Männer in Frauenberufen. Position des Mannes und die geringe Männerquote im Erzieherberuf


Projektarbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Männlichkeitsideal
2.1 Hegemoniale Männlichkeit
2.2 Männer unter dem Druck des Männlichkeitsideals

3. Geschlechtliche Arbeitsteilung
3.1 (Re-)Segregation in der Arbeitswelt
3.2 Männerberufe und Frauenberufe
3.3 Strategien des Mannes im Frauenberuf
3.4 Arbeitsformen im Wandel

4 Männer im Erzieherberuf
4.1 Männliche Zugänge zum Erzieherberuf
4.2 Im Beruf angekommene Erzieher
4.3 Tätigkeitsfelder und Konfliktpotenziale
4.5 Fehlende Attraktivität des Erzieherberufs

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Projektarbeit wird die aktuelle Situation von Männern im Erzieherberuf in Deutschland dar gelegt und dabei besonders auf die Position des Mannes im Beruf des Erziehers, sowie die möglichen Gründe für die geringe Männerquote eingegangen. Die Untersuchung der „aktuellen Situation“ und der Männerquote beschränkt sich in dieser Arbeit auf Interviews mit Erziehern, Leitern und Eltern, Darstellung der Geschlechtersegregation, Betrachtung der Frauen- und Männerberufe und der Modelle und Strategien von Männlichkeit, sowie Besonderheiten des Mannes in der Erwerbsarbeit, speziell in der Frauenarbeit, beziehungsweise in dem Erzieherberuf. Dazu wird zunächst das Modell der hegemonialen Männlichkeit dargestellt, um hierarchische Geschlechtsverhältnisse zu verdeutlichen und den Druck oder den Zwang klarzumachen, welchem Männer durch das Männlichkeitsideal, mit besonderem Bezug auf die Erwerbsarbeit, ausgesetzt sind. Daraufhin wird die geschlechtliche Segregation in der Arbeitswelt vorgestellt, gefolgt von der Klarstellung, was einen Frauenberuf ausmacht und welche Strategien Männer, die in Frauenberufen arbeiten, verfolgen. Nachdem einer Betrachtung des Wandels des Arbeitsmarktes geht es speziell um den Mann als Erzieher, hinsichtlich den Zugängen zum Beruf, den Tätigkeitsfeldern, der fehlenden Attraktivität des Erzieherberufs, speziell für Männer, und der Sichtweise von aktuellen männlichen Erziehern und dem Umfeld der Erzieher, sowie der Kita auf männliche Erzieher.

2. Das Männlichkeitsideal

Im Folgenden werden hierarchische Verhältnisse zwischen Mann und Frau, sowie zwischen Männern, aufgezeigt und die Zwänge, denen Männer unterliegen dargelegt.

