Fußball und Integration. Auswirkung verschiedener Integrationskonzepte auf das psychische Wohlbefinden


Facharbeit (Schule), 2018

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1 Einleitung

„Weltweit sind derzeit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht – Flucht vor Krieg, Vertreibung und Folter. Durch die Flucht und die Fluchtursachen erleben diese Menschen einschneidende Ereignisse.“ (Remark, 2017, S.4)

Wie Remark (2017) darlegt, erfahren Menschen, die sich dazu entscheiden ihre Heimat hinter sich zu lassen und in ein anderes Land zu fliehen, auf ihrem Weg viel Leid. Umso wichtiger scheint es deshalb, geeignete Integrationsmaßnahmen zu fin- den, die sich zugleich positiv auf das psychische Wohlbefinden eines Migranten1 auswirken. Schon Walther Bensemann, bekannt als Pionier des deutschen Fußballs, war sich sicher (Beyer, 2003, S. 87): „Der Sport ist eine Religion, ist vielleicht das einzig wahre Verbindungsmittel der Völker und Klassen.“ Dennoch stellt sich die Fra- ge, ob dem Sport, genauer gesagt dem Fußball, eine solche integrative Funktion wirklich in vollem Maße zugeschrieben werden kann und unter welchen konkreten Voraussetzungen verschiedene Integrationsprojekte dazu beitragen, Menschen un- terschiedlicher Herkunft mit der Gesellschaft zusammenzuführen. Die Erkenntnisse, die man anhand dieser Arbeit gewinnen soll, sind zum einen ein Einblick in die Aus- führung verschiedener integrativer Fußballprojekte, zum anderen gilt es zu klären, wie sich die unterschiedlichen Konzepte auf das psychische Wohlbefinden der Mig- ranten auswirken.

Ausgehend von unterschiedlichen Begriffsdefinitionen soll im ersten Teil der Arbeit erläutert werden, welche Faktoren in Bezug auf eine Steigerung des psychischen Wohlbefindens wesentlich sind. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, welche Kompo- nenten für eine gelungene Integration unabdingbar sind. Anschließend wird mithilfe der erworbenen Kenntnisse eine kritische Analyse verschiedener Integrationskon- zepte vorgenommen. Nicht zuletzt soll auf Basis der bereits aktiven und geplanten Projekte ein begründetes Fazit und ein Ausblick in die Weiterentwicklung integrativer Methoden des Fußballs gegeben werden.

2 Begriffsdefinitionen

2.1 Migration, Migrant, Flüchtling

Als Ausgangspunkt folgender Definitionen eignet sich der Begriff der Migration. Fuchs-Heinritz, deutscher Soziologe, beschreibt Migration wie folgt:

„Wanderung, Bewegung von Individuen, Gruppen oder Gesellschaften im geo- graphischen und sozialen Raum, die mit einem ständigen oder vorübergehenden Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist.“ (Fuchs-Heinritz, 2011, S.442)

Das heißt Migranten sind Personen in Bewegung, die ihren Wohnsitz wechseln und zumeist nationale Grenzen überschreiten (Hanio, 2013).

Im Vergleich dazu wird jener als Flüchtling definiert, der unter die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention fällt und somit eine begründete Furcht vor Verfolgung hat (Schmickler, 2015). Als Gründe hierfür gelten sowohl seine Ethnie, Religion, Na- tionalität, politische Überzeugung als auch seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Zudem kann derjenige aus genannten Gründen den Schutz seines Landes nicht mehr in Anspruch nehmen oder auf Grund von Furcht vor Verfolgung nicht mehr dorthin zurückkehren. Schlussfolgernd hat er das Recht auf Schutz in ei- nem anderen Land. Auch Migranten können demnach Flüchtlinge sein (ebd.).

2.2 Integration

Schwarzenböck (2016) beschreibt, dass es für den Begriff der Integration verschie- dene Definitionen gibt:

„Beispielsweise wird Integration häufig als Eingliederung ausländischer Mitbürger in die Gesellschaft, als Gleichberechtigung von MigrantInnen und der Aufnahme- gesellschaft oder aber als Anpassung der Zuwanderer an die deutsche Bevölke- rung verstanden.“ (Schwarzenböck, 2016, S. 39)

2.3 Psychische Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation definiert psychische Gesundheit wie folgt:

„Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeu- gung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.“ (Remark, 2017, S.8)

Für die WHO gilt Gesundheit demnach als ein völliges Wohlbefinden, das mehr als nur das Freisein von Krankheit impliziert. Gleichzeitig spiegelt es ein Grundrecht dar.

3 Integrationstheorie nach Hartmut Esser

Im Folgenden soll der Frage, welche Faktoren für eine gelungene Integration unabdingbar sind, auf den Grund gegangen werden.

Essers (2001) Definition der Integration wird in die Konzepte der Systemintegration und der Sozialintegration ausdifferenziert. Erstere bezieht sich auf das System einer Gesellschaft als Ganzes. Man kann einen Sportverein in seiner Gesamtheit als inte- griert bezeichnen, sobald zwischen einzelnen Teilen, beispielsweise Abteilungen, ein auf Abhängigkeit beruhender Zusammenhang besteht. Im Vergleich dazu legt die Sozialintegration ihr Augenmerk auf Beziehungen verschiedener Akteure innerhalb eines Systems. In Essers Theorie spielen die vier Komponenten, Kulturation, Platzie- rung, Interaktion und Identifikation eine wesentliche Rolle für eine gelungene Integra- tion (ebd.).

