„Internationale Politik ist, wie alle Politik, ein Kampf um die Macht (...) Politik im engeren Sinne sucht entweder Macht zu erhalten, Macht zu vermehren oder Macht zu demonstrieren.“
Dieses Zitat von dem wohl wichtigsten Theoretiker des politischen Realismus, Hans Joachim Morgenthau, spiegelt die Grundeinstellung der Realisten wieder, von der ausgehend diese die internationale Politik, so wie diese wirklich beschaffen ist, analysieren.
Im folgenden werde ich die theoretischen Vordenker dieser Denkrichtung, angefangen mit Thukydides bis zu Thomas Hobbes, vorstellen, um die wesentlichen Ansatzpunkte, an die sich die modernen Theoretiker anlehnen, darzulegen. Darauf folgend werde ich den historisch-politischen Hintergrund, der die „Wiedergeburt“ des realistischen Denkens geprägt hat, erläutern, um dann die wesentlichen Grundannahmen, auf denen die Theorie aufbaut, vorzustellen. Da die moderneren Theoretiker sich in den Ansichten über die internationale Politik und das staatliche Handeln zwar ähnlich sind, aber in den Vorschlägen zur Friedensbewahrung unterscheiden, werde ich zunächst vertiefender auf Hans J. Morgenthaus Kritik bezüglich der bereits vorhandenen Instrumenten zur Friedenssicherung im internationalen Umfeld eingehen, daraufhin seinen Vorschlag zur Lösung des Problems mit den Vorschlägen anderer wichtiger Vertreter zu vergleichen, um im Fazit zu diskutieren, inwiefern der politische Realismus die heutige Struktur in den internationalen Beziehungen erklären kann und wo seine Grenzen liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Vordenker
2.1 Thukydides (Macht und Recht)
2.2 Niccolo Machiavelli (Macht und Staatsraison)
2.3 Thomas Hobbes (Anarchie und Sicherheit)
3. Historisch-politischer Entstehungshintergrund
4. Grundannahmen
5. Hans Joachim Morgenthau
5.1 Das Gleichgewicht der Mächte
5.2 Internationale Moral und öffentliche Weltmeinung
5.3 Das Völkerrecht
5.4 Die Vereinten Nationen (UNO)
5.5 Die Weltgemeinschaft (UNESCO)
5.6 Die Diplomatie
6. Edward Hallett Carr
7. John H. Herz
8. Henry Alfred Kissinger
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen des politischen Realismus in den Internationalen Beziehungen, mit einem besonderen Fokus auf das Werk und die Kritik von Hans Joachim Morgenthau an internationalen Friedensinstrumenten.
- Historische Entwicklung und Vordenker des politischen Realismus (Thukydides, Machiavelli, Hobbes).
- Darstellung der realistischen Grundannahmen wie Anarchie und Sicherheitsdilemma.
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit internationaler Institutionen wie UNO, Völkerrecht und UNESCO.
- Die Rolle der Diplomatie als zentrales Mittel zur Friedenserhaltung.
- Vergleichende Perspektiven von Theoretikern wie Carr, Herz und Kissinger.
Auszug aus dem Buch
2.2 Niccolo Machiavelli (Macht und Staatsraison)
Niccolo Machiavelli (1469-1527) war ein italienischer Diplomat und politischer Philosoph. Er erlebte den Zerfall der florentinischen Republik, die in mehrere eigenständige Staaten aufgeteilt wurde, die sich dann untereinander bekriegten, mit und verlor mit diesem seine Diplomatenstelle, wonach er sich auf sein Landgut zurückzog und das politische Geschehen von außen beobachtet und dokumentiert hat. In dieser Zeit entstanden seine wichtigsten Werke wie „Der Fürst“ und „Discorsi“ in denen er, geprägt von den politischen Erschütterungen in der alten Republik, Überlegungen zur Staatsgründung, Staatsform und Staatssicherheit anstellte.
