In der Hausarbeit soll im ersten Abschnitt auf die Schlüsselbegriffe eingegangen werden, um Klarheit zu schaffen und um die Begriffe voneinander abtrennen zu können. Auch die Selbstverletzung, beziehungsweise das selbstverletzende Verhalten wird klar definiert. Im nächsten Abschnitt wird auf wichtige Erfahrungs- und Kompetenzfelder in Bezug auf Selbstverletzung eingegangen. Erläutert werden hier die Punkte der Körper- Material- und Sozialerfahrungen.
Darauf folgen die Perspektiven beziehungsweise die Sichtweiten in der Psychomotorik, ebenfalls in Bezug auf Selbstverletzung. Diese sind die kompetenztheoretische, erkenntnisstrukturierende, selbstkonzeptorientierte Perspektive und die Sinnesverstehende Perspektive. Nach der Definition dieser beiden Sichtweiten, nehme ich eigene Stellung zu den Perspektiven und verknüpfe sie miteinander. Im nächsten Punkt folgt die methodisch didaktische Überlegung einer psychomotorischen Förderung bei Selbstverletzung. Im letzten Abschnitt wird auf eine Fördereinheit eingegangen, wie solch eine Förderung ausschauen könnte.
Das Konzept der Psychomotorik zählt mittlerweile zu den bedeutendsten pädagogischen und therapeutischen Angeboten in vielen Bereichen. In dieser Hausarbeit soll erläutert werden, wie eine psychomotorische Fördereinheit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ausschaut. Wie eine psychomotorische Fördereinheit beispielsweise eingesetzt werden kann. Hierbei soll speziell auf die Selbstverletzung eingegangen werden. In den letzten drei Jahren meines Bachelorstudiengangs wurde das Thema der Selbstverletzung nicht oft thematisiert. Aufgrund dessen interessiert mich dieser Bereich umso mehr. Schon vor meinem Studium war mir bekannt, dass die Psyche und die Bewegungen eng miteinander verknüpft sind.
Alles was wir tun muss einen Grund haben. Im Sportverein beispielsweise wollte ich damals immer den ersten Platz belegen und warum? Weil meine Innenwelt einen Erfolg sehen wollte. Das heißt meine Innenwelt, meine Gefühle und Emotionen regten mich dazu an, an einem Wettkampf teilzunehmen und die Außenwelt, also meine Bewegungen, die Motorik tat alles dafür, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Um das Beispiel auf die Hausarbeit übertragen zu können, ist damit gemeint, das auch hinter jeder Selbstverletzung (Bewegung) eine Emotion, ein Gefühl steht (Psyche).
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDBEGRIFFE DER MOTORIK
2.1. SENSOMOTORIK
2.2. PSYCHOMOTORIK
2.3. MOTOPÄDAGOGIK
3. KRANKHEITSBILD DES SELBSTVERLETZENDEN VERHALTENS
4. WICHTIGE ERFAHRUNGS- UND KOMPETENZFELDER DER PSYCHOMOTORIK IN BEZUG AUF SELBSTVERLETZENDEM VERHALTEN
4.1. KÖRPERERFAHRUNG ICH-KOMPETENZ
4.2. MATERIALERFAHRUNG -SACHKOMPETENZ
4.3. SOZIALERFAHRUNG -SOZIALKOMPETENZ
5. PERSPEKTIVEN
5.1. KOMPETENZTHEORETISCHE, ERKENNTNISSTRUKTURIERENDE, SELBSTKONZEPTORIENTIERTE PERSPEKTIVE
5.2. SINNVERSTEHENDEN PERSPEKTIVE
5.3. VERKNÜPFUNG
6. METHODISCH DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN EINER PSYCHOMOTORISCHEN FÖRDERUNG BEI SELBSTVERLETZENDEM VERHALTEN
7. FÖRDEREINHEIT
7.1. KONZEPT
7.2. MENSCHENBILD
7.3. KLIENTEL
7.4. INHALTE UND ZIELE
7.5. DIE FACHKRAFT
7.6. SETTING
8. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, wie psychomotorische Fördermaßnahmen gezielt bei Kindern und Jugendlichen mit selbstverletzendem Verhalten in der psychiatrischen Praxis eingesetzt werden können, um durch Bewegung neue Bewältigungsstrategien zu erlernen.
- Grundlagen der Psychomotorik und deren Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung
- Klinische Einordnung und psychologische Motive selbstverletzenden Verhaltens
- Einsatz von Kompetenzfeldern wie Körper-, Material- und Sozialerfahrung
- Kombination kompetenztheoretischer und sinnverstehender Perspektiven in der Therapie
- Methodisch-didaktische Gestaltung einer psychomotorischen Fördereinheit
Auszug aus dem Buch
4.1. Körpererfahrung Ich-Kompetenz
Unter der Ich- Kompetenz werden die gesammelten Erfahrungen mit dem eigenen Körper, während der ganzen Entwicklung zusammengefasst. Die gesammelten Erfahrungen können kognitiv, affektiv aber auch bewusst oder unbewusst geschehen sein. In einer psychomotorischen Förderung wird dem Körper mit seinen Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten also eine große Bedeutung zugeschrieben. Eine Vielfältige Erfahrung mit dem Körper zu erleben ist ein zentraler Bestandteil der Psychomotorik, welches auch zugunsten des selbstverletzendem Verhalten kommt. Körpererfahrung bedeutet eine Zunahme, Verbesserung oder Stabilisierung der körperlichen Handlungsfähigkeit.
