Der Emslandplan. Alleiniger Erfolgsfaktor für die wirtschaftlichen Aufholprozesse im Westen Niedersachsens?

Eine historische Untersuchung


Masterarbeit, 2012
88 Seiten, Note: 1,15

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellungen und Ziele dieser Arbeit
1.2 Begriffsklärungen
1.3 Methodische Zielführung und Forschungslage

2 Das Untersuchungsgebiet im Westen Niedersachsens
2.1 Region als Referenzfolie wirtschaftlicher Entwicklung
2.2 Definition der Untersuchungsregion Emsland
2.2.1 Konstitutive Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen
2.2.2 Naturpotenzial, Landschaftsgliederung, räumliche Grundausstattung
2.2.3 Bevölkerung und Sozialstruktur
2.3 Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim heute

3 Wirtschaftliche Regionalentwicklung, Aufholprozesse und
Evolutionsökonomik
3.1 Ein ökonomietheoretischer Rahmen für eine historische Untersuchung
3.1.1 Die Hervorhebung der sozialen Dimension für ein Mehrverständnis ökonomischer Veränderungsprozesse: das Analysemodell
3.1.2 Heutige Rahmenbedingungen regionaler Entwicklung
3.1.3 Nachholende Modernisierung und Schritthalten durch Imitation
3.2 Mögliche Bedingungsfaktoren für wirtschaftlichen Erfolg im Emsland
3.3 Aufholprozesse als Ergebnis staatlicher Förderung
3.4 Die Bedeutung informeller Institutionen für ökonomischen Fortschritt

4 Leitlinien der Wirtschaftsgeschichte und der Regionalentwicklung des
Emslandes
4.1 Zurechtkommen wollen im Emsland des Mittelalters
4.2 Wirtschaft, Handel und Verkehr vor dem 20. Jahrhundert
4.3 Die Förderung und Erschließung des Emslandes
4.3.1 Moorkultivierung, Siedlung und Erschließungsversuche bis
4.3.2 Der Emslandplan
4.3.3 Regionale Förderung im Vergleich
4.4 Die Obergrafschaft als Teil des Textilindustriegebietes Westmünsterland
4.5 Nachholende Ökonomisierung der Ressourcenverwendung
4.6 Regionale Ungleichzeitigkeit ökonomischer Entwicklungen

5 Dominante Charakteristika raumbezogener Identität im Emsland und ihr ökonomisches Potenzial
5.1 „mental maps“ und raumbezogene Identifikationen
5.2 Mentalitätsformung durch Sozialisation
5.2.1 Konstrukte der Charakteristika als „das Profil“ des Emslandes
5.2.2 Regionale Identität als räumlich-soziale Selbsteinschätzungen der
Menschen
5.2.3 Kollektive Erinnerungen zwischen Ems und Vechte und ihre
Abgrenzungen
5.3 Regionale Identität als Basis sozialen und ökonomischen Engagements vor Ort

6 Resümee
6.1 Vom „circulus vituosus“ zum „Positiv-Syndrom“
6.2 Regionale Kernkompetenzen und regionale Mentalitäten

7 Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Gedruckte Quellen
7.2 Literatur

8 Anhang

1 Einleitung

Die wirtschaftliche Entwicklung im Westen Niedersachsens verlief in den ver- gangen ca. zwanzig Jahren überaus dynamisch. Die Auswertung statistischer Da- ten des Untersuchungszeitraums 1994 bis 2004 sowie zuletzt die aktuelle Kon- junkturanalyse 11.2011 des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikations- technologie Niedersachsen (LSKN) zeigen, dass die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Emsland und Vechta landesweit das stärkste Wachstum des Brutto- inlandsprodukts (BIP) und der Erwerbstätigenquote aufweisen1. Für die Region Oldenburger Münsterland, d.h. die Landkreise Cloppenburg und Vechta, konnten im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts und einiger kommunal- politischer Fachkonferenzen zu den erfolgreichen Regionen Niedersachsens be- reits weitreichende Ergebnisse vorgestellt und Antworten auf die Fragen nach den Bedingungen des außerordentlichen Wachstums und nach den Aufholprozessen gegeben werden.2 In der „Resolution von Cloppenburg“ regte C.-H. Hauptmeyer an, parallel zum Oldenburger Münsterland u.a. benachbarte Regionen mit ähnli- chen wirtschaftlichen Entwicklungen zu untersuchen, um schließlich zu einem Rüstzeug von einfach anzuwendenden Instrumentarien zu gelangen, mit deren Hilfe sowohl fundierte wirtschaftshistorische Analysen abgeleitet, als auch Szena- rien für zukünftige regionale Entwicklungen erstellt werden können.3 Eine neueste historische Untersuchung der wirtschaftlichen Aufholprozesse im Westen Nieder- sachsens fügt sich daher optimal in die bereits geleisteten Arbeiten ein, wenn sie ihren Blick auf einen zum Oldenburger Münsterland benachbarten westnieder- sächsischen Raum ähnlichen Bedingungsrahmens und annähernd gleicher Größe richtet, der großenteils vergleichbare Strukturen und übertragbare Erfolgsdaten, aber auch interessante abweichende Entwicklungslinien und sogar Gründe einer Binnendifferenzierung zu bieten hat. Demzufolge wurde als Untersuchungsgebiet die emsländische Region oder genauer die Landschaft des hannoverschen Ems- landes – also die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim – ausgewählt.4

1.1 Fragestellungen und Ziele dieser Arbeit

Stellte man interessierten Menschen heute die Frage nach den Gründen des wirt- schaftlichen Erfolgs des Emslandes, würde man erwartungsgemäß eine das ver- breitete Wissen widerspiegelnde Antwort bekommen: die Förderung durch den Emslandplan oder genauer der Aufholprozess in Folge des Emslandplans. Es lie- gen heute regional- und wirtschaftshistorische Forschungsergebnisse und Fach- publikationen in beachtlichem Umfang vor, die uns keinen Anlass geben, an der Korrektheit dieser Antwort zu zweifeln. Doch ist der heutige wirtschaftliche Er- folg des Emslandes allein mit Aufholprozessen in Folge der Strukturreformen und der planmäßigen regionalen Wirtschaftsförderung seit 1951 zu erklären? In der vorliegenden Arbeit sollen deshalb die drei folgenden Leitfragen beantwortet werden:

1. Welche Faktoren waren und sind dafür verantwortlich, dass im Emsland eine dynamische ökonomische Entwicklung in Gang gesetzt werden konnte?
2. Ist möglicherweise eine spezifische kulturelle Identität oder regionale Mentali- tät die Triebkraft der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dort?
3. Sind vor dem Hintergrund von Ungleichzeitigkeit Fähigkeiten bewahrt worden oder konnten aufgrund der Randständigkeit im Emsland Kompetenzen entste- hen, die fähig machen aufzuholen, die aufgrund des allgemeinen Fortschritts anderswo verschüttet sind und die heute zielführend genutzt werden können?

