Haben Polizeivollzugsbeamte ein erhöhtes Risiko an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken?


Hausarbeit, 2019
15 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine grundlegende Begriffsdefinition – Trauma

3 Von einer akuten Belastungsstörung bis hinzu einer PTBS

4 Posttraumatische Belastungsstörung
4.1 Traumatische Ereignisse als Auslöser von PTBS
4.2 Klassifizierung der Symptome
4.3 Zahlen der an PTBS erkrankten in der Allgemeinbevölkerung

5 PTBS im Hinblick auf den Polizeivollzugsdienst
5.1 Spezielle Auslöser im Bezug auf Polizeieinsätze
5.2 Schutzfaktoren und angelernte Umgangsstrategien
5.3 Statistik – Anzahl der Betroffenen in gefährdeten Berufsgruppen

6 Fazit

7 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„Polizisten, Soldaten und Rettungskräfte haben ein erhöhtes Risiko, mit potentiell traumatischen Situationen konfrontiert zu werden.“ (URL: https://psychosomatik-barner.de/polizeibeamte-soldaten-rettungskraefte/ ) Es ist unumstritten, dass sich in dem Beruf des Polizeivollzugsbeamten (PVB) oftmals Einsätze ergeben, bei denen die Beamten Stressfaktoren, sowie traumatischen Bildern ausgesetzt werden, welche die Psyche stark belasten können. Bedeutet dies jedoch auch zwingend, dass Polizisten öfter eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln?

Da ich als angehende Polizeivollzugsbeamtin bereits in der Ausbildung auf Einsätze vorbereitet werde, die, die sich als stark belastend erweisen, ergibt sich abgeleitet von diesem Gedanken die kritische Fragestellung „Haben Polizeivollzugsbeamte ein erhöhtes Risiko an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken?“, welche demnach den Titel dieser Hausarbeit darstellt.

Auf eine kurze grundlegende Begriffserläuterung zum Begriff Trauma folgt die Differenzierung zwischen einer akuten -, sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung. Unter dem vierten Punkt dieser Hausarbeit wird der Begriff der PTBS näher erläutert und im weiteren Verlauf unter den Unterpunkten 4.1 „Traumatische Ereignisse als Auslöser von PTBS“, sowie 4.2 die „Klassifizierung der Symptome“ vertieft. Die Zahlen, welche unter 4.3 zu finden sind, veranschaulichen die Häufigkeit des Auftretens von PTBS unter der Allgemeinbevölkerung in Deutschland. Mögliche Einsätze, welche PTBS auslösen können, werden unter Punkt 5.1 aufgeführt, wodurch der Bezug zwischen Polizeiberuf und PTBS eingeleitet wird. Anknüpfend dazu, erfolgt unter Punkt 5.2 eine grundlegende Benennung der Umgangsstrategien welche in der Ausbildung vermittelt werden, sowie eine Statistik in der die Entwicklungshäufigkeit von PTBS unter den verschiedenen Einsatzkräften verglichen wird. Abschließend folgt ein Fazit, in der kritisch Stellung zu der genannten Fragestellung genommen wird.

2 Eine grundlegende Begriffsdefinition – Trauma

Als Grundlage für das Thema PTBS, sollte zunächst erläutert werden, was ein Trauma ist, da traumatische Ereignisse als Auslöser von PTBS entscheidend sind.

„Als Trauma werden Erfahrungen bezeichnet, die so unfassbar sind, dass sie nur schwierig oder manchmal fast gar nicht in den bestehenden Erfahrungsschatz eingegliedert werden können.“(Morgan, 2007, S.15) Diese Ereignisse können kurz oder lang andauern und eine immense Bedrohung darstellen, welche tiefgreifende Verzweiflung bei den betroffenen Personen auslösen kann. Darunter kann man unterbrochene Handlungen von existenziell bedrohlichen Situationen bezeichnen, in der man wirksam handeln müsste, dies aber aufgrund der körperlichen und emotionalen Lage nicht möglich ist. (Gottfried, 2003, S.12) In solchen Situationen versucht man instinktiv die Flucht zu ergreifen oder zu kämpfen. Wenn dies einem jedoch nicht gelingt, steckt man in der „Klemme“ (Reddemann, 2004). Wenn man sich dort wiederfindet, verspürt man möglicherweise Todesangst, Ohnmacht und Hilflosigkeit.

