schülerinnen und Schülern Ihrer Klasse genannt werden. Sie als Lehrkörper erklären den Kindern daraufhin - nach dem Motto "from rags to riches" - dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man nur hart genug dafür kämpft und die Schülerinnen und Schüler demnach später jeden Beruf ausüben können, den sie möchten. Stimmt das?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Bildung
2.2 Bildungschance
2.3 Soziale Ungleichheit
2.4 Soziales Milieu
3 Armut
3.1 Absolute Armut
3.2 Relative Armut
3.2.1 Ressourcenansatz
3.2.2 Lebenslagenansatz
4 Bourdieus Theorie zu den Ursachen sozialer Ungleichheit
4.1 Kapitalsorten
4.2 Habitus
4.3 Der soziale Raum
4.4 Bildungsungleichheit im Bildungswesen
5 Einflussgrößen von Bildungschancen
5.1 Ökonomische Einflussgrößen
5.1.1 Haushaltsnettoeinkommen
5.1.2 Verfügbarer Wohnraum
5.1.3 Zwischenfazit der ökonomischen Einflussgrößen
5.2 Soziale Einflussgrößen
5.2.1 Sozialisation im Elternhaus
5.2.2 Soziale Netzwerke
5.2.3 Zwischenfazit der sozialen Einflussgrößen
5.3 Kulturelle Einflussgrößen
5.3.1 Familie als Bildungsort
5.3.2 Bildungs- und Berufsstand der Eltern
5.3.3 Qualität von Bildungseinrichtungen
5.3.4 Zwischenfazit der kulturellen Einflussgrößen
6 Zusammenhang: soziales Milieu, Armut und Bildungschancen
6.1 Zusammenhang: Bildungschancen und hoher Kapitalbesitz
6.2 Zusammenhang: Bildungschancen und geringer Kapitalbesitz
6.3 Zusammenhang: soziales Milieu und Bildungschancen
6.4 Zusammenhang: Armut und Bildungschancen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des sozialen Milieus sowie der Armutslage auf die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Basierend auf der Theorie von Pierre Bourdieu wird analysiert, inwieweit ökonomische, soziale und kulturelle Faktoren die Bildungsteilhabe nachhaltig prägen und ob Armut tatsächlich Bildungschancen verhindert.
- Analyse sozialer Ungleichheit und des Milieubegriffs
- Armutsdefinitionen (Ressourcenansatz vs. Lebenslagenansatz)
- Bourdieus Kapital- und Habitustheorie im Bildungssystem
- Einflussfaktoren wie Haushaltseinkommen, familiäre Sozialisation und Wohnqualität
Auszug aus dem Buch
4.2 Habitus
Der Begriff des Habitus ist ein grundlegendes Element in der Sozialtheorie von Pierre Bourdieu. Der Habitus wird von Bourdieu als „Grundhaltung gegenüber der Welt“ (Bourdieu 1983) bezeichnet. Die Komplexität des Begriffes lässt sich wie folgt zusammenfassen: „Im Habitus eines Menschen kommt das zum Vorschein, was ihn zum gesellschaftlichen Wesen macht: seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Klasse und die „Prägung“, die er durch diese Zugehörigkeit erfahren hat“ (Treibel 2000, S. 212).
Demnach ist der Habitus auf die „Aneignung sozialer Handlungsformen“ (Rehbein 2016, S. 85) zurückzuführen. Der Habitus wird durch unterschiedliche Faktoren, wie Geschlecht, soziale Stellung, soziale Herkunft und ethnische Zugehörigkeit geprägt (vgl. Treibel 2000, S. 213). Da Individuen in ihren sozialen Klassen aufwachsen und durch verschiedene Lebensbedingungen beeinflusst werden, entstehen unbewusste und klassenspezifische Formen des Habitus (vgl. Hradil 2006).
Die in diesem Abschnitt dargelegte Habitus Theorie kann – wie auch schon die Kapital Theorie – als eine mögliche Erklärung für die über Generationen bestehende soziale Ungleichheit, die bereits in Kapitel 2.3 beleuchtet wurde, dienen. Nach Auffassung der Autorin bedingt der Habitus eines jeden Individuums, welcher durch das soziale Milieu geprägt ist, soziale Unterschiede. Aus diesem Grund ist er für die Arbeit von Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein und verdeutlicht anhand eines Gedankenexperiments die Diskrepanz zwischen dem rechtlichen Anspruch auf Bildungsgleichheit und der empirisch belegten Ungleichheit.
2 Begriffsklärung: Hier werden die zentralen Begriffe wie Bildung, Bildungschance, soziale Ungleichheit und soziales Milieu definiert und voneinander abgegrenzt.
3 Armut: Dieses Kapitel widmet sich der Definition und Differenzierung von Armut, wobei insbesondere der Ressourcenansatz und der multidimensionale Lebenslagenansatz gegenübergestellt werden.
4 Bourdieus Theorie zu den Ursachen sozialer Ungleichheit: Die Theorie von Pierre Bourdieu bildet die theoretische Basis und erläutert durch die Konzepte von Kapital, Habitus und sozialem Raum die Reproduktion sozialer Ungleichheit.
5 Einflussgrößen von Bildungschancen: Hier werden ökonomische, soziale und kulturelle Einflussfaktoren systematisch untersucht, um deren Wirkung auf die Entwicklung und Bildungsbiografie von Kindern zu ergründen.
6 Zusammenhang: soziales Milieu, Armut und Bildungschancen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse zusammengeführt, um den Einfluss von Kapitalbesitz auf Bildungschancen sowie die Wechselwirkungen zwischen Milieu, Armut und Bildung aufzuzeigen.
7 Fazit: Das abschließende Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und beantwortet die Frage, ob Armut Bildungschancen nachhaltig verhindert.
Schlüsselwörter
Bildungschancen, Soziales Milieu, Armut, Pierre Bourdieu, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Habitus, Ressourcenansatz, Lebenslagenansatz, Bildungssystem, Bildungsbiografie, Chancengerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft, ökonomischer Armut und den Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern im deutschen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind soziale Ungleichheit, die verschiedenen Kapitalsorten nach Bourdieu, der Einfluss des Elternhauses auf die Bildungsbiografie und die Auswirkungen von Armutslagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, inwieweit das soziale Milieu und die Armutslage von Kindern und Jugendlichen ihre Bildungschancen nachhaltig prägen und ob die Annahme der Chancengleichheit in der Realität Bestand hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Konzepte sowie der Auswertung empirischer Studien zur Bildungsforschung und Armutsberichterstattung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen nach Bourdieu erläutert, Einflussgrößen (ökonomisch, sozial, kulturell) differenziert analysiert und diese auf den Zusammenhang von Armut und Bildungschancen angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Bildungschancen, soziales Milieu, Bourdieu, Kapitalbesitz, Bildungsungleichheit und Chancengerechtigkeit.
Inwiefern beeinflusst das elterliche Einkommen die Schullaufbahn?
Ein höheres Haushaltseinkommen ermöglicht bessere materielle Voraussetzungen, Bildungsressourcen und eine Wohnqualität, die sich positiv auf die familiäre Lernumwelt und somit auf den schulischen Erfolg auswirkt.
Warum spielt der Habitus bei der Analyse der Bildungschancen eine Rolle?
Der Habitus prägt als unbewusste „Grundhaltung“ die Einstellung zu Bildung und Schule; da er durch das soziale Milieu vermittelt wird, trägt er maßgeblich zur Reproduktion sozialer Unterschiede bei.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Armut verhindert Bildung? Einfluss des sozialen Milieus auf die schulischen Bildungschancen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504868