Der Deutsche Orden. Geschichtlicher Überblick, Mitgliederstruktur, Ordenshierarchie und Organisation


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 11 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Geschichtlicher Überblick
2.1. Die Gründung des Deutschen Ordens und seine Tätigkeit im Heiligen Land
2.2. Der Ordensstaat
2.3. Die Krise des Ordensstaates

3. Der Aufbau des Deutschen Ordens
3.1. Die Ordensleitung
3.1.1. Der Hochmeister
3.1.2. Das Generalkapitel
3.1.3. Die Großgebietiger und die Provinzoberen

4. Die Mitglieder des Deutschen Ordens
4.1. Die Ritterbrüder
4.2. Die Priesterbrüder
4.3. Die Graumäntler
4.4. Die Halbbrüder
4.5. Familiaren und Pfründner
4.6. Die Halbschwestern

5. Schlussbemerkung

6. Literatur

1. Einführung

Der immer stärker werdende Islam hatte im Zeitraum 632 bis 732 die bereits vollständig christianisierten Gebiete Nordafrikas und Westasiens erobert. Um 1000 wurden von ihm auch große Gebiete Kleinasiens unter seine Herrschaft gebracht. Dieser Entwicklung versuchten die christlichen Reiche Europas seit dem Jahr 1096 mittels der Kreuzzüge entgegenzutreten. Bis 1291 eroberten die Christen das syrisch-palästinische Gebiet und trieben somit einen Keil zwischen die asiatischen und afrikanischen Besitzungen des Islam.

In dieser Zeit entstanden nicht weniger als zwölf geistliche Ritterorden mit der Aufgabe, als die eigentlichen Kampftruppen der Christenheit im Heiligen Land gegen die Muslime zu kämpfen. Einer dieser Orden war der hier zu behandelnde Deutsche Orden.1 Nach den Johannitern und den Templern war der Deutsche Orden der dritte große geistliche Ritterorden der Kreuzzugszeit. Fast 100 Jahre später gegründet als die beiden anderen großen, folgte er im wesentlichen ihren vorgebildeten Regeln und Organisationsmustern. Von den Johannitern übernahm man die Regeln zur Krankenpflege, von den Templern sonstige Organisationsformen bis hin zum weißen Mantel (auf diesem befand sich beim Deutschen Orden allerdings ein schwarzes Kreuz).2

Diese Ritterorden, oft aus Spitalgemeinschaften entstanden, prägten maßgeblich die politischen und gesellschaftlichen Strukturen des Nahen Ostens, aber auch der europäischen Heimatländer. Teilweise wurden sie auch in Europa große Machtfaktoren, so dass sie sich wie zum Beispiel die Templer sehr mächtige Feinde zuzogen. Auch der Deutsche Orden war nach der Gründung des Ordensstaates zu einem solchen Machtfaktor innerhalb Europas geworden. Aber auch er stieß mit der Zeit auf Widerstände der ihn umgebenden Mächte und verlor somit im Laufe des ausgehenden Mittelalters immer mehr an politischer Macht. Dennoch konnte er sich immer wieder durch Rückbesinnung auf seine traditionellen Werte behaupten, so dass er bis in die heutige Zeit in Form eines geistlichen Ordens besteht.

Im Folgendem möchte ich einen kurzen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Ordens mit dem Schwerpunkt des Mittelalters und der Kreuzzugszeit geben. Danach möchte ich die Mitgliederstruktur, die Ordenshierarchie und Organisation beschreiben, wie sie sich im Mittelalter einem Zeitgenossen darstellte.

2. Geschichtlicher Überblick

2.1. Die Gründung des Deutschen Ordens und seine Tätigkeit im Heiligen Land

Im Jahr 1187 ging das Heilige Land bis auf die nördlichen Gebiete für das Christentum verloren. Saladin hatte das Kreuzritterheer am 3. und 4. Juli 1187 bei Hattin vernichtend geschlagen. Am 9. Oktober fiel auch Jerusalem in die Hand der Muslime. Dieses Ereignis rief im Abendland größte Bestürzung hervor. Der Ruf nach einem neuen Kreuzzug wurde immer lauter. Dies veranlasste Kaiser Friedrich Barbarossa, den englischen König Richard Löwenherz und den französischen König Richard zum dritten Kreuzzug aufzubrechen.3 1189 im Heiligen Land angekommen belagerten die Kreuzfahrer die Stadt Akkon.

