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Gewaltloser Machtwechsel? Untersuchung über die Voraussetzungen für eine "friedliche Revolution" der DDR

Title: Gewaltloser Machtwechsel? Untersuchung über die Voraussetzungen für eine "friedliche Revolution" der DDR

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 34 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jan Lauer (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Die folgende Arbeit soll klären, ob der Umbruch denn tatsächlich als "Friedliche Revolution" beziehungsweise "Friedliche Wende" bezeichnet werden darf. Vor allem soll jedoch die Frage geklärt werden, weshalb dieser Umschwung zumindest ohne größeres Blutvergießen erfolgte und eben nicht in einer gewaltsam unterdrückten Revolte endete.

Ob die DDR als ein "Unrechtsstaat" oder als eine "Erziehungsdiktatur" zu bezeichnen ist, sorgt immer wieder für Diskussionen, doch angesichts eingeschränkter Wahlen und Ausreiseverweigerungen darf dem früheren Staat rein wissenschaftlich betrachtet durchaus der Status eines totalitären, offensichtlich auch diktatorischen, Systems zugesprochen werden.
Dass sich dieses System nach über 40 Jahren der Trennung doch noch mit dem westlichen, wirtschaftlich und ideologisch gegenläufig konzipierten, "Klassenfeind" vereinen konnte, fasziniert somit nach wie vor die Geschichtswissenschaft. Bestärkt wird dieses Interesse dadurch, dass Gewaltausübungen auf staatlicher Seite vor allem in den ersten Jahren der DDR-Geschichte die Regel darstellten und dennoch ein "… am Ende […] plötzlicher, friedlich revolutionärer, durch die Massenbewegung erzwungener Machtwechsel" erfolgte, zumal die Bevölkerung stets mit der Gefahr gewaltsamer Gegenmaßnahmen rechnen musste.

So mag dieser Wechsel zwar nicht ohne Auseinandersetzungen abgelaufen sein – schließlich wird das Jahr 1989 auch als das "dramatischste seit 1945" bezeichnet – doch Forscher scheinen sich offensichtlich einig zu sein, diesen Umbruch als eine "friedliche Revolution" bezeichnen zu können. Nebenbei: Ob die Bezeichnung "Wende", "Umbruch", "Revolution" oder sonstige Begrifflichkeiten der Umschreibung dieses Machtwechsels dienen sollten, wird hier nicht näher beleuchtet, da all diese Begriffe "... nicht nur unterschiedlich taugliche analytische Instrumente oder konzeptualisierte Sachurteile darstellen, sondern oftmals
zugleich politisch-moralische Werturteile enthalten".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition von Gewalt

3 Widerstandsbewegungen

3.1 Einbezug der Kirchen

3.2 Reaktionen auf staatlicher Seite

4 Die DDR-Führung

4.1 Spitze und Kader

4.2 Das Ministerium für Staatssicherheit

5 Beziehungen ins Ausland

5.1 Verhältnis zur Sowjetunion

5.2 Verhältnis zur BRD

6 Bedeutsame Protestaktionen

6.1 Das Jahr der Wende

6.1.1 Der 9. November im Detail

7 Die Rolle der Medien

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für den weitgehend gewaltlosen Verlauf der Friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989. Dabei wird analysiert, wie das Zusammenwirken von verschiedenen Widerstandsgruppen, kirchlichem Einfluss, außenpolitischen Faktoren und der Rolle der Medien den Druck auf das SED-Regime so erhöhten, dass dieses auf eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste verzichtete.