Kulturation meint das Erlernen von Kompetenzen, die dem Individuum ermöglichen, sich mit seinem neuen Umfeld auseinandersetzen zu können. Als Beispiel hierfür lässt sich das Aneignen einer neuen Sprache anführen (ebd.).

Platzierung bezieht sich auf die Einnahme gesellschaftlicher Positionen und steht in engem Zusammenhang mit dem Begriff der Kulturation. Eine angeeignete Sprache wirkt sich positiv auf jeweilige Chancen der beruflichen Platzierung aus, gleichzeitig trägt eine Platzierung in zentralen Positionen zur Erweiterung des Sprachvermögens bei (ebd.).

Interaktion bezeichnet die wechselseitige Orientierung und soziales Handeln als Mit- tel zur Bildung von Relationen. Hierzu zählen alltägliche soziale Relationen wie bei- spielsweise Freundschaften. Als wichtige Bedingung, um Interaktionen und somit einen Teil der Sozialintegration zu erfüllen, braucht es Gelegenheiten des Zusam- mentreffens (ebd.).

Die Dimension der Identifikation beschreibt die emotionale Bindung eines Akteurs zu einem sozialen System, beziehungsweise die Bindung zwischen verschiedenen Akt- euren innerhalb des Systems (ebd.). Es entsteht ein „Wir-Gefühl zu anderen Mitglie- dern der Gesellschaft oder Gruppe“ (Reichel, 2011, S.86).

4 Voraussetzungen für psychisches Wohlbefinden: Sa- lutogenese-Konzept nach Antonovsky

Als Ausgangspunkt der folgenden Aspekte ist es wichtig zu vermerken, welche wis- senschaftlichen Erkenntnisse in Bezug auf das psychische Wohlbefinden bezie- hungsweise das psychische Unwohlbefinden bei Zugewanderten schon vorliegen. Menschen mit Migrationshintergrund leiden häufiger an psychischen Krankheiten als der Bevölkerungsdurchschnitt (BPB, 2012).2 Gleichzeitig sind sie häufiger Arbeitsun- fähig. Als Risikofaktoren für psychische Krankheiten gelten beispielswese Isolation, schlechte Wohnverhältnisse aber auch Sprachprobleme oder Heimweh. Zudem kommen vor allem im Jugendalter erschwerende Stressfaktoren hinzu (ebd.).

Im Folgenden soll auf Basis des Salutogenese-Modells nach Antonovsky aufgezeigt werden, wie das psychische Wohlbefinden von Migranten gesteigert werden kann. Gleichzeitig werden weitere Risikofaktoren für eine instabile Psyche aufgezeigt.

„Wie entwickelt sich die Gesundheit von Menschen? Dies ist das Geheimnis, das die salutogenetische Orientierung zu enträtseln versucht.“ (Antonovsky, 1997, S.16)

Um Antonovskys Salutogenese-Modell zu verstehen, gilt es sich zunächst mit der genaueren Bedeutung des Wortes Salutogenese beschäftigen. Es handelt sich um eine Wortschöpfung aus Salus (lateinisch für Unverletzlichkeit, Heil, Glück, Sicher- heit) und Genese (griechisch für Entstehung). Die Salutogenese geht demzufolge der Frage nach, wie Gesundheit entsteht, gefördert oder erhalten werden kann (Remark, 2017). Das Modell wird häufig als Gegensatz zur Pathogenese betrachtet, welche sich hauptsächlich mit der Entstehung von Krankheiten, weniger aber mit der Erhal- tung oder Förderung der Gesundheit befasst (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Salutogenese-Konzept: Die Waage der Stressoren und Widerstandsressourcen (Remark, 2017, S.15)

Wie Remark (2017) darlegt, wird zwischen Stressoren und Widerstandsressourcen unterschieden (vgl. Abb. 1). Als Stressoren gelten zum Beispiel soziale Unsicherhei- ten, die Adoleszenz3, aber auch andere Faktoren wie eine nicht weit zurückliegende Flucht. Im Vergleich dazu gelten Komponenten wie das Kohärenzgefühl, persönliche Fähigkeiten, die Ich-Identität und soziale Ressourcen als Widerstandsressourcen. Diese haben positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit des Menschen und tragen aktiv zum Erhalt der Gesundheit bei (ebd.). Des Weiteren ist der Mensch laut Antonovskys Salutogenese-Konzept ein Akteur, der sich zwischen den beiden Polen Gesundheit und Krankheit bewegt. Im Vergleich zur zuvor angeführten Definition der Weltgesundheitsorganisation wird jedoch davon ausgegangen, dass ein Individuum nie die völlige Gesundheit oder die völlige Krankheit erreichen kann (ebd.).

Da für die Arbeit vor allem Faktoren bezüglich der Stärkung des psychischen Wohl- befindens ausschlaggebend sind, werden im weiteren Verlauf drei der oben genann- ten Widerstandsressourcen genauer erläutert.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wir im gesamten Verlauf der Arbeit die männliche (neutrale) Anredeform verwendet, die selbstverständlich die weibliche miteinschließt.

2 Aaron Antonovsky (1923-1994) ist ein amerikanisch-israelischer Medizinsoziologe.

3 Adoleszenz beschreibt die Phase der Entwicklung vom Jugendlichen zum Erwachsenen.

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Details

Titel
Fußball und Integration. Auswirkung verschiedener Integrationskonzepte auf das psychische Wohlbefinden
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V505390
ISBN (eBook)
9783346054869
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport Gesundheit Psyche Fußball Integration
Arbeit zitieren
Anna Strohmeier (Autor), 2018, Fußball und Integration. Auswirkung verschiedener Integrationskonzepte auf das psychische Wohlbefinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505390

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