Die propagandistische Inszenierung im Vergleich zwischen NSDAP und AfD


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aspekte bei der Untersuchung von Propagandakonzepten

3. Aspekte bei der Untersuchung von Inszenierungskonzepten

4. Die propagandistische Inszenierung der NSDAP

5. Die propagandistische Inszenierung der AfD

6. Fazit

Quellenverzeichnis

E inleitung

Der Vergleich verschiedener politischer Inszenierungen, die zudem zeitlich auseinander liegen, lässt sich nicht so leicht realisieren. Die Komparatistik weist hier verschiedene Methoden auf, die unter anderem in dem Sammelband „Vergleich und Transfer: Komparatistik in den Sozial-, Geschichts- und Kulturwissenschaften“ benannt werden.

Von den erprobten Methoden scheint sich der diachrone Vergleich am besten zur Untersuchung der Inszenierungen von Nationalsozialismus und AfD zu eignen, da hierbei ein Aspekt zu verschiedenen Zeiten betrachtet und miteinander verglichen werden kann.

Der hier zu vergleichende Aspekt ist die propagandistische Inszenierung zweier politischer Redeführer, wobei die Einordnung in den historischen Kontext wichtig ist.

Ein Vergleich ist aufgrund des historischen Kontexts nur bedingt möglich. Deshalb sollte die Betrachtung der Inszenierungen mithilfe einer Theorie der Propagandaforschung als Vergleichspunkt abseits des historischen Kontexts auf einer Metaebene erfolgen.

Hierbei handelt es sich nicht um einen historischen Vergleich, sondern um den Vergleich des Inszenierungskonzepts der beiden Redeführer, welche über eine geschichtliche Einordnung hinweg erfolgen kann.

Zur Aufschlüsselung eines Inszenierungskonzepts ist es zunächst einmal wichtig den Rahmen der Inszenierung festzustellen und den Anspruch der Inszenierung zu untersuchen. In Anlehnung an die Definition von Erika Fischer-Lichte wird hierbei die Mischung des Realen, des Imaginären und des Fiktiven eine wichtige Rolle spielen.

Zum weiteren Vergleich wird die Auseinandersetzung mit dem Propagandabegriff wichtig, da es verschiedene Definitionsansätze gibt. Auf die verschiedenen Merkmale und die Medialität von Propaganda wird hierbei ein Fokus gelegt werden.

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte soll die politische Inszenierung der AfD und der NSDAP verglichen und auf ihre propagandistischen Merkmale untersucht werden. Da eine allgemeine Untersuchung zu umfangreich wäre, wird hier der Fokus auf den Rednern Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD Thüringen und Adolf Hitler liegen. Im Speziellen wird das Augenmerk auf die Untersuchung der Redetaktiken und Inszenierung der beiden Redner gelegt. Hierzu gehören die Analyse der Rhetorik, Stimme, Gestik und Mimik, sowie die Rezeption durch das Publikum.

Aspekte bei der Untersuchung von Propagandakonzepten

„Wer über Propaganda redet, läuft nach wie vor Gefahr, sowohl in Fach- wie in Publikumsöffentlichkeiten nicht oder gründlich falsch verstanden zu werden.“1 heißt es bei Thymian Bussemer im Kapitel „Definitionen von Propaganda“.

Um einem solchen Missverständnis vorzubeugen ist es essentiell eine möglichst genaue Annäherung an den Propagandabegriff zu finden und diesen von verwandten Begriffen möglichst abzugrenzen.

Dass diese Annäherung keine einfache Definition sein kann, zeigt sich im Kapitel „Definitionen von Propaganda“, wo unterschiedliche Ansätze und Prägungen Erwähnung finden. Die gemeinsame herausgearbeitete Schnittmenge der verschiedenen Definitionen ergab eine Merkmalsliste. So ist eines der Merkmale die „Veränderungen in der subjektive Realitätskonstruktion […], die dann allerdings zu fassbaren Realitätsveränderungen führen können.“ Hierzu gehört auch das Merkmal der konkreten Handlungsaufforderungen, die alternativlos oder zwanghaft zu verstehen sind. Die Medialität spielt bei Propaganda ebenfalls eine große Rolle, da sie ein Mediensystem benötigt um eine breite Reichweite zu realisieren. Neben der Verbreitung besteht zudem die Möglichkeit der Manipulation der medialen Darstellung. Zentrale Aspekte von Propaganda sind das Überreden zu bestimmten Haltungen und das Verfolgen politischer Ziele.2

