Disposition von NOS-Artikeln im Textileinzelhandel


Seminararbeit, 2014
62 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

1 Notwendigkeit einer zielgerichteten NOS-Disposition

2 Theoretische Grundlagen der NOS-Disposition
2.1 Grundbegriffe
2.2 Ziele und Aufgabe der NOS-Disposition
2.3 Bedeutung der NOS-Disposition für das Unternehmen

3 NOS-Dispositionsvorgang
3.1 NOS-Materialbedarfsplanung
3.1.1 Materialbedarfsarten
3.1.2 Materialbedarfsrechnung
3.2 Vebrauchsorientierte NOS-Bedarfsermittlung
3.2.1 Grundlagen
3.2.2 Materialklassifikation
3.2.3 Prognoseverfahren
3.2.4 Fehlerberechnung
3.3 Verbrauchsgesteuerte NOS-Disposition
3.3.1 Grundlagen
3.3.2 Prozessmodell
3.3.3 Bestellpunktverfahren
3.3.4 Bestellrhythmusverfahren
3.4 Bestellterminrechnung
3.5 Bestellmengenrechnung
3.5.1 Optimierende Verfahren
3.5.2 Einfluss auf der Bereitstellungskosten
3.5.3 Klassische Losgrößenberechnung
3.5.4 Sicherheitsbestand
3.6 Kontrolle der NOS-Disposition
3.6.1 Kennzahlen
3.6.2 Controlling der Lagerbestände

4 Zusammenfassung und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lebenszyklen der Artikeltypen

Abbildung 2: Verlauf der Winter- und Sommersaison

Abbildung 3: Kernprozesse und Hauptfunktionen des Textileinzelhandels

Abbildung 4: Dispositionsverfahren

Abbildung 5: Dispositionsaufgaben

Abbildung 6: Umsatzanteil der NOS-Artikel am Gesamtumsatz

Abbildung 7: Gliederung der NOS- Materialbedarfsarten

Abbildung 8: Konstanter Bedarfsverlauf

Abbildung 9: Mengen- und Wertanteil in Prozent bei der ABC-Analyse

Abbildung 10: ABC-Analyse der Beschaffungsparameter

Abbildung 11: Klassifikation der NOS-Artikel in der ABC-/XYZ-Analyse

Abbildung 12: Prognoseverfahren der verbrauchsorientierten Bedarfsermittlung

Abbildung 13: NOS-Replenishment

Abbildung 14: Verfahren der verbrauchsgesteuerten Disposition

Abbildung 15: Prozessmodell der verbrauchsgesteuerten Disposition

Abbildung 16: Bestellpunktverfahren

Abbildung 17: Bestellrhythmus-Losgrößen-Verfahren

Abbildung 18: Bestellrhythmus-Lagerniveau-Verfahren

Abbildung 19: Optimale Bestellmenge

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Auszug aus der Textilwirtschaft Nr. 52 vom 29.12.2011

Anhang 2: Auszug aus der Textilwirtschaft Nr. 35 vom 28.08.1997

Anhang 3: NOS-Beispiel - Vom Primärbedarf zum Nettobedarf

Anhang 4: NOS-Beispiel - Berechnung der Prognoseverfahren

Anhang 5: NOS-Beispiel - Berechnung der Standardabweichung

Anhang 6: NOS-Beispiel - Berechnung des Bestellpunktes

Anhang 7: NOS-Beispiel - Berechnung der Bestellpunktmenge

Anhang 8: NOS-Beispiel - Klassische Losgrößenberechnung

Anhang 9: Kennzahlen-Kontrolle der NOS-Disposition

1 Notwendigkeit einer zielgerichteten NOS-Disposition

In Zeiten schrumpfender Limits in der Orderplanung1 wird es für die Textileinzelhändler zunehmend schwieriger sich für ein hohes Ordervolumen im Bereich der Never-Out-of- Stock(NOS)-Artikel durchzudringen. Der Kunde stellt den Textileinzelhandel vor immer größer werdende Herausforderungen. Seine Ansprüche zielen auf ein aufregendes und strukturiertes Sortiment sowie eine schnell drehende Fläche ab. Zu diesem Sortiment zählt nicht unbedingt der NOS-Artikel.2 Vor einigen Jahren existierte dieser Kundenanspruch in diesem ausgeprägten Maße noch nicht.

