Vergleich zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Westfälischen Frieden


Hausarbeit, 2019
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das konfessionelle Zeitalter
2.1 Anfänge der Reformation
2.2 Der Augsburger Religionsfriede und die vorigen Reichstage
2.3 Anhaltende Konflikte
2.4 Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede

3. Die beiden Beschlüsse
3.1 Der Augsburger Religionsfriede
3.2 Der Westfälische Friede

4. Kritischer Vergleich

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Augsburger Friedenswerk, sowie der westfälische Frieden sind beides Abkommen mit immenser Bedeutung. Durch das Augsburger Friedenswerks von 1555 wurden erstmals auf Grund von reichsrechtlichen Beschlüssen die grundlegenden Bedingungen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz von Luthertum und Katholizismus im alten Reich festgelegt. Es gilt als Abschluss des Reformationszeitalters in Deutschland das 1517, angeführt durch Martin Luther, begann. Der westfälische Frieden wurde zu einer Art Grundgesetz des Alten Reiches und ist die bis zum heutigen Tage am längsten bestehende Verfassung in der deutschen Geschichte. Johannes Burkhardt, deutscher Historiker mit Publikationen zum Dreißigjährigen Krieg, beschreibt diesen anlässlich zum 350. Jubiläum als das „größte und grundlegendste Friedenswerk der Neuzeit, vielleicht der Geschichte überhaupt“. Die grundlegende Fragestellung dieser Hausarbeit ist: „Inwieweit ähneln sich bei einem Vergleich des Augsburger Religionsfriedens von 1555 und dem westfälischen Frieden von 1648 die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Umstände? Die Betrachtung des Augsburger Reformwerks beschränkt sich auf die Paragraphen 9 bis 30, da diese sich mit dem Religionsfrieden befassen. Paragraphen 1 bis 8 werden auf Grund von fehlender Relevanz ausgelassen. Paragraphen 31 bis 103 werden nicht betrachtet, da diese zur Reichsexekutionsordnung gehören und somit hier nicht von Bedeutung sind. Die Betrachtung des westfälischen Friedens in dieser Arbeit geschieht über den Osnabrücker Friedensvertrag, welcher die gesetzliche Verfassungsurkunde war und größerer Bedeutung zukam. Um der Fragestellung auf den Grund zu gehen werden zunächst die Grundlagen des historischen Kontexts dargelegt. Angefangen bei Luther und seinen 95

Thesen im Jahre 1517, bis hin zu dem westfälischen Frieden 1648. Für einen Vergleich ist es weiterhin erforderlich beide Friedensdokumente in ihrer Vollkommenheit vorzustellen und zu analysieren. Schließlich folgt der Vergleich, der sich auf die zeitgenössischen Umstände und die verfassungsrechtlichen Grundlagen beschränkt.

2. Das konfessionelle Zeitalter

Der Zeitraum von 1517 (oft auch 1555) bis 1648 ist als das konfessionelle Zeitalter bekannt. Man meinte zu dieser Zeit nur in der eigenen Konfession den wahren Glauben zu finden und diesen galt es zu verteidigen und durchzusetzen, da diese religiösen Fragen von existenzieller Bedeutung waren.

2.1 Anfänge der Reformation

Das Papsttum hatte eine bereits längere Krisenzeit hinter sich, denn bereits seit Beginn des 15. Jahrhunderts lag die Frage im Raum ob der Papst oder ein Konzil als höchste Instanz gelten. Eine weitgehende Verweltlichung und Politisierung der Kirche führte außerdem zu einem Autoritätsverlust. Nachdem Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, fanden die Ideen der Reformation im Reich, trotz der verhängten Reichsacht über Luther durch das Wormser Edikt 1521, immer mehr Anhänger.1 Neben Luther der wichtigste Reformator war der Schweizer Theologe Huldrych Zwingli. Durch ihn wurde die Reformation in Zürich eingeführt. Ausserdem feierte er vor allem in den oberdeutschen Reichsstädten mit seiner Bewegung große Erfolge.2 Die Protestanten mehrten sich.

