Exegetischer Entwurf zu Genesis 12, 1-9 über die Berufung Abrahams


Quellenexegese, 2018
27 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Persönlicher Zugang zum Text

2. Textvergleich anhand verschiedener Übersetzungen

3. Zentrale Begriffe in Gen 12, 1-9 und ihre Bedeutung
3.1 Betrachtungen zum Begriff der Berufung bzw. Erwählung
3.2 Der Begriff des Segens
3.3 Der Begriff der Verheißung und das verheißene Land

4 Strukturanalyse
4.1 Eingrenzung des Textes
4.2 Gliederung und Textstruktur von Gen 12,1-
4.3 Textgattung

5. Geschichtlicher Kontext und Verfasserschaft
5.1 Historischer und sozialgeschichtlicher Kontext
5.2 Literarischer Kontext und Verfasserschaft

6. Einzelinterpreation21

7. Bedeutung des Textes für die heutige Zeit.23
7.1 Persönlicher Bezug zum Text
7.2 Wesentliche Textaussagen

8. Anhang
8.1 Quellennachweis

1. persönlicher Zugang zum Text

Zunächst ist mir aufgefallen, dass der Text mit vielen Eigennamen überhäuft ist, die sich allesamt nicht sofort zuordnen lassen. Dass Abraham die zentrale Figur ist, erschließt sich dem Leser sofort. Es setzt allerdings Vorwissen voraus, dass der im Text genannte Abram wie auch Abraham ein und dieselbe Figur sind. Der Text (vgl. Gen 12,1) setzt mit einer wörtlichen Rede ein, die Bestandteil eines Kommunikationsprozesses zwischen Gott und Abraham ist. In diesem Kommunikationsprozess zeichnet sich Gott als Kommunikator aus und Abraham als Rezipient. Gott erteilt Abraham die Weisung, seine Heimat hinter sich zu lassen. Die Aufforderung zum Verlassen der Heimat weist Belohnungscharakter auf. Als Gegenleistung sagt Gott Abraham einen „großen Namen“ und „Segen“ zu (vgl. Gen 12,2). Zudem deklariert Gott Abraham selbst zum Segensträger und Gründer eines nicht unbemerkten Volkes (vgl. ebd.). Anschließend erfolgt eine erneute Zusage des Segens, aber ebenso eine Schutzzusage vor denen, die beabsichtigen, Abraham Schaden zuzufügen bzw. es sich erhoffen. Es ist nicht erkennbar, ob es um konkrete Feinde von Abraham geht oder es sich generell auf Widersacher Abrahams bezieht. Danach erwähnt Gott das Ausmaß des besagten Segens, welcher der gesamten Menschheit nicht vorzuenthalten ist (vgl. Gen 12,3). Hier endet zunächst die direkte Rede Gottes, welche die Aufforderung zum Aufbruch aus dem Heimatland, die Zusage von Segen mit kleiner Ursache, aber großer Wirkung und einer großen Zahl an Nachfahren beinhaltet. Im weiteren Vers kommt es zur Ausführung des göttlichen Auftrages. Zwar wäre eine mögliche Reaktion Abrahams zu erwarten gewesen, aber das ist nicht der Fall, sondern die Umsetzung der göttlichen Weisung findet sofort statt (vgl. Gen 12,4). Es erweckt für mich persönlich den Anschein affirmativen Schweigens seitens Abrahams. Abraham beginnt seine Reise ins Ungewisse nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit Lot (vgl. ebd.). An dieser Stelle frage ich mich, ob Abraham Lot darum gebeten hat oder Lot sich freiwillig angeschlossen hat. Daran anschließend kommt es zu einer Altersangabe von Abraham (vgl. ebd.). Es wird angeführt, dass Abraham 75 Jahre alt ist. Hierbei bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob es eine tatsächliche Altersangabe ist oder sie lediglich symbolisch für jemanden steht, der schon viel Lebenserfahrung hat. Weiterhin kommt es zu einer Ortsangabe, die den Startpunkt seiner Route ausmacht (vgl. ebd.). Hier stellt sich für mich die Frage, wo sich

