Taktarten. Erarbeitung eines Musikstücks im 4/4-Takt am Beispiel "An die Freude"

Eine musikpraktische Vertiefung


Unterrichtsentwurf, 2018
17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Durchdringung und Analyse der Sache
1.1 Metrum, Takt, Taktarten
1.2 Lied „An die Freude“
1.3 Kompetenzen

2. Rahmenbedingungen und heterogene Lernvoraussetzungen
2.1 Darstellung der Schule
2.2 Klassensituation
2.3 Analyse der Lernvoraussetzungen

3. Didaktische Analyse
3.1 Bildungswert des Unterrichtsgegenstandes
3.2 Bezug zum Bildungsplan

4. Aufgabenstellung und Differenzierung
4.1 Fachdidaktische Verortung und didaktische Reduktion
4.2 Aufgabenanalyse
4.3 Formen der Differenzierung

5. Methodische Entscheidung und unterrichtspraktische Umsetzung

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Durchdringung und Analyse der Sache

1.1 Metrum, Takt, Taktarten

„Neben der Gliederung der Musik in kurze und lange Tondauern ist die Folge der Betonungen von grundlegender Bedeutung für die Gestalt der Melodie und die Formbildung“ (Ziegenrücker, 2009, S. 59). Das Verhältnis von betonten und unbetonten Zählzeiten wird dabei als Metrum bezeichnet. Die metrischen Betonungen können besonders gut in Märschen oder Tänzen erkannt werden. Aber auch in aktuellen Popsongs, welche überwiegend im 4/4-Takt geschrieben sind, bleibt das Metrum als übergeordnetes Prinzip erhalten. In den im Bildungsplan 2016 des Fachs Musik verankerten Taktarten (G- und M-Niveau) sehen die metrischen Betonungen wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Kessler, D., 2000, S.13

Der Takt (lat. tactus = Schlag) fasst im Notenbild eine bestimmte Gruppe von Zählzeiten unter Berücksichtigung der Betonungen zusammen. Seine Begrenzung erfolgt dabei immer durch Taktstriche und kündigt die betonte Zählzeit auf Eins an. Am Anfang einer Notenzeile steht immer der Notenschlüssel (Violin- oder Bassschlüssel). Danach wird die Taktart durch einen Bruch dargestellt. Die obere Zahl gibt dabei an, wie viele Grundwerte im Takt vereint sind. Die untere Zahl bezeichnet den rhythmischen Grundwert (z.B. Viertel). Dabei gilt es zwischen geraden und ungeraden Taktarten zu unterscheiden (4/4- und ¾-Takt). Daneben gibt es noch die Form der zusammengesetzten Taktarten (6/8-Takt). Alle genannten Taktarten weisen eine Hauptbetonung auf der Zählzeit 1 auf. Nebenbetonungen sind im 4/4-Takt zum Beispiel auf Zählzeit 3.

1.2 Lied „An die Freude“

Zur Anwendung der Taktarten – mit Schwerpunkt auf dem 4/4-Takt – wird das Lied „An die Freude“ von Ludwig van Beethoven (1770-1827) erarbeitet. Dieses Stück ist seit 1985 die offizielle Hymne der Europäischen Union. Ausgehend von dem Gedicht „An die Freude“ von Friedrich Schiller, vertonte dies Ludwig van Beethoven im 4. Satz seiner 9. Sinfonie. Inhaltlich bezieht sich das Stück auf die Gleichberechtigung von Menschen und die Verbundenheit durch Freundschaft. Die 1786 publizierte Ode wurde schnell zum Volksgedicht und als Bekenntnis zu den Idealen der Französischen Revolution verstanden (vgl. https://www.freitag.de/autoren/ypa/die-geschichte-hinter-dem-song-beethovens-neunte-sinfonie, 14.10.18). Die vorliegende, vereinfachte Version, welche nur das Thema aufgreift, beinhaltet verschiedene Notenwerte (Viertel- und halbe Noten). Insgesamt ist das Stück mit einem Tonumfang von c[[1]]-g[[1]] auf dem Keyboard komplett in C-Lage (Daumen liegt auf c[[1]] und die restlichen Finger liegen daneben) spielbar. Das Stück zeichnet sich durch eine einfache Struktur mit Wiederholungen aus und ist durch den Bekanntheitsgrad der Melodie leicht spielbar (vgl. Benthien, 1985, S.16).