Die Jeans- und Wäschefirmen waren die Vorreiter für die Damenoberbekleidung (DOB) und Herren- und Knabenkleidung (HAKA) in Textilunternehmen, wie C&A und Peek&Cloppenburg, im Bezug auf die Bewirtschaftung und Unterhaltung von NOS- Artikeln im Sortiment. Später kamen die kleinen Textil-einzelhändler sowie die großen Textilunternehmen mit Corner- und Shop-Systemen, wie Brax und Mexx, hinzu. Weiterhin prophezeite im Jahr 1997 das Textilunternehmen März, dass, noch sehr viel mehr Platz für NOS-Anbieter sein wird. 3 Im gleichen Jahr äußerte sich der Geschäftsführer von Engelhorn&Sturm, Peter Pohl, über die hohe Wichtigkeit von NOS-Artikeln im Textileinzelhandel. Die Textilwirtschaft zitierte Peter Pohl wie folgt: „Der Verbraucher verzeiht uns heute nicht mehr, wenn er absolute Standard-Artikel nicht vorfindet. Wenn es doch geschieht, steht bei der nächsten Einkaufsentscheidung sicherlich ein anderes Haus an erster Stelle.“4 Sein Ziel war es, dass die NOS-Artikel 20 % des Umsatzes ausmachen. Die Gründe waren die risikolose Ertragssicherheit, die zeitliche Orderentlastung und die lückenlose Präsenz der NOS-Artikel.5 Zwei Jahre später hat die Unternehmensberatung IM+C eine Untersuchung zu dem Thema „Bedeutung von NOS-Replenishmentsystemen im Fashionhandel“ durchgeführt. Dabei stellte sich aus heraus, dass 38 % der Kunden mehr als drei Teile modisch-neutraler Basics im Jahr 1998 gekauft haben. Des Weiteren haben 92 % der Basic-Käufer geäußert, dass eine „lückenlose Basic-Verfügbarkeit in ihrer Größe eine wichtige Voraussetzung für die Auswahl „ihres Ladens“ sei.“6 Diese Studie bestätigte Peter Pohl in seinen Aussagen. Nur 13 Jahre später werden die von Engelhorn&Sturm und März getätigten Aussagen durch Textileinzelhändler wie Appelrath&Cüpper, Niebel und Hagemeyer widerrufen. Die Textilwirtschaft zitierte Hagemeyer wir folgt: „NOS muss sich seinen Platz auf der Fläche verdienen.“7 Weiterhin plädiert der Textileinzelhändler Hagemeyer, dass sich NOS-Artikel verschlanken sollen, um rentabel zu sein. Sie würden zukünftig auf City-Hemden und Anzüge im NOS-Bereich setzen. Der Textileinzelhändler Niebel betonte, dass es zu einer Verringerung der NOS- Anteiligkeiten aufgrund der modischen Artikelsparte kommen wird. Seine Aussage, die in der Textilwirtschaft kundgetan wurde, lautet: „Ich brauch nicht einen Style über vier verschiedene Qualitäten oder Bestseller-Artikel, die mehrfach hintereinander neu aufgelegt werden.“8 9

Der knapp zwanzigjährige historische Ausschnitt aus der NOS-Entwicklung im Textileinzelhandel zeigt, dass die Kunden des 21. Jahrhunderts durch die steigende Auswahl an Textileinzelhändlern und die Forderung nach „innovativen Anbietern und jungen Konzepten“10 einen großen Einfluss auf die Orderplanung der Textileinzelhändler haben. Die Textileinzelhändler wollen wettbewerbsfähig bleiben und leisten den Wunsch des Kunden Folge. Dadurch rücken jahrzehntelange konstante Umsatzbringer wie NOS- Artikel in den Hintergrund. Dennoch ist das Führen von NOS-Artikel im Sortiment Pflicht, um die Nachfrage der älteren Generation, die mit großflächigen NOS-Artikeln aufgewachsen ist, zu bedienen und, um Neukunden zu gewinnen. Aufgrund der Entwicklung muss die NOS-Disposition noch zielgerichteter und präziser geplant werden.

