Der Autor beantwortet zentrale Fragen für den Einsatz von Business Intelligence in der Gastronomie
Fahre ich heute mit dem Auto oder mit dem Fahrrad zur Arbeit? Welche Speisen nehme ich nächste Woche für meine Kunden auf die Mittagskarte? Investiere ich in die online-Kampagne oder lieber in Flyer?
Ständig werden von Menschen Entscheidungen getroffen. Oft kommt dabei die Intuition zum Einsatz, die trotz fehlender oder unvollständiger Informationslage durch den Einsatz von Heuristiken zu schnellen Ergebnissen kommt. Der Nachteil von Heuristiken ist die Fehleranfälligkeit, die zu schlechteren Entscheidungen führen kann.
Wie in allen Unternehmen, ist in der Gastronomie das Treffen von Entscheidungen von zentraler Bedeutung. Daher ist es erstrebenswert, den Einsatz von Heuristiken bei der Entscheidungsfindung möglichst zu reduzieren. Eine Möglichkeit dafür ist, zum Entscheidungszeitpunkt eine ausreichend große Menge handlungsrelevanter Informationen bereitzustellen. Der Weg dorthin lässt sich auch als Übergang vom Schätzen hin zu besseren Entscheidungen durch Wissen beschreiben.
Während in vielen Branchen dieser Wandel mit Hilfe von Business Intelligence bereits vollzogen wird, ist dies in der Gastronomie nicht zu beobachten. Mit dieser Arbeit soll dieser Wandel auch in der Gastronomie angestoßen werden. Gastronomen finden in dieser Arbeit eine praxisbezogene Grundlage, um die Basis ihrer eigenen Entscheidungen maßgeblich zu verbessern und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Ziel
1.3 Forschungsfragen
1.4 Erwartete Ergebnisse
1.5 Vorgehensweise
2. Grundlagen
2.1 Die Gastronomiebetriebe
2.1.1 Café
2.1.2 Tanzcafé / Club
2.2 Wissensmanagement
2.3 Business Intelligence
2.4 Reifegrad
2.5 Definition: BI-Tool
2.6 Dashboard
2.7 Prototyp
2.8 Einflussfaktor
2.9 Daten- und Informationsquelle
2.10 Datenqualität
3. Vorbereitung
3.1 Interview mit Geschäftsführung zur Ermittlung konkreter Fragen die durch BI beantwortet werden sollen
3.1.1 Forschungsansatz
3.1.2 Forschungsmethode
3.1.3 Grundregeln und Gütekriterien
3.1.4 Durch Interviews zu beantwortende Fragen
3.1.5 Leitfäden für die Interviews
3.1.5.1 Leitfaden zur Ermittlung der Einflussfaktoren des Gastronomiebetriebs
3.1.5.2 Leitfaden zur Ermittlung der Kriterien für das BI-Tool
3.1.5.3 Leitfaden zur Ermittlung der subjektiven Nützlichkeit
3.2 Auswahl eines geeigneten BI-Tools
3.2.1 Verfahren zur Auswahl
3.2.1.1 Auswahl des Verfahrens
3.2.1.2 Schritt 1: Auswahl der Alternativen
3.2.1.3 Schritt 2: Kriterien festlegen
3.2.1.4 Schritt 3: Kriterien gewichten
3.2.1.5 Schritt 4: Erfüllungsgrad ermitteln
3.2.1.6 Schritt 5: Nutzwerte berechnen
3.2.1.7 Schritt 6: Sensibilitätsanalyse
3.2.2 Risiken des Verfahrens
3.2.3 Anwendung des Verfahrens zur Auswahl
3.2.3.1 Kriterien festlegen
3.2.3.2 Auswahl der Alternativen
3.2.3.3 Kriterien gewichten
3.2.3.4 Erfüllungsgrad ermitteln
3.2.3.5 Nutzwerte berechnen
3.2.3.6 Sensibilitätsanalyse
3.3 Identifikation und Auswahl von Daten- und Informationsquellen
3.4 Ist-Analyse des Gastronomiebetriebs
3.4.1 Kriterien zur Ist-Analyse
3.4.2 Auswahl und Ausprägung der Kennzahlen
3.5 Vorgehen zur Erstellung des Prototyps
3.5.1 Agile Vorgehensweise
3.5.2 Anbindung der Datenquellen
3.5.3 Bereitstellung der Daten
4. Einrichtung und Inbetriebnahme des BI-Tools
