Ausweitung oder Mäßigung?

Untersuchung über Folter in Hexenprozessen unter besonderer Berücksichtigung auserwählter Richtlinien der Constitutio Criminalis Carolina und des Hexenhammers sowie der allgemeinen Folterproblematik der Frühen Neuzeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

31 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Quellen und deren Richtlinien

3 Allgemeines zur Folter in Hexenprozessen
3.1 Formen und Verläufe der Folterverhöre
3.2 Ausgänge der Folterverhöre

4 Problematische Aspekte und Praktiken der Gerichtsbarkeit
4.1 Rechtliche Aspekte
4.1.1 Möglichkeiten der Verteidigung
4.2 Praktische Verfahrensproblematiken

5 Auswertung der Quellenbefunde

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Hexenverfolgungen Mitteleuropas gelten mit 60.000 bis 80.000 Opfern, welche bisweilen übrigens nach wie vor keine Rehabilitierung erfahren haben,1 nach der systematischen Judenverfolgung des NS-Regimes2 als die größte Massenhinrichtung der Neueren Geschichte.3 Einen zentralen Bestandteil im Rahmen der Hexenverfolgungen stellten die Folterverhöre, welche im Nachhinein sogar als die „Seele der Hexenprozesse“ angesehen werden,4 dar: Bestanden „ausreichende“ Verdachtsmomente, wurde die Folter als ein völlig legitimes Mittel erachtet, um sowohl zum Schutze des Angeklagten als auch dem seiner Mitmenschen wichtige Informationen und nicht zuletzt ein Geständnis, zwecks Hinrichtungslegitimation, zu erhalten.5

Dieser Status führte vielerorts zu einem solch harten Vorgehen gegen verdächtige Personen, dass bereits die Folter an sich einer Hinrichtung glich.6 Insbesondere dieser Umstand hatte die Verfassung des quasi ersten Strafgerichtsgesetzbuches zur Folge: Im Jahre 1532 trat die Constitutio CriminaliCs arolina(CCC) in Kraft und sollte ab dato weite Teile des Gerichtswesens des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen vereinheitlichen sowie den Einsatz der Folter durch verschiedene Vorgaben beschränken.7 Inwieweit dieses Ziel erreicht wurde und wie die Vorgaben hierzu ganz konkret aussahen, soll einen der Untersuchungspunkte der folgenden Arbeit darstellen. Fernab wird noch eine zweite Quelle, der sogenannte Hexenhammer, eingebunden. Hierbei handelt es sich um eines der ersten Regel- beziehungsweise Ratgeberwerke bezüglich der Hexenverfolgung und sollte allen Gegnern der Hexerei das nötige „Wissen“ über das Zaubereiwesen zukommen lassen, um eine erfolgreiche Bekämpfung der gesamten Hexerei zu erreichen. Die Frage nach der Anwendung und Legitimation von Folter ist auch in diesem Werk von zentraler Bedeutung, verfolgt jedoch das absolut entgegengesetzte Ziel, sprich die Ausweitung und eben nicht die Eindämmung ebendieser, welche dem Grundtenor des Hexenhammers zufolge kompromisslos und ohne Gnade durchzuführen sei.8 Folglich erscheint die Untersuchung dieses Schriftwerks, unabhängig von der problematischen Beziehung beziehungsweise vermeintlichen Kooperation der Autoren,9 ebenfalls als vielversprechend, um die zwei hauptsächlichen Fragestellungen dieser Arbeit zu beantworten: Inwieweit und mit welchen Mitteln wurden Folterverhöre im Rahmen von Hexenprozessen der Frühen Neuzeit eingedämmt beziehungsweise ausgeweitet, und wie wurden Richtlinien, die sich auf die Durchführung von Folterverhören bezogen, geachtet beziehungsweise missachtet?