Im ersten Teil wird in Form einer historischen Entwicklung umrissen, was die Problemstellung und das Ziel dieser Seminararbeit ist. Anschließend werden im zweiten Teil die theoretischen Grundlagen gegeben. Ebenso findet eine Analyse des Ziels und der Aufgaben sowie der Bedeutung der NOS-Disposition statt, bevor im dritten Teil der NOS- Dispositionsvorgang beschrieben und erklärt wird. Zum Abschluss der Arbeit wird ein Fazit über den Einsatz von NOS-Disposition gezogen.

2 Theoretische Grundlagen der NOS-Disposition

2.1 Grundbegriffe

Beginnend mit der Erläuterung von Grundbegriffen wird der Grundstein für das Verständnis der NOS-Disposition gelegt. Zu diesen Grundbegriffen gehören: der NOS- Artikel und seine Varianten, die im Zusammenhang mit den Trend-, Mode- und Saison- Artikeln erklärt werden, um eine genaue Abgrenzung zwischen den Artikeln im Sortiment eines Textileinzelhändlers vorzunehmen. Danach folgen Definitionen zu dem Grundbegriff Disposition.

Die Never-Out-of-Stock-Artikel (NOS-Artikel) sind Artikel, deren Bestand niemals Null sein darf.11 Sie werden auch als Basis-, Dauer-, Standard- oder Stammartikel bezeichnet.12

Diese Artikel zeichnen sich durch einen „ ... geringen Innovationsgrad und einen vergleichsweise langen Produktlebenszyklus (siehe Abbildung 1) aus.“13 Die NOS-Artikel besitzen warenwirtschaftliche Systeme, die einen Depot- oder Replenishment-Charakter haben. Der Depot-/Replenishment-Charakter bedeutet, dass jede Saison eine Grundbe- stückung der NOS-Artikel erstellt und nach jedem Abverkauf automatisch nachbestellt wird.14 Diese Artikel sind über einen längeren Zeitraum fester Bestandteil des Sortiments. Der Unterschied von NOS-Artikeln zu modischen Artikel ist der längere Abverkaufs- zeitraum.15 Es werden drei NOS-Varianten unterschieden.16

(a) Die Standard-NOS-Artikel sind das ganze Jahr Teil des Sortiments eines Textileinzelhändlers. Sie werden über ein oder mehrere Saisons in der gleichen Art angeboten.17 Folglich werden dem Kunden Wiederkäufe ermöglicht.18 Weiterhin steht die Standard-NOS dem Einzelhändler jederzeit zur Nachorder zur Verfügung. 19 „Auf Lieferantenseite besteht für diese Artikel eine dauerhafte Bevorratung, eine Lieferzeit- garantie sowie eine ständige Lieferbereitschaft.“20 Sie sind somit „ ... kurzfristig vom Lager lieferbar.“21 Ein Beispiel für einen Standard-NOS-Artikel sind weiße City-Hemden. Die Standard-NOS bilden den Ausgangspunkt der zu beschreibenden NOS-Disposition.
(b) Die Saison-NOS-Artikel sind innerhalb einer Saison erhältlich.22 Sie werden „ ... vom Kunden zu bestimmten Saisonabschnitten im Sortiment und in voller Größenver- fügbarkeit erwartet“23 und kontinuierlich, auch nach Jahren, nachgefragt.24 Jedoch haben sie eine befristete Laufzeit.25 „Während der Saison besteht auch für diese NOS-Produkte eine Lieferzeitgarantie und eine ständige Lieferbereitschaft von Seiten der Lieferanten.“26 Ein Flanell-Schlafanzug ist ein Saison-NOS-Artikel für die Wintersaison.
(c) Die dritte Variante der NOS-Artikel ist der einmalige Nachversorgungsartikel. Diese Artikel werden einmalig vom Lieferanten an das Logistikcenter geliefert. Zunächst erhalten die Filialen eine Grundbestückung und werden anschließend solange nach- versorgt, bis der Lagerbestand des NOS-Artikels vollständig verteilt wurde. Folglich liegt für diesen Artikel keine Nachversorgung seitens des Lieferanten vor. Die Dauer des Programms ist von den Abverkaufszahlen abhängig.27