4.1 Datenquellen anbinden, Bereinigen und Transformieren
4.1.1 Verwendete Technologien und Schnittstellen
4.1.1.1 Microsoft Power BI Konnektor
4.1.1.2 SharePoint Online
4.1.1.3 Microsoft PowerApps
4.1.1.4 JSON
4.1.1.5 REST Webservice
4.1.2 Einbindung Umsätze
4.1.3 Erfassung und Einbindung Kosten
4.1.4 Erfassung und Einbindung Anzahl Besucher
4.1.5 Einbindung Facebook-Daten
4.1.6 Einbindung Wetterdaten
4.1.7 Erfassung und Einbindung Mitarbeiterstimmung
4.2 Daten bereitstellen
4.2.1 Datenmodell
4.2.2 Visualisierung
5. Bewertung des Einsatzes
5.1 Ist-Analyse des Gastronomiebetriebs
5.2 Interview mit Geschäftsführung bzgl. deren persönlichen Bewertung des Einsatzes
5.3 Bewertung der Wirksamkeit des Einsatzes
6. Reflexion und Einschränkungen
6.1 Reflexion
6.1.1 Suche nach einem Gastronomiebetrieb
6.1.2 Kooperation mit Gastronomiebetrieben und Vorgehensweise
6.1.3 Objektive Bewertung des Einsatzes durch Kennzahlen
6.2 Einschränkungen
6.2.1 Auswahl des BI-Tools
6.2.2 Interview
6.2.3 Einflussfaktoren
6.2.4 Stufe im Reifegrad
7. Fazit und Ausblick
7.1 Fazit
7.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie Business Intelligence (BI) in Gastronomiebetrieben eingesetzt werden kann, um Entscheidungsprozesse der Geschäftsführung durch die Bereitstellung fundierter Informationen zu verbessern. Hierzu wird ein BI-Prototyp entwickelt und in zwei Gastronomiebetrieben praktisch getestet, um anschließend dessen Wirksamkeit auf Basis objektiver Kennzahlen und subjektiver Einschätzungen zu evaluieren.
- Anforderungen von Gastronomiebetrieben an BI-Tools
- Methodik der Nutzwertanalyse zur Softwareauswahl
- Integration von Datenquellen (Umsatz, Kosten, Soziale Medien, Wetter, Personalstimmung)
- Entwicklung und agiler Einsatz eines BI-Prototyps
- Bewertung des Einflusses auf die Entscheidungsqualität
Auszug aus dem Buch
3.2.1.2 Schritt 1: Auswahl der Alternativen
Den ersten Schritt einer Nutzwertanalyse bildet die Auswahl zur Verfügung stehender Alternativen. Bei der Auswahl sollte sichergestellt werden, dass diese möglichst vollständig ist, also alle potentiellen Entscheidungsalternativen erfasst werden. Zusätzlich müssen sich die Alternativen miteinander vergleichen lassen. (vgl. Kühnapfel 2013, S. 88–89; Heinrich et al. 2014, S. 418) Damit eine Nutzwertanalyse mit vertretbarem Aufwand durchgeführt werden kann, darf die Anzahl der Entscheidungsalternativen nicht zu groß sein. Dennoch kann es vorkommen, dass eine große Auswahl an Alternativen zur Verfügung steht. In einem solchen Fall kann mit Hilfe von Ausschlusskriterien zuvor eine Vorauswahl getroffen und die Anzahl der Alternativen reduziert werden. Ein solches Ausschlusskriterium kann beispielsweise die auf Basis schnell verfügbarer Informationen angenommene, geringe Aussicht sein, mit der eine Alternative ausgewählt wird. Am Ende dieses Schritts stehen die Entscheidungsalternativen fest, aus denen eine mithilfe der Nutzwertanalyse ausgewählt werden soll. (vgl. Hoffmeister 2008, S. 280; Biethahn et al. 2004, S. 369–370)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen bei unternehmerischen Entscheidungen und führt die Relevanz von Business Intelligence ein, wobei das Ziel der Untersuchung der Wirksamkeit in der Gastronomie formuliert wird.
