Inwieweit lässt sich Klafkis Bildungstheorie im Sachunterricht an Grundschulen wiederfinden und eignet sie sich hierfür? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Arbeit. Entscheidend ist hier aber nicht seine Didaktik und die Umsetzung dieser in der Schule, sondern Klafkis zeitgemäße Bildungstheorie. Konkret ist dies das Verständnis Klafkis von Bildung in seinen, in der „Abschied von der Aufklärung“ dargestellten, neun Thesen zur zeitgemäßen Bildungskonzeption.
Klafkis Allgemeinbildungstheorie beinhaltet zwei Dimensionen, die des Zusammenschlusses von Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit, sowie die der Bildung für alle, Bildung im Medium des Allgemeinen und der vielseitigen Bildung. Dabei liegt der Fokus in der letzten Dimension hier auf der „Auseinandersetzung mit Schlüsselproblemen“ . So soll untersucht werden, ob sich diese Schlüsselprobleme, welche von Klafki als zentrale Probleme unserer Gegenwart und Zukunft angesehenen werden und der Zusammenschluss der genannten der „Grundfähigkeiten“ in den Richtlinien und Lehrplänen des Sachunterrichts in NRW wiederfinden lassen. Dazu werden zunächst Klafkis Bildungskonzeption, sowie seine Beweggründe zur Erstellung dieser, ausführlich dargelegt. Im Anschluss daran soll herausgestellt werden was Klafki vom Sachunterricht an Grundschulen fordert und wieso die Schlüsselprobleme seiner Bildungstheorie als Basis für diesen geeignet sind.
Klafki entwickelte in neun Thesen die Grundlinien einer neuen Bildungskonzeption, welche als „Orientierungsrahmen für die Weiterentwicklung oder die Reform unseres Bildungswesens“ gelten soll. Da sich der Allgemeinbildungsbegriff Klafki zufolge nicht neu auslegen lässt, wenn man ihn außerhalb seines geschichtlichen Kontexts betrachtet, müssen vergangene, klassische Bildungskonzepte kritisch zu hinterfragt werden um aus ihnen eine neue, angepasste Konzeption abzuleiten, welche den Aufgaben und Möglichkeiten unserer Zeit gerecht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der klassische Bildungsbegriff und seine Bedeutung für ein zeitgemäßes Bildungskonzept
3. Klafkis zeitgemäßes Bildungskonzept
3.1 Grundfähigkeiten zur Erlangung von Bildung
3.2 Allgemeinbildung
3.2.1 Bildung für alle
3.2.2 Bildung im Medium des Allgemeinen
3.2.3 Vielseitige Bildung
3.3 Die didaktischen Dimensionen Klafkis Bildungskonzepts
3.4 Die Bedeutung funktionaler Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Lernprozess
4. Der Sachunterricht mit Bezug auf Klafkis Bildungstheorie
4.1 Zum Bildungsauftrag des Sachunterrichts in der Grundschule nach Klafki
4.2 NRW Lehrplan des Sachunterrichts der Grundschule
4.2.1 Die Grundfähigkeiten zur Erlangung von Bildung im Sachunterricht
4.2.2 Klafkis Schlüsselprobleme im Sachunterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Wolfgang Klafkis zeitgemäßer Bildungstheorie auf den Sachunterricht in der Grundschule und prüft, inwiefern sich seine Schlüsselprobleme und Grundfähigkeiten in den Lehrplänen des Landes Nordrhein-Westfalen widerspiegeln.
- Klafkis Bildungskonzeption und deren neufundierte Begründung.
- Die zentralen Grundfähigkeiten: Selbstbestimmung, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit.
- Die epochaltypischen Schlüsselprobleme und deren Relevanz für den Grundschulunterricht.
- Analyse des NRW-Lehrplans für den Sachunterricht hinsichtlich klafkischer Anforderungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundfähigkeiten zur Erlangung von Bildung
Klafki erklärt in seiner dritten These zur zeitgemäßen Bildungskonzeption Bildung zu einem selbsttätig erarbeiteten Zusammenhang der drei Grundfähigkeiten „Selbstbestimmung“, „Mitbestimmungsfähigkeit“ und „Solidaritätsfähigkeit“ (vgl. Klafki 2001, S. 270). Unter der Fähigkeit zu Selbstbestimmung versteht man die Autonomie über eigene, persönliche Lebensbeziehungen, sowie die Sinndeutung im religiösen, ethischen, beruflichen und zwischenmenschlichen Bereich.
