Jeden Tag stoßen wir auf Stereotype und Vorurteile, entweder während der Kommunikation mit anderen Menschen oder in den Medien, wie Fernsehen, Internet, Zeitungen und so weiter. Meistens denken wir darüber nicht nach, ob wir jemanden verletzen könnten, wenn wir, die in der Gesellschaft schon verwurzelten, Stereotype und Vorurteile anwenden. Dies machen wir nicht bewusst, da wir oft die Denkweise anderer Menschen gegenüber einer sozialen Gruppe übernehmen. Unsere Art und Weise, wie wir besser in der Welt, in der es unterschiedliche Menschen, Bräuche und Kulturen gibt, funktionieren, ist es alles nach „erdachten“ Kategorien einzuordnen um uns das komplexe Weltbild einfacher zu gestalten. So prozessieren wir etwas Komplexes auf eine sehr vereinfachte Art und Weise. Es ist funktionaler und leichter die Welt so prozessieren, dass wir ähnliche Objekte Gruppen zuordnen. Das machen wir mit Gegenständen, bspw. einen Stuhl und einen Tisch ordnen wir in die Kategorie der Möbel. Die Kategorisierung passiert nicht nur mit Gegenständen, sondern auch mit „sozialen Objekten“, wie z. B. ein Fußballspieler und ein Handballspieler sind Sportler. Unser Gehirn kann nicht jeden einzelnen Umweltreiz individuell wahrnehmen und deshalb helfen wir uns mit dem Erschaffen der Kategorien. Wir merken uns einige Eigenschaften nach denen wir alles aus unserer Umwelt kategorisieren. Deshalb bestehen auch unzählige Witze über Blondinen, Brünetten, Frauen, Männer, die Deutschen, Amerikaner, Russen und über viele andere Nationen. Jedoch drängt sich hier die Frage vor, ob dieses Einordnen in bestimmte Kategorien etwas Wahres an sich hat, oder nicht. Das Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es zu erforschen, wie kommt es überhaupt zu den Stereotypen und Vorurteilen, welche kommunikative Funktion die Stereotype haben, welche Funktion haben die Vorurteile im sozialen Kontext, welche ethnischen Stereotype gibt es, und das wichtigste von allem, wie man die Stereotype und Vorurteile abbauen kann, bzw. wie man sie auf eine positive Art benutzen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was sind Stereotype?
2.1. Entstehung des Begriffs „Stereotyp“ und Entstehung der Stereotype
2.2 Kategorisierung
2.3 Subprozesse
3 Generalisierung und Stereotypisierung
4 Kommunikative Funktion von Stereotypen
5 Ethnische Stereotype: Autostereotype und Heterostereotype
6 Was sind Vorurteile?
7 Entstehung und Struktur von Vorurteilen und Stereotypen
8 Funktion von Vorurteilen im sozialen Kontext
9 Wie kann man Stereotype und Vorurteile abbauen?
10 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Entstehung und Funktion von Stereotypen und Vorurteilen sowie deren Auswirkungen auf soziale Prozesse und zwischenmenschliche Kommunikation. Das primäre Ziel ist es, das Zustandekommen dieser kognitiven Muster zu erläutern und Strategien zu identifizieren, wie diese abgebaut oder konstruktiv in einen positiven Kontext, etwa im Bildungsbereich, integriert werden können.
- Psychologische und soziale Entstehung von Kategorisierungs- und Stereotypisierungsprozessen.
- Kommunikative Funktionen und absichernde Sprachstrategien beim Einsatz von Stereotypen.
- Unterscheidung und Interaktion von Autostereotypen und Heterostereotypen.
- Strukturale und emotionale Differenzierung zwischen Stereotypen und Vorurteilen.
- Soziale Funktionen von Vorurteilen im zwischenmenschlichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.1. Entstehung des Begriffs „Stereotyp“ und Entstehung der Stereotype
Oft wird der Begriff „Stereotyp“ nicht von den Begriffen „Vorurteil“ und „Klischee“ unterschieden, sondern sie werden als Synonyme verwendet. Diese Begriffe unterscheiden sich in der wissenschaftlichen Literatur voneinander. Der Begriff „Stereotyp“, genauso wie „Klischee“ stammt aus dem Druckwesen und bezeichnet ein von dem französischen Drucker Didot 1796 erfundenes Verfahren, bei dem fest zusammengefügte Druckplatten bestimmte Textteile immer wieder reproduzieren konnten. (vgl. Hans-Bredow-Institut 2006: 328) Der Journalist Walter Lippmann führte den Begriff 1922 in die wissenschaftliche Diskussion ein.