Als konkrete Untersuchungspunkte aus den Quellenbefunden sollen für letztere Frage ausschließlich die vierzehnte und fünfzehnte Frage des Hexenhammers sowie einige auserwählte Artikel der CCC dienen – weitere Richtlinien10 werden bewusst außer Acht gelassen.11 Da beiderlei Untersuchungsansätze allerdings unverkennbar Kenntnisse über das Gerichtswesen und über die Möglichkeiten der Folter dieser Zeit erfordern, sollen selbstverständlich noch weitere Aspekte beziehungsweise Wissensstände in die Arbeit einfließen.

Da mittlerweile deutlich herausgestellt wurde, dass die Hexenverfolgung keineswegs als ein Phänomen des „tiefen Mittelalters“ anzusehen, sondern vielmehr in den Zeitraum zwischen 1430 – 1780 einzuordnen ist,12 sollen sich die folgenden Untersuchungen auch ausschließlich auf ebendiesen Abschnitt beziehen und dabei die Jahre vor dem Erscheinen der CCC beziehungsweise des Hexenhammers nicht berücksichtigen, da an dieser Stelle eben kein zeitlicher Vergleich, sondern ein allgemeiner Nachweis über Ausweitung und Eindämmung der Tortur im Rahmen von Hexenprozessen angestrebt ist. Regional gesehen soll das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nationen betrachtet werden, um einen möglichst umfangreichen Erkenntnisgewinn zu gewährleisten.13

Im Voraus sei noch darauf hingewiesen, dass trotz des weitaus größeren Anteils von Frauen als Opfer in Hexenprozessen14 in Anlehnung an Gerichtstexten und Artikelbestimmungen durchweg von „dem Angeklagten“ die Rede sein wird, die Rolle des Geschlechts also zunächst keine Rolle spielt. Ähnlich soll mit Begrifflichkeiten wie „Geständnis“ vorgegangen werden. Schließlich gab es „… keine Hexen, sondern Menschen wurden [erst] durch Folter zu Hexen gemacht“,15 weshalb auch mit dem Begriff „Geständnis“ sorgsam umzugehen und hier vielmehr als „Angabe“ zu verstehen ist.

Da in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse in dem Bereich der Hexenforschung erschlossen werden konnten,16 ist hierbei eine sehr genaue und widerspruchsfreie Untersuchung geboten. Unterstützende Lektüre halten etwa mehrere Bände aus der Reihe Hexenforschung des Verlags für Regionalgeschichte bereit, doch auch Einzelpublikationen können in der Nachzeichnung der Hexenverfolgung zentrale Aufschlüsse liefern. In dem Sammelband IncubSiuccubi , herausgegeben von Daniele Wagener, beispielsweise werden weitreichende Kenntnisse aus den verschiedensten Bereichen vermittelt und der weitgehend bekannte Forscher Wolfgang Behringer liefert gleich mit drei Arbeiten beziehungsweise Kooperationen ebenfalls hilfreiches Expertenwissen. Der Großteil der hier genutzten Werke ist übrigens in dem letzten Jahrzehnt verfasst worden – lediglich mit MetamorphosendeFr rau aus dem Jahre 1984 kommt eine ältere Publikation zum Einsatz.

2 Die Quellen und deren Richtlinien

Die erste hier angeführte Quelle, die CCC, welche auch al P s einlicheHalsge richtsordnungKaiser KarlsV. veröffentlich wurde, enthob die Hexereidelikte von ihrem Status als crimenexceptum , unterstellte sie der allgemeinen Strafverfolgung (processuos rdinarius ) und sollte die Anwendung von Folter lediglich unter bestimmten Vorgaben ermöglichen.17

Zu diesen Vorgaben gehörte bereits die Unterscheidung, wie ein Angeklagter überhaupt vor Gericht gebracht werden konnte: Ging die Anklage von einem Privatkläger aus, musste dieser Sicherheiten erbringen, oder aber sich selbst der gegenhafftung hingeben.18 Das entsprechende Äquivalent bildete die „Denunziation“, bei der ein bereits der Hexerei bezichtigter Angeklagter im Rahmen seines Geständnisses weitere angebliche Mittäter benannte und diese infolgedessen ebenfalls angeklagt wurden.19