  • Analyse der verschiedenen Formen staatlicher Gewalt in der DDR
  • Untersuchung der Rolle und Vernetzung oppositioneller Widerstandsbewegungen
  • Die Funktion der Kirchen als geschützter Raum und "Ventil" für gesellschaftlichen Unmut
  • Der Einfluss außenpolitischer Beziehungen zur Sowjetunion und zur BRD auf den Gewaltverzicht des Regimes
  • Die Bedeutung der Medien und der Berichterstattung für die Mobilisierung und den Umsturz

Auszug aus dem Buch

3 Widerstandsbewegungen

Grundsätzlich darf der DDR eine sehr heterogene Widerstandsbewegung zugeschrieben werden. Diese stammte aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen, besaß ihre Wurzeln jedoch häufig in der katholischen, vor allem aber in der evangelischen Kirche, wo sie von deren Mitteln und den vermeintlich geschützten Räumen profitieren konnten. So gab es Anfang Juni 1989 ganze 160 Zusammenschlüsse, zu denen 35 Friedenskreise, 39 Ökologiegruppen und 39 Zweite- oder Dritte-Welt-Gruppen sowie zahlreiche kleinere Bewegungen zählten. Dabei versuchten sich viele Bewegungen offensichtlich an Oppositionen aus dem Ausland beziehungsweise aus den anliegenden Ostblockstaaten zu orientierten: Insbesondere die Bewegung Solidarność in Polen und die Gruppe Charta 77 in der Tschechoslowakei scheinen einen gewissen Vorbildcharakter gehabt zu haben. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Solidarność-Bewegung durch ihre Legalisierung im Jahre 1980 einen symbolischen sowie rechtlichen Erfolg feiern durfte, mochte einen großen Einfluss auf die zahlreichen Oppositionellen des DDR-Regimes gehabt haben. Dennoch konnte sich erst relativ spät eine einigermaßen übergreifende Opposition erschließen: Das 1989 gegründete Neue Forum stellte im Großen und Ganzen die einzige umfassendere Gegenbewegung dar.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Debatte um den Charakter der DDR und setzt das Ziel der Arbeit, die Gründe für den friedlichen Verlauf des Umbruchs von 1989 zu klären.

2 Definition von Gewalt: Dieses Kapitel definiert verschiedene Formen staatlicher und symbolischer Gewalt in der DDR und erörtert, warum der Staat trotz seiner repressiven Struktur auf exzessive Gewaltanwendung in der finalen Phase verzichtete.

3 Widerstandsbewegungen: Hier wird die heterogene Struktur der DDR-Opposition analysiert und der Mobilisierungseffekt sowie die Vernetzung der verschiedenen Gruppierungen untersucht.

3.1 Einbezug der Kirchen: Dieser Abschnitt beschreibt die zentrale Rolle der Kirchen als Versammlungsorte und "Ventil" für gesellschaftliche Kritik sowie deren zunehmende Konfrontation mit dem Staat.

3.2 Reaktionen auf staatlicher Seite: Das Kapitel behandelt die Ablehnung der DDR-Führung gegenüber der Opposition und die Strategie der Infiltrierung durch das Ministerium für Staatssicherheit.

4 Die DDR-Führung: Dieses Kapitel untersucht die Machtstrukturen in der DDR und die zunehmende Handlungsunfähigkeit sowie Resignation der Parteispitze angesichts der Proteste.

4.1 Spitze und Kader: Der Abschnitt fokussiert auf die Rolle von Erich Honecker und Erich Mielke sowie deren starre Haltung, die den Untergang des Regimes beschleunigte.

4.2 Das Ministerium für Staatssicherheit: Hier wird die Rolle des MfS als Informationsquelle analysiert, die zwar die Lage erkannte, aber innerhalb des erstarrten Systems nicht mehr wirksam intervenieren konnte.

5 Beziehungen ins Ausland: Dieses Kapitel betrachtet, wie außenpolitischer Druck die Entscheidungsspielräume des SED-Regimes einschränkte und zum Verzicht auf Gewalt beitrug.

5.1 Verhältnis zur Sowjetunion: Der Abschnitt erläutert die Abhängigkeit der DDR von Moskau und die Bedeutung der ausbleibenden militärischen Unterstützung durch die Sowjetunion im Herbst 1989.

5.2 Verhältnis zur BRD: Hier wird die ambivalente Beziehung zur BRD thematisiert, die einerseits durch wirtschaftliche Abhängigkeit und andererseits durch den Wunsch nach Annäherung gekennzeichnet war.