Ziel dieser Arbeit ist es also, zum einen eine regional-historische Beschreibung und (soweit möglich) eine regional-vergleichende Analyse grundsätzlicher Fakto- ren und Leitlinien des ökonomischen Strukturwandels und der nachholenden In- dustrialisierung im Emsland zu leisten (Kap. 4), zum anderen – ebenfalls unter Einschluss regionaler Binnendifferenzierung – dominante Charakteristika raum- bezogener Identität im Emsland, deren historische Wurzeln und deren ökonomi- sches Potenzial verdichtend zu beschreiben (Kap. 5). Zielführend sind erstens die Skizzierung eines ökonomietheoretischen Grundgerüstes für die historische Un- tersuchung wirtschaftlicher Aufholprozesse und dynamischer Regionalentwick- lung sowie die Berücksichtigung moderner Erkenntnisse der Neuen Institutionen- ökonomik und der Evolutionsökonomik (Kap. 3.1). Zielführend ist zweitens die Beschreibung von Bedingungsfaktoren des ökonomischen Fortschritts im Ems- land, z.B. der Standortfaktoren, der Institutionen und der Wirtschaftsförderung (Kap. 3.2 bis 3.4). Zuvor gilt es, unscharfe und mitunter mehrdeutige Schlüssel- begriffe, wie die der raumbezogenen Identität und der Region zu klären, mit de- nen im Folgenden gearbeitet werden soll (siehe das anschließende Kap. 1.2). Ei- ner Untersuchung im Raum Frankfurt/Main zufolge bilde sich z.B. regionale Iden- tität zunehmend auf der individuellen Handlungs- und Interessenebene, so dass man kaum von der regionalen Identität sprechen könne.5 Daneben argumentieren H.H. Blotevogel u.a., dass alle Regionen gesellschaftlich und historisch konstru- iert wurden, sie also nicht gewachsen seien und der diffuse Regionsbegriff dem- entsprechend von einer aussagekräftigen Typologie eingegrenzt werden muss.6 Lässt sich im Emsland also vielmehr eine große Schnittmenge individueller raum- bezogener Identitäten ausmachen? Wäre diese Schnittmenge überhaupt eine ge- samtemsländische oder eher jeweils die der Grafschafter, der Hümmlinger, der Grenzländer usw.? Auch auf diese Fragen wird noch genauer einzugehen sein. Vorher ist vor allem das Untersuchungsgebiet Emsland genauer zu beschreiben und seine Eingrenzung für diese Untersuchung zu begründen (Kap. 2).

1.2 Begriffsklärungen

Einer der zu klärenden Schlüsselbegriffe dieser regionalhistorischen Untersu- chung ist der Begriff der Region. Interdisziplinär ist die Region Forschungsgebiet wie auch Forschungsgegenstand und der Begriff Region somit weder einheitlich noch eindeutig zu definieren.7 Der konzentrierte Blick auf die Wirtschaftsge- schichte einer Region bedarf einer bestimmten Bezeichnung, was genau unter Region verstanden werden soll und welcher Abgrenzungsmöglichkeiten man sich bedient. Der allgemeinen Arbeitsdefinition D. Schmiechen-Ackermanns folgend, nach der Regionen „Räume mittlerer Größe, die zwischen dem nationalen und lokalen Maßstab recht flexibel zu definieren sind“8 verkörpern, lassen sich zwei grundsätzli- che Perspektiven ermitteln, nämlich die der Vorstellung einer natürlichen und tatsächlich vorhandenen Region sowie die der Vorstellung einer konstruierten und analytischen Region als spezifische Konfiguration eines Sinnraumes.9 Dement- sprechend lassen sich drei Definitionsmerkmale formulieren: Region ist (1) Raum, der als zusammengehörig angesehen wird, (2) Raum in relativ flexiblem Maßstab zwischen lokaler und nationaler Ebene und (3) Raum mit grundlegenden nach- vollziehbaren Gemeinsamkeiten sowohl physischer (d.h. existenzieller) Natur, als auch sozialer und kultureller Konstruktion. P. Nitschke hebt für Letzteres vier Funktionsbereiche regionaler Räume hervor: Ethik, Politik, Ökonomie und Identi- tät.10 Auf unsere Untersuchungsregion bezogen sind solche grundlegenden Aspek- te der Abgrenzung von benachbarten Regionen – die in Kap. 2 genauer betrachtet werden – vor allem eine homogene Landschaftsform, gemeinsame historische Traditionen sowie gleichartige ökonomische Strukturen.11

Der Begriff der regionalenEntwicklung bedarf ebenfalls einer Klärung, da es sich hier quasi um die Anwendungsebene des o.g. Regionsbegriffs handelt. Einer- seits steht er nämlich für wirtschafts- und regionalpolitische Konzepte, die z.B. auf regionalen Strukturwandel reagieren können. Andererseits ist regionale Ent- wicklung vor allem eine Vielzahl beschreibbarer regionaler Veränderungsprozesse vorwiegend wirtschaftlicher Natur, aber auch z.B. gesellschaftlicher Natur, die heute lt. L. Eichhorn in den fünf Rahmenbedingungen des demographischen Wandels, des wirtschaftlichen Strukturwandels, der Globalisierung, der Beschleu- nigung des Innovationstempos sowie der Verminderung staatlicher Handlungs- spielräume ablaufen.12

Einer dieser Veränderungsprozesse wirtschaftlicher Natur kann mit dem zu klärenden Begriff des wirtschaftlichenAufholprozesses versehen werden. Im Un- tersuchungsgebiet wurde mit dem Emslandplan ein beispielloser Aufholprozess in Gang gesetzt, der einen stetigen wirtschaftlichen Aufschwung als Ergebnis staatli- cher Förderung und somit eine nachholende Modernisierung ermöglichte. Mit seiner sog. Umfassenden Catch-up Theorie hat H.-G. Schwarz einen wirtschafts- wissenschaftlichen Erklärungsansatz entwickelt sowie neun Thesen für eine nati- onalökonomische und eine makroökonomisch-globale Anwendung vorgelegt, welche wirtschaftliche Aufholprozesse auch übertragen auf die regionale Ebene (zumindest in begrenztem Rahmen) erklären können. Danach können rückständi- ge Länder z.B. aufholendes Wachstum durch Imitation moderner Technologien und durch gestaltende standortpolitische Orientierung sowie durch nachhaltige Entwicklung des Humankapitals realisieren.13

Der wirtschaftliche Aufholprozess einer Region ist für eine Beurteilung in ein Verhältnis zur Ausgangssituation, zu Vergleichsräumen und zu Bedingungen und Zielsetzungen wirtschaftlichen Erfolgs zu setzen. Eine allgemeine Definition von Erfolg als Fortschritt und Prosperität greift jedoch zu kurz. Im Folgenden wird daher auf die bereits in den o.g. Forschungsarbeiten zu den erfolgreichen Regio- nen Niedersachsens benannten Kriterien von Erfolg zurückgegriffen, die sich mit- tels Indikatoren struktureller Entwicklung messen lassen. Erfolgskriterien sind i. e. L. (1) wirtschaftlicher Erfolg und Wachstum gemessen am BIP, (2) die demo- graphische Gesamtentwicklung gemessen an der Bevölkerungszahl (auch als ein Gradmesser für Lebensqualität) sowie (3) eine niedrige Erwerbslosigkeit gemes- sen an der Arbeitslosenquote.14 Weitere Erfolgskriterien sind die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Sicherheit vor Straftaten und die Armutsbekämpfung, d.h. eine niedrige Sozialhilfequote, sowie Lebensqualität gemessen an ökologischen Indi- katoren und an touristischer Nachfrage.15 Erfolg ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses wirtschaftlichen und sozialen Wandels, der durch mehr Produktivität und mehr Einsatz der klassischen Produktionsfaktoren sowie durch den Beitrag von Institutionen und immateriellen Gütern (Bildung, Innovationsfähigkeit etc.) zustande kommt.16

Unter Institutionen sind „die formalen oder informellen Begrenzungen und Spiel- regeln, die das politische, wirtschaftliche und soziale Handeln der Menschen regulie- ren“17 zu verstehen. Institutionen regulieren menschliches Handeln – und fraglos auch menschliches Wirtschaften – formal in Gestalt von Macht- und Herrschafts- gefügen, von verschriftlichtem Recht etc. sowie informell als Wertorientierungen, als kulturelle Traditionen und regionale Identitäten etc.18

