Diese Arbeit untersucht die Themen Rassismus und Rassenideologien in "Harry Potter". Rassistische Ansichten sind nämlich in der gesamten Reihe zu finden, indem dort zum Beispiel immer wieder eine Unterscheidung der Figuren anhand ihrer magischen Fähigkeiten beziehungsweise ihres Blutes getroffen wird. In "Der Stein der Weisen" wird bereits bei der ersten Begegnung zwischen Harry und Draco Malfoy die Ablehnung letzterer Figur gegenüber allen nichtreinblütigen Zauberern zum Ausdruck gebracht. In "Die Kammer des Schreckens" wird dieser Hass konkret auf Hermine übertragen, als diese aufgrund ihrer nichtmagischen Eltern als "dreckiges kleines Schlammblut" bezeichnet wird. Und in "Die Heiligtümer des Todes" ist mit der "Registrierungskommission für Muggelstämmige" gar eine Behörde eingebracht, die sich mit der Erfassung und Exklusion nichtreinblütiger Zauberer befasst.
Diese Arbeit soll sich mit ebendieser Absicht beschäftigen beziehungsweise deren genauere Struktur erläutern und versuchen, eine womöglich weitere Leserbotschaft zu offenbaren. Hierzu wird in erster Linie die Gestaltung der Rassenideologie des Dritten Reiches, sprich die Vorstellung des arischen Führermenschen, mit der Zeichnung des fiktiven Pendants, also der Präsentation des reinblütigen Zauberers, verglichen. Da Erläuterungen bezüglich des Rassismusbegriffes und -konzeptes, deren genereller Aufgriff im Dritten Reich sowie bedeutsame geschichtliche Aspekte für das Verständnis des gesamten Themas allerdings unumgänglich sind, werden diese vorgeschoben und den ersten Teil der Arbeit ausmachen. Für den zweiten Teil ist die eigentliche Analyse des Werkes vorgesehen, wobei der Aufgriff der rassenideologischen Elemente des Nationalsozialismus sowie dessen Geschichte ebenso Beachtung finden sollen wie weitere rassistische Ideologien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rassismus aus heutiger Sicht
3 Über Rassismus im Dritten Reich
4 Grundsätzlicher Rassismus bei Harry Potter
4.1 Figurenklassen und Rechte
4.2 Umgang mit magischen Wesen
5 Korrektur des Rassismusbegriffes?
5.1 Ethnozentrismus
5.2 Neo-Rassismus
6 Grundlagen und Folgen der Ideologien
6.1 Parteien- und Klassenbildung
6.1.1 Die Stellung des Zaubereiministeriums
6.2 Die Rolle des Blutes
7 Auserwählte Figuren im Blickpunkt
7.1 Albus Dumbledore
7.2 Rubeus Hagrid
8 Botschaft an den Leser?
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die rassistischen Elemente innerhalb der Harry-Potter-Reihe und setzt diese in Bezug zur Geschichte und Ideologie des Nationalsozialismus, um zu klären, wie Rowling diese als Leitthema nutzt und welche Botschaft dem Leser vermittelt wird.