Um die Varianten des NOS-Artikels genauestens von den anderen Artikeln eines Textil- sortimentes abzugrenzen, findet eine Erläuterung der drei weiteren Artikelarten neben dem NOS-Artikel statt (siehe Abbildung 1).

Die Saison-Artikel sind moderne Ergänzungen28 zu den NOS-Artikeln. Im Gegensatz zu den NOS-Artikeln unterliegt der Verlauf der Nachfrage erheblichen Schwankungen und richtet sich nach unterschiedlich verursachten Zyklen. Einen großen Einfluss auf die Abverkaufszahlen der Saison-Artikel in der Textilbranche haben die Witterungseinflüsse und die Jahreszeiten (siehe Abbildung 2).29 Es gibt ebenfalls zwei Varianten von den Saison-Artikeln.

Abbildung 1: Lebenszyklen der Artikeltypen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 160.

(a) Die einmaligen Saisonartikel sind meist in der Textilbranche anzutreffen, da dort der Beschaffungs- und Distributionsprozess pro Saison geplant wird.30 Sie werden auch als Trendartikel bezeichnet und sind im hochmodischen Bereich angesiedelt. Diese Artikel sind oft nur in einer Saison für wenige Wochen oder Monate erhältlich.31 Meist sind sie „ ... plötzlich aus den Regalen ausgelistet wie sie dort mit Einsetzen des Trends aufgetaucht sind.“32 Die Trendartikel haben einen sehr kurzen Produktlebenszyklus und können in der Regel nicht wiederbeschafft werden, da sie in einmaliger Auflage produziert werden.33 Des Weiteren sind sie „ ... mit einem hohen Risiko verbunden, da die Ware einerseits zu Beginn der Trends verfügbar und andererseits nach dem Verschwinden der Trends abverkauft sein muss.“ 34 Ansonsten muss der Textileinzelhandel hohe Preisabschriften hinnehmen.35 Beispielhaft für einen Trendartikel ist eine sehr ausgefallene Hose.
(b) Die zyklischen Saisonartikel sind nur in bestimmten Zeitfenstern eines Jahres erhältlich.36 Diese Artikel werden als Modeartikel bezeichnet. Sie orientieren sich an kurz- bis mittelfristigen Trends und werden teilweise über einen längeren Zeitraum als eine Saison nachgefragt. In der Regel bezieht sich die Innovation auf die Variation der Farben, Stoffen und Schnittformen. Diese Artikel sind ebenfalls im modischen Bereich eines Textilunternehmens angesiedelt.37 Wenngleich das Absatzrisiko für den Textileinzelhandel „ ... geringer als bei den Trendartikeln ist, hat der Einkauf die Aufgabe, die Aktualität der Mode-Sortimente kontinuierlich zu prüfen und gegebenfalls die Beschaffungsmaßnahmen anzupassen.“38 Ein Beispiel für einen Modeartikel ist der Zwei-Reiher-Anzug.

Abbildung 2: Verlauf der Winter- und Sommersaison

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an das Verkaufsskript der Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf

Um die NOS-Disposition genauestens zu verstehen, muss der Begriff Disposition erläutert und eingegrenzt werden.

