Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit nach Judith Butler am Beispiel des Films "Boys don't cry"


Hausarbeit, 2019

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 - EINLEITUNG

2 - THEORIE
2.1 - Erstes Kapitel: Die Subjekte von Geschlecht/ Geschlechtsidentität/ Begehren
2.2 - Drittes Kapitel: Subversive Körperakte
2.3 - Die drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit

3 - FILM „BOYS DON'T CRY“
3.1 - Inhaltsangabe
3.2 - Schlüsselszenen
3.2.1 - Erste Schlüsselszene
3.2.2 - Zweite Schlüsselszene
3.2.3 - Dritte Schlüsselszene

4 - ANALYSE
4.1 - Das anatomische Geschlecht (sex)
4.2 - Die geschlechtliche bestimmt Identität (gender identity)
4.3 - Die Performanz der Geschlechtsidentität (gender performance)

5.FAZIT
5.1 - Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 - Aktualisierung

6 - LITERATURVERZEICHNIS

1 - Einleitung

Schaut man sich die Inhalte der medialen Welt der letzten paar Jahre an, sieht man deutlich, dass das Thema Gender und insbesondere Transgender immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit der immer stärker werdenden feministischen Bewegung rücken Themen wie das Gendern, die Gender Pay Gap, die Frage nach dem Geschlecht und viele weitere immer mehr in den Vordergrund. Insbesondere die Frage nach dem Geschlecht und welchen Einfluss die Genetik und das Umfeld auf das geschlechtsspezifische Verhalten eines Individuums hat, werden häufiger hinterfragt. Möchte man diesen Themenbereich wissenschaftlich betrachten, kommt man nicht an Judith Butlers Ausführungen zu diesen Themen vorbei, weil sie besonders im Bereich der Geschlechterforschung als „wegweisende Denkerin“[1] bekannt geworden ist. Da sich Butlers Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“[2] unter anderem mit diesen Themen beschäftigt, habe ich mich entschieden, diese unter den Gesichtspunkten ihrer Arbeit mit besonderem Hinblick auf die drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit zu betrachten. Dabei werde ich den Film „Boys don't cry“ als Anwendungsbeispiel heranziehen.

Meine Arbeit setzt sich folgendermaßen zusammen: Zu Beginn werde ich mit den grundlegenden Inhalten der Kapitel eins und drei aus ihrem Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“[3] befassen, um in ihre Theorie einzuleiten. Im nächsten Schritt werde ich näher auf die drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit eingehen. Folgend gebe ich eine kurze Inhaltsangabe des Films und benenne einige Schlüsselszenen, auf die ich mich im weiteren Verlauf der Arbeit beziehen werde. Anschließend werde ich in der Analyse, ausgehend von den drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit, die Inhalte der Schlüsselszenen erläutern. Im Fazit werde ich meine Resultate grundlegend zusammenfassen. Zudem werde ich Ansätze zu einer Aktualisierung des Diskurses liefern.

2 - Theorie

In den folgenden zwei Kapiteln werde ich mich auf das erste und das dritte Kapitel aus Butlers Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“[4] beziehen, um einen Einblick in die für diese Arbeit relevanten Stellen ihrer Theorie zu geben.

2.1 - Erstes Kapitel: Die Subjekte von Geschlecht/ Geschlechtsidentität/ Begehren