„Haran“ geografisch befindet und, ob es eine Zwischenstation ist oder der wirkliche Startpunkt seiner Wanderung. (vgl. ebd.). Aus Gen 12,5 lässt sich entnehmen, dass Abraham mit einer größeren Gruppe aufgebrochen ist. Zu dieser Gruppe zählen die engsten Angehörigen sowie Personen, die Abraham zu Diensten standen. Zudem schien die Gepäckmenge nicht klein gewesen zu sein, weil die Rede davon ist, dass es sich um sämtliche Besitztümer handelte (vgl. ebd.). Weiterhin ist einiges über Abrahams Verwandtschaftsverhältnisse zu erfahren, dass es sich bei Sarai um seine Partnerin handelt und bei Lot um seinen Neffen. In Gen 12,5 findet nicht nur der gemeinschaftliche Aufbruch Erwähnung, sondern auch das Ziel der Wanderung, welches das Land „Kanaan“ ist. Hier kam für mich die Frage auf, auf welchem Territorium das besagte Land liegt und inwiefern es sich in „Kanaan“ um einen besseren Ort handelt. Darüber hinaus ist für mich unklar, ob sich Kanaan auf ein rein physisches Gebiet bezieht oder es sich um ein konkretes Staatsgebiet handelt. Gen 12,5 erzählt weiterhin von der Ankunft der Reisegruppe im besagten Land, so dass davon auszugehen ist, dass die geplante Wanderschaft gelungen ist. Gen 12,6 berichtet davon, dass Abraham mit seinem Gefolge sich nicht niederließ, sondern innerhalb des kanaanäischen Gebietes weiterzog. Im Anschluss fallen die Namen zweier unbekannter Standorte: eine Stätte bei Sichem und eine Eiche namens More (vgl. ebd.).

Außerdem gibt Vers 6 Aufschluss darüber, dass das betretene Gebiet besiedelt war von einer Bevölkerung, die als „Kanaaniter“ bezeichnet werden. Ob es sich um einzelne Stämme handelt oder ein gesamtes Hoheitsgebiet damit gemeint ist, ist für mich nicht eindeutig erkennbar. In Gen 12,7 kommt es für mich als Leser überraschend zu einer Theophanie, welche Abraham erfährt und es setzt erneut wie in den Versen 1-3 die wörtlichen Rede Gottes ein. Die wörtliche Rede beinhaltet die Zusage sowie Bekräftigung, dass auch spätere Generationen nach Abraham Teil des versprochenen Landes sind. Hierin zeigt sich der Rückbezug zu den Versen 1-3. Damit der Ort an die göttliche Begegnung erinnert, schafft Abraham einen Kultort, um die Verehrung Gottes auszudrücken. Zum Ende von Vers 7 kommt es zur Erwähnung der Erscheinung Gottes, um einen Bogen zu Beginn des Verses zu spannen, welcher dasselbige nennt. Gen 12,8 erzählt von der Fortsetzung seiner Reise, welche in ein Gebirge ging. Hier stellt sich die Frage, ob er allein unterwegs war oder noch seine Gefährten um sich hatte, auch wenn von ihm im Singular erzählt wird (vgl. ebd.). Weiterhin kommt es zur Angabe von Ortsnamen wie Bethel und Ai, um Abrahams Aufenthaltsgebiet einzugrenzen (vgl. ebd.). Um welche Orte es sich genau handelt, ist für mich fragwürdig. Darüber hinaus ist aus Vers 8 zu entnehmen, dass Abraham über eine transportable Unterkunft verfügte. Wieder erfolgte die Schaffung eines Kultortes, welcher der Anbetung Gottes diente (vgl. ebd.). Aus Gen 12,9 ist zu erfahren, dass Abrahams Reise kein Ende nahm. Was genau mit Südland gemeint ist und was das Ziel seiner Weiterreise war, ist nicht erkennbar. Zu welchem Zweck er sich dort aufhielt, bleibt meines Erachtens ungewiss.

Der Text über die Berufung Abrahams war mir schon vorher bekannt und ist mir schon vielerorts begegnet. Zunächst ist dazu meine christliche Sozialisation im Grundschul- bzw. Jugendalter zu nennen. In einigen kirchlichen Gruppenstunden sowie auf Veranstaltungen für meine damalige Altersstufe war der Text von Abrahams Berufung ein zentrales Thema. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass mir der besagte Bibeltext ebenso in den einen oder anderen Sonntagsgottesdiensten begegnet ist. Zu ergänzen bleibt, dass die Berufungsgeschichte über Abraham mich während meiner Studienzeit begleitete. Vor allem in neutestamentlichen Lehrveranstaltungen war Abraham ein wichtiges Thema, wo es um den Begriff des Glaubens aus neutestamentlicher Sicht ging. Die Bibelkunde- und Einführungsveranstaltungen im alttestamentlichen Fachbereich befassten sich zwar mit der biblischen Figur Abrahams, aber die Berufungsgeschichte spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Die Berufungsgeschichte an sich ist mir oft in dem thematischen Kontext von Segen oder Glauben begegnet. Vor allem durch die Geschichte mit der Erwählung Abrahams ist er für mich zu einem Vorbild im persönlichen Gottesvertrauen geworden und trägt zur Stärkung der eigenen Glaubensgewissheit bei.