Bevor der Angeklagte mit der peinlichenfrag[…]angegriffen werden durfte, sah die CCC vor, dass dieser zunächst unbedingt mit den Anklagepunkten zu konfrontieren sei.20 Hier hob die CCC deutlich hervor, dass der Beschuldigte sich auf dem Rechtsweg, sprich durch einen Verteidiger, wehren dürfe.21 Diesem beziehungsweise der angeklagten Partei im Allgemeinen sollte zudem die Möglichkeit, Einsicht in Prozessakten zu nehmen, gewährleistet werden,22 was allerdings, ähnlich wie die eigentliche Verteidigung erst für den Abschnitt nach der Folter, vorgesehen war.23 Der Tortur beizuwohnen, wurde der Verteidigung zudem grundsätzlich untersagt.24

Eine der interessantesten und zugleich ungenauesten Vorgaben ist in der Anweisung, wie der Richter über die Verhängung der Folter zu entscheiden hatte, zu finden: Dieser sollte nach gelegenheytdesargkwonsderperson entscheiden und die Folter nach ermessungeynsguten vernünfftigenRichters ansetzen.25 Sollte der Richter nicht nach gutem Ermessen entscheiden, so drohte ihm ebenfalls eine Bestrafung.26

Gestand der Angeklagte bereits vor der Anwendung der Folter die ihm angelasteten Taten, so war ihm laut CCC die peinliche Befragung zu erlassen.27 Sollte der Angeklagte die Folter, welche ausdrücklich nur für einen Untersuchungstag angesetzt werden dürfe, ohne ein Geständnis zu tätigen über sich ergehen lassen können, war er vom „Tatvorwurf gereinigt“.28 Eine Wiederholung der Folter sah das Gesetzesbuch lediglich im Falle neuer Indizien vor, wobei der Begriff der Indizien angesichts der Möglichkeit, diese sehr breit auszulegen, grundsätzlich kritisch zu werten ist.29

Vor der Ausführung der eigentlichen Folter sah die CCC die Verbalterrition vor: Der Angeklagte sollte bereits durch die bloße Androhung der Tortur zum Geständnis bewegt werden.30 Das Aufbauen der Instrumente galt dann als die eigentliche Territion.31 Als unabdingbar erachtete es die CCC, dass der gesamte Prozess der Verhandlung und der Folter von Gerichtsschreibern genauestens festgehalten und jeglicher Anschuldigung der Hexerei, die der Untersuchte im Rahmen eines Verhörs äußerte, nachgegangen wurde.32 Solch Anschuldigungen und grundsätzliche Äußerungen des Angeklagten seien jedoch ungültig, sobald sie von den Inquisitoren in irgendeiner näher ausformulierten Form an den Angeklagten herangetragen wurden: Aussagen des Befragten mussten aus eigenem Antrieb heraus getätigt worden sein.33

Als Richterspruch sah die CCC in einem nachgewiesenen Fall der Hexerei in erster Linie die Verbrennung vor, machte hierfür allerdings die Vorgabe, dass der Angeklagte ein Geständnis abgelegt34 und dieses an dem darauf folgenden Tag wiederholt hatte.35 Zudem galt der Urteilsspruch lediglich als zulässig, sofern der Angeklagte gestand, einen Schadenszauber ausgeführt zu haben – andere Hexereidelikte wie die Teufelsbuhlschaft, der Hexensabbat oder der Wetterzauber waren anderweitig zu ahnden.36 Alternativ war selbstverständlich noch ein Freispruch möglich, doch auch ein Mittelweg sollte den Gerichten durch die Option, sogenannte „Verdachtsstrafen“ verhängen zu können, geboten werden.37