3 Von einer akuten Belastungsstörung bis hinzu einer PTBS

Um sich mit dem Thema PTBS auseinandersetzen zu können, sollte man diese von einer akuten Belastungsstörung differenzieren. Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben, entwickeln häufiger eine akute Belastungsstörung im Gegensatz zur einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dabei durchleben die Betroffenen dasselbe. Das heißt, dass sie die selben Auslöser, sowie ein Teil der selben Symptome aufweisen. Die Symptome der akuten Belastungsstörung treten in der Regel direkt nach des traumatischen Geschehens ein, klingen dann jedoch auch bei Erste-Hilfsmaßnahmen ab. Der gravierende Unterschied liegt jedoch bei dem Zeitraum der andauernden Symptomen. Während man ab des Zeitpunktes des traumatischen Ereignisses, bis hinzu einem Monat man von der akuten Belastungsstörung spricht, beginnt die PTBS ab einem Monat. Somit könnte man annehmen, dass die akute Belastungsstörung der Vorläufer der PTBS ist. Je länger diese Symptome anhalten, desto schwerer sind die Folgen, sowie die Behandlung dieser. Ob eine Person „nur“ eine akute Belastungsstörung entwickelt, welche sich innerhalb des ersten Monats von alleine oder mit Hilfe von Außen zurückbildet, oder die Symptome fortwirken, schlimmstenfalls sich intensivieren, hängt von jedem Individuum ab. Jedes Individuum bringt eigene, unterschiedlich stark ausgeprägte Schutzfaktoren mit. Diese sind entscheidend, um Krisen zu bewältigen, da diese jedoch den Rahmen überschreiten würde und nicht zur Beantwortung der Fragestellung dieser Hausarbeit beiträgt, wird nicht weiter auf die Schutzfaktoren eingegangen.

Um eine PTBS diagnostizieren zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt worden sein. Diese werden in den folgenden Punkten der Facharbeit näher erläutert und analysiert.

4 Posttraumatische Belastungsstörung

Wann spricht man von einer PTBS ? Diese Frage wird im Folgendem beantwortet. PTBS ist einer der bekanntesten Belastungssyndromen (Wendtland, 2008, S.11). Im Vergleich zu anderen psychischen Belastungsstörungen ist das traumatische Ereignis, welches erlebt wurde besonders schwerwiegend, was wiederum erhebliche negative Auswirkung auf die psychische und physische Gesundheit beiträgt. Nicht nur die Gesundheit leidet unter den Symptomen, sondern auch das soziale und berufliche Umfeld. Es entstehen Einschränkungen im Beruf, sowie auch im Alltag. Das ganze Umfeld des Beteiligten wird schlagartig auf den Kopf gestellt. Die genauen Folgen von PTBS werden nicht näher erläutert, da diese den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde.

PTBS beginnt wie folgt: Die Person erlebt eine traumatische Situation, etwas was sich außerhalb des Bereiches der normalen menschlichen Erfahrung befindet. (Maercker & Ehlert, 2001, S.17) Der Beteiligte wird mit einer potentiellen oder realen Todesbedrohung, ernsthaften Verletzungen oder Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit bei sich oder anderen konfrontiert. (Steinbauer & Jagsch & Krypsin-Exner, 2002, S.51) Dabei verspüren die Beteiligten intensive Furcht, Hilflosigkeit und Schrecken, wenn sie anderen Menschen dabei zusehen müssen, wie sie Leiden und man nicht eingreifen kann, oder auch wenn man sich selbst in einer bedrohenden Lage wiederfindet und nichts dagegen unternehmen kann. (Bodamer, 2012, S.221) Manche sind wie paralysiert von dem Geschehnis, welches sich vor ihren Augen abspielt, während anderen die Todesangst überkommt und sie versuchen instinktiv zu flüchten.

Unter einer PTBS gibt es noch drei spezielle Differenzierungen: Eine akute -, chronische – und verzögerte posttraumatische Belastungsstörung. Der Unterschied dieser drei Punkte liegt in der Dauer, der anhaltenden Symptome. Während man im ersten bis zum dritten Monat von einer akuten PTBS spricht, wird PTBS, welches mehr als drei Monate andauert, als chronisch bezeichnet. Je länger die PTBS existent ist, desto schwieriger gestaltet sich die Behandlungsmöglichkeit und somit die Überwältigung von dieser psychischen Krankheit. Oftmals treten PTB- Syndrome schon nach einigen Minuten des Ereignisses ein, doch in manchen Fällen wird das Geschehnis soweit verdrängt, dass die Symptome erst nach frühestens sechs Monaten, oder auch erst nach Jahren, in Erscheinung treten. Wenn dies der Fall ist spricht man von einer verzögerten PTBS (Hallenberger, 2006, S.55).