- Rassismus und Rassenideologien in Harry Potter
- Parallelen zur Geschichte des Dritten Reiches
- Klassensysteme und die Bedeutung des Blutes
- Ethnozentrismus und Neo-Rassismus in der Zauberwelt
- Die Rolle zentraler Figuren wie Dumbledore und Hagrid
Auszug aus dem Buch
4.1 Figurenklassen und Rechte
Die Grenzziehung und Erschließung von Gruppen, wie sie insbesondere durch die Todesser betrieben wird, zugleich aber auch im Denken aller Zauberer ohne rassistische Gesinnung verankert ist, ruft ein Klassensystem samt der Vergabe von Rechten hervor: Zauberer treten in Harry Potter eindeutig als die führende Klasse auf, denn diese sprechen sich das Recht zu, einen Zauberstab zu tragen und von diesem Gebrauch zu machen. Muggel werden grundsätzlich von der Zaubererwelt ausgeschlossen und zugleich stark ins Lächerliche gezogen, was durchaus Komik erzeugen mag, allerdings auch eine Art Gesellschaftskritik erkennen lässt, wenn etwa der Konsumwillen der Dursleys und ihre mediale Abhängigkeit geschildert wird. Ferner trifft diese Charakterisierung nicht auf sämtliche Muggel zu. Die Mitglieder der Familie Dursley etwa werden grundsätzlich als komische Figuren gezeichnet und verkörpern überdies ein gewisses Feindbild beziehungsweise eine Art Unterdrückungssystem, gegen welches sich Harry zunächst kaum zu wehren weiß. Neben Szenen, die ein böswilliges Verhalten gegenüber Zauberer – hier in erster Linie gegenüber Harry – offenbaren, sind allerdings auch Szenen eingebracht, in denen sich nichtmagische Figuren freundlich gegenüber Zauberer verhalten. Die Familienkonstellation der Dursleys ist demnach durchaus als ein Mittel der Heldenbildung anzusehen, da die Unterdrückung Harrys bei dem Leser schnell Sympathie für ihn hervorrufen dürfte. Zwar mag sich diese Konstellation auflösen, als Harrys Cousin Dudley im letzten Band sein zuvor gehässiges Verhalten bereut und sich beide versöhnen, doch da dies erst kurz vor dem Ende der Erzählung geschieht, überwiegt eindeutig die negative Charakterisierung der Dursleys.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Rezeption von Harry Potter und Darlegung der These, dass rassistische Elemente und Bezüge zum Nationalsozialismus ein zentrales Leitthema des Werkes sind.
2 Rassismus aus heutiger Sicht: Theoretische Definition von Rassismus, insbesondere unter dem Aspekt biologisch begründeter Ideologien und deren gesellschaftlicher Wirkung.
3 Über Rassismus im Dritten Reich: Analyse der nationalsozialistischen Rassenideologie, ihrer Propagandamechanismen und der pseudowissenschaftlichen Herleitung der Überlegenheit des "Ariers".
4 Grundsätzlicher Rassismus bei Harry Potter: Untersuchung der diskriminierenden Strukturen in Harry Potter und der Kategorisierung von Figuren nach Blutstatus und magischen Fähigkeiten.
4.1 Figurenklassen und Rechte: Detaillierte Betrachtung, wie die Einteilung in Zauberer, Muggel und weitere Klassen rechtliche Konsequenzen und soziale Hierarchien nach sich zieht.
4.2 Umgang mit magischen Wesen: Analyse der Diskriminierung nichtmenschlicher magischer Wesen und deren Einordnung in die Hierarchie der Zaubererwelt.
5 Korrektur des Rassismusbegriffes?: Hinterfragung, ob es sich bei der Behandlung magischer Wesen tatsächlich um Rassismus handelt oder eher um Ethnozentrismus.
5.1 Ethnozentrismus: Erläuterung des Konzepts des Ethnozentrismus im Vergleich zum klassischen Rassismus.
5.2 Neo-Rassismus: Untersuchung, ob die Ideologie der Todesser als eine Form des Neo-Rassismus zu klassifizieren ist.
6 Grundlagen und Folgen der Ideologien: Analyse der ordnenden Funktion rassistischer Ideologien innerhalb der Erzählung und des Bürgerkriegs-Kontextes.
6.1 Parteien- und Klassenbildung: Untersuchung der sozialen Struktur und der Rolle des Widerstands gegen diskriminierende Klassensysteme.
6.1.1 Die Stellung des Zaubereiministeriums: Beleuchtung der Rolle staatlicher Institutionen bei der Etablierung oder Bekämpfung rassistischer Politikinstrumente.