Die zweite Quelle, der Hexenhammer (MalleusMaleficarum), wurde zwar vor dem offiziellen Inkrafttreten der CCC verfasst,38 griff jedoch erkenntlich einen ihrer zentralen Punkte auf und versuchte, ihn gezielt außer Kraft zu setzen: Durch die ausdrückliche Empfehlung, das Verfahren der Folter nie als beendet, sondern lediglich als unterbrochen zu bezeichnen, sollte es ermöglicht werden, die Tortur beliebig oft zu wiederholen.39 Folglich gilt das Werk heutzutage auch als eine Art Wegbereiter einer ersten systematischen Verfolgung im Rahmen der Hexenprozesse.40 Einen zentralen Raum im Hexenhammer nahm auch der Fragenkatalog ein, der den genauen Wortlaut der Fragen und deren Reihenfolge vorgab.41

Trotz des Hinweises, wie Folter auf legitimier Weise beliebig fortgesetzt werden konnte, rät der Hexenhammer jedoch ebenfalls zu ihrer behutsamen Anwendung, denn der Richter sollte sich nicht unüberlegt zu dem Schritt der Folterverhängung entscheiden und diese zudem nicht im Übermaß durchführen lassen.42 Dieser Verweis darf allerdings keineswegs als ein Zeichen von Humanität gedeutet werden: Nach Ansicht des Hexenhammers konnte bei dem Angeklagten der sogenannte Schweigezauber43 einen solch großen Widerstandsgedanken hervorrufen, als dass dieser durch die Folter eher sterben würde, anstatt ein Geständnis abzulegen.44 Da die Tortur jedoch insbesondere die Nennung weiterer Hexen bewirken sollte,45 bliebe in diesem Fall das Primärziel der peinlichen Befragung unerreicht.

Mit diesem Ziel ist wohl auch die explizite Aufforderung, den Beschuldigten bereits vor der Anwendung der Folter und auch vor dem Aufbau der Folterinstrumente zuzureden, zu erklären.46 Ein Geständnis samt der Nennung weiterer Hexer beschleunigte schließlich nicht nur das eröffnete Verfahren, sondern brachte die Inquisitoren und allen Hexengegnern ihrem übergeordneten Ziel der Ausrottung von Hexen einen Schritt näher.

Für den eigentlichen Prozess der Folter empfahl der Hexenhammer, den Angeklagten zunächst zu entkleiden, ihn auf versteckte Amulette oder ähnliche Gegenstände zu untersuchen und eine Nadelprobe durchzuführen.47 Den Auftakt eines Folterverhörs sollte das sogenannte Aufhängen48 ausmachen.49 Hier und bei weiteren Vorgängen sei allerdings behutsam mit dem Einsatz von Schutzamuletten etc. umzugehen.50 Grund: Zum Entstehungszeitpunkt des Hexenhammers galt die Verwendung von Schutzpraktiken als sehr umstritten,51 sodass das Werk hier offensichtlich weder Befürwortern noch Gegnern dieser Praktik zu nahe treten wollte. Gleichsam wie die Halsgerichtsordnung betonte hierbei allerdings auch der Hexenhammer die Wichtigkeit, eine sehr genaue Protokollierung der Fragen und Instrumente vorzunehmen.52

Die Tortur, sprich der Ablauf der Befragung und der Folter sowie die hierfür genutzten Instrumente, sollte nach dem Ermessen des Scharfrichters geschehen.53 Reichte hierfür der erste Foltertag nicht aus, so sei die eingangs erwähnte Formulierung54 zur Unterbrechung auszusprechen, um die Folter nach einer „Bedenkzeit“ fortzuführen. Für den Zeitraum dieser Bedenkzeit waren allerdings unbedingt Wachen für die sichere Verwahrung des Angeklagten abzurichten, um etwaigen Komplikationen wie einem Selbstmord vorzubeugen.55