Seinen Höhepunkt hatte das Luthertum Mitte des 16. Jahrhunderts erreicht. Ebenfalls in dieser Zeit begann der Calvinismus sich auszubreiten und durchquerte von 1550 bis 1570 weite der europäischen Welt. Der Calvinismus war Ergebnis der Konfessionalisierung in der Schweiz und des Zusammenkommen der Zürcher und Genfer Reformation.3 Der erste Versuch die Streitfragen zu klären fand im Wormser Edikt von 1521 statt. Dieser wurde allerdings von den Reichsständen nicht unterstützt und war somit nicht tragbar. Befristete Regelungen auf den folgenden Reichstagen konnten keine Rechtssicherheit bieten und somit stand immer die Befürchtung eines Religionskrieges im Raum.4

2.2 Der Augsburger Religionsfriede und die vorigen Reichstage

Protestantische Reichsstände versammelten sich 1530 auf dem Augsburger Reichstag und legten die Confessio Augustana, ihr grundlegendes Glaubensbekenntnis vor.5 Der Nürnberger Religionsfrieden 1532 brachte erste Ergebnisse, durch welchen zum ersten Mal protestantische Landeskirchen reichsrechtliche Anerkennung verbrieft wurden und Kirchengutprozesse beim Reichskammergericht suspendiert wurden. Bereits ein Jahr zuvor im Jahre 1531 schlossen sich, nach dessen Ablehnung durch Kaiser Karl V., eine Reihe evangelischer Reichsstände unter der Führung von Moritz von Sachsen zum Schmalkaldischen Bund zusammen, und bildeten somit einen protestantischen Machtblock.6

Nach dem schmalkaldischen Krieg, den Kaiser Karl gewann und dem Augsburger Interim, das allerdings schlecht aufgenommen wurde, da Karls Vorstellungen keinen Anklang fanden, folgte eine weitere Phase der Unruhe.7 1552 starteten die so genannten Passauer Verhandlungen mit Karls Bruder, dem römischen König Ferdinand, da Karl in einigen Konflikten stand auf Grund seiner Führung des Reiches. Hier wurden bereits grundlegende Verfassungsideen aufgebracht. Aus diesen Passauer Verhandlungen, die grundsätzlich als wichtiger als der eigentliche Vertrag gelten, konnte man drei Erkenntnisse ziehen. Zu einem, dass fast alle mit einem Ausgleich auf Grundlage des Status quo einverstanden sind. Weiterhin, dass ein politischer Frieden notwendig ist, um eine Wiedervereinigung der Kirche herzustellen. Die dritte Erkenntnis beinhaltet, dass das Reich von innen heraus befriedet werden muss.8 Doch scheiterten sie noch an der kaiserlichen Zustimmung und so wurde hier draus nur ein weiteres befristetes Abkommen. Da Karls Autorität angeschlagen war, übergab er Ferdinand die volle Verantwortung für zukünftige Religionsverhandlungen. Ferdinand pflegte eine engere Verbindung mit den Reichsständen, die auf eine Entkoppelung von Glaubens- und Reichseinheit bestanden. Als Folge entwickelte sich das Bewältigen der konfessionellen Koexistenz zum Primärziel.9

Nach mehreren Jahrzehnten der politischen, religiösen und militärischen Auseinandersetzungen war für die Reichsstände, die sich fast alle einen unbefristeten Frieden, Rechtssicherheit und Ruhe wünschten, die Möglichkeit gekommen, gemeinsam eine Balance zu finden. Auf diesen Grundlagen und Vorstellungen aufbauend, trat am 5. Februar 1555 der Augsburger Reichstag zusammen. Die Verhandlungen wurden hier somit von König Ferdinand I. geführt. Zusammen mit den katholischen und evangelischen Reichsständen wurde ein Vertrag erstellt, der den mittlerweile müden Ständen einen Frieden bringen und somit das Reich vor dem Zusammenbruch bewahren sollte. Somit konnte eine wirkliche Entspannung erreicht werden in Form des Augsburger Religionsfriedens, durch das endgültig offiziell auf ein einheitliches Bekenntnis im Reich verzichtet wurde. Dass der kirchlich- theologische Konflikt nicht beendet und der jeweilige Absolutheitsanspruch der religiösen Parteien nicht angetastet wurde, deutete sich bereits auf den vorigen Reichstagen der Reformationszeit an.10 Der Religionsfriede von 1555 sollte keinen Frieden auf religiöser, sondern nur auf politischer Ebene bringen.11