Die Körpererfahrung wird ebenfalls in drei Aspekte unterteilt. Diese sind physiologische-, emotionale-, und kognitive Aspekte. Der physiologische Aspekt beschreibt die eigene Wahrnehmung vom Körper, dem so gesagten Körperschema. Diese wird als eine Karte vom eigenen Körper im Gehirn gesehen. Diese Karte verfügt alle Informationen über die funktionale Zusammengehörigkeit der einzelnen Körperabschnitte. Der eigene Körper ist somit das Bezugssystem, welches uns die Orientierung im Raum ermöglicht und uns die Dimension >rechts- links-unten- oben< erleben lässt.
Die kognitiven Aspekte beinhalten die sprachliche Erfassung des eigenen Körpers. Der Mensch weiß also, welche Körperteile er hat, wo sie sich befinden und wozu sie nützlich sind. Beispielsweise sind die Augen zum Sehen und die Hände zum Greifen da. Die emotionalen Aspekte meinen die Körperwahrnehmung in Bezug auf die Gefühle. Einerseits wird die Begleitung der Bewegung durch Unwohl oder Wohlsein beobachtet, andererseits zeigt unsere Stimmung, unsere Gefühlswelt Auswirkung auf unsere Bewegung. Beispielsweise kann einem Kind an der Gestik, Mimik oder Körperhaltung gesehen werden ob es sich wohl oder unwohl fühlt. Auch kann beobachtet werden, wenn beispielsweise einem Kind die Nähe, der Körperkontakt zu viel wird, dass es mit einem Abwehrverhalten reagiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Motivation der Autorin, die Verknüpfung von Psychomotorik und Selbstverletzung im Rahmen des Studiums sowie den Aufbau der Arbeit.
2. GRUNDBEGRIFFE DER MOTORIK: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Sensomotorik und Psychomotorik und beschreibt die Wechselwirkung zwischen Psyche und Bewegung.
3. KRANKHEITSBILD DES SELBSTVERLETZENDEN VERHALTENS: Hier wird das Krankheitsbild definiert, Motive wie Spannungsabbau oder Selbstbestrafung analysiert und die Verbindung zu komplexeren Störungsbildern aufgezeigt.
4. WICHTIGE ERFAHRUNGS- UND KOMPETENZFELDER DER PSYCHOMOTORIK IN BEZUG AUF SELBSTVERLETZENDEM VERHALTEN: Dieses Kapitel erläutert die drei zentralen Bereiche der Körper-, Material- und Sozialerfahrung als Grundlage zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit.
5. PERSPEKTIVEN: Die Autorin vergleicht die kompetenztheoretische mit der sinnverstehenden Perspektive und plädiert für eine Verknüpfung beider Ansätze in der Praxis.
6. METHODISCH DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN EINER PSYCHOMOTORISCHEN FÖRDERUNG BEI SELBSTVERLETZENDEM VERHALTEN: Dieser Abschnitt beschreibt die Bedeutung von Raumstrukturierung, Freiräumen und professioneller Beziehungsgestaltung im therapeutischen Setting.
7. FÖRDEREINHEIT: Das Kapitel bietet einen konkreten Leitfaden zur Gestaltung einer Fördereinheit, unter Berücksichtigung von Konzept, Menschenbild, Klientel, Inhalten und Setting.
8. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines multidimensionalen Ansatzes zur Reduktion von selbstverletzendem Verhalten.
Schlüsselwörter
Psychomotorik, Selbstverletzendes Verhalten, Motopädagogik, Körpererfahrung, Ich-Kompetenz, Handlungsfähigkeit, Affektregulation, Sinnverstehende Perspektive, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Selbstwirksamkeit, Bewegungsförderung, Sozialerfahrung, Therapeutische Beziehung, Persönlichkeitsentwicklung, Psychosoziale Krisen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung psychomotorischer Fördermethoden bei Kindern und Jugendlichen, die selbstverletzendes Verhalten zeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die theoretischen Grundlagen der Psychomotorik, die Analyse von Selbstverletzung als Ausdruck von Emotionen sowie die methodisch-didaktische Umsetzung in therapeutischen Fördereinheiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erläutern, wie eine psychomotorische Förderung konkret gestaltet werden kann, um betroffene Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung alternativer Bewältigungsstrategien zu unterstützen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden kombiniert?
Die Arbeit verbindet die kompetenztheoretische, erkenntnisstrukturierende und selbstkonzeptorientierte Perspektive mit der sinnverstehenden Perspektive.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begriffsbestimmungen, die Analyse von Kompetenzfeldern, die Diskussion verschiedener therapeutischer Sichtweisen sowie die praktische Planung von Fördereinheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Psychomotorik, Selbstverletzung, Affektregulation, Handlungskompetenz, therapeutische Beziehung und Selbstwirksamkeit.
Warum hält die Autorin eine Verknüpfung verschiedener Ansätze für sinnvoll?
Durch die Verknüpfung kann zunächst das Verhalten sinngemäß entschlüsselt werden, bevor im zweiten Schritt mittels kompetenzorientierter Übungen neue, stabilere Handlungsmuster erlernt werden.
Welche Rolle spielt die Fachkraft während der Fördereinheit?
Die Fachkraft agiert als Unterstützer, Beschützer und Mitspieler, der zwar Strukturen vorgibt, dem Kind aber im Rahmen einer partnerschaftlichen Beziehung Raum für eigene Spielideen lässt.
Warum ist das Setting bei selbstverletzendem Verhalten so entscheidend?
Ein gut strukturiertes Setting bietet Sicherheit vor Überforderungen und Schutz vor Überflutungen durch Gefühle, was für den Vertrauensaufbau und die Bearbeitung von Lebensthemen essenziell ist.
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- Gizem Davulcu (Author), 2019, Kinder und Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten. Wie kann eine psychomotorische Förderung eingesetzt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505509