3 Allgemeines zur Folter in Hexenprozessen

Wie bereits erläutert, war die Folter im Rahmen von Hexenprozessen nicht nur zum Zeitpunkt ihres vermeintlichen Höhepunkts durch die CCC in rechtlicher Hinsicht legitimiert. Durch die strikte Trennung von Staat und Kirche, sprich durch die Teilung zwischen kanonischen und weltlichen Gerichten, oblag die Folter grundsätzlich Letzteren und somit auch den regionalen Gerichtskammern.56 Aufgrund der vielen Herrschaftsgebiete, welche im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen existierten – zeitweise zählten an die 3.000 Territorien zu ebendiesem Reich –, verwundert es somit auch nicht, dass sich die Verläufe und Techniken der Folter in den Hexenprozessen durchaus unterschieden, denn es gab vielerorts zum Beispiel gerichtsspezifische Fragenkataloge,57 nach denen die Inquisitoren ihre Befragung ausrichteten.58 Unter den Beteiligten der Folterverhöre waren stets ein Scharfrichter (Henker), der mancherorts noch von einem Kollegen unterstützt wurde und für die eigentliche Folter zuständig war, ein Gerichtsschreiber, ein geistlicher Beistand und ein, zur Kontrolle der Einhaltung gewisser Richtlinien eingesetztes, Mitglied des Stadtrats oder Angehöriger der Adelsschicht sowie eventuelle Hilfskräfte vertreten.59 Vielerorts blieb es jedoch nicht bei dieser Besetzung: Hexenkommissare oder Hexenjäger, die sich in regionalen Verbänden zusammentaten, wirkten teilweise als Unterstützung bei der Tortur, indem sie in diese ihr eigenes Wissen einbrachten und überdies den Gerichten die jeweiligen Angeklagten auslieferten.60

Allgemeine Differenzen bestanden nicht nur in den Abläufen der Befragung, sondern auch in der Genauigkeit der Protokollierung der Prozesse sowie Folterverhöre.61 Der Grund hierfür machte in erster Linie der Umstand, dass es in den Anfängen der Hexenverfolgung in vielen Gerichten schlichtweg nicht ausreichend Personal gab, aus: Erst im 17. Jahrhundert hatten genügend Juristen und Protokollanten ihre Arbeit aufgenommen beziehungsweise genügend Fachkenntnisse auf diesem Bereich der Justiz erworben, um die Prozesse/Folterverhöre minutiös festzuhalten.62 Die Dauer des gesamten Prozesses konnte dabei wenige Tage, mitunter aber auch Jahre dauern, was auch für die Folter galt: Der Angeklagte wurde so lange befragt/gefoltert, bis dieser ein Geständnis ablegte – die Vorgabe der CCC bezüglich der einmaligen Folterbefragung wurde also eindeutig missachtet und dafür die des Hexenhammers, die Tortur nicht als beendet, sondern als unterbrochen auszurufen, genutzt.63

Als das eigentliche Ziel der Folter wurde grundsätzlich ein Geständnis erachtet, denn aufgrund einer Änderung der Rechtslage des Hohen Mittelalters, war es einzig und allein ein Geständnis und nicht mehr der Eid oder ein Gottesurteil, welches die Hinrichtung des Angeklagten rechtfertigte.64 Zu einem „glaubhaften“ Geständnis gehörte dabei stets die Nennung weiterer Personen, die mit dem Angeklagten Hexereien begangen hatten.65 Ähnlich verhielt es sich mit dem Geständnis, mit dem Teufel verkehrt zu haben: Die sogenannte Teufelsbuhlschaft galt als ein zentraler Akt des Hexenwesens, welcher insbesondere bei der Befragung weiblicher Angeklagten ein großes Interesse unter den Verfolgern von Hexen hervorrief und somit einen weiteren obligatorischen Bestandteil eines jeden Geständnisses ausmachte.66

