Zunächst ist mir aufgefallen, dass der Text mit vielen Eigennamen überhäuft ist, die sich allesamt nicht sofort zuordnen lassen. Dass Abraham die zentrale Figur ist, erschließt sich dem Leser sofort. Es setzt allerdings Vorwissen voraus, dass der im Text genannte Abram wie auch Abraham ein und dieselbe Figur sind. Der Text (vgl. Gen 12,1) setzt mit einer wörtlichen Rede ein, die Bestandteil eines Kommunikationsprozesses zwischen Gott und Abraham ist. In diesem Kommunikationsprozess zeichnet sich Gott als Kommunikator aus und Abraham als Rezipient. Gott erteilt Abraham die Weisung, seine Heimat hinter sich zu lassen. Die Aufforderung zum Verlassen der Heimat weist Belohnungscharakter auf. Als Gegenleistung sagt Gott Abraham einen „großen Namen“ und „Segen“ zu (vgl. Gen 12,2). Zudem deklariert Gott Abraham selbst zum Segensträger und Gründer eines nicht unbemerkten Volkes (vgl. ebd.). Anschließend erfolgt eine erneute Zusage des Segens, aber ebenso eine Schutzzusage vor denen, die beabsichtigen, Abraham Schaden zuzufügen bzw. es sich erhoffen. Es ist nicht erkennbar, ob es um konkrete Feinde von Abraham geht oder es sich generell auf Widersacher Abrahams bezieht. Danach erwähnt Gott das Ausmaß des besagten Segens, welcher der gesamten Menschheit nicht vorzuenthalten ist (vgl. Gen 12,3). Hier endet zunächst die direkte Rede Gottes, welche die Aufforderung zum Aufbruch aus dem Heimatland, die Zusage von Segen mit kleiner Ursache, aber großer Wirkung und einer großen Zahl an Nachfahren beinhaltet. Im weiteren Vers kommt es zur Ausführung des göttlichen Auftrages. Zwar wäre eine mögliche Reaktion Abrahams zu erwarten gewesen, aber das ist nicht der Fall, sondern die Umsetzung der göttlichen Weisung findet sofort statt (vgl. Gen 12,4). Es erweckt für mich persönlich den Anschein affirmativen Schweigens seitens Abrahams. Abraham beginnt seine Reise ins Ungewisse nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit Lot (vgl. ebd.). An dieser Stelle frage ich mich, ob Abraham Lot darum gebeten hat oder Lot sich freiwillig angeschlossen hat. Daran anschließend kommt es zu einer Altersangabe von Abraham (vgl. ebd.). Es wird angeführt, dass Abraham 75 Jahre alt ist. Hierbei bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob es eine tatsächliche Altersangabe ist oder sie lediglich symbolisch für jemanden steht, der schon viel Lebenserfahrung hat. Weiterhin kommt es zu einer Ortsangabe, die den Startpunkt seiner Route ausmacht (vgl. ebd.).
Inhaltsverzeichnis
1. Persönlicher Zugang zum Text
2. Textvergleich anhand verschiedener Übersetzungen
3. Zentrale Begriffe in Gen 12, 1-9 und ihre Bedeutung
3.1 Betrachtungen zum Begriff der Berufung bzw. Erwählung
3.2 Der Begriff des Segens
3.3 Der Begriff der Verheißung und das verheißene Land
4 Strukturanalyse
4.1 Eingrenzung des Textes
4.2 Gliederung und Textstruktur von Gen 12,1-9
4.3 Textgattung
5. Geschichtlicher Kontext und Verfasserschaft
5.1 Historischer und sozialgeschichtlicher Kontext
5.2 Literarischer Kontext und Verfasserschaft
6. Einzelinterpreation
7. Bedeutung des Textes für die heutige Zeit
7.1 Persönlicher Bezug zum Text
7.2 Wesentliche Textaussagen
8. Anhang
8.1 Quellennachweis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Berufungsgeschichte Abrahams in Genesis 12, 1-9 exegetisch zu durchdringen, ihre Bedeutung für die biblische Überlieferung zu erarbeiten und Anknüpfungspunkte für die heutige Zeit sowie die gemeindepädagogische Arbeit aufzuzeigen.
- Vergleichende Analyse verschiedener Bibelübersetzungen des Textes.
- Exegese der zentralen theologischen Begriffe wie Berufung, Segen und Verheißung.
- Strukturanalyse und Bestimmung der Textgattung (Itinerar-Erzählung).
- Untersuchung des historisch-sozialgeschichtlichen Kontextes und der Verfasserschaft (Jahwist).
- Reflexion der Bedeutung des Textes für das persönliche Glaubensverständnis und die pädagogische Praxis.
Auszug aus dem Buch
1. persönlicher Zugang zum Text
Zunächst ist mir aufgefallen, dass der Text mit vielen Eigennamen überhäuft ist, die sich allesamt nicht sofort zuordnen lassen. Dass Abraham die zentrale Figur ist, erschließt sich dem Leser sofort. Es setzt allerdings Vorwissen voraus, dass der im Text genannte Abram wie auch Abraham ein und dieselbe Figur sind. Der Text (vgl. Gen 12,1) setzt mit einer wörtlichen Rede ein, die Bestandteil eines Kommunikationsprozesses zwischen Gott und Abraham ist. In diesem Kommunikationsprozess zeichnet sich Gott als Kommunikator aus und Abraham als Rezipient. Gott erteilt Abraham die Weisung, seine Heimat hinter sich zu lassen. Die Aufforderung zum Verlassen der Heimat weist Belohnungscharakter auf. Als Gegenleistung sagt Gott Abraham einen „großen Namen“ und „Segen“ zu (vgl. Gen 12,2). Zudem deklariert Gott Abraham selbst zum Segensträger und Gründer eines nicht unbemerkten Volkes (vgl. ebd.).