6.2 Die Rolle des Blutes: Untersuchung der Bedeutung der Blutslinie als zentralem Machtmerkmal und Ideologiefaktor.
7 Auserwählte Figuren im Blickpunkt: Fallstudien zur individuellen Haltung ausgewählter Charaktere gegenüber den rassistischen Spannungsfeldern.
7.1 Albus Dumbledore: Analyse der Rolle Dumbledores als moralische Instanz und seiner eigenen Vergangenheit im Kontext ideologischer Konflikte.
7.2 Rubeus Hagrid: Untersuchung von Hagrid als Stereotyp und der Widersprüche in seinem Verhalten gegenüber verschiedenen magischen Gruppen.
8 Botschaft an den Leser?: Diskussion der Frage, ob J.K. Rowling eine spezifische Lehre oder moralische Botschaft mit der Thematisierung von Rassismus verfolgt.
9 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der Bedeutung des Rassismus-Leitthemas in der Harry-Potter-Reihe.
Schlüsselwörter
Harry Potter, Rassismus, Rassenideologie, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Blutstatus, Ethnozentrismus, Neo-Rassismus, Diskriminierung, Zaubereiministerium, Literaturanalyse, Sozialpädagogik, Ideologie, Macht, Vorurteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie rassistische Ideologien und Parallelen zum Nationalsozialismus in der Harry-Potter-Reihe von J.K. Rowling thematisiert werden und welche Auswirkungen diese auf die Welt der Zauberer haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition von Rassismus, die Rassenideologie des Dritten Reiches, die Kategorisierung von Figuren nach Blutstatus, die Rolle des Zaubereiministeriums sowie die Konzepte von Ethnozentrismus und Neo-Rassismus ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein schlüssiges Deutungsmuster für die rassistischen Elemente in Harry Potter zu erschließen, die Intention der Autorin zu hinterfragen und zu prüfen, ob das Werk als "problemorientierte Jugendliteratur" verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text der Harry-Potter-Reihe im Kontext von Rassismusforschung und historischer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Klassensystem der Zaubererwelt, die Diskriminierung von nichtmagischen Wesen, die Rolle ideologischer Symbole und Institutionen sowie das Verhalten spezifischer Charaktere wie Dumbledore und Hagrid.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rassismus, Rassenideologie, Nationalsozialismus, Blutstatus, Ethnozentrismus, Diskriminierung und Ideologiekritik.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Rassismus und Ethnozentrismus in Harry Potter?
Die Arbeit differenziert, dass die Diskriminierung magischer Wesen oft eher auf kultureller Überlegenheit (Ethnozentrismus) basiert, während die Ideologie der Todesser (Reinblüter) biologisch-rassistische Züge aufweist.
Welche Rolle spielen die "guten" Zauberer in der Rassismus-Debatte der Autorin?
Interessanterweise zeigt die Arbeit auf, dass auch "gute" Zauberer häufig unbewusst ethnozentrische oder diskriminierende Einstellungen gegenüber Muggeln oder magischen Wesen an den Tag legen, was die Komplexität und den Realitätsbezug der Darstellung unterstreicht.
Inwiefern wird Dumbledores Rolle kritisch hinterfragt?
Dumbledore wird nicht als perfekte Figur dargestellt; die Arbeit analysiert kritisch seine anfängliche Kooperation mit Grindelwald und die Tatsache, dass er trotz seiner heutigen Offenheit in der Vergangenheit selbst an ideologische Konzepte geglaubt hat.
Was ist das Fazit der Arbeit bezüglich Rowlings Botschaft?
Das Fazit betont, dass Rowling Rassismus zwar indirekt durch Figuren darstellt, aber durch die Darstellung des Machtstrebens und der Konsequenzen des Hasses letztlich vor der Radikalisierung und dem Verlust freier Entscheidungsfreiheit warnt.
- Arbeit zitieren
- Jan Lauer (Autor:in), 2016, Rassismus in Harry Potter. Wie in einer Zauberwelt das Dritte Reich zum Leben erwacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505868