Die Folge eines umfassenden Geständnisses, also die Verbrennung, wurde grundsätzlich als ein legitimer Ausgang eines Gerichtsprozesses angesehen, denn nur durch die Verbrennung sollte die Hexe sowohl ihr Seelenheil wiedererlangen als auch die Rückkehr ihrer bösen Seele verhindert werden können.67 So wurde auch nicht von einer Todesstrafe, sondern lediglich von einem Todesurteil gesprochen. Auch die Folter an sich hatte nicht den Status einer Strafe, sondern den einer allgemein anerkannten Gerichtspraktik inne.68

Grundsätzliche Erklärungen, weshalb Folter im Rahmen von Hexenprozessen sowohl akzeptiert als auch praktiziert wurde, bieten insbesondere religiöse Ansichten. So wurden zum Beispiel zahlreiche Stellen der Bibel, in denen von Zauberern und deren Bestrafung zu lesen ist, als ein Argument genutzt beziehungsweise als ein solches ausgelegt, um den Kampf gegen das Hexentum gewaltsam zu bestreiten.69 Zudem waren es die allseits bekannten 10 Gebote, die einen entscheidenden Einfluss auf die Durchführung von Hexenprozessen sowie Folterverhören hatten, da sich durch diese Grundpfeiler der Glaubenslehre ein jeder Bürger verpflichtet sah, sich an Hexeverfolgungen zu beteiligen.70

[...]


1 Vgl. Hegeler, Hartmund: Werwolf auf Wickede. Hexenprozess gegen Blesien Billi aus Wimbern und Franz Hellmich aus Oesbern. Hexenverfolgung in Menden, Nordhausen 2012, S. 34.

2 Vgl. Voltmer, Rita: Die großen Hexenverfolgungen in den Territorien zwischen Reich und Frankreich (16. und 17. Jahrhundert). Abläufe, Ursachen, Hintergründe, in: Wagener, Daniele (Hg.): Incubi Succubi. Hexen und ihre Henker bis heute, Luxemburg 2000, S. 73.

3 Vgl. Fuchs, Ralf-Peter: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe. Die Nutzung der Justiz durch Herren und Untertanen, in: Walter, Bernd (Hg.): Westfälisches Institut für Regionalgeschichte Landschaftsverband Westfalen-Lippe Münster. Forum Regionalgeschichte 8, Münster 2004, S. 6.

4 Vgl. Behringer, Wolfgang (Hg.): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. 6. überarbeitete Auflage, Nördlingen 2006, S. 272.

5 Vgl. Dillinger, Johannes: Annäherung an das Fremde. Zum Verstehen von Folter und Hinrichtung im Hexenprozeß, in: Wagener, Daniele (Hg.): Incubi Succubi. Hexen und ihre Henker bis heute, Luxemburg 2000, S. 68 – 69.

6 Vgl. Voltmer: Die großen Hexenverfolgungen, 2000, S. 76.

7 Vgl. Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung. 4. überarbeitete Auflage, München 2005, S. 66.

8 Vgl. Fuchs: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe, 2004, S. 7.

9 So mag der Hexenhammer zu seiner Veröffentlichung zwar vielerorts eindeutig als das Werk Heinrich Kramers angesehen worden sein, doch auch Jacob Sprenger scheint nach neuen Erkenntnissen an der Entstehung des Werkes zumindest beteiligt gewesen zu sein. Vgl. Kramer, Heinrich: Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum. Kommentierte Neuübersetzung, übertragen von Behringer, Wolfgang/Jerouscheck, Günter/Tschacher, Werner, 3. revidierte Auflage, München 2003, S 31.

10 Hierzu wären zum Beispiel die Vorgaben bezüglich der expliziten Foltermethoden oder über die Beschaffenheit der Zeugen zu zählen.

11 Begründet werden darf dieser Umstand angesichts der Breite des Themas wohl durchaus mit dem Verweis, einen angemessenen Umfang einer Hausarbeit im Rahmen des Masterstudiums anstreben zu wollen.