2. Textvergleich anhand verschiedener Übersetzungen

Einen Textvergleich zu der Perikope Gen 12,1-9 möchte ich gerne anhand der Übersetzungen der Zürcher Bibel, der Lutherbibel und der Bibelversion „Hoffnung für alle“ vornehmen. Die Lutherbibel und Zürcher Bibel weisen in Grundzügen eine große Ähnlichkeit zueinander auf, jedoch ist der Text der Bibelversion „Hoffnung für alle“ von eigenen Formulierungen sowie Zusätzen gekennzeichnet. Gen 12,1 lässt sich grob als Aufforderung an Abram zum Verlassen seiner Heimat zusammenfassen. Das Ansprechen Abrams durch Gott ist in allen Textausgaben erwähnt. Die als direkte Rede wiedergegebene Aufforderung, aus der Heimstätte aufzubrechen, kommt überall vor. Der Luthertext spricht vom „Vaterland“, die Zürcher Bibel von „deinem Land“ und die Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ von der „Heimat“. Die Aufzählung in der Aufforderung von Gen 12,1 endet noch nicht, sondern setzt mit „deiner Verwandtschaft“ fort, welches in allen drei Bibeltexten gleich ist. Zum Abschluss der Aufzählung, was Abraham hinter sich zu lassen hat, ist in der Lutherausgabe und der Zürcher Bibel von „aus dem Hause deines Vaters“ die Rede. Die Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ spricht hingegen von „Verwandtschaft“. Der erste Vers geht damit zu Ende, dass das Ziel seines geforderten Aufbruchs genannt von Gott ist, welches allgemein in jedem Text als ein „Land“ beschrieben ist, dass Gott Abraham zeigen wird.“ Die Zürcher Bibel und Bibelausgabe “Hoffnung für alle“ verwenden den Indikativ, während sich der Luthertext einer voluntativen Formulierung bedient. Trotz Unterschiede in der Wortwahl lassen sich keine inhaltlichen Abweichungen finden.

Der weitere Bibelvers ist eine Aneinanderreihung von Zusagen, die als Gegenleistung für die im vorangehenden Vers geäußerte Aufforderung zu verstehen ist. Die erste Zusage handelt von einer großen Nachkommenschaft, welche die Entstehung eines großen Volkes zur Folge hat. Der Luthertext und die Zürcher Bibel sind da in ihrer voluntativen Formulierung völlig identisch, welche von einem „großen Volk“ sprechen. Die Bibelversion „Hoffnung für alle“ verwendet den Ausdruck „Stammvater“, aber endet nicht damit, sondern spricht ebenfalls im Anschluss „von einem großen Volk“. Der Indikativ wird sogar im zweiten Vers beibehalten. Die Aufzählung geht damit weiter, dass nun die Zusage des Segens erfolgt. Der Luthertext sowie die Zürcher Bibel sind an dieser Stelle wieder identisch mit „will dich segnen“, während die HFA-Bibel es mit „dir viel Gutes tun“ ausdrückt. Hinsichtlich des Inhalts sowie der Bedeutung der benutzten Worte lassen sich keine Unterschiede feststellen. Daran anschließend gibt Gott die Zusage, dass Abrahams Name eine weitreichende Bekanntheit erlangen wird. In allen drei Bibelausgaben geht es um Abrahams Namen, dem jedoch verschiedene Attribute zugeschrieben sind. Der Luthertext und die Zürcher Bibel drücken es mit einem „großen Namen“ aus, wohingegen die HFA-Bibel das Wort „berühmt“ benutzt wie auch eine Universalität mit dem Adverb „überall“ formuliert. Auf der Bedeutungsebene ist diese Zusage in allen drei Bibeltexten gleich. Gen 12,2 endet damit, dass Abraham zum Segensträger erhoben wird, was der Luthertext sowie der Text der Zürcher Bibel in der Zuschreibung von Segen an den Protagonisten des Bibeltextes zuschreiben. Die Bibelversion „Hoffnung für allen“ rückt Abraham in die Position eines Urhebers für Segen, dessen Empfänger als „andere Menschen“ benannt sind. Alle Bibelübersetzungen haben in Gen 12,2 ohne Ergänzungen oder Kürzungen denselben Inhalt.