2. Grundlagen: Es erfolgt die Vorstellung der untersuchten Gastronomiebetriebe sowie die Definition zentraler Fachbegriffe wie Wissensmanagement, Business Intelligence, Reifegradmodelle, Dashboards und Einflussfaktoren.
3. Vorbereitung: Dieses Kapitel erläutert den Forschungsansatz (qualitativ) und die Methodik (Experteninterviews) sowie die systematische Nutzwertanalyse zur Auswahl eines geeigneten BI-Tools für die Betriebe.
4. Einrichtung und Inbetriebnahme des BI-Tools: Hier wird die technische Umsetzung beschrieben, insbesondere die Anbindung verschiedener Datenquellen (Umsatz, Kosten, Facebook, Wetter, Personal) an Microsoft Power BI sowie deren Modellierung und Visualisierung.
5. Bewertung des Einsatzes: Die Bewertung erfolgt zweigeteilt durch eine objektive Kennzahlenanalyse vor und nach dem Einsatz sowie durch ein qualitatives Interview mit der Geschäftsführung zur subjektiven Erfolgsmessung.
6. Reflexion und Einschränkungen: Das Kapitel reflektiert den Prozess der Betriebe-Suche, die Herausforderungen bei der Datenerhebung und diskutiert kritisch methodische Limitationen, wie die Auswahl des Tools und die Abgrenzung der Einflussfaktoren.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt den Mehrwert der BI-Lösung aus Sicht der Betreiber und skizziert künftige Weiterentwicklungen des Systems.
Schlüsselwörter
Business Intelligence, Gastronomie, Nutzwertanalyse, Microsoft Power BI, Datenanalyse, Entscheidungsunterstützung, Kennzahlen, Datenqualität, Prototyping, agile Softwareentwicklung, Wissensmanagement, Performance-Messung, Gastronomiebetriebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Business Intelligence Software in kleinen Gastronomiebetrieben zur Optimierung von Entscheidungsprozessen durch bessere Datenverfügbarkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft betriebswirtschaftliches Controlling (Kennzahlen, Deckungsbeitrag) mit Informationstechnologie (BI-Software, Datenmodelle) und qualitativen Forschungsmethoden (Interviews).
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es zu beweisen, dass BI-Tools auch in der Gastronomie zu fundierteren Entscheidungen beitragen können, indem sie die Qualität der Unternehmenssteuerung messbar verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autor verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf Experteninterviews mit der Geschäftsführung und der praktischen Anwendung einer Nutzwertanalyse zur Softwareauswahl.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Vorbereitung der Datenerhebung, der Auswahl des BI-Tools (Microsoft Power BI), der agilen technischen Einrichtung sowie der nachfolgenden Auswertung von Kennzahlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Business Intelligence, Nutzwertanalyse, Gastronomie, Entscheidungsunterstützung, Kennzahlen und Datenmodellierung.
Warum wurde Microsoft Power BI als Tool gewählt?
In einer Nutzwertanalyse gegen Mitbewerber wie Tableau, SAP Analytics Cloud und Zoho Reports setzte sich Power BI als bestes Tool für die spezifischen Anforderungen der Betriebe durch.
Welche Herausforderungen traten bei der Datenerhebung auf?
Neben technischen Hürden (fehlende Schnittstellen zu Kassensystemen) erwies sich die Akquise von Betrieben als schwierig, da Vorbehalte bezüglich der Transparenz von Umsatzzahlen bestanden.
- Arbeit zitieren
- Jonas Tewolde (Autor:in), 2018, Business Intelligence (BI) in der Gastronomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505828