12 Vgl. Behringer: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung, 2005, S. 35.

13 Schließlich ist im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen rund die Hälfte aller Hexenverbrennungen durchgeführt worden. Vgl. Behringer: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung, 2005, S. 66.

14 Vgl. Voltmer: Die großen Hexenverfolgungen, 2000, S. 75.

15 Hartmund: Werwolf aus Wickede, 2012, S. 34.

16 Neue Erkenntnisse ergaben etwa Untersuchungen im Rahmen der „Wasserprobe“, denen zufolge viele „Überführte“ aus eigenem Willen um deren Durchführung baten. Auch die Einsicht, dass Hebammen bei Weitem kein so explizites Ziel der Hexenverfolgungen ausmachten, gehört in diese Reihe neuer Erkenntnisse. Vgl. Fuchs: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe, 2004, S. 48 sowie Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2006, S. 275.

17 Vgl. Ströhmer, Michael: Von Hexen, Ratsherren und Juristen. Die Rezeption der Peinlichen Halsgerichtsordnung Kaiser Karls V., Paderborn 2002, S. 64 – 66 sowie Behringer: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung, 2005, S. 78.

18 So sollte der Prozess finanziell abgesichert sein und zugleich ein Ausufern der Hexenprozesse verhindert werden. Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 65.

19 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 65.

20 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 66.

21 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 66.

22 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 67.

23 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 73.

24 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 73.

25 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 69.

26 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 70.

27 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 70.

28 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 70.

29 Konkret galten fünf Indizien als hinreichend. Erstens: Die Bereitschaft, andere Personen in der Zauberei zu unterrichten. Zweitens: Der Wille, Schaden zu verursachen und diesen eintreten zu lassen. Drittens: Das Beisammensein mit anderen Hexen. Viertens: Der Umgang mit zaubereiverdächtigen Relikten und fünftens: eine grundsätzliche Anklage aus großen Teilen der Bevölkerung. Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 70 sowie Fuchs: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe, 2004, S. 116.

30 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 71.

31 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 71.

32 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 71.

33 Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 72.

34 Roper, Lyndal: Hexenwahn. Geschichte einer Verfolgung, übersetzt von Fock, Holger/Müller, Sabine, München 2007, S. 72.

35 Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 73.

36 Vgl. Fuchs: Hexenverfolgung an Ruhr und Lippe, 2004, S. 155.

37 Diese Verdachtsstrafen beliefen sich zum Beispiel auf die Verbannung des Angeklagten/Verurteilten, das Auspeitschen und der Aufstellung am Pranger. Vgl. Ströhmer: Von Hexen, Ratsherren und Juristen, 2002, S. 77 – 78.

38 Über das genaue Datum der Fertigstellung herrscht nicht absolute Gewissheit, jedoch gilt es mittlerweile als weitgehend anerkannt, dass der Hexenhammer zum Großteil im Jahre 1486, geschrieben sein muss. So liegt es auch nahe, dass dieses Regelwerk der Hexenverfolgung nicht als eine Reaktion auf die CCC, sondern bereits einige Jahre zuvor in Bezug auf die Hexenbulle SummiDs esiderantes von Papst Innozenz VIII. aus dem Jahre 1484 verfasst wurde. Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 31 sowie Hegeler, Hartmund: Hexengefängnis. Für den „Arnßperher Bürgermeister“ Hennecke von Essen, Nordhausen 2012, S. 64.

39 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 677.

40 Vgl. Voltmer: Die großen Hexenverfolgungen, 2000, S. 78.

41 So sollte zum Beispiel mit der „leichtesten“ Frage angefangen werden, da durch die Zugabe dieser auch die Bereitschaft, „schwerere“ Fragen zu gestehen wachse. Vgl. Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2006, S. 270.

42 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 671.

43 Näheres über den Schweigezauber ist in Kapitel 4.2 zu lesen.

44 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 671.

45 Vgl. Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2006, S. 267 – 269.

46 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 674.