Die informelle ökonomische Institution der raumbezogenen oder regionalen Identität ist in dieser Arbeit von besonderem Belang. Dominante Charakteristika raumbezogener Identität, deren historische Wurzeln und deren ökonomisches Po- tenzial werden in Kap. 5 für das Emsland untersucht. Eine stichhaltige Argumen- tation für eine Arbeitsdefinition wird dort dargelegt. Vorweg ist allerdings noch festzuhalten, dass hier unter regionaler Identität grundsätzlich (1) die Summe der von sog. „mental maps“ geprägten Repräsentationen des Lebensumfelds und Iden- tifikationen mit dem subjektiv abgegrenzten Raum, (2) die Summe der auch auf Basis langer Entwicklungslinien von Sozialisation geformten multivarianten Men- talitäten sowie (3) ein von menschlichen Erinnerungssystemen (z.B. die Erinne- rung an Gruppenerfahrungen), kulturellen Faktoren (z.B. zwischenmenschlichen Beziehungen, Tradition, Geschichte) und wahrgenommenen Raumsystemen (z.B. Naturraum) geprägter Begriff verstanden wird.19

1.3 Methodische Zielführung und Forschungslage

Die Schablone dieser historischen Untersuchung ist das Erklären von Kontinuität und Wandel nach dem strukturalistischen Konzept der „Longue durée“ von Fernand Braudel. Es unterscheidet drei Zeitebenen historischer Begebenheiten, nämlich 1. die Ebene der Ereignisgeschichte, auf der sich Begebenheiten (z.B. aufgrund politischer Entscheidungen) in kurzer Zeit wandeln können, 2. die Kon- junkturebene, auf der in einem längeren Zeitablauf (meist wirtschaftliche) Zyklen und Schwankungen stattfinden und 3. die Ebene der langen Dauer, auf der sich Strukturen (z.B. gesellschaftlicher oder geographischer Art) nicht oder nur sehr langsam wandeln.20 Man kommt im Prinzip auch wirtschaftlichen Aufholprozes- sen auf die Spur, indem man die nebeneinander auf den drei Zeitebenen ablaufen- den Veränderungen untersucht, nachzeichnet und interpretiert. Die angewandte Methode des Untersuchens und Nachzeichnens ist hier schwerpunktmäßig chro- nologisch-darstellender Natur. Verstehendes historisches Beobachten (anhand ausgewählter Quellen) und „verdichtendes Beschreiben“ eines in Entwicklungs- leitlinien mündenden historischen Rückblicks haben analytische Erklärungen und logische Deduktion methodisch zum Ziel. Eine notwendige Argumentationslinie zu den emsländischen Spezifika regionaler Identität ist auf diese Weise ebenso darstellbar wie eine (möglicherweise provokatorische) Einschätzung zukünftiger regionaler Entwicklung. Spannende Methoden der Cliometrie und überhaupt not- wendige empirisch-quantitative Methoden, wie z.B. die Befragung der emsländi- schen Bevölkerung zu regionalen Identitäten oder die kontrafaktische Geschichts- schreibung einer emsländischen Wirtschaftsentwicklung, müssen sich in einem umfangreicheren Forschungsvorhaben dieser Arbeit anschließen. D.h. eine voll- ständige empirisch-quantifizierende Analyse der ökonomischen Entwicklungen des westniedersächsischen Raumes im interregionalen Vergleich sowie eine Erhe- bung der Qualität unterschiedlicher regionaler Mentalitäten sind zukünftig inter- disziplinär noch zu leisten. Die sozialwissenschaftliche und die historische Regio- nalforschung haben bisher noch keine stichhaltigen Antworten auf Fragen nach einem vermuteten Zusammenhang von wirtschaftlichem Boom und spezifischem Regionalbewusstsein der Menschen im Emsland oder ihrer regionalen Identität gefunden.21

2 Das Untersuchungsgebiet im Westen Niedersachsens

Das Untersuchungsgebiet wird im Folgenden als Region definiert und einge- grenzt. D.h. das Emsland wird hinsichtlich seines Naturpotenzials, der Land- schaftsgliederung und der räumliche Grundausstattung sowie hinsichtlich seiner Bevölkerungs- und Sozialstruktur genauer beschrieben und von benachbarten Re- gionen begründet abgegrenzt. Dazu werden auch konstitutive Gemeinsamkeiten z.B. regionaler sozialer Milieus ermittelt und mit denen benachbarter Regionen verglichen. Schließlich werden die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim so beschrieben, wie sie sich uns nach ökonomischen und strukturellen Kriterien heute präsentieren.

2.1 Region als Referenzfolie wirtschaftlicher Entwicklung

Dass Regionen auch unter dem Eindruck der Globalisierung politische Hand- lungsfähigkeit wahren und Gestaltungschancen nutzen können und deshalb kei- nesfalls nur „passive Resonanzböden des Globalen“22 sind, greift die in Kap. 1 bereits erwähnte Typologie der Regionalität H. H. Blotevogels als Prämisse auf. Sie versucht den diffusen Begriff der Regionsbildung, d.h. der gesellschaftlichen und historischen Raumprägung (Konstruktion), aussagekräftig anhand von Krite- rien einzugrenzen und ordnet diese in drei Kategorien: Analyseregionen (z.B. Wirtschaftsräume und Ballungsräume), Tätigkeitsregionen (z.B. Landkreise und ÖPNV-Gebiete) und Identitätsregionen (z.B. Wahrnehmungsraum).23 Die diesen Kategorien zugrunde liegenden Konstruktionskriterien spiegeln Aspekte der Ein- grenzung wider, die es für unser Untersuchungsgebiet zu formulieren gilt. Insge- samt lässt sich ableiten, dass sich Regionen primär durch ihren Konstrukt-, sekun- där durch ihren vom Naturraum bestimmten Charakter auszeichnen und dass sie sich als ökonomische Funktionseinheit oder genauer als Referenzfolie ökonomi- scher Entwicklung eignen. Die wirtschaftswissenschaftliche Intention konstruiert also eine spezifische Eingrenzung von Region und führt zu einem Ausgangspunkt für wirtschaftshistorische Untersuchungen aus der Perspektive unterhalb der Nati- onalökonomie, die schließlich der Ermittlung regionaler Kernkompetenzen und Entwicklungsperspektiven dienen können.24

2.2 Definition der Untersuchungsregion Emsland

Der Westen Niedersachsens ist ein diffuses Territorium, ein unscharfer geographi- scher Abschnitt dieses Bundeslandes ohne konkrete natürliche, politische oder kulturelle Grenzen und er ist selbstverständlich umfangreicher, als es die für diese Arbeit gewählte Eingrenzung auf die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim vermuten lässt. Überhaupt wirft die übernommene Landschaftsbezeich- nung „Emsland“ für die hier konstruierte Untersuchungsregion Fragen auf. Schließlich gibt es mehrere geographische Räume, die als „Emsland“ bezeichnet werden oder werden könnten. Immerhin fließt der kleinste Strom Deutschlands durch zwei Bundesländer, durch sechs Landkreise und an seiner Mündung z.T. auf niederländischem Gebiet. Durch die Grafschaft Bentheim fließt die Ems je- doch nicht – wobei auf die nicht unwesentliche Frage, ob sich Grafschafter auch als Emsländer sehen, später noch eingegangen wird. Welche Gründe gibt es also für diese räumliche Abgrenzung oder regionale Konstruktion?