6 Bedeutsame Protestaktionen: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung und den Anstieg der Proteste bis hin zur Massenbewegung im Wendejahr 1989.

6.1 Das Jahr der Wende: Der Fokus liegt auf der Dynamik der Montagsdemonstrationen und der zunehmenden Unaufhaltsamkeit der Proteste.

6.1.1 Der 9. November im Detail: Dieser Unterpunkt analysiert die spezifischen Ereignisse des Mauerfalls und das Versagen der staatlichen Kommunikation.

7 Die Rolle der Medien: Das Kapitel untersucht den Einfluss von Medien und Berichterstattung auf die Öffentlichkeit, die Opposition und die internationale Wahrnehmung der Ereignisse.

8 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und relativiert den Begriff der "friedlichen Revolution" im Kontext eines langwierigen, komplexen historischen Prozesses.

Schlüsselwörter

DDR, Friedliche Revolution, Wende 1989, Widerstandsbewegung, SED-Regime, Opposition, Kirchen, Ministerium für Staatssicherheit, Gewaltverzicht, Sowjetunion, BRD, Massenproteste, Montagsdemonstrationen, Medienwirkung, Politische Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht, warum die politische Wende in der DDR im Jahr 1989 trotz eines repressiven Regimes und vorangegangener Gewalterfahrungen einen weitgehend friedlichen Verlauf nahm.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Rolle der Opposition, der kirchliche Einfluss, das Handeln der DDR-Führung, die Bedeutung außenpolitischer Beziehungen sowie der Einfluss der Medien auf den Umbruch.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die vielschichtigen Faktoren und Bedingungen zu identifizieren, die den "gewaltlosen" Machtwechsel ermöglicht haben, anstatt einer gewaltsamen Unterdrückung zu erliegen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Analyse verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen und Studien, um ein widerspruchsfreies Bild des Umbruchsprozesses zu rekonstruieren.

Welche zentralen Bereiche deckt der Hauptteil ab?

Der Hauptteil analysiert das Zusammenspiel von Widerstandsgruppen, staatlicher Repression, den außenpolitischen Abhängigkeiten der DDR sowie die Rolle, die Medien und die Kommunikation während der Wende spielten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Konzepte sind Friedliche Revolution, DDR-Führung, Widerstandsbewegungen, Gewaltverzicht und die außenpolitische Isolation der DDR zum Zeitpunkt der Wende.

Warum war die Rolle der Kirchen für den Umbruch so entscheidend?

Die Kirchen fungierten als weitgehend geschützte Räume für freie Meinungsäußerung und ermöglichten die Vernetzung verschiedener Oppositionsgruppen, was sie zu einem zentralen "Ventil" der Unzufriedenheit machte.

Inwiefern hat die "Abkehr" der Sowjetunion den Prozess beeinflusst?

Durch die ausbleibende Zusage militärischer Unterstützung seitens Moskaus verlor die DDR-Führung eine ihrer wichtigsten Machtstützen, was den Spielraum für eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste massiv einschränkte.

Wie wirkte sich die Berichterstattung der Medien auf das DDR-Regime aus?

Die ständige Präsenz westlicher Medien und die Berichterstattung über die DDR zwangen das Regime zu einer vorsichtigeren Taktik, da gewaltsame Reaktionen international sofort verurteilt worden wären und Hilfszahlungen hätten gefährden können.

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Details

Title
Gewaltloser Machtwechsel? Untersuchung über die Voraussetzungen für eine "friedliche Revolution" der DDR
College
University of Duisburg-Essen
Course
1989 in Europa Epochenbruch oder langfristiger Wandel?
Grade
2,0
Author
Jan Lauer (Author)
Publication Year
2016
Pages
34
Catalog Number
V505989
ISBN (eBook)
9783346062673
ISBN (Book)
9783346062680
Language
German
Tags
DDR Umsturz Revolution Friedlich Gewalt Gewaltlos
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Lauer (Author), 2016, Gewaltloser Machtwechsel? Untersuchung über die Voraussetzungen für eine "friedliche Revolution" der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505989
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