Die für den Realismus prägende Überlegung war die aus der Menschlichen Natur abgeleitete Instabilität in den zwischenstaatlichen Beziehungen. Da ein Mensch nie genug hat und nie mit dem, was er hat, zufrieden ist, strebt er immer nach mehr, indem er den anderen etwas wegnimmt, wodurch Feindseligkeiten und Krieg permanente Zustände des menschlichen Daseins sind. „Die menschlichen Wünsche (sind) unersättlich, da die menschliche Natur alles begehrt und alles will, das Schicksal uns aber nur wenig gewähren kann.“ Aus der grundlegenden Instabilität aller politischer Verhältnisse folgert Machiavelli, dass es keine festgelegten Prinzipien für einen Staatsführer geben kann, an die er sich zu halten hat und stellt einige Grundsätze auf, die einen groben Handlungsrahmen vorgeben, um den Staat aufrechterhalten zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des zentralen Zitats von Hans J. Morgenthau und Erläuterung des weiteren Vorgehens der Arbeit.
2. Theoretische Vordenker: Analyse der Beiträge von Thukydides, Machiavelli und Hobbes zur Begründung des realistischen Staatsverständnisses.
3. Historisch-politischer Entstehungshintergrund: Erläuterung des Übergangs vom idealistischen Denken nach dem Ersten Weltkrieg zum Realismus infolge globaler politischer Krisen.
4. Grundannahmen: Definition der zentralen Konzepte des Realismus, insbesondere Anarchie, Sicherheitsdilemma und das Nullsummenspiel.
5. Hans Joachim Morgenthau: Umfassende Untersuchung der Realismustheorie Morgenthaus und seiner Kritik an internationalen Institutionen.
6. Edward Hallett Carr: Einordnung von Carrs Kritik am Internationalismus und seiner Machtkategorisierung.
7. John H. Herz: Darstellung von Herz’ Konzept des Sicherheitsdilemmas und seines Ansatzes des Realliberalismus.
8. Henry Alfred Kissinger: Fokus auf Kissingers Wirken als Praktiker und sein Streben nach Stabilität als Friedensgrundlage.
9. Fazit: Kritische Reflexion der theoretischen Schule und Diskussion ihrer Bedeutung sowie Grenzen in einer globalisierten Welt.
Schlüsselwörter
Politischer Realismus, Hans Joachim Morgenthau, Internationale Beziehungen, Machtpolitik, Sicherheitsdilemma, Anarchie, Souveränität, Nullsummenspiel, Völkerrecht, Diplomatie, Machtgleichgewicht, Idealismus, Weltgemeinschaft, Friedenssicherung, Staatensystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Fundamenten des politischen Realismus in den Internationalen Beziehungen und untersucht, wie diese Denkschule den internationalen Status quo erklärt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Machtpolitik, das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Utopie sowie die Analyse verschiedener internationaler Institutionen zur Friedenssicherung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte des politischen Realismus darzulegen, Morgenthaus Kritik an internationalen Friedensinstrumenten kritisch zu beleuchten und den Erklärungsgehalt der Theorie für aktuelle internationale Beziehungen zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die durch Literaturstudien und die Auseinandersetzung mit den Werken maßgeblicher Vordenker und Theoretiker des Realismus geprägt ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Vordenker, die Erläuterung der Grundannahmen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Morgenthaus Kritik an Institutionen wie dem Völkerrecht, der UNO und der UNESCO.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Machtstreben, Anarchie, Sicherheitsdilemma, Realismus, Souveränität und internationale Ordnung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Diplomatie laut Morgenthau?
Morgenthau sieht in der Diplomatie das effektivste, wenn auch durch moderne Propagandapraktiken geschwächte Mittel zur Erhaltung des Friedens zwischen souveränen Nationen.
Wie unterscheidet sich Henry Kissinger von anderen Realisten?
Kissinger gilt als Praktiker des Realismus, der den Fokus besonders stark auf die Erreichung von Stabilität als notwendige Voraussetzung für Frieden und gedeihliche Beziehungen legt.
Warum hält Morgenthau die UNO für unzulänglich?
Er kritisiert die UNO als eine durch Großmachtinteressen dominierte Kampfarena, deren Strukturen oft im Gegensatz zu ihrem eigentlichen Ziel der Friedenssicherung stehen.
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- Anonym (Author), 2005, Politischer Realismus - Vordenker, Entstehung, Theoretiker, unter besonderer Berücksichtigung von Hans Joachim Morgenthau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50505