Anschließend erfolgt eine erneute Zusage des Segens, aber ebenso eine Schutzzusage vor denen, die beabsichtigen, Abraham Schaden zuzufügen bzw. es sich erhoffen. Es ist nicht erkennbar, ob es um konkrete Feinde von Abraham geht oder es sich generell auf Widersacher Abrahams bezieht. Danach erwähnt Gott das Ausmaß des besagten Segens, welcher der gesamten Menschheit nicht vorzuenthalten ist (vgl. Gen 12,3). Hier endet zunächst die direkte Rede Gottes, welche die Aufforderung zum Aufbruch aus dem Heimatland, die Zusage von Segen mit kleiner Ursache, aber großer Wirkung und einer großen Zahl an Nachfahren beinhaltet. Im weiteren Vers kommt es zur Ausführung des göttlichen Auftrages. Zwar wäre eine mögliche Reaktion Abrahams zu erwarten gewesen, aber das ist nicht der Fall, sondern die Umsetzung der göttlichen Weisung findet sofort statt (vgl. Gen 12,4). Es erweckt für mich persönlich den Anschein affirmativen Schweigens seitens Abrahams. Abraham beginnt seine Reise ins Ungewisse nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit Lot (vgl. ebd.). An dieser Stelle frage ich mich, ob Abraham Lot darum gebeten hat oder Lot sich freiwillig angeschlossen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Persönlicher Zugang zum Text: Der Autor reflektiert seine ersten Eindrücke von der biblischen Erzählung und ordnet die handelnden Personen sowie die göttliche Aufforderung ein.
2. Textvergleich anhand verschiedener Übersetzungen: Es wird ein vergleichender Blick auf die Zürcher Bibel, die Lutherbibel und die Version „Hoffnung für alle“ geworfen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wortwahl festzustellen.
3. Zentrale Begriffe in Gen 12, 1-9 und ihre Bedeutung: In diesem Kapitel werden die Schlüsselthemen Berufung, Erwählung, Segen und Verheißung mithilfe fachwissenschaftlicher Literatur definiert und erläutert.
4 Strukturanalyse: Das Kapitel bietet eine textimmanente Untersuchung, die den Textverlauf gliedert, die Gattung der Itinerar-Erzählung bestimmt und den Aufbau der Handlung analysiert.
5. Geschichtlicher Kontext und Verfasserschaft: Hier wird der historisch-sozialgeschichtliche Hintergrund beleuchtet und die Einordnung in das jahwistische Werk sowie die davidisch-salomonische Zeit diskutiert.
6. Einzelinterpreation: Das Kapitel führt die vorangegangenen Analysen zu einer Gesamtschau zusammen, um die theologische Botschaft und Bedeutung der Erzählung für das Volk Israel zu verdeutlichen.
7. Bedeutung des Textes für die heutige Zeit: Der Autor schlägt eine Brücke zur Gegenwart, indem er den persönlichen Bezug zum Glaubensvorbild Abraham herstellt und Anregungen für Predigt, Katechese und gemeindepädagogische Arbeit gibt.
8. Anhang: Dieser Teil dokumentiert die verwendeten Literatur- und Internetquellen für die Arbeit.
Schlüsselwörter
Abraham, Genesis 12, Berufung, Erwählung, Segen, Verheißung, Kanaan, Jahwist, Theophanie, Glaube, Gottesvertrauen, Altes Testament, Exegese, Religionspädagogik, Lebensgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Auseinandersetzung des Bibeltextes Genesis 12, 1-9, der die Berufung Abrahams durch Gott und dessen Aufbruch in das verheißene Land thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von göttlicher Berufung und Erwählung, die Bedeutung des Segens, die Funktion der Verheißung des Landes Kanaan sowie die Relevanz der Erzählung für den persönlichen Glauben.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den biblischen Text sowohl wissenschaftlich-exegetisch zu erschließen als auch seine Bedeutung für die heutige Zeit und die praktische Arbeit in der Gemeinde darzustellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt methodisch den Textvergleich verschiedener Bibelübersetzungen, die begriffliche Analyse anhand von Lexika und Konkordanzen sowie die strukturelle und historisch-kritische Exegese unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Begrifflichkeiten, eine Strukturanalyse des Textes, die Einordnung in den historisch-sozialgeschichtlichen Kontext sowie eine Einzelinterpretation und die Reflexion der Bedeutung für das Heute.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Abraham, Berufung, Segen, Verheißung, Exegese, Gottesvertrauen und Religionspädagogik charakterisieren.
Warum spielt der Begriff des Segens eine so zentrale Rolle im Text?
Der Segen ist laut der Analyse das Wirkmittel Gottes, das Abraham als Segensträger legitimiert und dessen universale Ausweitung auf alle Völker die heilsgeschichtliche Basis der Erzählung bildet.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen dem persönlichen Glauben und dem theologischen Kontext?
Die Arbeit verbindet beide Aspekte, indem sie fachwissenschaftliche Erkenntnisse (wie die Datierung durch den Jahwisten) mit dem persönlichen Glaubensverständnis des Autors verknüpft, um Abraham als Vorbild für die heutige Lebensgestaltung zu begreifen.
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- Wilhelm Weber (Author), 2018, Exegetischer Entwurf zu Genesis 12, 1-9 über die Berufung Abrahams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505261