2.2.1 Konstitutive Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen

Konstruktionskriterien der Untersuchungsregion, d.h. Aspekte der Eingrenzung der untersuchten Landschaft Emsland, lassen sich ordnen und in ein recht flexib- les Konstruktionsschema übertragen. Das erarbeitete Schema in der Abbildung 3 (siehe Anhang) hilft, konstitutive Gemeinsamkeiten im Maßstab oberhalb der Lo- kalebene sowie Eingrenzungen gegenüber Nachbarn zu ermitteln, um schließlich zu einem Raumbegriff als Arbeitsdefinition mit variabler aber nicht beliebiger Grenzbestimmung zu gelangen.25 Im Detail umfasst es die acht im Westen Nie- dersachsens gelegenen Landkreise Grafschaft Bentheim, Emsland, Leer, Aurich, Wittmund, Jever, Ammerland und Osnabrück mit Ausnahmen der Landkreise Vechta und Cloppenburg, die bereits Gegenstand einer gleichartigen Untersu- chung waren. Die Landkreisebene wurde als konstruktiver Minimalraum gewählt, da sie die nächsthöhere administrative Funktion oberhalb der Lokalebene über- nimmt, als Territorium ein bewährtes Raumkonstrukt für Historiker darstellt und innerhalb ihrer Grenzen einen Rückgriff auf statistische Daten zulässt. Das Kon- struktionsschema hebt wirtschaftshistorisch relevante Homogenitätskriterien her- vor. Es stellt bestimmte Kreisbeschreibungen nach der Relevanz für diese Unter- suchung stichpunktartig einander gegenüber, sodass – gewichtet nach ihrer Ähn- lichkeit – eine in Frage kommende Regionseingrenzung herausgelesen werden kann. Das Schema benutzt in den Dimensionen Naturraum, Kulturraum und Wirt- schaftsraum fünf relevante Abgrenzungskriterien: (1) Naturpotenzial, (2) Res- sourcen, (3) Siedlung, (4) Kultur und (5) Wirtschaft. Innerhalb dieser Kriterien wurden die Landkreise anhand weiterer zehn als relevant eingeschätzter Abgren- zungsindikatoren verglichen: naturräumlich-geographisch den Landschaftstyp, die Intensität und Art der landwirtschaftlichen Bodennutzung sowie die anstehenden Rohstoffe, daneben kulturgeographisch die Siedlungsstruktur im Sinne der Ver- städterung, die jeweils mehrheitlich vorhandene Konfession der Menschen und ihre ursprünglichen Regionalsprachen; außerdem (den ökonomischen Aspekt un- terstreichend) die Wirtschaftsstruktur bzw. Industrialisierung, die Nähe zu Ab- satzmärkten, die Verkehrslage und eine eventuell erfolgte Strukturförderung.

Da die vorliegende Arbeit die wirtschaftlichen Aufholprozesse zum Gegen- stand hat, erhält der Abgrenzungsindikator der Strukturförderung das höchste Gewicht, gleich gefolgt von denen der Wirtschaftsstruktur und der verkehrsgeo- graphischen Ausgangslage. Daraus folgen als Konstruktion und Definition der Untersuchungsregion die Wirtschaftsregion Emsland, bestehend aus den Land- kreisen Emsland und Grafschaft Bentheim. Hier griff der Emslandplan, während andere Kreise nicht oder nur in Teilen von ihm profitierten;26 hier wurden Bo- denmelioration, Verkehrsinfrastrukturausbau und nachholende Industrialisierung durch planmäßige Strukturförderung erreicht (während der Küstenplan i. e. L. zur Deichsicherung aufgelegt wurde), hier finden sich homogene Gegebenheiten hin- sichtlich Naturpotenzial, Landschaftsform, Ressourcen, Lebensbedingungen und agrarisch-ländlicher Siedlungsstruktur. Binnenregionale Unterschiede, wie die Konfessionen, administrativ-historische Traditionen oder sprachliche Varietäten des Niederdeutschen, reichen dagegen nicht als Gegenargument der Konstruktion der Region Emsland.27 Die eingangs und im Folgenden benutzte Landschaftsbe- zeichnung Emsland ist also deckungsgleich mit der beschriebenen Abgrenzung der Wirtschaftsregion sowie mit dem Landschaftsverband Emsland, der aus den beiden genannten Landkreisen besteht. Beide Kreise lagen mit ihrer gesamten Fläche im operativen Gebiet der Emsland GmbH, d.h. im Planungsgebiet des Emslandprogramms.28 Doch wie ist das Emsland naturräumlich gegliedert und ausgestattet?

2.2.2 Naturpotenzial, Landschaftsgliederung, räumliche Grundausstattung

Das Emsland ist Teil der westlichen Ems-Weser-Geest im Norddeutschen Tief- land. Es gliedert sich in hauptsächlich neun unterschiedliche naturräumliche Ein- heiten entlang einer Flusstal-Hauptachse (Ems) und zweier Flusstal-Nebenachsen (Vechte und Hase) in Süd-Nord-Richtung: (1) Im Süden auf dem Gebiet der Obergrafschaft der Bentheimer Berg und die westlichen letzten Ausläufer des Teutoburger Waldes; (2) die Endmoränenreste der Uelsener Höhen, des Emsbüre- ner Rückens und der Lingen-Fürstenauer-Stauchmoräne; (3) das Aabecken oder die Spelle-Frerener Sandebene der Geest im südöstlichen Altkreis Lingen; (4) das Nordhorn-Bentheimer Sandgebiet entlang der Vechteniederung bis in die Nieder- grafschaft; (5) die linksemsischen Dünen- und Talsandgebiete der emsländischen Geest mit Niedermooren und Sandplatten in einer Linie von Salzbergen bis Rhe- de; (6) die rechtsemsischen Dünen- und Talsandgebiete der emsländischen Geest mit Niedermooren und Sandplatten von Listrup bis Meppen und von Tinnen bis Aschendorf; (7) die hohe und trockene Geest des Hümmlings; (8) die Flusstäler der o.g. drei Flüsse, sowie (9) die Moorniederungen der links- und rechtsemsi- schen Hochmoore (Bourtanger Moor, Hahnenmoor, Tinner Dose, Küstenkanal- moore).29

Die zumeist kargen Geestböden des Emslandes sind geprägt von Ablagerun- gen des Holozäns und durch Formationen der Saaleeiszeit. Die im Emsland zu findenden grundwassernahen und -fernen Geestböden, Moore und Talauen wur- den in der Vergangenheit durch starke anthropogene Beeinflussung verändert. Bodentypisch ist im Emsland eine auf langandauernde Plaggenentnahme zurück- zuführende Übersandung der Podsole sowie damit einhergehend die land- schaftsprägenden Plaggenesche aus der Zeit des Ewigen Roggenbaus. Jene finden sich zu großen Teilen auf den Flussterrassen und grenzen an die Aueböden, die wie die grundwassernahen ertragarmen Gleyeböden genauso landschaftsprägend sind. Große unwegsame Hochmoorflächen als natürliche Barrieren sowie kleintei- lige bis weitläufige Niederungsmoore haben in der Vergangenheit ebenfalls der emsländischen Landschaft ihre Gestalt gegeben.30

Der relativ hohe Grundwasserstand im Emsland resultiert aus einer relativ großen Niederschlagsmenge und dem Feuchtigkeitsgehalt bodennaher Luftschich- ten, die auf das Seeklima zurückzuführen sind, welches erst im Regionssüden kontinentalklimatischen Einflüssen gegenübersteht.31 Zur Zeit der intakten ausge- dehnten Moorflächen im Emsland wirkten diese aufgrund geringer Speicherfähig- keit von Tageswärme (im Vergleich zu Mineralböden) kühlend auf das Mikrokli- ma und ungünstig auf die Vegetationszeit.32 Waren seinerzeit sehr frühe und sehr späte Frosttage, feuchtkühle Sommer und nasskalte Winter eher gewöhnlich, sind heute vor allem aufgrund der fehlenden Geländehindernisse und des ausbleiben- den Staus von Luftströmungen Wetterkontinuitäten gewöhnlich, Extremwetterla- gen sehr selten.33