2.1 Hegemoniale Männlichkeit

In der hegemonialen Männlichkeit nach Connell wird das herrschende Männlichkeitsideal dargestellt, das als Leitbild von Männlichkeit dient. (vgl. Ganß 2010: 49f) Innerhalb des Modells der hegemonialen Männlichkeit gibt es mehrere Männlichkeiten, die ein hierarchisches Verhältnis zueinander besitzen Ebenso gibt es ein hierarchisches Verhältnis zwischen Mann und Frau. In der Grundhaltung der hegemonialen Männlichkeit liegt eine klare Abgrenzung von männlichem und weiblichem vor. (vgl. Ganß 2010: 50) Das Männliche spiegelt sich hierbei in den Attributen „weiß“, „heterosexuell“, „mächtig“ und „ökonomisch“ wieder. (vgl. Ganß 2010: 50f) Wobei Männlichkeit nicht als Eigenschaft zu sehen ist, sondern als eine Position im Geschlechterverhältnis, bezogen auf „Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen, und die Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur“. (Ganß 2010: 50) Die hegemoniale Männlichkeit wird zur Aufrechterhaltung der bestehenden Geschlechterverhältnisse genutzt, indem das Männlichkeitsideal dar gestellt wird, welches als Orientierungsmuster genutzt wird. (vgl. Ganß 2010: 50) Diese hegemonialen Strukturen fallen dem Alltagsbewusstsein nicht auf und werden somit nicht hinterfragt. Sie werden gar gestützt und reproduziert. Es lässt sich als eine unbewusste Zustimmung formulieren. (vgl. Ganß 2010: 50) Ein Beispiel für das hierarchische Verhältnis zwischen Mann und Frau bieten Männer, die dem Alleinernährermodell nicht nachkommen können, und sich deshalb an der „hegemonialen Selbstdefinition als Ernährer der Familie“ festkrallen, um die Dominanz innerhalb der Familie und der Ehe zu bewahren. Sie profitieren von der höheren Stellung des Mannes, die durch das Modell der hegemonialen Männlichkeit entsteht. (vgl. Ganß 2010: 51) Connell nennt zwei relevante Beziehungsformen: Unterordnung und Marginalisierung. (vgl. Ganß 2010: 52) Ein Beispiel einer untergeordneten Gruppe bietet die der Homosexuellen. (vgl. Ganß 2010: 52) Die Gruppe der Erzieher fällt übrigens ebenfalls in solch eine untergeordnete Gruppe, da sie dem Männlichkeitsideal durch die Auswahl eines weiblichen Berufs klar entfernt bleiben. (vgl. Tünte 2006: 15) Die Gruppe der Homosexuellen wird abgewertet, da diese näher am weiblichen Geschlecht angesiedelt sind. Der Grund für die Abwertung liegt in der charakteristischen Gegenüberstellung von Mann und Frau durch die hegemoniale Männlichkeit. (vgl. Ganß 2010: 52) Erzieher sind dem oft ausgesetzt, da Homosexualität und Weiblichkeit, welche durch einen Frauenberuf ausgestrahlt wird nah beieinander liegen. Es wird davon ausgegangen, dass Erzieher homosexuell sind, beziehungsweise es wird zumindest der Verdacht erweckt. (vgl. Markus Tünte 2006: 15) Marginalisierung bezieht sich unter anderem auf Männer mit einem niedrigeren ökonomischen und gesellschaftlichen Status oder auf bestimmte Rassen. (vgl. Ganß 2010: 52) Diese Marginalisierung ist hinsichtlich des Erzieherberufs gültig. Das Grundprinzip hier ist, dass das Verhalten nach dem Männlichkeitsideal einzelner sich nicht positiv auf die gesamte Gruppe auswirkt. Ein oft geliefertes Beispiel, um dieses Modell zu verdeutlichen, ist das der Wirkung von Erfolgen von schwarzen Männern innerhalb des Sports. Schwarze Männer, die als Spitzensportler gelten und damit als ein eigentliches Vorbild für die hegemoniale Männlichkeit dienen, haben keine positive Wirkung auf die anderen Schwarzen und deren Status. Die gesamte Gruppe erhält keinen Zuwachs von Autorität oder Ähnlichem durch einzelne Personen. (vgl. Ganß 2010: 52)