Hinzu kommt die Unterscheidung von Typ-I – und Typ-II Traumata. Typ-I Traumata meinen dabei kurz andauernde und einmalige traumatische Ereignisse, wie beispielsweise Naturkatastrophen, Unfälle, oder auch kriminelle Gewalterlebnisse, während Typ-II Traumata langandauernde, wiederholte Traumata meint. Darunter fallen zum Beispiel sexuelle oder körperliche Misshandlungen im Kindesalter, Folter oder politische Inhaftierung, sowie Massenvernichtungen (Bodamer, 2012, S.223).

Obendrein gibt es eine Abgrenzung primärer - und sekundärer Traumatisierungen. Die Abgrenzung beruht darauf, „dass ein Trauma sowohl direkt, als auch indirekt erlebt werden kann“. (Maercker & Ehlert, 2001, S.21) Die primäre Traumatisierung assoziiert man „ mit der direkten Konfrontation eines Betroffenen mit traumatischer Belastung“. (Maercker & Ehlert, 2001, S.21) Die sekundäre, auch berufsbedingte Traumatisierung genannt, wird indirekt durch das Wissen über ein traumatisches Ereignis ausgelöst, dass einer anderen Person widerfahren ist. Dies kann entstehen wenn man einer leidenden Person Beistand oder Hilfe leistet. Dabei spielt die jeweilige individuelle Belastbarkeit und das emotionale Mitgefühl mit dem Betroffenen, der das Trauma durchlebt, eine zentrale Rolle (Maercker & Ehlert 2001, S.21).

Vier Diagnostika zeichnen PTBS aus. Das erste Kriterium ist hierbei das Erleben eines traumatischen Ereignisses. Was das für Ereignisse sein können, wird im nächsten Punkt 4.1 näher ausgeführt. Das zweite Kriterium ist das wiederholte Erleben des Ereignisses in verschiedenen Formen. Darauf folgt die Vermeidung von Emotionen, man spricht hierbei auch von der „emotionalen Taubheit“ (Steinbauer & Jagsch & Krypsin-Exner, 2002, S.53). Zuletzt treten Symptome in Erscheinung, die eine Überregung hervorrufen. Auf diese vier Kriterien wird unter dem Punkt 4.2 näher drauf eingegangen.

4.1 Traumatische Ereignisse als Auslöser von PTBS

In dieser Hausarbeit war schon öfters die Rede von traumatischen Ereignissen. Es stellt sich die Frage, wann man solch ein Ereignis erlebt. Im Folgendem werden einige Beispiele genannt, in der man sich in solchen Situationen wiederfinden könnte.

Es gibt zwei Arten, wie man ein Trauma erleben kann. Zum einen gerät man selbst als Opfer in eine lebensbedrohliche oder katastrophale Situation, oder man erlebt, wie eine andere Person sich in solch einer Situation befindet. Dabei können verstörende Bilder, wie entstellte Leichen, Verstümmelungen oder Behinderungen dazu gehören. Kriminelle und familiäre Gewalt, u.a. sexueller Missbrauch, oder selbst die Angst davor, gehören ebenfalls zu den traumatischen Ereignissen. Unter den kriminellen Überfällen zählen u.a. Diebstahl, Raub, Geiselnahme, Folter und andere Gewalteinflüsse auf das Opfer. Des weiteren führen Kriegserlebnisse häufig zu Traumata, weshalb Soldaten öfter von PTBS betroffen sind, als andere.

Was in der heutigen Zeit weit verbreitet ist, ist der Terrorismus. Wenn man solch einen Attentat, oder einen Anschlag in unmittelbarer Nähe erlebt, dazu Verletzungen erleidet, schlimmstenfalls Angehörige verliert, ist dies ein weiterer möglicher Auslöser für die Entwicklung von PTBS.

Nicht nur Ereignisse, die von Menschen herbeigeführt, beziehungsweise verursacht werden können zu traumatischen Ereignissen führen, wie zum Beispiel Verkehrsunfälle, sondern auch Naturkatastrophen. Wenn dabei großer Schaden entsteht, oder man plötzlich den Tod einer Person mitansehen muss.

Es gibt noch viel mehr traumatische Erlebnisse, jedoch sollten die zuvor genannten für einen groben Einblick reichen. Die o.g. Ereignisse können Auslöser von PTBS sein, was jedoch nicht zwingend bedeutet, dass man PTBS entwickelt. (Wendtland 2008, S.12/ Maercker & Ehlert, 2001, S.12)

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Haben Polizeivollzugsbeamte ein erhöhtes Risiko an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken?
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
1.3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V505520
ISBN (eBook)
9783346055033
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Polizei, Posttraumatische Belastungsstörung, Polizeivollzugsbeamte
Arbeit zitieren
Aylin Debbag (Autor), 2019, Haben Polizeivollzugsbeamte ein erhöhtes Risiko an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505520

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