Die im Emsland anstehenden bedeutenden Bodenressourcen sind heute noch Erdöl und Erdgas. Der vorhandene Torf, der in der Vergangenheit als Brennstoff gestochen und protoindustriell zu Torfstreu verarbeitet, später durch planmäßige Moorkultivierung abgebaut wurde, spielt heute höchstens als Gartentorf eine (um- strittene) Rolle. Während in der Obergrafschaft der anstehende Bentheimer Sand- stein gewonnen wurde, konnten regionsweit meist Tone der Unterkreide und in den Flusstälern Auen- und Geschiebelehm zu Ziegeln gebrannt werden. Bisweilen steht in der Geest auch Raseneisenerz an, der südlich Lingens eine größere Rolle spielte, heute jedoch nicht mehr gewonnen wird.34

Die großen unwegsamen Moorflächen an den Grenzen zu Ostfriesland und den Niederlanden, überhaupt die räumliche Grundausstattung und die randständi- ge Lage des Emslandes spiegelten sich bis weit in das 20. Jahrhundert (Jh.) hinein auch in der inneren verkehrlichen Erschließung und der Verkehrsanbindung zu den Nachbarn wider. Die Verkehrsentwicklung des Emslandes ist ein bedeutender Untersuchungsaspekt dieser Arbeit und wird in den Kapiteln 4.2 und 4.3 genauer behandelt.

2.2.3 Bevölkerung und Sozialstruktur

Die beschriebenen Gliederungsmerkmale der Landschaft und die räumliche Grundausstattung übten – sowohl human-, als auch kulturgeographisch argumen- tierend – auch einen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung aus. Das Emsland – als die „Peripherie der Halbperipherie“35 – ist und vor allem war verhältnismä- ßig dünn besiedelt: im Jahr 1939 betrug die Bevölkerungsdichte 59 Einwoh- ner/km², 1950 immerhin schon 76 Einwohner/km² – zum Vergleich betrug 1950 die Bevölkerungsdichte Ostfrieslands (Landschaft) 124 und die Niedersachsens 143 Einwohner/km².36 Dieser Anstieg von 29% lässt sich i. e. L. auf die Aufnah- me von Vertriebenen, Displaced Persons und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg zurückführen.37 Die relativ dünne Besiedlung entlang der Ems und in der Niedergrafschaft hat ihren Grund in den o.g. Geofaktoren, nämlich den ag- rarökonomisch wenig ertragreichen Sandböden und unwirtlichen Mooren der westniedersächsischen Geest. Doch die Menschen waren offenbar mit den land- wirtschaftlichen Erträgen und ihren Lebensumständen zufrieden, zumindest so- lange das Land die begrenzte Anzahl von Menschen ernähren konnte.38 Aus die- sem Grund stellt sich auch die Frage nach tatsächlicher und „gefühlter“ Rückstän- digkeit, auf die in Kap. 4.1 näher eingegangen wird.

Zunächst ist ein historischer Blick auf Aspekte der Bevölkerungsstruktur notwendig, die für diese wirtschaftshistorische Arbeit und die Frage nach regiona- len Identitäten ausschlaggebend sind, nämlich die sozialen Schichtungen (verti- kal) und Milieus (horizontal) der Landbevölkerung und der nichtagrarischen Be- völkerungsgruppen (in der Grafschafter Textilindustrie und den kleinen Landstäd- ten) in der Vergangenheit. In seiner richtungsweisenden Studie über die soziale Schichtung des nördlichen Emslandes vom 17. bis zum 19. Jh. stellt F. Bölsker- Schlicht die folgenden sozialen Gruppen heraus: das Dienstbotenwesen, das Heu- erlingswesen, die kleinbäuerlichen Zwischenschichten und die Bewohner der Städte.39 Zur Entstehung der ländlichen Sozialschichten im Emsland merkt er an, (1.) dass sich die bäuerliche Gesellschaft bis zum Ende des Mittelalters um die Gruppen der Halb-, Drittel- und Viertelerben erweiterte, da im Rahmen des Aner- benrechts die Vollbauerstellen geteilt wurden, (2.) dass seit dem Beginn der Frü- hen Neuzeit mit dem Bevölkerungswachstum neue Kleinbauernstellen auf Mark- engrund geschaffen wurden, nämlich die der Kötter und Brinksitzer und dass (3.) im 17. Jh. schließlich die Gruppe der Heuerleute wuchs. Diese waren in ihrer so- zialen Stellung sowohl Grundpächter und Knechte, als auch nebengewerblich Tä- tige und Hollandgänger.40 Etwa die Hälfte der Bevölkerung im münsterschen Amt Meppen bestand um 1830 aus Kleinbauern und vor allem Heuerleuten.41 Dann setzte die Phase der Amerikaauswanderung ein, während der bis zu ihrem Abeb- ben um die Jahrhundertwende die Bevölkerungsentwicklung stagnierte. 42 Eine gewerbliche Durchdringung des ländlichen Raumes hat im Emsland nur mäßig stattgefunden, insbesondere in der Grafschaft Bentheim etablierte sich aus kleinstbäuerlicher Notwendigkeit von Nebenerwerb sowie durch Migration fland- rischer Weber nach Westfalen eine protoindustrielle Tradition der Woll-, Leinen- und Baumseidenweberei.43 In Nordhorn wurde 1839 die erste mechanisierte Baumwollschnellweberei in Betrieb genommen, bald darauf eine Chininfarben- fabrik gegründet und so der Grundstein für die Industrialisierung der Obergraf- schaft gelegt.44 Während sich ein neues (konservativ-protestantisches und sozial- demokratisches) Milieu der Textilarbeiter in Bentheim, Nordhorn, Gildehaus und Schüttorf entwickelte, befand sich die ländliche Handweberei in wirtschaftlichem Niedergang.45

Ein weiteres Untersuchungsmerkmal sozialer Milieus in dieser Arbeit ist die Religionszugehörigkeit. Die konfessionellen Entwicklungen der Frühen Neuzeit wirkten auch im Emsland. Noch für das 19. Jh. lässt sich bei der Mehrheit der Emsländer das alte Rechtsprinzip cuius regio, eius religio ablesen. Die Bewohner der Grafschaft Lingen waren unter den Oraniern und auch nach dem Anfall an Preußen mehrheitlich katholisch, das münstersche Amt Meppen ebenso.46 Die Nachbarterritorien waren protestantisch und in der Grafschaft Bentheim koexis- tierte eine besondere Vielfalt religiöser Glaubensgemeinschaften: nahm die Graf- schaft unter Arnold von Bentheim zunächst den lutherischen Glauben an, konver- tierte sie 1588 zum Calvinismus. 47 Neben den konfessionellen Minderheiten der Katholiken, Lutheraner und Altreformierten siedelte sich als Besonderheit eine Herrnhuter Brüdergemeinde in der Grafschaft Bentheim an.48

2.3 Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim heute

Naturpotenzial und Landschaftsgliederung, Bevölkerung und Sozialstruktur sind ein entscheidender Rahmen für den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit, die nachholende wirtschaftliche Entwicklung des Emslandes sowie die Genese und Beschaffenheit einer eigenen „emsländischen Mentalität“. Für eine Antwort auf die Frage nach den wirtschaftlichen Aufholprozessen ist zuerst die Ermittlung des ökonomischen Ist-Zustands wichtig. Doch wie zeigt sich uns das Emsland heute? Zunächst also ein Blick auf Indikatoren der wirtschaftlichen Lage, im Anschluss ein Blick auf ausgewählte ökonomische Kriterien räumlicher Erschließung 49. Ers- te Antworten auf die weiterführende Frage nach der regionalen Selbststeuerungs- fähigkeit wird dieses Kapitel anhand einiger aktueller Beispiele abrunden. Die notwendige vergleichende Analyse nach Kriterien des wirtschaftlichen Erfolgs im Zeitverlauf, wie sie bereits für das o.g. Forschungsprojekt „Erfolgreiche Regionen in Niedersachsen“50 definiert wurden, schließt sich nach einer ökonomietheoreti- schen Rahmensetzung im Kapitel 3.4 an. Insgesamt vermag aber auch jenes Kapi- tel nur Schlaglichter auf den notwendigen Untersuchungskontext zu werfen, denn eine vollständige empirisch-quantifizierende Analyse der aktuellsten ökonomi- schen Entwicklungsdaten des Emslandes – auch im historischen und interregiona- len Vergleich – sind zukünftig in einem größer dimensionierten Forschungspro- jekt noch zu leisten. Große Mengen statistischer Daten müssen herangezogen und analysiert werden, die nicht immer leicht zugänglich sind.