2.2 Männer unter dem Druck des Männlichkeitsideals

Männer, die in Berufe einsteigen, die als Frauenberufe betitelt werden, gelten in der Männerwelt als ein seltsames Exemplar des Mannes, da sie in der sozialen Arbeit eine Tätigkeit verrichten, die mit dem gesellschaftlichen Männlichkeitsideal kollidiert. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 160) Die „Herstellung einer Kongruenz zwischen beruflicher Tätigkeit und der eigenen Geschlechtszugehörigkeit“ (Ganß 2010: 80) ist für die Männer mit einer höheren Relevanz versehen als es bei den Frauen der Fall ist. (vgl. Ganß 2010: 80) Auf Grund dessen versuchen viele Männer, die in solchen Bereichen arbeiten, ihr Defizit hinsichtlich des Männlichkeitsideals aufzuarbeiten und streben deshalb Führungspositionen an oder arbeiten mit einem Klientel, welches fordert männliche Handlungsmuster nutzen zu müssen. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 160f) Für einen Mann ist es schließlich normal, dass er Männerarbeit verrichtet, hart arbeitet um voranzukommen, seine Aufstiegschancen wahrnimmt und Abteilungsleiter werden will. Ein rücksichtsloses Verhalten gegenüber beruflichen Mitstreitern gehört ebenfalls dazu. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 165) Es gibt offensichtliche Vorteile, die höhergestellte Jobs oft mit sich bringen. Anerkennung, Geld, Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und der Kreativität, Abwechslung und mehr Entscheidungsfreiheit. Alltag, als auch Sozialwissenschaft sind sich allerdings unschlüssig, ob eine höher dotierte Stelle tatsächlich einen positiven Effekt als Ergebnis mit sich bringt (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 166) Das Dilemma der Männlichkeit zwingt den Mann dazu sich mit Macht, Kampf und Erfolgen zu schmücken. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 167) „Männerarbeit macht keinen Spaß, sie hat hart zu sein.“ (Schnack und Gesterkamp 1996: 169) Männer nehmen an, dass sie nur durch Leistungen liebenswert sind. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 168) Sie sind in dem Modell des alleinigen Ernährers gefangen. Für den traditionellen Mann ist der Schwerpunkt das Berufsleben. Erwerbsarbeit gilt für sie als Männerprivileg. In dieser gelten Frauen als Reserve und nicht als direkte Konkurrenz des Mannes. (vgl. Zulehner und Volz 1999: 17) Im familialen Bereich sehen sie sich als Zuständiger für das Einkommen und als Entscheidungsträger. (vgl. Zulehner und Volz 1999: 20) Der Beruf, in dem sie tätig sind, ist die Opfergabe, der sie sich für ihre Familien unterziehen. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 169) Das Konkurrenzverhalten, das durch Männer an den Tag gelegt wird, wird den Jungen von klein auf anerzogen, aus Angst sie können sich im späteren Leben nicht durchsetzen. Dieser männliche Konkurrenzkampf ist in der Gesellschaft tief verankert. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 159) Wer sich diesem Kampf nicht aussetzt gerät in eine Oppositions- oder Außenseiterrolle. Auch wenn der Konkurrenzkampf nicht immer sinnvoll ist und eher Erschöpfung mit sich bringt, als dass es einen tatsächlichen Ertrag mit sich erzeugt. (vgl. Schnack und Gesterkamp 1996: 159) Traditionelle Männer sehen im Konkurrenzkampf eine essenzielle Grundhaltung für das Überleben in der Erwerbsarbeit und um ihre Männlichkeit zu bewahren. (vgl. Zulehner und Volz 1999: 18)

3. Geschlechtliche Arbeitsteilung

Es folgt eine Darstellung der Segregation in der Arbeitswelt, eine Betrachtung der geschlechtsspezifischen Berufe, sowie den Taktiken der Männer in einem Frauenberuf. Daraufhin wird ein Blick auf die Entwicklung der Erwerbsarbeitsformen folgen.

3.1 (Re-)Segregation in der Arbeitswelt

Obwohl hinsichtlich des Bildungsniveaus, des Ausbildungsniveaus und der Erwerbsbiographien von Männern und Frauen eine Entwicklung hin zur Angleichung zu erkennen ist, und es auf politischer Ebene zu Maßnahmen gekommen ist, die zu der Gleichstellung beitrugen, ist die Segregation der Geschlechter in der Arbeitswelt stets ein Phänomen geblieben. Während Männer eher handwerklich-technische Berufe favorisieren, arbeiten Frauen oft im Dienstleistungssektor oder in Verwaltungsberufen. (vgl. Ganß 2010: 64f) Innerhalb von Betrieben sind gravierende Unterschiede vorhanden. In fast 80 Prozent der Betriebe haben nur Männer Managerposten inne. 9 Prozent der Betriebe stellen ausschließlich Managerinnen ein. (vgl. Ganß 2010: 66) Durch die Statistiken der Studienfächerwahlen der Geschlechter lässt sich weiterhin auf eine Resegregation schließen. Während Männer sich meist für Ingenieurwissenschaften, Mathematik- und Naturwissenschaften entscheiden, sind die beliebtesten Studienfächer der Frauen „Sozialwissenschaften bzw. Sozialwesen, Pädagogik und Psychologie sowie die Sprach und Kulturwissenschaften“. (vgl. Ganß 2010: 66)