Um der Not im Feldlager entgegenzuwirken, errichteten Bremer und Lübecker Bürger aus Schiffssegeln ein Feldspital.4 Herzog Friedrich von Schwaben (Sohn des Kaisers Friedrich Barbarossa) übertrug als Befehlshaber des deutschen Ritterheeres 1190 die Leitung des Zeltspitals seinem Kaplan Konrad. Dieser nahm sich des Spitals an und wandelte es in einen Orden um. Papst Clemens III. stimmte der Gründung am 6. Februar 1191 zu. Dem Orden wurden die Regeln der Johanniter gegeben.5 Der Name des Ordens orientierte sich an einem bereits etwa 1118 gegründeten und später wieder untergegangenen deutschen Hospital St. Mariens zu Jerusalem.6 Diese von Kaplan Konrad gegründete Spitalbruderschaft wurde 1198 erneut umgewandelt, diesmal in eine ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen Land.7 Neben der Regel der Johanniter zur Krankenpflege trat nun auch die Templerregel. Die Ritterbrüder erhielten nun den weißen Templermantel als Zeichen des Glaubenskämpfers mit schwarzem Kreuz. Diese Umgestaltung wurde von Papst Innozenz III. am 19. Februar 1199 bestätigt. Das Haus des Deutschen Ordens befand sich in Akkon. Der Orden fand sowohl im Orient wie im Abendland rasche Verbreitung. Um 1300 besaß der Orden bereits 300 Kommenden.8 Dem vierten Meister des Ordens, Hermann von Salza (1210─1239), gelang es im Januar 1221, von Papst Honorius III. die völlige Gleichstellung mit den beiden anderen großen Ritterorden, mit Templern und Johannitern, zu erreichen.9

2.2. Der Ordensstaat

Das Zentrum der Aktivitäten des Ordens verlagerte sich bereits im frühen 13. Jahrhundert vom Heiligen Land ins Baltikum. Dies war dadurch begründet, dass der Herzog Konrad von Masowien im Jahre 1226 den Deutschen Orden um Hilfe gegen die heidnischen Pruzzen bat. Kaiser Friedrich II. stellte dem Orden hierzu 1226 die berühmte Goldbulle von Rimini aus, in welcher er den Orden beauftragte, das Gebiet zu erobern, die Bewohner zu christianisieren und über das Land zu herrschen. Damit war die Grundlage des Deutschordensstaates geschaffen.10 In den folgenden Jahrzehnten war es in Europa förmlich Brauch, dass sich Adelige aus allen Ländern bei der Missionierung Preußens ihre Sporen verdienten.11 Am 12. Mai 1237 gliederte der Papst den in Livland, Estland und Teilen des Kurlands missionierenden Schwertbrüderorden dem Deutschen Orden ein.12 Durch diese Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden konnte der Orden sich nun auch in Livland festsetzen.13 1280 hatte der Orden die Pruzzen besiegt.14 1308 erwarb er Pomerellen mit Danzig, 1346 Estland, 1398 Gotland, und mit dem Erwerb der Neumark 1402 hatte das Territorium des Ordens seine größte Ausdehnung erreicht. Bereits 1309 verlegte der Orden den Sitz seines Hochmeisters von Venedig, wo er seit 1291 residierte, nach Marienburg in Westpreußen.15 Der Deutschordensstaat war nun zu einem Machtfaktor im Ostseeraum geworden und besaß internationales Ansehen.

Im 14. Jahrhundert galt er in Europa als die eigentliche Verkörperung der Kreuzzugsidee und als das Ideal des Kreuzfahrertums schlechthin. Besonders deutlich wurde dies an der Christianisierung Preußens. Die „europäische Aktion“ der Eroberung des Gebietes wurde vom Orden geleitet, der Ausbau des Landes ebenfalls.16

Die immer größer werdenden Eroberungen der Muslime im Heiligen Land (zum Beispiel 1244 Jerusalem und 1291 Akkon) erwiesen sich im Nachhinein als nicht negativ für den Deutschen Orden. Denn ein solcher kultureller Auf- und Ausbau, wie ihn der Deutsche Orden in Preußen schuf, wäre auf dem zuvor auf viele Gebiete Europas verteilten Ordensgebiet undenkbar gewesen. Durch diese Veränderungen war aber auch die Übersiedlung des Hochmeisters nach Venedig notwendig geworden. Die erneute Verlagerung der Ordenszentrale 1309 zur Marienburg traf die Balleien im Mittelmeerraum schwer. Lagen sie früher zentral und dienten als Nachschubbasen oder Etappen, waren sie jetzt nur noch Außenstationen und teilweise sogar direkter islamische Bedrohung ausgesetzt.17