Mit Mitbestimmungsfähigkeit ist die Möglichkeit und der Anspruch zur verantwortungsbewussten Partizipation an gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Verhältnissen gemeint. Der Anspruch auf die eigene Selbst- und die Mitbestimmungsfähigkeit ist an die Bereitschaft geknüpft sich selbst für die Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit unterdrückter und unterprivilegierter Menschen einzusetzen. Man spricht hierbei von der Solidaritätsfähigkeit. (vgl. Klafki 2007, S. 52)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Übertragbarkeit von Klafkis Bildungstheorie auf den Grundschul-Sachunterricht vor und erläutert den Fokus auf das zeitgemäße Bildungskonzept sowie die Schlüsselprobleme.
2. Der klassische Bildungsbegriff und seine Bedeutung für ein zeitgemäßes Bildungskonzept: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit, klassische Bildungskonzepte kritisch zu hinterfragen, um sie an die gegenwärtigen gesellschaftlichen Aufgaben anzupassen.
3. Klafkis zeitgemäßes Bildungskonzept: Es wird das theoretische Fundament erläutert, bestehend aus den drei Grundfähigkeiten, der Allgemeinbildung, den epochaltypischen Schlüsselproblemen und den didaktischen Dimensionen.
4. Der Sachunterricht mit Bezug auf Klafkis Bildungstheorie: Dieser Teil setzt Klafkis Forderungen in direkten Bezug zur Praxis des Sachunterrichts und analysiert die Verankerung der Konzepte im aktuellen NRW-Lehrplan.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Klafkis Theorie gut geeignet ist, da Kinder bereits früh zur Auseinandersetzung mit komplexen Themen befähigt werden können, wobei die Umsetzung im Lehrplan teils lückenhaft bleibt.
Schlüsselwörter
Wolfgang Klafki, Bildungstheorie, Sachunterricht, Grundschule, Allgemeinbildung, Schlüsselprobleme, Selbstbestimmung, Mitbestimmungsfähigkeit, Solidaritätsfähigkeit, didaktische Prinzipien, NRW-Lehrplan, politische Bildung, Demokratisierung, Lebenswelt, Handlungsorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Wolfgang Klafkis Bildungstheorie, insbesondere sein Konzept der zeitgemäßen Allgemeinbildung, eine geeignete Basis für den Sachunterricht an Grundschulen bildet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind Klafkis neun Thesen zur Bildungskonzeption, die Förderung von Grundfähigkeiten sowie die Auseinandersetzung mit epochaltypischen Schlüsselproblemen innerhalb schulischer Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Klafkis Schlüsselprobleme und Grundfähigkeiten in den offiziellen Richtlinien und Lehrplänen für den Sachunterricht in NRW explizit oder implizit wiederzufinden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert, indem Klafkis primäre Werke mit den aktuellen schulischen Vorgaben (Lehrplänen) verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen Klafkis dargelegt und anschließend auf die konkreten Anforderungen und Lernziele des Sachunterrichts im Lehrplan NRW angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Klafki, Bildungstheorie, Sachunterricht, Schlüsselprobleme, Grundfähigkeiten und Demokratisierung.
Wie definiert Klafki die "Grundfähigkeiten"?
Klafki versteht darunter einen Zusammenhang aus Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit, die zusammen die Bedingung für eine mündige Teilhabe an der Gesellschaft bilden.
Warum hält Klafki Grundschüler für fähig, sich mit Schlüsselproblemen zu befassen?
Klafki argumentiert, dass Kinder durch ihre Lebenswelt bereits mit komplexen Problemen konfrontiert sind und durch pädagogische Unterstützung in der Lage sind, Widerspruchserfahrungen zu machen und kritisch zu reflektieren.
Inwiefern ist der NRW-Lehrplan laut der Arbeit lückenhaft?
Während Themen wie die Umweltfrage oder Medienkompetenz gut abgedeckt sind, werden andere Schlüsselprobleme wie die Friedensfrage oder der Umgang mit struktureller Ungleichheit im Lehrplan kaum oder gar nicht thematisiert.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Wolfgang Klafkis Bildungstheorie. Inwieweit eignet sie sich für den Sachunterricht der Grundschule und lässt sie sich dort wiederfinden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505332