Die „zweite feministische Welle“[5] gab Butler den Anstoß, Kritik an den Formulierungen bzw. der Sprache zu äußern. Sie kritisierte den Punkt, dass bestimmte Gruppen definieren, wer als ,Frau‘ definiert wird und wer nicht.[6] Es gibt nach Butler eine „vorgegebene Identität [...], die durch die Kategorie ,Frau(en)‘ bezeichnet wird.“[7] Sind die Grenzen einer solchen Kategorie klar festgelegt, beinhaltet der Begriff bestimmte Ausschlussmechanismen, wie zum Beispiel Ausgrenzung. So werden in der Community bisexuelle und transsexuelle Frauen ausgeschlossen[8], da sie nicht den klassischen Kriterien einer Frau entsprechen. Das Paradoxon, das Butler in diesem Zusammenhang anspricht ist, dass das System, das diese Kategorie hervorgebracht hat, nun die Emanzipation ermöglichen soll.[9] Zudem muss beachtet werden, dass durch die Idee, dass Frauen eine homogene Gruppe sind, die Unterschiede zwischen Frauen in Bezug auf Sexualität, ethnischer Herkunft, Kultur oder Klasse ignoriert werden.[10] Dazu kommt, dass durch die eben angesprochene Idee das binäre System männlich/weiblich bestätigt wird.[11] Butler schlägt daher eine „antifundamentalistische Methode“[12] vor, welche es anstatt die Kategorie „Frau(en)“ zum Ausgangspunkt einer politischen Bewegung zu machen, es ermöglicht neue Identitätskonzepte aufkommen zu lassen.[13]

2.2 - Drittes Kapitel: Subversive Körperakte

Um in das dritte Kapitel und dessen Inhalt einzusteigen, habe ich ein Zitat, welches auch schon Butler in ihrem Werk anführte, gewählt: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“[14]. Hier schließe ich an den Gedankengang des Abschnitts zum ersten Kapitel an, dass man mit der Geburt und der Klärung der Frage „‘Ist es ein Junge oder ein Mädchen‘“[15] in eine Kategorie eingeordnet wird, die für das restliche Leben prägend ist. Butler zieht in ihrem Werk die Ausführungen von Simone de Beauvoirs zu diesem Thema heran. Diese besagen, dass man zwischen Geschlecht und Geschlechtsidentität unterscheiden muss. Mit dem Geschlecht kommt man zur Welt, die Geschlechtsidentität dagegen erwirbt man. Darauf folgt, dass das Geschlecht im Gegensatz zur Geschlechtsidentität nicht veränderbar ist. (In heutigen Zeiten wissen wir, dass das Geschlecht aufgrund des medizinischen Fortschritts verändert werden kann.) Dies bedeutet, dass ein Mensch, der in die Kategorie „Frau“ eingeordnet wird, kulturell gesehen nicht zwingend eine Frau darstellen muss.[16]

Mit dieser Erkenntnis hebt sich das in 2.1 angesprochene binäre System auf, da das „anatomische Geschlecht dem der Geschlechtsidentität keine Grenzen setzt“[17] und somit der Interpretationsraum für Geschlechter nicht länger auf die „Dualität der Geschlechter“[18] begrenzt ist.[19]

2.3 - Die drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit

Um sich den von Butler benannten drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit zu nähern, muss man auch ihre Überlegungen zur Sprache betrachten. Butler geht davon aus, dass Sprache performativ ist. Das bedeutet, sie schreibt der Sprache eine „realitätsgenerierende Macht“[20] zu. Obwohl es so scheint, dass die „performativen Sprechakte“[21] die Realität nur beschreiben, besitzen sie den Einfluss, die beschriebene Realität auch zu erzeugen.[22] Dies ist im Hinblick auf die „Konstruktion von Geschlechtsidentitäten“[23] besonders wichtig, da demnach die Bezeichnungen, die man wählt, wenn man über Geschlechter spricht, die Geschlechtsidentität beeinflussen, beziehungsweise konstruieren kann.

Normalerweise unterscheiden wir im Alltag zwischen dem anatomischen Geschlecht und dem von der Person dargestellten Geschlecht, wobei es selten zu Widersprüchen kommt. Bezieht man aber nun die oben erläuterten Überlegungen mit ein, wird es komplizierter. Hierzu unterscheidet Butler zwischen den drei Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit: „dem anatomischen Geschlecht (sex), der geschlechtlich bestimmten Identität (gender identity) und der Performanz der Geschlechtsidentität (gender performance)“[24].

Im Folgenden werde ich die englischen Begriffe der drei Dimensionen (sex, gender identity, gender performance) verwenden, da ich sie in ihrer Bedeutung im Englischen akkurater finde als in der deutschen Übersetzung.