Im weiteren Sinne ist die Disposition eine Stelle im Unternehmen (siehe Abbildung 3), die für die kurzfristige Planung und Steuerung eines definierten Aufgabenbereiches verantwortlich ist.39

Abbildung 3: Kernprozesse und Hauptfunktionen des Textileinzelhandels

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Crone (Neuronale Netze, 2008), S. 12.

Um den Begriff der Disposition genauer zu verstehen wird eine weitere Begriffserklärung hinzugezogen. Die Disposition ist mit den Worten „ ... sinnvolles Verfügen ... “40 gleichzu- setzen.41

Im engeren Sinne „ ... wird der Begriff Disposition synonym mit der operativen Bedarfs- ermittlung und Bedarfsdeckung von Materialien im Sinne der Materialdisposition verwendet.“42 Die Materialdisposition umfasst drei verschiedene Dispositionsverfahren (siehe Abbildung 4).43

Abbildung 4: Dispositionsverfahren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Illiev (Flexibilität in Rahmenverträgen, 2007), S. 35.

Die Materialdisposition „ ... umfasst dementsprechend alle Tätigkeiten, die zur termin- gerechten und wirtschaftlichen Beschaffung und Bereitstellung der Materialien durch eine zielgerichtete Bestimmung von Bedarfsmenge und Bedarfszeitpunkt sowie von Bestell- menge und Bestellzeitpunkt erforderlich sind.“44 Sie ist notwendig um den Verbraucher mit den erforderlichen Gütern zu versorgen (siehe Abbildung 5).45

Diese Art der Disposition wird in den Bereich der operativen Beschaffung eingeordnet.46 Die operative Beschaffung hat die Aufgabe „ ... das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge und Qualität bereitzustellen.“47 Zusammenfassend stellt die Disposition den Bedarf der Kunden in einer bestimmten Menge zu einem Termin zur Verfügung.

Abbildung 5: Dispositionsaufgaben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Crone (Neuronale Netze, 2008), S. 20.

2.2 Ziele und Aufgabe der NOS-Disposition

Die Ziele der NOS-Disposition sind einerseits die Gewährleistung einer bestmöglichen Lieferbereitschaft und andererseits die Niedrighaltung der Kosten sowie der Kapitalbindung. Folglich nimmt der Aufgabenbereich Disposition bei der Erfolgs- und Liquiditätsbeeinflussung eine Schlüsselposition ein (siehe Abbildung 6).

Abbildung 6: Umsatzanteil der NOS-Artikel am Gesamtumsatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Müller (Textilwirtschaft Nr. 29, 2007), S. 34., & Heike Baier (Die Basic-Maschine, Textilwirtschaft Nr. 35, 1997), S. 92.

Die Aufgabe der NOS-Disponenten ist es, die Ziele der Beschaffungs- und Vorratspolitik entsprechend anzupassen, um Zielkonflikte zu vermeiden. 48 Zu den weiteren dispositiven Aufgaben zählen „ ... die Materialversorgung mit Entscheidungen über Beschaffung und Verwendung der Materialien nach Art, Menge und Zeitpunkt ... “49, die Untersuchung der relevanten Marktsegmente, die Bündelung verschiedener Bedarfsquellen, die Koordination der Bevorratung und der Materiallogistik, die Analyse und Gestaltung der Versorgungsprozesse und Schnittstellen und die Optimierung von Informations- management und Kommunikation.50 Weiterhin schließt die NOS-Disposition die Bedarfs-, Bestands- und Bestellrechnung sowie die Bestellvorgänge wie Abrufbestellungen ein. Im Unterschied zu den Saisonartikel hat die NOS-Disposition das Ziel keinen Totalabverkauf der NOS-Artikel, die als C-Artikel in Kapitel 3.2.2 benannt werden, zu erreichen, sondern ein Lager für die folgenden Monate zu schaffen.51 Insgesamt eine „ ... systematische Kostensenkung und Prozessvereinfachung im C-Artikel-Management ... “, um dadurch die Konzentration auf A- und B-Artikel zu verstärken.52