Eine Einteilung in verschiedene Propagandakonzepte ist zudem hilfreich, da Propaganda verschiedene Ziele verfolgen kann und dahingehend unterschiedlich verwendet wird. Im Kontext dieser Hausarbeit ist das „Kampagnenverständnis von Propaganda“ das zu untersuchende Konzept. Hierbei wird Propaganda zum Wahlkampfmittel instrumentalisiert um möglichst viele Menschen von den eigenen Idealen und Zielen zu überzeugen. Als Propaganda gelten dann alle Aspekte der Wahlkampagne. Nach diesem Ansatz würde der Wahlkampf heutiger demokratischer Parteien ebenfalls als Propaganda bezeichnet werden.3 Hier zeigt sich erneut die Schwierigkeit eine hinreichende Definition für den Propagandabegriff zu finden.

Zur Untersuchung von Propagandakonzepten sollte der Fokus also nicht auf einer bloßen Definition liegen, sondern auch auf den jeweiligen Akteuren selbst, deren Demokratieverständnis, Ideologie und Menschenbild. Da es so viele verschiedene Ausprägungen von Propaganda gibt ist eine eindeutige Definition nicht erstrebenswert, sondern es sollte sich auf die Untersuchung der verschiedenen Formen konzentriert werden.4

Im Folgenden werden also die oben genannten Merkmale von Propaganda, sowie das

Demokratieverständnis, Menschenbild und die Ideologie der NSDAP und der AfD als Vergleichspunkte für die Ausprägungen von Propaganda dienen.

Aspekte bei der Untersuchung von Inszenierungskonzepten

„Als ästhetische und zugleich anthropologische Kategorie zielt der Begriff der Inszenierung auf schöpferische Prozesse, in denen etwas entworfen und zur Erscheinung gebracht wird, auf Prozesse, welche in spezifischer Weise Imaginäres, Fiktives und Reales, Empirisches zueinander in Beziehung setzen“, so die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte.5

So kommt es bei der Untersuchung von Inszenierungskonzepten wie sich in der entsprechenden Inszenierung das Reale, das Fiktive und das Imaginäre mischen und welchen Anspruch die Inszenierung hat. Ebenfalls von Bedeutung ist der Rahmen der Inszenierung und was in diesem Rahmen zum Ausdruck gebracht wird.6

Der Unterschied einer Inszenierung im politischen Kontext zu einer theatralen Inszenierung ist die Absicht als etwas nicht Inszeniertes aufzutreten, obwohl Dramatisierungsfunktionen und -effekte gleichsam vorhanden sind. Diese Effekte machen es möglich politische Sachverhalte unvollständig oder einseitig darzustellen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.7

Dies kann als Propagandakonzept verstanden werden, da eine derartige Inszenierung im politischen Kontext keinen Aufklärungscharakter hat, sondern auf die Konstruktion einer subjektiven Realität abzielt, die zu Manipulationszwecken und Handlungsaufforderungen genutzt werden kann. So definiert auch Gerhard Paul die NS-Propaganda als „theatralisch-ästhetische Inszenierung einer emotionsmächtigen Scheinwelt, die sich eines visuellen und verbalen Repertoire durch Mechanismen der Propaganda und Agitation bedient, um das Volk zu manipulieren.“8

Das propagandistische Inszenierungskonzept der NSDAP

Die NSDAP war nach ihrer Neugründung 1925 vornehmlich eine Rednerpartei, die sich mithilfe ihrer Massenveranstaltungen darauf konzentrierte den Führerkult um Adolf Hitler zu inszenieren und Propaganda zu betreiben.9 „Das Führer-Bild wurde ebenso von der Bevölkerung geschaffen, wie propagandistisch in die Bevölkerung hineinprojiziert. Es war das Resultat sowohl der NS- Propaganda wie des politischen Verständnisses der Bevölkerung und ihrer Erwartungen.“10

Die Inszenierung von Hitler als „politischen Messias“ durch die Anpreisung und Bewerbung durch Goebbels war in einem vergleichbaren Medienformat, wie das der UFA-Stars, sodass Hitler vom Publikum als Popstar wahrgenommen wurde. 11