Indikatoren der wirtschaftlichen Lage

Für den Januar 2012 verzeichnete die Agentur für Arbeit in Nordhorn in ihrem Agenturbezirk, der sich auf den Landkreis Grafschaft Bentheim sowie die ems- ländischen Altkreise Lingen und Meppen erstreckt, den niedrigsten Stand der Er- werbslosigkeit in einem Januar seit 30 Jahren und die im Vergleich zum nieder- sächsischen Landesdurchschnitt (7,0%, vgl. die Karte in Abb. 1 im Anhang) nied- rigste Arbeitslosenquote i. H. v. 3,9%. Die zum Agenturbezirk gehörende Ge- schäftsstelle Lingen ermittelte in ihrem Gebiet sogar die niedersachsenweit abso- lut niedrigste Arbeitslosenquote von 3,2% im Januar. Die erstellte Tabelle (Abb. 2 im Anhang) zeigt eine ähnliche Entwicklung für das nördliche Emsland. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer üblicherweise steigenden Winterarbeitslosig- keit im Vergleich zu den Vormonaten ließe sich gemäß aktueller Position H. Gartners und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von Vollbe- schäftigung im Emsland sprechen.51 Die Tabelle in Abb. 2 enthält auch einen Da- tenvergleich mit den Arbeitsagenturbezirken Verden und Uelzen – deckungs- gleich mit den zwei Landkreisen – und fußt auf einer Reihe gewichtiger Ver- gleichskriterien.52 Der ostniedersächsische Landkreis Uelzen hat folgende mit dem Emsland vergleichbare Strukturmerkmale: er ist agrarisch-kleinstädtisch ge- prägt und nach Osten zunehmend strukturschwach; er liegt in der Geest, hat also eher karge, im Mittelalter überwiegend Subsistenzwirtschaft ermöglichende Bö- den; er liegt nicht im Nahbereich großer Absatzmärkte, hatte im Mittelalter eher eine geringe gewerbliche Durchdringung und eher eine Lage als Verkehrsdurch- gangsgebiet. Der Landkreis Verden jedoch unterscheidet sich in den Vergleichs- punkten der Metropolennähe (zu Bremen) und dem Grad der gewerblichen Durchdringung im Spätmittelalter.53

Die zzt. online verfügbare Erhebung des LSKN zum BIP-Anteil der Land- kreise am BIP Niedersachsens weist Zahlen aus 1999 aus. Trotz der bald dreizehn vergangenen Jahre lohnt sich ein regionaler Vergleich in Anlehnung an die o.g. Vergleichsregion für die Erwerbslosenquote. Die Abb. 4 im Anhang zeigt, dass das BIP sowohl innerhalb der Untersuchungsregion Emsland, als auch im Ver- hältnis zum Landeswert und im Vergleich mit den Kreisen Verden, Uelzen und Lüchow-Dannenberg differierte und es lässt sich insgesamt feststellen: (1) der Landkreis Emsland war 1999 (den BIP-Landesanteil i. H. v. 3,7% betreffend) er- folgreich, lag beim BIP pro Einwohner in etwa gleichauf mit Verden und dem Land und erwirtschaftete das BIP zu einem relativ großen Teil im produzierenden Gewerbe; (2) der Landkreis Grafschaft Bentheim war (den BIP-Landesanteil i. H. v. 1,2% betreffend) wie der Landkreis Uelzen mäßig erfolgreich, liegt beim BIP pro Einwohner an letzter Stelle hinter Lüchow-Dannenberg und erwirtschaftet sein BIP zu mehr als zwei Dritteln (noch über dem Landeswert) im Dienstleis- tungssektor.54

[...]


1 EICHHORN, Lothar et al.: Niedersachsen. Das Land und seine Regionen. Land, Bezirke, Landkreise, Kreisfreie Städte. Hg. v. Nieders. Landesamt f. Statistik und v. Nieders. Institut f. Historische Regionalforschung. Hannover 2007. S. 225f. sowie Zahlenspiegel Niedersachsen. In: Statistische Monatshefte Niedersachsen, 65. Jahrg., H. 11, 2011. S. 692–695. Als Einführung in das Thema vgl. auch die Abb. 1 und 2 im Anhang, dort die Erwerbslosenstatistik

2 Einen umfangreichen Einblick in die Projektarbeit und die gewonnenen Erkenntnisse bieten (a) EICHHORN, Lothar: Regionen zwischen Wandel und Beharrung. Vorschlag für ein Forschungsprojekt. In: Niedersachsen-Monitor 2002. S. 67–75. (b) Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Erfolgreiche Regionen in Niedersachsen. Tagung im Museumsdorf Cloppenburg am 20./21. Juni 2003. Bonn 2003. (c) Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Mentalitäten, Traditionen und regionale Wirtschaftsentwicklung in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Red. Ulrike Friese und Detlef Schmiechen- Ackermann. Berlin 2005.

3 HAUPTMEYER, Carl-Hans: Resolution von Cloppenburg. In: Erfolgreiche Regionen in Niedersachsen (Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung) Bonn 2003. S. 83–85.

4 Im Folgenden sei für diese niedersächsische Region der gängige Begriff Emsland gewählt. Der gleichnamige Landkreis wird daneben bei seinem vollständigen Namen genannt. Desweiteren wurden die maskulinen Formen der Personengenera lediglich zur besseren Lesbarkeit gewählt.

5 HÜBNER, Margit und BRINKMANN, Reimar: An der langen Leine von Frankfurt. Zentrum und Peripherie als räumliches Bedeutungsmuster. In: Region - Heimaten der individualisierten Gesellschaft (Hg. v. Heinz Schilling und Beatrice Ploch) Frankfurt/M. 1995. S. 39–70.

6 BLOTEVOGEL, Hans Heinrich: Zur Konjunktur der Regionsdiskurse. In: Informationen zur Raumentwicklung, 9/10.2000. S. 491–506. Insb. S. 499f.

7 KIESEWETTER, Hubert: Rau m u nd R e g i on . In: Moderne Wirtschaftsgeschichte. Eine Einführung für Historiker und Ökonomen (Hg. v. Gerold Ambrosius, Dietmar Petzina und Werner Plumpe) München 22006. S. 117–134. Hier S. 117f.

8 Zit. aus SCHMIECHEN-ACKERMANN, Detlef: Mentalitäten, Traditionen und regionale Wirtschaftsentwicklung in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt - eine Einführung in den Diskussionszusammenhang. In: Mentalitäten, Traditionen und regionale Wirtschaftsentwicklung in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung) Berlin 2005. S. 8–13. Hier S. 8.