2.3 Bedeutung der NOS-Disposition für das Unternehmen

Die NOS-Ware setzt eine hohe Lieferbereitschaft bzw. stetige Warenverfügbarkeit beim Kunden voraus. Aus diesem Grund existiert eine Vorratshaltung beim Lieferanten. Durch die Vorratshaltung hat die NOS-Disposition einen hohen Einfluss auf die Liquidität und Rentabilität des Textileinzelhandels. Die NOS-Disposition bestimmt die Bestelltermine, - mengen und -häufigkeiten der NOS-Ware. Folglich nimmt sie einen hohen Einfluss auf die Höhe der Lagerbestände und den daraus resultierenden Kosten.53 Um diese Faktoren in ein optimales Kosten-Leistungsverhältnis zu setzen, folgt die Beschreibung des NOS- Dispositionsvorganges.

3 NOS-Dispositionsvorgang

3.1 NOS-Materialbedarfsplanung

3.1.1 Materialbedarfsarten

Der Materialbedarf bildet die Menge an Materialien, die zu einem bestimmten Termin und für eine bestimmte Periode benötigt werden.54 Ebenso ist sie die Basis aller Aktivitäten im Rahmen der Materialwirtschaft. Die NOS-Disposition ist Teil der Materialwirtschaft.55 „Der Bedarf wird ermittelt, um das Fertigungsprogramm, das auf ... wahrscheinlichem Absatz von ... Erzeugnissen basiert, mengen- und termingerecht zu erfüllen.“ 56 Dementsprechend wird der Bedarf der NOS-Artikel ermittelt, um zeit- und mengenmäßig zu verteilen. Die Arten des NOS-Materialbedarfs unterscheiden sich in zwei Kategorien (siehe Abbildung 7).

Entscheidend für die NOS-Disposition im Textileinzelhandel ist , innerhalb der Einteilung nach dem Ursprung und der Erzeugnisebene, der Primärbedarf. Der Primärbedarf ist der Bedarf an NOS-Waren. 57 Dieser Bedarf benötigt eine Vorhersage, da ein starker Wettbewerb auf dem Textilmarkt herrscht und dadurch immer kürzere Lieferzeiten gefordert werden. Dementsprechend muss der Bedarf genau geplant werden, um niedrige Sicherheitsbestände zu halten.58 Der ermittelte Primärbedarf bildet die Grundlage der NOS-Disposition. Er wird mithilfe von statistischen Methoden, die auf vorhergesagten und geschätzten Verkaufsdaten der NOS-Artikel aufbauen, berechnet.59

Abbildung 7: Gliederung der NOS-Materialbedarfsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Vgl. Grochla u.a. (1984), S. 64.

Der Zusatzbedarf zählt indirekt zur Einteilung nach dem Ursprung und der Erzeugnisebene. Dieser Bedarf wirkt Ungenauigkeiten in der NOS-Disposition sowie Schwund und Ausschuss entgegen.60

Des Weiteren erfolgt die Einteilung der Bedarfe unter Berücksichtigung der Lagerbestände. Der Bruttobedarf ist der Gesamtbedarf, der die benötigte Menge an NOS- Artikeln für eine Saison umfasst.61 Dagegen ermittelt der Nettobedarf, der als Größe für die Bestellung entscheidend ist62, ob der Bruttobedarf bereits durch die vorhandenen NOS- Lagerbestände abgedeckt wird. Diese Berechnung wird Materialbedarfsrechnung genannt (siehe Anhang 3).63 Im Großen und Ganzen benötigen neu aufgenommene NOS-Artikel, eine erste, grobe Planung. Der Planungsinhalt ist die Erstausstattung in Stück.64

3.1.2 Materialbedarfsrechnung

Die Materialbedarfsrechnung berechnet den Primärbedarf. Sie ist die erste Stufe der Disposition. Die Bedarfsrechnung kann „ ... nur in fest vorgegebenen Zeitintervallen durchgeführt ... “65 werden. In der Regel sind es sechs Monate Vorlaufzeit je Saison in der Textilbranche.66 Innerhalb der Materialbedarfsrechnung finden die Bruttobedarfsrechnung und die Nettobedarfsrechnung statt. Zunächst wird der Bruttobedarf und danach der Nettobedarf bzw. Bestellbedarf festgestellt.

