Den allgemeinen Grundzügen folgt der Blick auf die menschliche Natur aus den Sichtweisen der einzelnen Theorien (vgl. S. 25-30). Die realistische Prämisse ist Krieg aller gegen alle, dieser liegt eine pessimistische Sichtweise des Menschen zu Grunde, die sich in ständigen Aggressionen und Neid untereinander zeigt. Die Revolutionalisten glauben an den freien und guten Menschen, der aber in geschichtlichen Abläufen ständig „in Ketten“ gehalten wird. Daraus resultiert die Pflicht, die menschliche Rasse von diesen zu befreien. Das Paradox der revolutionistischen Ausführung ist, dass die Menschen, geschichtlich gesehen, trotz der guten Vorhaben ständig in Angst gelebt haben (z.B. das Sowjet-Regime). Der Rationalist verbindet, wie man noch öfters sehen wird, die beiden Extrema und präsentiert uns den vernünftigen Menschen, der kooperiert, um seine Ziele zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschliche Natur
3. Internationale Gesellschaft
4. Reichweite der internationalen Gesellschaft
5. Nationale Stärke
6. Nationale Interessen
7. Theorie der Diplomatie
8. Außenpolitik
9. Mächtegleichgewicht
10. Theorie des Krieges
11. Internationales Recht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die von Martin Wight in seinen Vorlesungen entwickelten Grundzüge der internationalen Theorien systematisch zu klassifizieren und ihre Kontinuität anhand der drei zentralen Traditionen aufzuzeigen, ohne dabei eine neue Theorie zu begründen.
- Klassifizierung der internationalen Beziehungen in Realismus, Rationalismus und Revolutionalismus.
- Analyse der menschlichen Natur und deren Einfluss auf staatliches Handeln.
- Untersuchung der internationalen Gesellschaft und ihrer normativen Grundlagen.
- Vergleich unterschiedlicher diplomatischer Ansätze und Konzepte des Mächtegleichgewichts.
- Auseinandersetzung mit der Rolle von Macht, Moral und Recht in der Weltpolitik.
Auszug aus dem Buch
Die drei Traditionen der internationalen Theorie
Das Buch ist ein Versuch, die bereits bestehenden Theorien der internationalen Beziehungen zu klassifizieren sowie die Kontunität dieser aufzuzeigen (vgl. S. 5) und nicht eine neue Theorie aufzustellen. Die unterschiedlichsten Theorien werden in drei große Bereiche eingeteilt, das sind die Realisten, auch Machiavellisten genannt (wichtigste Vertreter: Machiavelli, Hobbes, Hegel, Carr, Morgenthau u.a.), die Rationalisten, auch Grotianer genannt (wichtigste Vertreter: Grotius, Locke, Burke, Roosevelt, Churchill u.a.) und die Revolutionalisten oder auch Kantianer (wichtigste Vertreter: Kant, Rousseau, Marx u.a.).
Zwar sind die einzelnen Traditionen unter sich nochmals untergliedert, wie zum Beispiel die Realisten in aggressive und defensive, die Rationalisten in realistische und idealistische und die Revolutionalisten in evolutionäre und revolutionäre (vgl. S. 160) , jedoch kreuzen sich die Untergliederungen sowie auch die großen Theorien allgemein in theoretischen Auffassungen und Vorstellungen einzelner Bereiche, wie es durch zahlreiche historische Geschehnisse belegt wird. Dabei ist es wichtig, zwischen den theoretischen Überlegungen und der tatsächlich ausgeführten Politik zu unterscheiden; nicht die Theorie an sich bestimmt das staatliche Handeln, sondern das staatliche Handeln kann später einer Theorie zugeordnet werden, was den Zusammenfluss der Theorien in der Praxis bewirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Bietet einen allgemeinen Überblick über die drei Traditionen der internationalen Theorien und ihre geschichtliche Einordnung.
2. Menschliche Natur: Analysiert die unterschiedlichen Sichtweisen der Theorien auf das menschliche Wesen, von pessimistisch-realistisch bis hin zu revolutionistisch-optimistisch.
3. Internationale Gesellschaft: Beleuchtet das Verständnis der internationalen Ordnung aus der Perspektive der drei Traditionen, insbesondere das Spannungsfeld zwischen Souveränität und Gemeinschaft.
4. Reichweite der internationalen Gesellschaft: Diskutiert die Frage, inwieweit die internationale Gesellschaft auf nicht-westliche Kulturen ausgeweitet wird und wie mit den sogenannten „Barbaren“ umgegangen wurde.
5. Nationale Stärke: Erörtert die unterschiedlichen Legitimationsgrundlagen und Schranken nationaler Macht.
6. Nationale Interessen: Beschreibt, wie nationale Interessen durch Macht verwirklicht werden und in welchem Spannungsverhältnis sie zu anderen Staaten stehen.
7. Theorie der Diplomatie: Untersucht die diplomatischen Ansätze im Kontext der theoretischen Ausrichtungen.
8. Außenpolitik: Fasst die Definitionen der Außenpolitik basierend auf den Einstellungen zu Natur, Gesellschaft und Macht zusammen.
9. Mächtegleichgewicht: Analysiert die unterschiedlichen Bewertungen des Mächtegleichgewichts als politisches Instrument oder legalen Zustand.
10. Theorie des Krieges: Erörtert den Charakter und das Verhalten im Krieg sowie die Bedeutung des nuklearen Zeitalters für die Kriegstheorie.
11. Internationales Recht: Behandelt die ethischen und rechtlichen Verpflichtungen in den internationalen Beziehungen.
Schlüsselwörter
Internationale Beziehungen, Englische Schule, Martin Wight, Realismus, Rationalismus, Revolutionalismus, Machiavellisten, Grotianer, Kantianer, Internationale Gesellschaft, Diplomatie, Mächtegleichgewicht, Außenpolitik, Internationales Recht, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine systematische Aufarbeitung und Klassifizierung der internationalen Theorie, basierend auf den Vorlesungen des Gründers der Englischen Schule, Martin Wight.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die menschliche Natur, das Konzept der internationalen Gesellschaft, die Rolle nationaler Macht und Interessen sowie die Theorien zu Diplomatie, Krieg und Völkerrecht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kontinuität der internationalen Theorien aufzuzeigen, indem sie in drei Haupttraditionen unterteilt werden, um so das Verständnis für historische und aktuelle politische Zusammenhänge zu schärfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine klassifikatorische und komparative Methode, um die theoretischen Überlegungen von Wight durch historische Beispiele und eine klare Argumentationslinie zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in elf Abschnitte, die sukzessive die theoretischen Grundlagen (Natur, Macht, Interesse) und die praktischen Ausprägungen (Diplomatie, Krieg, Recht) der drei Denkschulen detailliert analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie die drei Traditionen (Realismus, Rationalismus, Revolutionalismus), internationale Gesellschaft und Souveränität charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die drei Traditionen in ihrer Sicht auf die menschliche Natur?
Während Realisten den Menschen pessimistisch als triebgesteuert und in Konflikten lebend sehen, betrachten Revolutionalisten ihn als prinzipiell gut, aber durch gesellschaftliche Strukturen gefangen. Rationalisten bilden hierbei einen Mittelweg des vernünftigen Kooperationspartners.
Warum wird das Buch als Lexikon der internationalen Beziehungen bezeichnet?
Weil es die wichtigsten Theoretiker und Politiker historisch verortet, in ihre theoretischen Zusammenhänge einbettet und so eine kompakte, präzise Übersicht über die Denktraditionen liefert.
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- Anonym (Author), 2005, Rezension zu: Martin Wight. International Theory. The three Traditions., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50508