9 SCHMITZ, Walter: "Gedachte Ordnung" - "erlebte Ordnung". Region als Sinnraum. Thesen und mitteleuropäische Beispiele. In: Konstruktionsprozesse der Region in europäischer Perspektive (Hg. v. Gertrude Cepl-Kaufmann und Georg Mölich) Essen 12010. S. 23–44. Desweiteren MOSE, Ingo und BRODDA, Yvonne: Regionalentwicklung, Regionalisierung, regionale Identität. Perspektiven für die Region Südharz. 5. Südharz-Symposium 11./12. Oktober 2002 in Bad Sachsa. Vechta 2002. URL: [http://www.karstwanderweg.de/sympo/5/mose_brodda/index.htm] Letzter Zugriff: 9.2.2012.

10 NITSCHKE, Peter: Regionale Identitäten und Mentalitäten im europäischen Integrationsprozess: Neue und alte Partizipationsformen. In: Erfolgreiche Regionen in Niedersachsen (Hg. v. Friedrich- Ebert-Stiftung) Bonn 2003. S. 47–58. S. 50.

11 SCHMIECHEN-ACKERMANN: Mentalitäten, (wie Anm. 8), S. 8f.

12 EICHHORN, Lothar: Regionale Entwicklungen - Einflüsse von Sozialstruktur, Traditionen und Mentalitäten. In: Mentalitäten, Traditionen und regionale Wirtschaftsentwicklung in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung) Berlin 2005. S. 32–40.

13 SCHWARZ, Hans-Günter: Umfassende Catch-up Theorie als Erklärungsansatz wirtschaftlicher Aufholprozesse (=Europäische Hochschulschriften, Reihe 5: Volks- und Betriebswirtschaft). Frankfurt/M. 1997. S. 174-176.

14 EICHHORN, Lothar: Niedersächsische Regionen im Vergleich. Erkenntnisse und Fragen aus der Analyse amtlicher Daten. In: Erfolgreiche Regionen in Niedersachsen (Hg. v. Friedrich-Ebert- Stiftung) Bonn 2003. S. 7–22. Hier: S. 9.

15 Ebd. S. 9f. Zum Erfolgsindikator der touristischen Nachfrage vgl. auch MOSE/BRODDA: Süd- harz, (wie Anm.9)

16 HERRMANN-PILLATH, Carsten: Grundriß der Evolutionsökonomik (=UTB Neue ökonomische Bibliothek. Bd. 2340). München 2002.S. 21-47.

17 Zit. aus NIEMANN, Hans-Werner: Europäische Wirtschaftsgeschichte. Vom Mittelalter bis heute. Darmstadt 2009. S. 3.

18 ACEMOGLU, Daron, JOHNSON, Simon und ROBINSON, James: Institutions as the Fundamental Cause of Long-Run Growth. NBER Working Paper 10481. National Bureau of Economic Research. Cambridge 2004. URL: [http://www.nber.org/papers/w10481] Letzter Zugriff: 1.2.2012. S. 61-65 und 78.

19 WEICHHART, Peter: Raumbezogene Identität. Bausteine zu einer Theorie räumlich-sozialer Kognition und Identifikation (=Erdkundliches Wissen. Bd. 102). Stuttgart 1990. S. 30-74, NITSCHKE: Regionale Identitäten, (wie Anm.10), S. Insb. S. 56f. sowie SUDBROCK, Theres: Regionale Identität im Kreis Gütersloh. Die Auswirkungen der Gebietsreform 1973 (=Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh. Bd. 8). Bielefeld 2004. S. 14-22 und SCHMIECHEN-ACKERMANN: Mentalitäten, (wie Anm. 8)

20 BRAUDEL, Fernand: Geschichte und Sozialwissenschaften. Die longue durée. In: Schrift und Materie der Geschichte. Vorschläge zu einer systematischen Aneignung historischer Prozesse. (Hg. v. Claudia Honegger und Mitarb Marc Bloch) Frankfurt/M. 11977. S. 47–85.

21 ROLFES, Herbert: Der Landkreis Emsland als Wachstumsmotor. Entwicklung und Erfolgsfaktoren. Präsentationsbeitrag zur Abschlussveranstaltung des MORO-Forschungsfeldes. Deutscher Landkreistag, 15. April 2008. Berlin 2008. URL: [http://www.uni-kl.de/rur/fileadmin/Medien /Forschung/Forschungsprojekte/BBR/rolfes.pdf] Letzter Zugriff: 06.02.2012.; EIYNCK, Andreas: Volkskunde. In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Teil 2: Geschichtliche Grundlagen (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 480–491. Insb. S. 488.

22 BLOTEVOGEL, Hans Heinrich: Auf dem Weg zu einer „Theorie der Regionalität“. Die Region als Forschungsobjekt der Geographie. In: Region und Regionsbildung in Europa (Hg. v. Gerhard Brunn) Baden-Baden 1996. S. 44–68. Hier: S. 48.

23 Ebd. S. 44-68.

24 SCHMIECHEN-ACKERMANN: Mentalitäten, (wie Anm.8), S. 8f.; HAUPTMEYER, Carl-Hans: Niedersachsen und seine Regionen im europäischen Kontext. Ein historischer Rückblick. In: Niedersachsen- Monitor 2002. S. 55–65.; KIESEWETTER: Raum und Region, (wie Anm. 7), S. 118-121.

25 Das erarbeitete Konstruktionsschema (vgl. Abb. 3 im Anhang) beinhaltet Abgrenzungsindikatoren, wie sie kulturhistorische und regionalgeographische Forschungsergebnisse folgender Autoren nahelegen: DITT, Karl: Strategien regionaler Raumkonstruktionen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Konstruktionsprozesse der Region in europäischer Perspektive (Hg. v. Gertrude Cepl-Kaufmann und Georg Mölich) Essen 12010. S. 11–22.; SCHENK, Winfried: Historische Geographie (=Geowissen kompakt. Begr. v. Hans-Dieter Haas). Darmstadt 2011. S. 6-15; KIESEWETTER: Raum und Region, (wie Anm.7), S. 117f.

26 HAVERKAMP, Christof: Die Erschließung des Emslandes im 20. Jahrhundert als Beispiel staatlicher regionaler Wirtschaftsförderung (=Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte. Bd. 7). Sögel 1991. S. 15-18.

27 Die im Regionskonstruktionsschema (vgl. Anhang, Abb. 3) unter den Abgrenzungsindikatoren dargestellten landkreisspezifischen Angaben entstammen: EICHHORN, Lothar et al.: Niedersachsen. Das Land und seine Regionen. Land, Bezirke, Landkreise, Kreisfreie Städte. Hg. v. Nieders. Landesamt f. Statistik und v. Nieders. Institut f. Historische Regionalforschung. Hannover 2007.; HAUPTMEYER, Carl-Hans: Niedersachsen. Landesgeschichte und historische Regionalentwicklung im Überblick. Oldenburg 2004. S. 12-22, 55-59; SCHNEIDER, Karl-Heinz: Wirtschaftsgeschichte Niedersachsens nach 1945. In: Geschichte Niedersachsens. Bd. 5: Von der Weimarer Republik bis zur Wiedervereinigung (Hg. v. Gerd Steinwascher) Hannover 2010. S. 807–920.; HUGENBERG, Gerd: Das Emsland. Landschaft und Geologie. In: Das Emsland (Hg. v. Gerd Hugenberg, Horst Heinrich Bechtluft und Werner Franke) Hannover 1982. S. 5–20.; POTT, Richard: Das heutige Vegetations- und Landschaftsbild. In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Teil 1: Natürliche Grundlagen (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 168–201.; HUGENBERG, Gerd: Vom Moor zur Magnetbahn. Europäische Woche in der Region Emsland-Grafschaft Bentheim 27.-29.9.1988: Europäische Kampagne für den ländlichen Raum. In: Neues Archiv für Niedersachsen, 37.1988. S. 31–41.

