Im Folgenden soll die Frage beantwortet werden, wie und in welchen fachlichen Kontexten das Ereignis Totgeburt sowie die psychosozialen Belastungen der Mütter beschrieben werden und wie die Verfügbarkeit und Ausgestaltung vorhandener Angebote zu bewerten sind.
Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2017) traten im Jahr 2015 circa vier Totgeborene je 1000 Lebend- oder Totgeborenen in Deutschland auf. Darunter werden zum einen die bereits im Mutterleib verstorbenen Föten (stille Geburt), zum anderen die unter der Geburt verstorbenen Föten zusammengefasst.
Das heißt, dass vier von 1000 Müttern nach der Geburt die Klinik ohne ein Neugeborenes verlassen. Damit ist auch die Konfrontation mit diesem einschneidenden kritischen Lebensereignis eher selten und der Austausch mit gleichermaßen Betroffenen möglicherweise erschwert. Neben dem möglichen Mangel an Austauschmöglichkeiten können auf die Mütter, neben der Trauer, zusätzliche Belastungen zukommen, wenn sie im Rahmen der Geburtsnachsorge auf andere Mütter treffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition und Epidemiologie der Totgeburt
2.1 Definition
2.2 Häufigkeit von Totgeburten und psychischen Folgen
2.3 Zusammenfassung
3 Forschungsstand zu psychosozialen Belastungen, Belastungsfolgen und Hilfebedarf
3.1 Inhaltlicher Fokus
3.2 Begründung der Auswahl der Fachdatenbanken
3.3 Quantitative Trefferanalyse
3.4 Vergleichende Analyse der relevanten Publikationen
3.4.1 Der Trauerprozess
3.4.2 Normaler vs. pathologischer Trauerverlauf
3.4.3 Klinisch relevante Folgen
3.4.4 Hilfebedarf der Frauen nach einer Totgeburt
3.5 Zusammenfassung
4 Fragestellung
5 Begründung und Darstellung der Methoden der Erhebung von Praxisangeboten in Deutschland sowie der Sicht der Professionellen
5.1 Begründung und Darstellung des methodischen Vorgehens der Erhebung der gegenwärtigen Praxisangebote in Deutschland
5.1.1 Systematische Internetrecherche
5.1.1.1 Suchterme
5.1.1.2 Festlegung der Eingrenzung der Treffer
5.1.2 Experteninterviews
5.1.2.1 Vorstellung des Interviewleitfadens als Befragungsinstrument
5.1.2.2 Gewinnung der Experten
5.1.2.3 Durchführung
5.1.2.4 Darstellung der Auswertungsmethode
5.2 Ergebnisse
5.2.1 Vorstellung und vergleichende Analyse der im Internet identifizierbaren Angebote
5.2.2 Zusammenfassende vergleichende Analyse der Aussagen der Experten
5.2.2.1 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse
5.2.2.2 Ergebnisdarstellung der Aussagen der Experten
5.3 Zusammenfassende Reflexion der Praxisangebote und Aussagen aus der Praxis
6 Die Wahrnehmung des Forschungsstandes und der Praxisangebote aus der Sicht der Betroffenen
6.1 Begründung und Darstellung des methodischen Vorgehens
6.1.1 Vorstellung des Interviewleitfadens als Befragungsinstrument
6.1.2 Darstellung der Auswertungsmethode
6.2 Gewinnung der Gesprächspartner/-innen
6.3 Durchführung der Interviews
6.4 Ergebnisse und Analyse der Aussagen der Betroffenen
6.4.1 Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse der Betroffeneninterviews
6.4.2 Ergebnisdarstellung der Aussagen der betroffenen Frauen
6.5 Zusammenfassung
7 Kritische Reflexion der Berücksichtigung der besonderen Situation der Frauen nach einer Totgeburt in Forschung und Praxis
8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist die Erfassung der psychosozialen Belastungen, Belastungsfolgen und Hilfebedarfe von Frauen nach einer Totgeburt sowie die Analyse der vorhandenen psychosozialen Unterstützungsangebote in Deutschland aus Sicht von Betroffenen und Professionellen.
- Epidemiologie und psychosoziale Auswirkungen einer Totgeburt.
- Systematische Literaturanalyse zum aktuellen Forschungsstand.
- Bestandsaufnahme psychosozialer Unterstützungsangebote mittels Internetrecherche und Experteninterviews.
- Analyse der subjektiven Wahrnehmung betroffener Frauen durch narrative Interviews.