Nettobedarfsermittlung: 67 68

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Bruttobedarfsermittlung beinhaltet die Festlegung der Bedarfsmengen, die verbrauchs- gesteuert disponiert werden.69

3.2 Vebrauchsorientierte NOS-Bedarfsermittlung

3.2.1 Grundlagen

Bei der verbrauchsorientierten NOS-Bedarfsermittlung ist die „Voraussetzung für die Erreichung der Ziele Versorgungssicherheit und -wirtschaftlichkeit, nämlich die Bereitstellung der richtigen Güter und Dienstleistungen in der richtigen Art und Menge, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.“70 Es wird ein qualitativer sowie quantitativer Aspekt innerhalb der NOS-Bedarfsermittlung behandelt, d.h. der qualitative Aspekt „ ... legt fest, welche Materialien in welcher Qualität ... beschafft werden“ 71 und der quantitative Aspekt „bezieht sich auf eine bestimmte Verbrauchsperiode.“ 72 Die Verbrauchsperiode entspricht im Textileinzelhandel der Saison. Bei den NOS-Artikeln wird die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung als Methode angewendet. Die NOS-Ware weist als Voraussetzung für diese Methode einen konstanten Bedarfsverlauf auf (siehe Abbildung 8).

Abbildung 8: Konstanter Bedarfsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mathar u. Scheuring (Unternehmenslogistik, 2012), S. 39.

Diese Methode der Bedarfsermittlung ermittelt den zukünftigen Materialbedarf für die NOS-Artikel. Sie legt fest, wie viel NOS-Artikel benötigt werden, um den Umsatz des NOS-Sortimentes aufrechtzuerhalten.73 Die Anforderungen, die an diese Methode gestellt werden, sind der geforderte Genauigkeitsgrad sowie die hohe Bedarfstransparenz. Die Erkennung des NOS-Bedarfs bildet die Voraussetzung für eine angemessene Materialbereitstellung entsprechend des NOS-Verbrauchsablaufs.74 Die Basis bilden die Verbrauchsentwicklungen der Vergangen-heit - ca. drei bis fünf Jahre75 - , die auch die Grundlage für die Ermittlung des Bedarfs in der Zukunft sind. Zunächst erfolgt die ABC- und XYZ-Analyse als Ausgangspunkt für die verbrauchsorientierte Bedarfsermittlung. 76

[...]


1 Auszug aus der Textilwirtschaft Nr. 52 vom 29.12.2011 (s. Anhang 1).

2 Ebd.

3 Auszug aus der Textilwirtschaft Nr. 35 vom 28.08.1997 (s. Anhang 2).

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Kunkel (Planung und Controlling im Retail-Loop, 2004), S. 224.

7 Auszug aus der Textilwirtschaft Nr. 52 vom 29.12.2011 (s. Anhang 1).

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Vgl. Hochheimer (Das kleine QM-Lexikon, 2011), S. 184.

12 Vgl. Petri (Limit im Griff, 2013), S. 38.

13 Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 159.

