„Weltweit sind derzeit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht – Flucht vor Krieg, Vertreibung und Folter. Durch die Flucht und die Fluchtursachen erleben diese Menschen einschneidende Ereignisse.“ (Remark, 2017)
Wie Remark (2017) darlegt, erfahren Menschen, die sich dazu entscheiden ihre Heimat hinter sich zu lassen und in ein anderes Land zu fliehen, auf ihrem Weg viel Leid. Umso wichtiger scheint es deshalb, geeignete Integrationsmaßnahmen zu finden, die sich zugleich positiv auf das psychische Wohlbefinden eines Migranten auswirken.
Schon Walther Bensemann, bekannt als Pionier des deutschen Fußballs, war sich sicher (Beyer, 2003):
„Der Sport ist eine Religion, ist vielleicht das einzig wahre Verbindungsmittel der Völker und Klassen.“
Dennoch stellt sich die Frage, ob dem Sport, genauer gesagt dem Fußball, eine solche integrative Funktion wirklich in vollem Maße zugeschrieben werden kann und unter welchen konkreten Voraussetzungen verschiedene Integrationsprojekte dazu beitragen, Menschen unterschiedlicher Herkunft mit der Gesellschaft zusammenzuführen.
Die Erkenntnisse, die man anhand dieser Arbeit gewinnen soll, sind zum einen ein Einblick in die Ausführung verschiedener integrativer Fußballprojekte, zum anderen gilt es zu klären, wie sich die unterschiedlichen Konzepte auf das psychische Wohlbefinden der Migranten auswirken.
Ausgehend von unterschiedlichen Begriffsdefinitionen soll im ersten Teil der Arbeit erläutert werden, welche Faktoren in Bezug auf eine Steigerung des psychischen Wohlbefindens wesentlich sind. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, welche Komponenten für eine gelungene Integration unabdingbar sind. Anschließend wird mithilfe der erworbenen Kenntnisse eine kritische Analyse verschiedener Integrationskonzepte vorgenommen. Nicht zuletzt soll auf Basis der bereits aktiven und geplanten Projekte ein begründetes Fazit und ein Ausblick in die Weiterentwicklung integrativer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen
2.1 Migration, Migrant, Flüchtling
2.2 Integration
2.3 Psychische Gesundheit
3 Integrationstheorie nach Hartmut Esser
4 Voraussetzungen für psychisches Wohlbefinden: Salutogenese-Konzept nach Antonovsky
4.1 Kohärenzgefühl
4.2 Identitätsentwicklung
4.2.1 Soziale Identität
4.2.2 Ich-Identität
4.3 Soziale Ressourcen
5 Kritische Analyse verschiedener Integrationskonzepte
5.1 Migrantensportvereine
5.1.1 Ethnische Migrantensportvereine: Integration oder Segregation?
5.1.2 Resümee: Migrantensportvereine
5.2 „Willkommen im Fußball“
5.2.1 „Willkommen im Fußball“ als Integrationsmotor?
5.2.2 Resümee: „Willkommen im Fußball“
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen Fußballprojekte die Integration von Migranten fördern und wie sich unterschiedliche Konzepte auf das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden auswirken.
- Grundlagen der Migration, Integration und psychischen Gesundheit
- Theoretische Einordnung durch das Integrationsmodell von Hartmut Esser
- Anwendung des Salutogenese-Konzepts nach Antonovsky zur Ressourcenstärkung
- Vergleichende Analyse von Migrantensportvereinen und der Initiative „Willkommen im Fußball“
- Diskussion von Integrationschancen und potenziellen Segregationsrisiken
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Ethnische Migrantensportvereine: Integration oder Segregation?
„Getrennte, entlang ethnischer Zugehörigkeit verlaufende Organisation im Sport verstärkt Trennungen und soziale Distanzen. Sportwettkämpfe drohen zu sozialen Kämpfen zu werden, zu Kämpfen um die Rangstellung von ethnischen Gruppen, zu Kämpfen, in denen alle möglichen politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und psychologischen Konflikte und Spannungen ausgetragen werden.“ (Heckmann, 1998, S.39)
Stahl (2009) macht in seinem Buch deutlich, dass er im Vergleich zu Heckmann versucht, auch positive, integrationsfördernde Aspekte in ethnischen Mannschaften zu sehen. In manchen Punkten stimmen beide Autoren miteinander überein, weiter warnt Stahl jedoch vor Pauschalisierungen. Die Chancen und Risiken werden im Folgenden genauer erörtert.