Die Massenveranstaltungen und die Inszenierung Hitlers folgten immer demselben Konzept. Einige Vorredner unterhielten das Publikum bis zur Ankunft Hitlers um Spannung aufzubauen, bis schließlich Hitler seine Rede hielt und das Publikum „lebhaft“ und „stürmisch“ reagierte.12 Die Vielzahl an Veranstaltungen, welche von der NSDAP durchgeführt wurden, sorgte für einen bleibenden Eindruck bei der Wählendenschaft, während andere Parteien kaum oder erst in den Wochen kurz vor der Wahl 1930 aktiv wurden. Dadurch beherrschte die NSDAP nicht nur die inneren Strukturen, sondern auch die Schlagzeilen ihrer Zeitungen, die immer wieder eindrucksvoll von den Versammlungen und Hitler berichteten.13 Zusätzlich wurden Symbole und Fahnen kreiert, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, die ausgeweitet wurden bis zum Faschisten-Gruß und den „Heil Hitler“ Bekundungen. Gemeinsames Singen oder Marschieren, ein Akt der Körperlichkeit vereinte die Zuhörenden nicht nur untereinander sondern erhöhte auch das Identifikationspotenzial mit den Redeführern, vor allem Hitler und machte die Veranstaltungen zu einem besonderen und beliebter werdenden Ereignis.14

Dahinter stand der Gedanke, dass Hitler selbst die Verkörperung der parteipolitischen Interessen darzustellen vermochte. Es wurde eine Verbindung von politischen Sachverhalten und der inszenierten Situation mitsamt Gestik, Mimik, Stimme, Musik- und Geräuschelementen geschaffen, die bewirkte, dass die Sachverhalte hinter der Darstellung bzw. dem Darsteller Hitler verschwanden oder mit ihm in Verbindung gebracht wurden. Eine Möglichkeit komplexe Sachverhalte zu vereinfachen, indem die Rezeption auf den Darsteller fokussiert wird und die Identifikation mit diesem erleichtert. Dadurch wurde Hitler nicht nur oberster Repräsentant der Partei, sondern er war die Verkörperung der NSDAP und ihrem Weltbild. So konnte das Auftreten Hitlers bei den Massenveranstaltungen dem politischen Inhalte ersetzen.15

Auch Hitler selbst war bewusst, wie wichtig die Rolle der Emotionen innerhalb einer Rede ist, um das Publikum erfolgreich für sich einzunehmen. Seine Reden folgten bestimmten Maßstäben, die er auch in „Mein Kampf“ festgehalten hat. Als zentrale Aussage lässt sich hieraus entnehmen, dass es die Aufgabe des Redners ist, eine Verbindung zum Publikum herzustellen, welche der Redner zu nutzen hat, um die Emotionen leichter aufgreifen zu können. Um sein Publikum also bestmöglich zu erreichen, passte Hitler seine Ansprachen diesem an. Oft nutzte Hitler hierzu tagesaktuelle Themen und Problematiken, welche das Publikum interessierten und bewegten. Dies machte es einfach Schuldige für die Probleme zu benennen und sich selbst als Hoffnungsträger und künftigen Erretter darzustellen. Ein zusätzlicher Vorteil der Massenveranstaltungen war hierbei, dass es den Zuhörenden leichter fiel ein starkes Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln und sie sich dadurch leichter mitreißen und überzeugen ließen.16

[...]


1 Vgl. Bussemer, Thymian, 2005, S.24

2 Vgl. Bussemer, Thymian, 2005, S:30f

3 Vgl. Bussemer, Thymian, 2005, S.33f

4 Vgl. Bussemer, Thymian, 2005, 35f.

5 Vgl. Fischer-Lichte, Erika, 1998, S.88

6 Vgl. Meyer, Thomas, Schicha, Christian, 2002, S.53

7 Vgl. Schicha, Christian, 2002 S. 90f.

8 Vgl. Paul, Gerhard, 1990, S.90

9 Vgl. Grieswelle, Detlev, 1972, S.22

10 Vgl. Bussemer, Thymian 2002, S.80

11 Vgl. Bussemer, Thymian 2002, S.80

12 Vgl. Grieswelle, Detlev, 1972, S.23

13 Vgl. Grieswelle, Detlev, 1972, S. 34

14 Vgl. Grieswelle, Detlev, 1972, S. 34f.

15 Vgl. Schicha, Christian, 2002 S.94ff

16 Vgl. Plöckinger, Othmar., 1999, S.79ff

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die propagandistische Inszenierung im Vergleich zwischen NSDAP und AfD
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Medienkulturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V505170
ISBN (eBook)
9783346051370
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Propaganda, Inszenierung, NSDAP, AfD, Politik, Reden, Vergleich
Arbeit zitieren
Michelle Mommertz (Autor), 2017, Die propagandistische Inszenierung im Vergleich zwischen NSDAP und AfD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505170

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