2.3 Anhaltende Konflikte

Dadurch, dass die Konfessionsfrage weiterhin in der Schwebe lag, wurde somit die Koexistenz der beiden großen Konfessionen ermöglicht. Durch den Frieden wurde ein Maßstab für das reichsrechtliche Miteinander beider Kirchen/Konfessionen gesetzt, auch wenn es weiterhin Friedensbrüche in Form von Säkularisierungen auf protestantischer Seite gab. Dieser Maßstab galt bis zum Ausbruch des dreißigjährigen Krieges.12 Das Reich bestand fortan aus zwei Konfessionen, die beide kein Bestreben zeigten zukünftig eine dritte Konfession aufkommen zu lassen.13 Täufer, Zwinglianer und Calvinisten wurden nicht anerkannt.14

Durch das Reformwerk wurden zunächst die Konfessionsprobleme beruhigt. Das Reich hatte eine Blütephase hinsichtlich der Politik. Konfessionell gesehen wurde noch ein friedliches Miteinander versucht zu erreichen. Es wurde deutlich, dass die Formulierung des Augsburger Friedenswerks nicht deutlich genug und somit von beiden Seiten zu ihren Gunsten ausgelegt wurde. Dies geschah da ohne diese Disparität in den Regelungen solch ein Friedenswerk nicht möglich gewesen wäre. Als Folge des Ganzen entstand ein Komplex, in dem die jeweiligen Seiten die einzelnen Artikel zu ihren Gunsten ausgelegt haben und somit ein Kampf um die Auslegung entstand.15

[...]


1 Axel GOTTHARD, Das Alte Reich. 1495 - 1806, Darmstadt 22005 (Geschichte kompakt), S. 38.

2 Alfred KOHLER, Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, München 2011 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 39), S. 30.

3 Harm KLUETING, Das konfessionelle Zeitalter. 1525 - 1648 ; 15 Herrscher- und Stammtafeln und eine Zeittafel, Stuttgart 1989 (UTB für Wissenschaft Uni-Taschenbücher Geschichte 1556), S. 195.

4 GOTTHARD, Das Alte Reich, S. 38.

5 Olaf MÖRKE, Die Reformation. Voraussetzungen und Durchsetzung, München 2005 (Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 74), S. 43.

6 Ebd., S. 44.

7 GOTTHARD, Das Alte Reich, S. 39.

8 Ebd., S. 45.

9 Ebd., S. 48.

10 Franz BRENDLE, Das konfessionelle Zeitalter, München 2010 (Akademie Studienbücher - Geschichte), S. 84.

11 KLUETING, Das konfessionelle Zeitalter, S. 138.

12 Alfred KOHLER, Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, München 2011 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 39), S. 66.

13 Harm KLUETING, Das konfessionelle Zeitalter. 1525 - 1648 ; 15 Herrscher- und Stammtafeln und eine Zeittafel, Stuttgart 1989 (UTB für Wissenschaft Uni-Taschenbücher Geschichte 1556), S. 144.

14 Peter BLICKLE, Die Reformation im Reich, Stuttgart 32000 (UTB für Wissenschaft Uni-Taschenbücher Geschichte 1181), S. 171.

15 Wolfgang REINHARD, Probleme deutscher Geschichte 1495-1804. Reichsreform und Reformation 1495-1555, Stuttgart 12004 (Handbuch der deutschen Geschichte 9), S. 353.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Westfälischen Frieden
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V504886
ISBN (eBook)
9783346051257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, augsburger, religionsfrieden, westfälischen, frieden
Arbeit zitieren
Alexander Kalemba (Autor), 2019, Vergleich zwischen dem Augsburger Religionsfrieden und dem Westfälischen Frieden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504886

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