Nach Stahl (2009) fordern ethnische Sportvereine ein gewisses Maß an Selbstorganisation, welche sich als Vermittler des „bürgerlichen Wertekanons“ (Stahl, 2009, S.100) beschreiben lassen. Das heißt, innerhalb des ethnischen Sportvereins wird – ähnlich wie in der Gesellschaft – gefordert, dass beispielsweise Fleiß und Selbstständigkeit aufzeigt wird. Nach erfolgreicher Platzierung innerhalb des Vereins, kann es durch das Erlernen verantwortungsbewussten Handelns zu einer besseren gesellschaftlichen Platzierung kommen. Als Gegenargument hierzu könnte angeführt werden, dass eine solche Platzierung prinzipiell auch durch „deutsche“ Sportvereine möglich wäre. Jedoch gilt es zu bedenken, dass Migranten genau dort eher seltener die Chance haben in Verwaltungsbereichen aktiv zu werden (ebd.).
Wie im vorherigen Gliederungspunkt erwähnt, kommunizieren die Mitglieder eines ethnischen Sportvereins häufig auf der Sprache ihres Heimatlandes, was nach Esser (2001) wohl eher ein Hindernis für eine erfolgreiche Kulturation und damit einhergehend auch ein Hindernis für eine erfolgreiche Integration darstellt. Trotzdem gilt es zu beachten, dass Migrantensportvereine teilweise ein Angebot an Deutschstunden stellen (Stahl, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Integration von Geflüchteten und stellt die Forschungsfrage zur integrativen Kraft des Fußballs sowie dessen Auswirkung auf das psychische Wohlbefinden.
2 Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Termini wie Migration, Flüchtling, Integration und psychische Gesundheit wissenschaftlich definiert und eingeordnet.
3 Integrationstheorie nach Hartmut Esser: Das Kapitel erläutert die Komponenten der Sozial- und Systemintegration sowie die Rolle von Kulturation, Platzierung, Interaktion und Identifikation.
4 Voraussetzungen für psychisches Wohlbefinden: Salutogenese-Konzept nach Antonovsky: Hier wird das Salutogenese-Modell als Rahmen zur Stärkung der psychischen Widerstandskraft bei Migranten durch Kohärenzgefühl, Identität und soziale Ressourcen dargestellt.
5 Kritische Analyse verschiedener Integrationskonzepte: Dieses Kapitel vergleicht ethnische Migrantensportvereine kritisch mit der Initiative „Willkommen im Fußball“ hinsichtlich ihrer integrationsfördernden und potenziell segregatorischen Effekte.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Fußball unter spezifischen Bedingungen ein starkes Integrationsinstrument sein kann, jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit Vereinsstrukturen und der Förderung der Partizipation in „deutschen“ Sportvereinen erfordert.
Schlüsselwörter
Fußball, Integration, Migration, Salutogenese, Psychisches Wohlbefinden, Migrantensportvereine, Kohärenzgefühl, Identitätsentwicklung, Soziale Ressourcen, Willkommen im Fußball, Ethnische Sportvereine, Sozialintegration, Integrationskonzepte, Sport, Gesellschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Fußballprojekte zur Integration von Migranten beitragen und welchen Einfluss diese auf das psychische Wohlbefinden der Betroffenen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Integrationstheorie von Hartmut Esser, das Salutogenese-Modell nach Antonovsky sowie die Analyse verschiedener Sportvereinsmodelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, unter welchen konkreten Voraussetzungen Integrationsprojekte im Fußball Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenführen und wie sich dies auf die psychische Gesundheit auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Anwendung soziologischer Modelle (System- und Sozialintegration sowie Salutogenese) auf aktuelle Integrationsbeispiele basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zwei spezifische Integrationsansätze – ethnische Sportvereine und die DFL-Initiative „Willkommen im Fußball“ – kritisch gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Migration, Integration, Salutogenese, psychisches Wohlbefinden und die Analyse von Sportvereinsstrukturen als Integrationsmotoren.
Was unterscheidet ethnische Sportvereine von Projekten wie „Willkommen im Fußball“?
Während ethnische Sportvereine häufig auf einer homogenen Herkunft basieren, zielt „Willkommen im Fußball“ bewusst auf eine Durchmischung von Geflüchteten und Einheimischen ab, um eine breitere Integration zu erreichen.
Welche Rolle spielt die Identitätsbalance in dieser Untersuchung?
Die Identitätsbalance zwischen persönlicher und sozialer Identität wird als entscheidender Faktor beschrieben, damit Sportler in einer neuen Umgebung ihre psychische Gesundheit bewahren und gleichzeitig in der neuen Gesellschaft Fuß fassen können.
- Arbeit zitieren
- Anna Strohmeier (Autor:in), 2018, Fußball und Integration. Auswirkung verschiedener Integrationskonzepte auf das psychische Wohlbefinden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505390