Es besteht aber ein Problem bei dem Definieren des Begriffs. Die Definition beinhaltet ein Vorurteil, „nämlich jenes, man könne Stereotypen von eher objektiven und richtigen Meinungen unterscheiden und mehr noch, dass es besonders die anderen sind, die stereotyper Denkweise anheim fallen.“ (Heringer 2012: 198) Lippmann war der erste, der eine neutrale Definition einführte. „In seinem Werk Die öffentliche Meinung verstand Lippmann Stereotype als verfestigte, schematische, objektiv weitgehend unrichtige Formeln, die entscheidungserleichternde Funktion in Prozessen der Um- und Mitweltbewältigung haben.“ (Hans-Bredow-Institut 2006: 329) Lippmann weist darauf hin, dass wir in unserer Welt erst definieren und dann erst sehen, weil unsere Kultur schon alles für uns definiert hat und so übernehmen wir auch die Stereotype, die in unsrer Kultur schon bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die allgegenwärtige Thematik von Stereotypen und Vorurteilen ein und erläutert die Notwendigkeit der Kategorisierung für unser Weltbild sowie die Forschungsziele der Arbeit.
2 Was sind Stereotype?: Dieses Kapitel widmet sich der begrifflichen Definition, den historischen Ursprüngen sowie den kognitiven Prozessen wie Kategorisierung und Subprozessen bei der Entstehung von Stereotypen.
3 Generalisierung und Stereotypisierung: Hier werden die Mechanismen der Verallgemeinerung von Merkmalen und deren Überführung in starre Stereotypisierungen analysiert.
4 Kommunikative Funktion von Stereotypen: Das Kapitel beleuchtet, wie und warum Stereotype in der Kommunikation eingesetzt werden und welche sprachlichen Absicherungsmaßnahmen Sprecher dabei verwenden.
5 Ethnische Stereotype: Autostereotype und Heterostereotype: Der Fokus liegt auf der Analyse von Bildern über eigene und fremde Kulturen sowie deren Veränderung im historischen und gesellschaftlichen Kontext.
6 Was sind Vorurteile?: Es erfolgt eine Abgrenzung des Begriffs Vorurteil gegenüber dem Stereotyp, insbesondere durch die Betonung der affektiven und wertenden Komponenten.
7 Entstehung und Struktur von Vorurteilen und Stereotypen: Dieses Kapitel betrachtet Vorurteile als Unterkategorie sozialer Einstellungen und deren Funktion im interkulturellen und zwischenmenschlichen Bereich.
8 Funktion von Vorurteilen im sozialen Kontext: Es werden sechs zentrale soziale Funktionen von Vorurteilen identifiziert, darunter die Orientierungs-, Anpassungs- und Abwehrfunktion.
9 Wie kann man Stereotype und Vorurteile abbauen?: Abschließend werden Möglichkeiten und pädagogische Ansätze, wie etwa der Fremdsprachenunterricht, diskutiert, um Stereotype und Vorurteile zu reduzieren und Diskriminierung entgegenzuwirken.
10 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die kognitiven und emotionalen Unterschiede zwischen Stereotypen und Vorurteilen zusammen und betont die Bedeutung der Sensibilisierung für fremde Kulturen von Kindesbeinen an.
Schlüsselwörter
Stereotype, Vorurteile, Kategorisierung, Generalisierung, interkulturelle Kommunikation, ethnische Stereotype, Autostereotyp, Heterostereotyp, soziale Einstellung, Diskriminierung, Identitätsfunktion, Fremdsprachenunterricht, soziale Kognition, Orientierungsfunktion, Vorurteil-Abbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die psychologischen und sozialen Ursprünge von Stereotypen und Vorurteilen, deren Funktionen in unserem Alltag sowie Wege zu deren Abbau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die Prozesse der Kategorisierung, die kommunikative Verwendung von Stereotypen, die Differenzierung zwischen Eigen- und Fremdbildern (Autostereotype/Heterostereotype) sowie die soziale Bedeutung von Vorurteilen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Entstehung, der Funktionen und der kommunikativen Einbettung von Stereotypen und Vorurteilen sowie der Möglichkeiten, diese konstruktiv zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung der Fachliteratur zu interkultureller Kommunikation, Psychologie und Sozialwissenschaften, um bestehende Definitionen und Modelle zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse kognitiver Entstehungsprozesse (Kategorisierung, Generalisierung), die kommunikativen Funktionen, die Definition und Struktur von Vorurteilen sowie deren soziale Nutzenaspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Stereotype, Vorurteile, Kategorisierung, interkulturelle Kommunikation, Autostereotyp und soziale Diskriminierung.
Wie unterscheidet sich ein Vorurteil konkret von einem Stereotyp?
Ein Vorurteil umfasst zusätzlich zur kognitiven Komponente des Stereotyps eine affektive oder emotionale Komponente, die oft mit einer wertenden Haltung verbunden ist.
Welche Rolle spielt die Kommunikation beim Einsatz von Stereotypen?
Stereotype dienen in der Kommunikation oft dazu, Gruppenzugehörigkeit zu bestätigen oder sich in einer komplexen Welt schneller zu orientieren, wobei Sprecher oft absichernde Maßnahmen wie "Hedges" nutzen.
Wie kann Fremdsprachenunterricht zum Abbau von Vorurteilen beitragen?
Durch die frühzeitige und positive Auseinandersetzung mit Elementen fremder Kulturen lernen Kinder Respekt und Toleranz, was das starre Denken in Vorurteilen von Beginn an schwächen kann.
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- Valentina Halovanić (Author), 2019, Stereotype und Vorurteile. Entstehung, Struktur und Funktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505120