3.2 Männerberufe und Frauenberufe

Der Erzieherberuf wird unter anderem als Frauenberuf stigmatisiert, da der Stereotyp fest verankert ist, dass Kindeserziehung und Kindespflege traditionell als Frauentätigkeit angesehen wird. Frauen seien auf Grund der natürlichen Eigenschaften dazu geeignet erzieherische Tätigkeiten auszuführen. Die Frau sei für die Kindeserziehung geschaffen, da sie gebärfähig ist. Dies wurde in der Vergangenheit als Naturtatsache dahingestellt. Diese Vorstellungen sind heute nicht verschwunden. (vgl. Ganß 2010: 60) Die Tätigkeitsfelder können zwar ein Indiz dafür sein, ob ein Beruf als weiblich oder männlich gilt, allerdings lässt sich das alleine dadurch nicht festschreiben. Berufe, die früher als typisch männerdominiert galten wie Friseur, Mitarbeiter in der Textilindustrie, oder Kellner gelten heutzutage entweder als Frauenberuf oder als gemischtgeschlechtlicher Beruf. (vgl. Ganß 2010: 73) Wenn ein Mann in einem dieser Berufe arbeitet dann nur als ein „Spitzenkönner“ in einer besonderen Position. (vgl. Ganß 2010: 73) Umgekehrt gibt es ebenfalls dasselbe Entwicklungsmuster. Der Job des Krankenpflegers, der in der Vergangenheit den Frauen zugeschrieben wurde, ist mittlerweile ein männderdominierter Beruf. (vgl. Ganß 2010: 73) Auffällig bei dem Wechsel der Geschlechtsdomäne eines Berufs ist der Statuswechsel, den dieser dabei erlebt. Wird ein Frauenberuf im Laufe der Zeit zu einem Männerberuf steigt der Status. Wird der Männerberuf zu einem Frauenberuf sinkt der Status. (vgl. Ganß 2010: 73) Auf Grund dieses Phänomens ist es kein Wunder, dass einige Frauen, die in einem Frauenberuf tätig sind, erfreut mit ansehen wenn eine verstärkte Integration von Männern stattfindet, da dadurch ein Statusgewinn erbracht werden kann. (vgl. Krabel und Cremers 2010: 74) Der Anteil derer, die von einem Statusgewinn ausgehen innerhalb des Erzieherberufs bei einer Steigerung des Männeranteils ist einigermaßen groß. In der Befragung der „Koordinationsstelle Männer in Kitas“ gehen 46 % der Trägerverantwortlichen, 42 % der Kitaleitungen und 26 Prozent der Eltern davon aus, dass eine Steigerung des gesellschaftlichen Ansehens des Erzieherberufes durch den erhöhten Männeranteil in diesem Bereich erfolgt. (vgl. Krabel und Cremers 2010: 58) Ein weiterer Grund für die mangelnde Wertschätzung ist neben dem geringen Männeranteil die „Nicht-Ökonomisierbarkeit“ der Sorgearbeit. Effizienz-, Waren- und Profitmaximierung sind in Zeiten der industriellen Produktion und des Kapitalismus wichtige Eckpfeiler geworden. Jedoch passen diese Eckpfeiler nicht ins Bild der Sorgearbeit. Sorgearbeiten entsprechen nicht dem in der Industriegesellschaft so wichtig gewordenen Bild der Produktivität. Es ist kaum, beziehungsweise nur in geringem Maße möglich ein Kind schneller zu erziehen. (vgl. Madörin 2007: 146) Sorgearbeit wird auf Grund dessen schlichtweg diskreditiert, an das diskreditierte Geschlecht, der Frau, verwiesen und somit als Frauenberuf abgestempelt. (vgl. Becker–Schmidt 2011: 12) Doch was genau verbindet sogenannte Frauenberufe nun, beziehungsweise was zeichnet sie aus? Frauenberufe lassen sich durch zwei Aspekte verbinden. Sie gelten im Vergleich zu Männerberufen als geringer qualifiziert und haben einen niedrigeren Status. Dies spiegelt sich in Bezahlung, Aufstiegschancen und Entscheidungsbefugnissen wieder. In diesen Bereichen hinken Frauenberufe den Männerberufen größtenteils nach. (vgl. Ganß 2010: 74)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Männer in Frauenberufen. Position des Mannes und die geringe Männerquote im Erzieherberuf
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V504887
ISBN (eBook)
9783346051271
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Männer Frauenberufe Männerquote Erzieher
Arbeit zitieren
Alexander Kalemba (Autor), 2018, Männer in Frauenberufen. Position des Mannes und die geringe Männerquote im Erzieherberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/504887

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