In Gen 12,3 kommt es zur Entfaltung des bereits in Gen 12,2 zugesicherten Segens. Alle drei Bibelausgaben weisen in ihrer Wortwahl erhebliche Unterschiede auf. Zunächst kommt die Segenszusage seitens Gottes für Abraham, welche der Luthertext sowie die Zürcher Bibel in voluntativer Form artikulieren, sich jedoch in der Stellung der Satzglieder unterscheiden. Die HFA-Bibel macht wieder Gebrauch vom Indikativ und spricht von „Gutes wünschen“ statt von „segnen“, aber benutzt das Wort „segnen“ in der ausgedrückten Konsequenz für denjenigen, der „Gutes wünscht“. Daran anschließend zeigt sich die Kehrseite des Segens für diejenigen, die Abraham nicht wohlgesonnen sind. Die Konsequenz dessen ist bei allen Übersetzungen als „verfluchen“ formuliert. Der Luthertext sowie die Zürcher Bibel belassen es bei ihrer voluntativen Form wie auch die HFA-Bibel mit der Benutzung des Indikativs. Sehr verschieden fallen die Formulierungen des Handlungsträgers aus, dem die Konsequenz des Verfluchens angedroht sind. Der Luthertext benutzt das Wort „verfluchen“, die Zürcher Bibelausgabe „schmähen“ und die Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ spricht von „Böses wünschen“. Der Abschluss des dritten Bibelverses greift den von Gott zugesicherten Segen erneut auf und bringt das globale Ausmaß des Segens mit Abraham als Initiator zum Ausdruck. Jede Bibelausgabe bedient sich dafür einer präskriptiven Formulierungsweise. Alle drei Bibelausgaben geben „die Erde“ als Wirkungsort des Segens an, aber differenzieren sich in der Bezeichnung für die Gesamtheit aller Ethnien: Im Luthertext ist von „Geschlechtern“ die Rede, die Zürcher Bibel drückt es mit „Sippen“ aus und die HFA-Bibel benutzt das Wort „Völker“.

Gen 12,4 beinhaltet die Befolgung der göttlichen Weisung durch Abraham. Alle Bibelversionen sind sich zwar darüber einig, dass Abraham die Aufforderung zum Aufbrechen in die Tat umsetzte, aber formulieren es in ihrer eigenen Weise: der Luthertext und die Zürcher Bibel führen an, dass Abraham „auszog“ bzw. „ging“ und fügen hinzu, dass dies genau nach Vorschrift erfolgte. Die Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ bedient sich der Worte „gehorchen“ und beschreibt den Aufbruch Abrahams wie folgt: „Er machte sich auf den Weg.“. In der Lutherbibel sowie Zürcher Bibel ist zu erfahren, dass Lot sich Abraham anschloss, was in der HFA-Bibel allerdings ausbleibt. Einigkeit herrscht in jedem Bibeltext über Abrahams Alter von 75 Jahren und über seinen Start in Haran. Die Zürcher Bibel benutzt allerdings eine andere Schreibweise mit „Charan“, wo auch die Frage aufkommen könnte, ob ein ganz anderer Ort gemeint ist, aber eine andere Schreibweise ist viel wahrscheinlicher.