1.3 Kompetenzen

„Das gemeinsame Erlernen von Instrumenten ist Teil des Musikunterrichts. Besonders Modelle des Klassenmusizierens (Instrumental- und Singklassen) […] ergänzen den allgemeinbildenden und ganzheitlich orientierten Musikunterricht.“ (BP 2016, S.5)

Das gemeinsame Musizieren ist nicht nur in vielen Lebensbereichen relevant, sondern regt auch künstlerisch-ästhetische Prozesse an. Die Bereiche „Musik gestalten und erleben“ und „Musik verstehen“ sind daher nicht isoliert zu betrachten, sondern als Vernetzung verschiedener Teilkompetenzen. Dies ermöglicht einen ganzheitlichen und aufbauenden Kompetenzerwerb (vgl. ebd.). Die Hörkompetenz ist dabei in allen drei Bereichen der Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen sowie in den prozessbezogenen Kompetenzen beinhaltet. Durch die Verknüpfung zahlreicher Inhalte mit dem Musikhören wird sowohl ein emotional-affirmativer Zugang geschaffen als auch analytisches Hören geschult. Das Hören sowie das gemeinsame Musizieren nehmen somit als Basiskompetenzen eine zentrale Rolle im Musikunterricht ein.

2. Rahmenbedingungen und heterogene Lernvoraussetzungen

2.1 Darstellung der Schule

Die XXXX Schule ist ein organisatorischer Zusammenschluss der beiden Schularten Werkrealschule und Realschule mit einer gemeinsamen Schulleitung. Dieser Verbund soll den Schülern sowohl den Hauptschulabschluss in Klasse 9 oder 10 als auch den Werkreal- oder Realschulabschluss ermöglichen. Dieser Zusammenschluss erleichtert den Schülern zudem einen einfachen Wechsel in die für sie passende Schulart. Im Schuljahr 2018/19 werden in diesem Verbund 697 Schüler von 61 Kollegen unterrichtet. Die XXXX Schule verfügt des Weiteren über ein inklusives Bildungsangebot in der Abteilung der Werkrealschule mit dem Schwerpunkt „Lernen“ sowie über eine Vorbereitungsklasse. Unterstützung erhält das Kollegium dabei durch zwei Schulsozialarbeiterinnen, zwei Beratungslehrerinnen und zwei Bundesfreiwillige.

Das Leitbild der XXXX Schule lautet „Gemeinsam zur Selbstständigkeit“, sie möchte die Schüler besonders gut auf das Berufsleben vorbereiten. Die Schüler sollen zu selbstständigem Lernen und Arbeiten angehalten werden. Dies wird durch eine angenehme Atmosphäre, die Vermittlung von demokratischen Werten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern, Lehrern und außerschulischen Partnern unterstützt.

Aufgrund der Abbrucharbeiten des ehemaligen Werkrealschulgebäudes, die seit den Sommerferien laufen, befindet sich die gesamte Schule nun im Realschulgebäude. Des Weiteren stehen vier Klassenzimmer im Altbau sowie drei Container zur Verfügung. Die räumliche Situation ist daher etwas angespannt und auch die technische Ausstattung ist nicht in allen Räumen optimal. Die zwei Musikräume im Mensa-Gebäude sind jedoch sehr gut mit Instrumenten ausgestattet und verfügen zusätzlich über einen Vorbereitungsraum.

2.2 Klassensituation

Die Klasse 5 (Keyboardklasse) der XXX Schule besteht aus 26 Schülern, 16 Jungen und 10 Mädchen. Da seit dem Schuljahr 2018/19 ein Musikprofil an der XXX Schule etabliert wurde, konnten die Schüler zu Beginn ihr Schwerpunktinstrument wählen (Keyboard, Cajon, Blasinstrument oder Gesang). Daraufhin wurden die verschiedenen Klassen gebildet. Daher befinden sich in der Keyboardklasse Schüler der Klassen 5 a-d, das heißt, dass Realschüler (M-Schüler) und Werkrealschüler (G-Schüler) gemischt unterrichtet werden. Von der Werkrealschule sind allerdings nur vier Schüler vertreten. Das Klassenklima in der Keyboardklasse ist bisher ganz gut. Die Schüler kennen sich teilweise aus ihren eigenen Klassen, aber auch der Umgang mit Schülern der Parallelklasse funktioniert gut und unterstützt die Zusammenarbeit unter den Schülern.