- Ableitung von Forschungs- und Handlungsbedarfen zur Optimierung der Versorgungssituation.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Der Trauerprozess
Trauer wird verstanden als „zeitlich begrenzte, funktionelle Störung mit phasischem Verlauf [...], die durch spezifische Denk− und Verhaltensweisen geprägt ist und die der Integration einer schweren Verlusterfahrung dient.“ (Scheidt, Waller, Wangler, Hasenburg, & Kersting, 2006, S. 5). Der Trauerprozess wurde in der Vergangenheit vielfach untersucht und in verschiedenen Modellen dargestellt. Diese sollen dazu dienen, den individuellen Trauerverlauf der Betroffenen nach einem Treffen, genauer einschätzen zu können, um so mögliche dysfunktionale („pathologische“) Bewältigungsmuster zu erkennen (Ditz, 2001, S. 213). Um die Phasen eines Trauerverlaufes zu verdeutlichen, zeigt die Tabelle 7 drei mögliche Modelle, welche für die Einschätzung zu Rate gezogen werden können. Die Autoren/-innen verstehen die Charakteristika der verschiedenen Phasen bzw. Aufgaben sehr ähnlich und nehmen alle einen vierphasigen Verlauf der Trauer an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der Forschungsfragen und des methodischen Aufbaus der Bachelorarbeit.
2 Definition und Epidemiologie der Totgeburt: Abgrenzung der Begrifflichkeiten und Darstellung statistischer Daten zum Vorkommen von Totgeburten.
3 Forschungsstand zu psychosozialen Belastungen, Belastungsfolgen und Hilfebedarf: Systematische Aufarbeitung der Fachliteratur zu den emotionalen und psychosozialen Folgen für betroffene Mütter.
4 Fragestellung: Konkretisierung der Forschungsinteressen basierend auf den identifizierten Wissenslücken.
5 Begründung und Darstellung der Methoden der Erhebung von Praxisangeboten in Deutschland sowie der Sicht der Professionellen: Beschreibung des methodischen Vorgehens zur Erfassung bestehender Unterstützungsangebote und der Expertenmeinungen.
6 Die Wahrnehmung des Forschungsstandes und der Praxisangebote aus der Sicht der Betroffenen: Qualitative Analyse der Erfahrungen und Bedürfnisse betroffener Frauen anhand von Interviews.
7 Kritische Reflexion der Berücksichtigung der besonderen Situation der Frauen nach einer Totgeburt in Forschung und Praxis: Kritische Würdigung der Ergebnisse und Diskussion der Handlungsbedarfe.
8 Ausblick: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und Reflexion des gewählten Forschungsansatzes.
Schlüsselwörter
Totgeburt, Psychosoziale Belastungen, Trauerprozess, Trauerverlauf, psychosoziale Hilfsangebote, Hilfebedarf, Hebammenbetreuung, Experteninterviews, Betroffeneninterviews, qualitative Inhaltsanalyse, Geburtsnachsorge, psychische Gesundheit, pathologische Trauer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die psychosozialen Belastungen und Bedürfnisse von Frauen nach einer Totgeburt sowie die Verfügbarkeit und Qualität psychosozialer Angebote in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören die Definition der Totgeburt, der psychologische Forschungsstand zum Trauerprozess, die Analyse der Versorgungspraxis sowie die subjektive Sichtweise von betroffenen Frauen und professionellen Begleitern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Hilfebedarf von betroffenen Frauen zu identifizieren und aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf bei der psychosozialen Unterstützung und medizinischen Versorgung besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen methodisch triangulierten Ansatz: eine systematische Literaturrecherche, eine systematische Internetrecherche sowie qualitative Experten- und Betroffeneninterviews, die nach der Methode von Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der epidemiologischen Datenlage, der Analyse des Forschungsstandes zur Trauerverarbeitung, der methodischen Erhebung von Praxisangeboten und der Auswertung der Interviews mit Experten und betroffenen Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Totgeburt, psychosoziale Belastungen, Trauerprozess, Hilfebedarf, Hebammenbetreuung und qualitative Inhaltsanalyse.
Wie unterscheidet sich die Betreuung im Krankenhaus nach den Experteninterviews?
Die Experteninterviews zeigen, dass die Versorgung im Krankenhaus individuell stark variieren kann, abhängig von personellen Ressourcen, der Sensibilität des Personals und der Struktur des Krankenhausträgers.
Was fordern Betroffene Frauen als größte Verbesserung?
Betroffene wünschen sich insbesondere eine professionellere Betreuung im Krankenhaus, eine bessere Aufklärung über ihre Rechte und Ansprüche sowie die Vermeidung von ungewollten Ratschlägen oder administrativen Überforderungen in der akuten Trauerphase.
- Arbeit zitieren
- Juliane Denning (Autor:in), 2018, Psychosoziale Belastungen und Bedürfnisse von Betroffenen nach einer Totgeburt und psychosoziale Angebote, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505623