Jedoch auch das baltische Ordensgebiet war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts einer Bedrohung ausgesetzt. Im Jahr 1386 wurden durch Heirat die beiden Reiche Polen und Litauen vereinigt. Mit diesem neuen Staat kam der Ordensstaat immer wieder in Konflikt. Die Spannungen zwischen den beiden Staaten steigerten sich bis zu einem Krieg, in welchem der Ordensstaat in der Schlacht von Tannenberg 1410 unterlag.18 Der so genannte 1. Thorner Frieden, welcher im Jahre 1411 unterschrieben wurde, bedeutete für den Deutschen Orden weitreichende Gebietsverluste. Nach erneuten Konflikten kam es im Jahre 1466 zum sogenannten 2. Thorner Frieden, indem der Ordensstaat abermals auf Gebiete verzichten musste und hohe Zahlungen zu leisten hatte. Das einschneidenste Ergebnis war jedoch, dass der Orden die Oberhoheit des polnischen Königs über die übrigen Gebiete anzuerkennen hatte. In Folge dieser Ereignisse verlagerte der Hochmeister seinen Sitz erneut, diesmal nach Königsberg.19

2.3. Die Krise des Ordensstaates

Zu diesen politischen Problemen trat im ausgehenden Mittelalter auch allgemeine Krtik an den Ritterorden. Immer wieder wurde ihnen vorgeworfen, sie seien unzeitgemäß. Schlimmer traf den Deutschen Orden aber noch, dass durch die Vereinigung Litauens mit Polen dieses christianisiert wurde und der Orden nun seine eigentliche Legitimation in diesem Bereich ─ die Missionierung ─ verloren hatte.

Weiter wirkten sich die großen Umstrukturierungen des spätmittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgefüges auf den Deutschen Orden aus. Im 15. Jahrhundert verfiel die Zucht innerhalb des Ordens merklich. Die verlorene Idee des Kreuzzuges wirkte sich nun immer stärker aus.20 1525 wurde der Ordensstaat durch den letzten Hochmeister Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach in ein erbliches, säkularisiertes Herzogtum unter polnischer Lehenshoheit umgewandelt, was allerdings nie von Kaiser, Papst und Deutschmeister anerkannt wurde.21

Der Friede von Preßburg 1805 bestimmte, dass die Besitzungen des Deutschen Ordens und das Amt des Hoch- und Deutschmeisters von nun an erblich an das Haus Österreich übergehen sollten. Kaiser Franz ließ den Orden und dessen Hochmeister zwar unangetastet, aber dennoch gingen Amt und Orden zukünftig in österreichische Oberhoheit über. Am 24. April 1809 schließlich erklärte Napoleon den Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst, wobei der Ordensbesitz an die Fürsten des Rheinbundes überging. Dem Orden verblieben nur noch die Besitzungen in Schlesien und Böhmen sowie die Ballei Österreich. Im Jahre 1834 verzichtete Kaiser Franz I. von Österreich schließlich auf alle Anrechte aus dem Artikel 12 des Preßburger Friedens. Hiermit setzte er den Orden wieder in alle früheren Rechte und Pflichten ein. Der Orden wurde somit aus der Oberaufsicht der landesfürstlichen Behörde entlassen und erhielt den Rang eines selbständigen geistlichen Instituts. Er war lediglich durch das Lehensband mit dem Kaisertum verknüpft.22 Verschiedene innere Reformen des Ordens sollten ihn zukunftsfähig machen. So entstand zum Beispiel das Amt des Hoch- und Deutschmeisters durch die Zusammenlegung der Ämter des Generaloberen und des Landesvorsitzenden. Der Schwerpunkt der Ordenstätigkeit lag nunmehr im Wohltätigkeitsbereich. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Orden erneut reformiert, das gemeinschaftliche Leben wieder eingeführt. Die neu geschaffenen Ordensstatuten wurden 1871 von Papst Pius IX. bestätigt.