14 Vgl. Baier (Textilwirtschaft, 28.08.1997), S. 92.

15 Vgl. Petri (Limit im Griff, 2013), S. 37 f.

16 Vgl. Jasper u. Klumpp (FOM-Arbeitspapier Nr. 6, 2007), S. 16.

17 Vgl. Loock (Kollektionsentwicklung in der Bekleidungsbranche, 2008), S. 90.

18 Ebd.

19 Vgl. Kaiser (Wettbewerbsvorteil Risikomanagement, 2007), S. 147.

20 Vgl. Klumpp u. Jasper (FOM-Arbeitspapier Nr. 6, 2007), S. 16.

21 Vgl. Loock (Kollektionsentwicklung in der Bekleidungsbranche, 2008), S. 90.

22 Ebd.

23 Diekmann (Flexibilitätsorientierte Strategien in der Textilwirtschaft, 1992), S.14.

24 Vgl. Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 159.

25 Vgl. Jasper u. Klumpp (FOM-Arbeitspapier Nr. 6, 2007), S. 16.

26 Jasper u. Klumpp (FOM-Arbeitspapier Nr. 6, 2007), S. 16.

27 Vgl. Jasper u. Klumpp (FOM-Arbeitspapier Nr. 6, 2007), S. 16.

28 Vgl. Loock (Kollektionsentwicklung in der Bekleidungsbranche, 2008), S. 90.

29 Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 159.

30 Vgl. Becker u. Schütte (Handelsinformationssysteme, 2004), S. 402.

31 Vgl. Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

32 Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

33 Vgl. Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

34 Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

35 Vgl.Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

36 Vgl. Becker u. Schütte (Handelsinformationssysteme, 2004), S. 402.

37 Vgl.Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

38 Berentzen (Handelsmarkenmanagement, 2009), S. 158.

39 Vgl. Klaus u.a. (Gabler Lexikon Logistik, 2012), S. 124.

40 Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 271.

41 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 271.

42 Crone (Neuronale Netze zur Prognose und Disposition im Handel, 2010), S. 10 , zit. nach Stickel 1997, S.199, u. Tempelmeier 2003, S. 2.

43 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 344.

44 Ebd. (nach Bichler und Lörsch 1985, S.13).

45 Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 271.

46 Vgl. Wannenwetsch (Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, 2010), S. 117.

47 Ebd.

48 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 272.

49 Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 272.

50 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 274.

51 Vgl. Petri (Limit im Griff, 2013), S. 45.

52 Vgl. Wannenwetsch (Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, 2010), S. 89 f.

53 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 274.

54 Ebd., S. 275.

55 Wannenwetsch (Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, 2010), S. 27.

56 Vgl. Wannenwetsch (Integrierte Materialwirtschaft und Logistik, 2010), S. 27.

57 Vgl. Schulte (Material- und Logistikmanagement, 2001), S. 114.

58 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 276.

59 Ebd., S. 277.

60 Vgl. Schulte (Material- und Logistikmanagement, 2001), S. 114.

61 Kummer (Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, 2009), S. 102.

62 Ebd.

63 Schulte (Material- und Logistikmanagement, 2001), S. 114.

64 Vgl. Kunkel (Planung und Controlling im Retail-Loop, 2004), S. 226.

65 Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 282.

66 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 282.

67 Vgl. Mertens (Integrierte Informationsverarbeitung, 2009), S. 135.

68 NOS-Beispiel - Vom Primärbedarf zum Nettobedarf (s. Anhang 3).

69 Vgl. Kurbel (Produktionsplanung und -steuerung, 2005), S.11.

70 Kummer (Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, 2009), S. 102.

71 Ebd.

72 Ebd.

73 Vgl. Schulte (Material- und Logistikmanagement, 2001), S. 113.

74 Vgl. Hartmann (Materialwirtschaft, 2002), S. 275.

75 Vgl. Mathar u. Scheuring (Unternehmenslogistik, 2012), S.89.

76 Ebd., S. 283.

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Disposition von NOS-Artikeln im Textileinzelhandel
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
62
Katalognummer
V505663
ISBN (eBook)
9783346063588
Sprache
Deutsch
Schlagworte
disposition, nos-artikeln, textileinzelhandel
Arbeit zitieren
Friederike Berg (Autor), 2014, Disposition von NOS-Artikeln im Textileinzelhandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505663

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