Gen 12,5 beschreibt den gemeinschaftlichen Aufbruch und nennt zunächst die sich anschließenden Personen sowie mitzunehmenden Besitzgüter. Alle drei Bibelausgaben erwähnen Sarai sowie Lot als diejenigen, die sich unter den Mitziehenden befinden. Ebenfalls nennen alle Bibelversionen die Verwandtschaftsverhältnisse Abrahams zu seinen Gefährten: Bei Sarai handelt es sich um Abrahams Frau und bei Lot um seinen Neffen, welches die HFA-Bibel als „Sohn seines Bruders“ formuliert. Sowohl die Lutherbibel als auch Zürcher Bibel erwähnen anschließend Besitzgüter, welche beide Bibelversionen als „Habe“ ausdrücken und die Bibelversion „Hoffnung für alle“ erst im nächsten Satz anführt. Für die besagten Besitzgüter fügen die Lutherbibel und Zürcher Bibelausgabe einen Relativsatz ein, der inhaltlich zwar übereinstimmt, aber sich in der Wortwahl unterscheidet: Die Lutherbibel spricht von „gewonnen haben“ und die Zürcher Bibel von „besessen hatten“. Sowohl der Luthertext als auch die Zürcher Bibel erwähnen in gleicher Wortwahl, dass „aus Haran erworbene Leute“ hinzukamen. Während in der Lutherbibel und der Zürcher Bibel allgemein von „Leuten“ die Rede ist, wird die HFA-Bibel konkreter mit „Knechten und Mägden“, welche bestimmten „Dienste“ für Abraham nachkamen.

Anschließend benennen alle drei Bibelausgaben den Aufbruch nach Kanaan und erzählen von der dortigen Ankunft. Sehr auffällig ist die unterschiedliche Positionierung des Eigennamens „Kanaans“. Die Lutherbibel erwähnt ihn nur beim Aufbruch, die Zürcher Bibel sowohl beim Aufbruch als auch bei der Ankunft und die HFA-Bibel einzig beim Aufbruch. In der Lutherbibel und Zürcher Bibel ist noch bei der Erwähnung des Aufbruchs ein Satzeinschub mit finaler Sinnrichtung vorzufinden, der das Ziel des Aufbruchs zum Ausdruck bringt.

Gen 12,6 beinhaltet den Weiterzug allein von Abrahams im Luthertext sowie in der Zürcher Bibelausgabe und von der gesamten Gruppe in der HFA-Bibelversion. Hier bleibt die Frage offen, ob es tatsächlich zu einem alleinigen Weiterzug Abraham kam oder nur der Fokus auf den Protagonisten gesetzt wurde. Sowohl der Luthertext als auch die Zürcher Bibel nennen eine „Stätte bei Sichem“ als nächste Station auf der Route von Abraham einschließlich der gesamten Gruppe gemäß der Bibelausgabe „Hoffnung für alle“. Die Schreibweise des Eigennamens „Sichem“ ist in der Lutherbibel und HFA-Bibel gleich, weicht jedoch in der Zürcher Bibel mit „Schechem“ ab. Aufgrund ist der ähnlichen Aussprache lässt sich sagen, dass ein und derselbe Ort gemeint ist. Die Lutherbibel sowie die Bibelversion „Hoffnung für alle“ nehmen zu dem besagten Ort eine Konkretisierung vor, dass beide Bibelausgaben von einer „Eiche“ sprechen. Im Luthertext handelt es bei „More“ um einen mutmaßlichen Eigennamen der „Eiche“, während die „Hoffnung für alle“-Bibel „More“ als einen Ortsnamen darstellt. In der Zürcher Bibel ist nicht von einer „Eiche“ die Rede, sondern von einer Terebinthe, die als Orakel fungiert. Aus allen drei Bibelversionen lässt sich entnehmen, dass sich Abraham bei einem Baum, ob Eiche oder Terebinthe, aufhielt. Ansonsten fällt in allen Bibelausgaben die Aussage, dass das Aufenthaltsgebiet Abrahams von Kanaanitern besiedelt war. Ob es sich um einen Sammelbegriff für einzelne Stämme handelt oder um ein homogenes Hoheitsgebiet unter einem Regenten, lässt sich nicht feststellen. Sowohl der Luthertext als die HFA-Bibel sprechen davon, dass das Gebiet von den Kanaanitern bewohnt war, während die Zürcher Bibel eine Seins-Aussage trifft über die Kanaaniter, wovon nicht unbedingt auf Sesshaftigkeit zu schließen ist. Die Lutherausgabe sowie Zürcher Bibel sind sich in der inhaltlichen Reihenfolge gleich, welcher in der HFA-Bibelversion etwas anders ist.