Das anatomische Geschlecht fsex): Sex bezeichnet die äußerlichen Geschlechtsmerkmale. Dabei unterscheidet man zwischen primären, sekundären und tertiären Geschlechtsmerkmalen. Die primären Geschlechtsmerkmale sind die Geschlechtsorgane, die von der Geburt an vorhanden sind. Die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln sich erst in der Pubertät und sind bei Frauen zum Beispiel die Brüste oder bei Männern der Bartwuchs. Die tertiären Geschlechtsmerkmale beziehen sich aufKörperbau und Körpergröße als auch auf psychische Komponenten.[25]

Die geschlechtlich bestimmte Identität (gender identity): Bei der gender identity geht es nicht um körperliche Geschlechtsmerkmale, sondern um die eigene Identität. Es geht darum, wie sich das Individuum fühlt, bzw. zu welchem Geschlecht sich das Individuum zugehörig fühlt. Stimmen sex und gender identity nicht überein spricht man von Transgender. Ist dies nicht der Fall spricht man von Cisgender.[26]

[...]


[1] Lépine, René/Lorenz, Ansgar (2018): JudithButler: Philosophie fürEinsteiger. Paderborn: Wilhelm Fink, S. 8

[2] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp

[3] ebd.

[4] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp

[5] Lépine, René/Lorenz, Ansgar (2018): JudithButler: Philosophie fürEinsteiger. Paderborn: Wilhelm Fink, S.8

[6] vgl., ebd., S.8

[7] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. FrankfurtamMain: Suhrkamp, S.15

[8] Lépine, René/Lorenz, Ansgar (2018): JudithButler: Philosophie fürEinsteiger. Paderborn: Wilhelm Fink, S.8

[9] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. FrankfurtamMain: Suhrkamp, S.17

[10] ebd., S.17

[11] ebd., S.19f

[12] ebd., S.36

[13] vgl., ebd., S.36

[14] de Beauvior, Simone: Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus derFrau. Reinbekbei Hamburg (Neuausgabe) 2005.

[15] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. FrankfurtamMain: Suhrkamp, S.166

[16] vgl., ebd., S.166

[17] ebd., S.167

[18] ebd., S.167

[19] vgl., ebd., S.167

[20] Rademacher, Claudia/Wiechens, Peter (Hg.) (2001): Geschlecht-Ethnizität-Klasse: zur sozialen KonstruktionvonHierarchie und Differenz. Opladen: Leske + Budrich, S.32

[21] ebd., S. 32

[22] vgl. Völger, Gisela/Rautenstrauch-Joest-MuseumfürVölkerkunde (Hg.) (1997): SieundEr, Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich. Köln: Rautenstrauch-Joest-Museum, S.48 ;

Fischer, Ute Luise et al. (1996): Kategorie: Geschlecht?: Empirische Analysen und feministische Theorien, S.156

[23] Rademacher, Claudia/Wiechens, Peter (Hg.) (2001): Geschlecht-Ethnizität-Klasse: zur sozialen KonstruktionvonHierarchie und Differenz. Opladen: Leske + Budrich, S.32

[24] Butler, Judith (2018): Das Unbehagen der Geschlechter. Deutsche Erstausgabe, 19. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S.202

[25] https://brockhaus.de/ecs/enzv/article/geschlechtsmerkmale (abgerufen am 17.9.2019)

[26] vgl. Urwin, Jack (2018): Boys don’t cry: Identität, Gefühl und Männlichkeit. 2. Auflage. Hamburg: EditionNautilus, S.20

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Details

Titel
Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit nach Judith Butler am Beispiel des Films "Boys don't cry"
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V505635
ISBN (eBook)
9783346050861
ISBN (Buch)
9783346050878
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Transgender, Boys don´t cry, Das Unbehagen der Geschlechter, Judith Butlers
Arbeit zitieren
Clara Strerath (Autor), 2019, Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit nach Judith Butler am Beispiel des Films "Boys don't cry", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505635

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