28 Bspw. bei SCHNEIDER: Wirtschaftsgeschichte, (wie Anm. 27), S. 876f.

29 SEEDORF, Hans Heinrich: O b erflächennaheGeologieA. ll g eme i n e L a n d scha ftsg lied er un g . In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 18–32. Insb. S. 22f. Sowie HAVERKAMP: Erschließung des Emslandes. 1991a, (wie Anm. 26), S. S. 16-18.

30 LIENEMANN, Jörg: Böden. In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Kap. Oberflächennahe Geologie (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 59–69.; HUGENBERG: Landschaft und Geologie, (wie Anm. 27), S. 10-19.

31 KORFF, Hans C.: Wi t t e run g u nd K l im a . In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Teil 1: Natürliche Grundlagen (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 117–126.

32 HAVERKAMP: Erschließung des Emslandes. 1991a, (wie Anm. 26), S. 16-18.

33 KORFF: Witterung und Klima, (wie Anm. 31), S. 117f.

34 LOHFF, Lothar: Die Geschichte der Erschließung der Erdöl- und Erdgaslagerstätten im Emsland. In: Der Landkreis Emsland. Geographie, Geschichte, Gegenwart. Eine Kreisbeschreibung. Teil 1: Natürliche Grundlagen (Hg. v. Werner Franke et al.) Meppen 2002. S. 106–110. Sowie STEFFENS, Peter: Oberflächennahe Rohstoffe. In: Ebd. S. 77f. und GRAUPNER, Armin: Raseneisenstein in Niedersachsen. Entstehung, Vorkommen, Zusammensetzung und Verwendung (=Forschungen zur niedersächsischen Landeskunde. Bd. 118). Göttingen 1982.

35 Ein für diese Arbeit konstruierter Begriff in Anlehnung an die halbperiphere Mittellage Nieder- sachsens im europäischen ökonomischen System (vom Frühmittelalter bis zur Frühen Neuzeit). Vgl. dazu HAUPTMEYER, Carl-Hans: GeschichteNiedersachsens . München 2009. S. 10, sowie HAUPTMEYER: Niedersachsen, (wie Anm. 27), S. 80f. und 92-95.

36 Die Bevölkerung Niedersachsens nach den Ergebnissen der Volkszählung 1961. In: Statistische Monatshefte für Niedersachsen, H. 6, 1962. S. 177–183.; Statistik. Tabelle A2: Bevölkerungsentwicklung in Ostfriesland und Papenburg (Stichtag: 1.1.). Veröffentl. v. Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg. Emden 2004. URL: [http://www.ihkemden.de/content/images_web/02_standort/2010_02/stat_a02.pdf] Letzter Zugriff: 24.10.2011.

37 WILBERS-NOETZEL, Annette: Die wohnräumliche und wirtschaftliche Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen im Emsland nach 1945 (=Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte. Bd. 26). Sögel 2004. S. 27-41, hier besonders S. 31f.

38 STEINWASCHER, Gerd: Die wirtschaftliche Erschließung des Emslandes vor dem Emslandplan. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, 46.2000. S. 128–151. Insb. S. 135f.; BECHTLUFT, Horst Heinrich: Twist im Emsland-Moor. Archivbilder. Erfurt 2000.

39 BÖLSKER-SCHLICHT, Franz: Bevölkerung und soziale Schichtung im nördlichen Emsland vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Versuch einer Quantifizierung im Vergleich dreier Jahrhunderte (=Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte. Bd. 10). Sögel 1994. S. 6f.

40 GRAVE, Josef: Heuerleute - West-Ostsiedler - Rückwanderer. Auf den Spuren emsländischer Familien in Hinterpommern und Ostbrandenburg. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, 41.1995. S. 330–342.

41 BIEN, Walter: Das Heuerlingswesen im Emsland und seine Beendigung nach dem Zweiten Weltkrieg - dargestellt am Beispiel der Gemeinde Stavern. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, 41.1995. S. 55–79.

42 BÖLSKER-SCHLICHT: Bevölkerung und soziale Schichtung, (wie Anm. 39), S. 103-107.

43 Baumseide ist ein Gewebe aus Baumwollgarn und Leinenkette. Vgl. HAUFF, Thomas: Die Textilindustrie zwischen Schrumpfung und Standortsicherung. Weltwirtschaftliche Anpassungszwänge, unternehmerische Handlungsstrategien und regionalökonomische Restrukturierungsprozesse in der Textilindustrie des Westmünsterlandes (=Duisburger Geographische Arbeiten. Bd. 14). Dortmund 1995. S. 109.

44 SCHWABE, Udo: Textilindustrie in der Grafschaft Bentheim 1800-1914 (=Emsland/Bentheim. Beiträge zur Geschichte. Bd. 20). Sögel 2008. S. 73-99.

45 SCHWABE: Textilindustrie 1800-1914, (wie Anm. 44), S. 181-188.

46 STEINWASCHER: Erschließung des Emslandes. 2000b, (wie Anm. 38), S. 135f.

47 PLASGER, Gerhard: Reformation in der Grafschaft Bentheim. In: Nederland en Bentheim. Vijf eeuwen kerk aan de grens: Viftiende verzameling bijdragen van de Vereniging voor Nederlandse Kerkgeschiedenis (Hg. v. Paul H. A. M. Abels, Gerrit Jan Beuker und Jan G. J. van Booma) Delft 2003. S. 11–28.

48 KUIPER, Wim H.: Doperse contacten in het Twents-Duitse grensgebied. In: Nederland en Bentheim. Vijf eeuwen kerk aan de grens: Viftiende verzameling bijdragen van de Vereniging voor Nederlandse Kerkgeschiedenis (Hg. v. Paul H. A. M. Abels, Gerrit Jan Beuker und Jan G. J. van Booma) Delft 2003. S. 43–60.

49 Mit Erschließung ist hier nicht der eigentliche Begriff i. S. d. Maßnahmen zur Herstellung einer Grundstücksnutzung gemeint, sondern vielmehr der weitergehende Begriff i. S. d. Maßnahmen zur Herstellung und Sicherstellung einer infrastrukturellen Grundausstattung in einem Siedlungsraum.

50 FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG (HG.): Erfolgreiche Regionen, (wie Anm. ), S.; FRIEDRICH-EBERT- STIFTUNG: Mentalitäten, Traditionen, (wie Anm. 2), S.

51 GARTNER, Hermann: Vollbeschäftigung aus Sicht der modernen Arbeitsmarkttheorie: Wie hoch will man springen? In: IAB-Forum, 2.2008. S. 9–13.

52 Vgl. Abb. 2 im Anhang und die dortige Quellenangaben: die Daten entstammen den Arbeits- marktreports 1/2011, 7/2011 und 1/2012 der Agenturbezirke Nordhorn, Leer, Verden und Uelzen.

53 EICHHORN ET AL.: Niedersachsen. NLS/NIHR, (wie Anm. 1), S. 210-221; HAUPTMEYER: Nie- dersachsen, (wie Anm. 27), S. 55-59, 92-95.

54 Vgl. Abb. 4 im Anhang und die dortige Quellenangabe: die Daten entstammen der Tabelle Q0990207 der Online-Datenbank des LSKN und wurden zuletzt am 12.2.2012 abgefragt.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Der Emslandplan. Alleiniger Erfolgsfaktor für die wirtschaftlichen Aufholprozesse im Westen Niedersachsens?
Untertitel
Eine historische Untersuchung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Note
1,15
Autor
Jahr
2012
Seiten
88
Katalognummer
V505225
ISBN (eBook)
9783346049674
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emsland, Wirtschaftsgeschichte, Boomregion, ökonomische Entwicklung, regionale Identität, Ungleichzeitigkeit
Arbeit zitieren
Ingo Harmrolfs (Autor), 2012, Der Emslandplan. Alleiniger Erfolgsfaktor für die wirtschaftlichen Aufholprozesse im Westen Niedersachsens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505225

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