In Gen 12,7 geht es um eine Theophanie, die Abraham widerfährt und setzt mit einer direkten Rede Gottes fort, die an Abraham gerichtet ist. Die wörtliche Rede lässt sich als Rückbezug zu der vorangehenden wörtlichen Rede in Gen 12,1-3 verstehen. Sowohl der Luthertext als auch die Zürcher Ausgabe sprechen ganz allgemein vom Eintreten der Theophanie, wohingegen die HFA-Bibel konkreter wird mit „an dieser Stätte“. Sogar in der Wahl des Wortes „versprechen“ wird die Zusage Gottes im Text der Bibel „Hoffnung für alle“ deutlicher als im Luthertext bzw. in der Zürcher Bibel, bei denen ganz einfach von „sprechen“ die Rede ist. Die Zusage Gottes beginnt bei allen Bibeltexten gleichermaßen, dass Abrahams Nachfahren Empfänger des verheißenen Landes sind. Weiterhin führen die Lutherausgabe und die Zürcher Bibel als Nächstes an, dass Abraham einen „Altar errichtet“, während die HFA-Bibel damit anschaulicher wird, dass Abraham „Steine aufschichtet“. Alle drei Bibeltexte erwähnen das Endprodukt, bei dem es sich um einem „Altar“ handelt, dem „der Herr“ gewidmet ist. Sogar die Stelle des Altars ist aus allen Bibelausgaben zu entnehmen, und zwar der zuvor genannte Erscheinungsort Gottes.

In Gen 12,8 kommt es zu einer weiteren Ansammlung von Ortsnamen, um die weitere Route Abrahams zu beschreiben. Alle drei Bibeltexte erwähnen zunächst einen Ortswechsel von Abraham in ein „Gebirge“, das östlich von „Bethel“ (Luthertext bzw. HFA-Bibel) bzw. von „Bet- El“ (Zürcher Bibel) gelegen ist. Auffällig ist erneut die abweichende Schreibweise der Ortsnamen in der Zürcher Bibel im Vergleich zur Lutherbibel und der Bibelversion „Hoffnung für alle“. Da die Schreibweise ähnlich ist, gehe ich davon aus, dass derselbe Ort gemeint ist. Einzig die HFA- Bibel gibt an, dass der Weiterzug Abrahams in südliche Himmelsrichtung erfolgte. Sehr interessant ist, dass die Bibelausgabe „Hoffnung für alle“ zunächst im Singular vom Weiterzug spricht. Als nächste Handlung führen sämtliche Bibelausgaben das „Aufschlagen von Zelten“ mit sehr genauer Ortsbeschreibung an. Sowohl der Luthertext als auch die Zürcher Bibel sprechen vom singulären Ausführen der Handlung durch Abraham, was hingegen in der HFA-Bibel in pluralischer Form steht und konkretisierend als „die Seinen“ benannt sind. Der unerwartete Wechsel vom Singular zum Plural ist meines Erachtens als inhaltlicher Bruch anzusehen. Der Standort der „aufgeschlagenen Zelte“ ist in allen drei Bibeltexten mit „Bethel“ in westlicher Himmelsrichtung und mit „Ai“ in östlicher Himmelsrichtung beschrieben. Alle drei Bibeltexte erwähnen als nachfolgende Handlung das „Bauen eines Altars“ alleinig durch „Abraham“. Die Lutherbibel und Zürcher Bibel benutzen zur Ortsbestimmung das Wort „dort“, was auf eine Außenperspektive schließen lässt, während die HFA-Bibel das Wort „hier“ benutzt, was auf eine Innenperspektive schließen lässt. Die anschließende Kontaktaufnahme ist in der Lutherbibel wie auch im Text der Zürcher Bibel als „anrufen“ ausgedrückt, was die HFA-Bibelausgabe als „beten“ formuliert. Hier fällt es wieder auf, dass es in der Bibelversion „Hoffnung für alle“ zum Wechsel vom Plural zum Singular kommt. In Gen 12,8 weicht diesmal die HFA-Bibel nicht von der inhaltlichen Reihenfolge der Handlungen ab, sondern ist mit den anderen Bibelausgaben identisch.

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Exegetischer Entwurf zu Genesis 12, 1-9 über die Berufung Abrahams
Note
bestanden
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V505261
ISBN (eBook)
9783346045997
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Exegetischer Entwurf zum Bibelabschnitt: Genesis 12, 1-9 über die Berufung Abrahams
Schlagworte
Exegese, Bibel, Abraham, Berufungsgeschichte, Genesis, Altes Testament, Bibelgeschichte, Theologie, Auslegung
Arbeit zitieren
Wilhelm Weber (Autor), 2018, Exegetischer Entwurf zu Genesis 12, 1-9 über die Berufung Abrahams, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505261

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