1929 wurde der Orden in einen rein geistlichen Orden umgewandelt. In der nationalsozialistischen Zeit war der Orden von 1938 bis 1945 verboten und existierte nur noch in Südtirol und Böhmen.

1945 wurde er in Österreich und der Bundesrepublik Deutschland wiederbelebt.23 Der Deutsche Orden führt heute den offiziellen Titel "Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem" und ist ein geistlicher Orden. Seine Hauptträger sind Priester, sein Oberhaupt ist der Hochmeister. Innerhalb der Gemeinschaft gibt es neben den Priestern auch Laienbrüder, die dem Orden inkorporierten Deutschordensschwestern und Familiare.24

3. Der Aufbau des Deutschen Ordens

3.1. Die Ordensleitung

3.1.1. Der Hochmeister

An der Spitze des Deutschen Ordens stand im Mittelalter der Hochmeister. Er allein leitete den Orden und repräsentierte diesen nach außen. Er hatte im alltäglichen Ablauf die alleinige Entscheidungsfreiheit. Nur er durfte jemanden von den drei Hauptgelübden Keuschheit, Gehorsam und Armut entbinden, die Buße aufheben, Bestimmungen der Gesetze ändern und vieles mehr. Während eines Feldzuges gab er den Befehl zum Angriff. Auch stellte er Zahlungsanweisungen, welche eine bestimmte Höhe nicht überschreiten durften, aus. Nur bei wichtigen Entscheidungen war er an den Rat seiner Mitbrüder und bei besonders wichtigen Dingen an die Zustimmung seines Kapitels gebunden. Bei einer schweren Erkrankung des Hochmeisters übergab er sein Amtssiegel einem Mitbruder. Dieser hatte dieses Siegel zu verwahren und es im Falle des Todes dem nächsten Hochmeister zu übergeben.25

[...]


1 Tumler, 1974, S. 5

2 Von Akkon zur Marienburg http://www.deutscher-orden.de/_pages/_orden_allgemein/geschichte/geschichte_start.html#akkon eingesehen am 12.03.2006

3 Hartmann, 2006, S. 240f

4 Tumler, 1954, S. 25

5 Tumler, 1974, S. 7

6 ebd. S. 6

7 Von Akkon zur Marienburg http://www.deutscher-orden.de/_pages/_orden_allgemein/geschichte/geschichte_start.html#akkon eingesehen am 12.03.2006

8 Tumler, 1974, S. 8f

9 Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden ─ Entwicklung und Strukturen im Mittelalter http://www1.uni-hamburg.de/Landesforschung/Literatur/Entwicklung1.htm eingesehen am 14.03.2006

10 Deutscher Orden http://www.heiligenlexikon.de/start.html?Orden/Orden.htm eingesehen am 12.03.2006

11 Tumler, 1974 S. 15

12 ebd. S. 16

13 Deutscher Orden http://www.heiligenlexikon.de/start.html?Orden/Orden.htm eingesehen am 12.03.2006

14 ebd.

15 ebd.

16 Tumler, 1974, S. 23

17 ebd. S. 47 ff

18 ebd. S. 49ff

19 Deutscher Orden http://www.heiligenlexikon.de/start.html?Orden/Orden.htm eingesehen am 12.03.2006

20 Tumler, 1974, S. 46f

21 Deutscher Orden http://www.heiligenlexikon.de/start.html?Orden/Orden.htm eingesehen am 12.03.2006

22 Ein kurzer Blick in die Geschichte, Französische Revolution und Napoleons Diktat http://www.deutscher-orden.at/ eingesehen am 13.03.2006

23 Deutscher Orden http://www.heiligenlexikon.de/start.html?Orden/Orden.htm eingesehen am 12.03.2006

24 Ein kurzer Blick in die Geschichte, Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg http://www.deutscher-orden.at/ eingesehen am 13.03.2006

25 Militzer, 1999, S. 136f#

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Deutsche Orden. Geschichtlicher Überblick, Mitgliederstruktur, Ordenshierarchie und Organisation
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Theologisches Institut)
Veranstaltung
Das Zeitalter der Kreuzzüge
Note
11 Punkte
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V505620
ISBN (eBook)
9783346055132
ISBN (Buch)
9783346055149
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreuzzüge, Orden, Deutscher Orden, Ritterorden, Deutschherren
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Der Deutsche Orden. Geschichtlicher Überblick, Mitgliederstruktur, Ordenshierarchie und Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505620

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