47 Näheres über die Nadelprobe ist in Kapitel 3.1 zu lesen.

48 Näheres über konkrete Foltermethoden ist in Kapitel 3.1 zu lesen.

49 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 674 – 675.

50 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 76.

51 Vgl. Dillinger: Annäherung an das Fremde, 2000, S. 65.

52 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 676 – 677.

53 Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 677.

54 So hatte der Richter folgenden Wortlaut explizit einzuhalten: „Und wir Vorgenannten, Richter [etc.] wie oben, bestimmen für dich, den und den, den und den Tag zur Fortsetzung des [peinlichen] Verhörs, damit aus deinem eigen Mund die Wahrheit herauskomme“. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 677.

55 Der außerplanmäßige beziehungsweise vorzeitige Tod der Hexe war für die Verfolger durchaus ein Problem, denn lediglich die Verbrennung konnte die Rückkehr der bösen Seele verhindern. Zudem verstrich hierdurch die Möglichkeit, weiterer Hexe infolge der Denunziation anzuklagen. Für den eigentlichen Selbstmord sei häufig der Teufel selbst verantwortlich, da dieser den Angeklagten häufig in seiner Gefängniszelle besucht und ihn quasi zu seinem eigenen (dem des Teufels) Schutz sowie der Identitätswahrung weiterer Hexen zu ebendiesem Schritt überredet haben soll. Vgl. Kramer: Der Hexenhammer, 2003, S. 677.

56 Vgl. Voltmer: Die großen Hexenverfolgungen, 2000, S. 76.

57 Vgl. Behringer: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung, 2005, S. 66.

58 Vgl. Gaskill, Malcolm: Hexen und Hexenverfolgung. Eine kurze Kulturgeschichte, übersetzt von Blank-Sangmeister, Ursula, Stuttgart 2013, S. 272.

59 Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 81.

60 Bei diesen „Unterstützern“ handelte es sich meist um Angestellte in Gerichten oder um Privatpersonen, die in der Hexenverfolgung ihre Passion gefunden hatten und im Stile von Kopfgeldjägern für Gerechtigkeit sorgen wollten. Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 81 – 82.

61 Vgl. Hartmund: Werwolf aus Wickede, 2012, S. 11 sowie S. 30.

62 Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 79.

63 Vgl. Moeller, Katrin: Das Willkür über Recht ginge. Hexenverfolgung in Mecklenburg im 16. und 17. Jahrhundert (Hexenforschung, Band 10, Hg.: Bauer, R. Dieter/Behringer, Wolfgang/Dienst, Heide u. a.) Bielefeld 2007. S. 396.

64 Vgl. Dillinger: Annäherung an das Fremde, 2000, S. 65.

65 Vgl. Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2006, S. 271.

66 Vgl. Hartmund: Werwolf aus Wickede, 2012, S. 27.

67 Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 97.

68 Vgl. Roper: Hexenwahn, 2007, S. 72.

69 Dies gilt zum Beispiel für Stellen aus dem Buch Exodus. Vgl. Behringer: Hexen. Glaube – Verfolgung – Vermarktung, 2005, S. 25.

70 Vgl. Dillinger: Annäherung an das Fremde, 2000, S. 67.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Ausweitung oder Mäßigung?
Untertitel
Untersuchung über Folter in Hexenprozessen unter besonderer Berücksichtigung auserwählter Richtlinien der Constitutio Criminalis Carolina und des Hexenhammers sowie der allgemeinen Folterproblematik der Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Johann Weyer – ein Kämpfer gegen Hexenwahn und Magie?
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
31
Katalognummer
V505990
ISBN (eBook)
9783346068088
ISBN (Buch)
9783346068095
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Hexenverbrennung, Verfolgung, Tötung, Folter, Gerichtsbarkeit
Arbeit zitieren
Jan Lauer (Autor), 2016, Ausweitung oder Mäßigung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/505990

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