Die Keyboardklasse wird in Form einer Doppelstunde durchgeführt, in der wöchentlich ein Theorieanteil mit anschließendem Praxisteil (meist am Schwerpunktinstrument) stattfindet. Die Schüler bekommen am Anfang der Stunde einen Input und wenden das Gelernte dann direkt am Instrument an. Insgesamt nimmt die Klasse im Unterricht immer sehr aktiv teil. Besonders X, Y, Z und A tragen durch ihre äußerst aktive Mitarbeit und ihre oft sehr guten und kreativen Beiträge wesentlich zum Fortlauf der Stunde bei. L ist oft sehr unruhig im Unterricht und fällt durch Zwischenrufe auf. Dies liegt dem Wegfall seiner Medikamente (Ritalin) zugrunde. Er muss daher von der Lehrkraft mit viel Verständnis und Geduld dazu ermuntert und aufgefordert werden, Arbeitsaufträge zu erledigen und sich angemessen zu verhalten. Aufgrund dessen kam es auch schon zu kleinen Streitereien zwischen den Schülern, da nicht jeder so viel Verständnis für das Verhalten von Luan aufbringen konnte, da er oft die ganze Klasse vom Lernen abhält. Aus diesem Grund hat er ein eigenes Keyboard und sitzt möglichst weit vorne im Klassenzimmer. L, C, D und E gehören zu den Schülern der Werkrealschule. Diese Schüler werden in den Inputphasen mit den anderen Schülern auf M-Niveau unterrichtet, jedoch werden die Anforderungen in Klassenarbeiten entsprechend des G-Niveaus angepasst. A ist eine Schülerin mit Nachteilsausgleich aufgrund einer AVWS1 im Schuljahr 2016/17. Sie trägt ein Hörgerät, was entsprechende Vorkehrungen im Musikunterricht notwendig macht. Zum einen muss man als Lehrkraft eine FM-Anlage um den Hals tragen, welches die Schallwellen direkt an As Hörgerät weiterleitet. Zum anderen muss auch bei Hörbeispielen darauf geachtet werden, dass die Einspielung über die FM-Anlage läuft. Bei Inputphasen ist zudem darauf zu achten, dass man eine einfache Sprache verwendet, mit Visualisierungen arbeitet und die Schülerin immer im Blick hat. Momentan steht noch offen, ob A eine Schulbegleiterin benötigt oder ob sie auch alleine dem Unterricht folgen kann. Ich habe bisher keine Beeinträchtigungen feststellen können, da A problemlos dem Unterricht folgen konnte.

Das Leistungsniveau der Klasse ist sehr breit gefächert. Einige Schüler können bereits Noten lesen und spielen ein Instrument. Andere Schüler hingegen verfügen über keinerlei Kenntnisse in diesem Bereich.

Sozialformen wie Einzelarbeit, Partnerarbeit und Plenum sind der Klasse im Musikunterricht vertraut und können problemlos eingesetzt werden. Auch Einsingen und gemeinsames Singen von Liedern sowie Rhythmusspiele gelingen bei den Schülern gut. Das Musizieren am Keyboard stellt aufgrund der Klassengröße und der erhöhten Lautstärke immer eine Herausforderung dar, welche die Schüler bisher ganz gut meistern, da klare Regeln für das gemeinsame Musizieren vereinbart wurden.

2.3 Analyse der Lernvoraussetzungen

Der Lerngegenstand der Stunde ist im Bereich der Musiktheorie einzuordnen. In den zwei vorhergehenden Stunden wurde das Thema „Takt, Taktarten“ bereits eingeführt und mittels einer Stationenarbeit erarbeitet. Die Schüler begegneten verschiedenen Taktarten zunächst körperlich, indem sie sich passend zur Musik im Raum bewegen sollten (3/4- Takt und 4/4-Takt). So entwickelten sie eine Grundvorstellung, was ein Takt ist, wo die jeweilige Betonung liegt und lernten verschiedene Taktarten kennen. Der Begriff „Takt“ und der Begriff „Taktarten“ ist den Schülern aus diesen Stunden bekannt und auch das Musizieren am Keyboard wurde bereits mehrmals geübt.

Aufbauend auf dieser hier vorgestellten Stunde werden die Schüler die verschiedenen Taktarten als Wiederholung zunächst an Liedern erkennen und dann am Keyboard anwenden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem 4/4-Takt.

Aus den bisherigen Unterrichtsstunden konnte ich feststellen, dass die Schüler bei der musikpraktischen Anwendung des Gelernten am Keyboard sehr viel Spaß am Unterricht haben und sehr motiviert sind.

Ich möchte in meiner Unterrichtsstunde deshalb besonderen Wert auf einen musikpraktischen Zugang zum Thema „Taktarten“ legen und die Schüler durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis in ihrer Begriffsbildung unterstützen. Besonders die Schüler, die bisher keinen Zugang zu einem Instrument oder Verständnisschwierigkeiten mit der Musiktheorie hatten, sollen durch die direkte Anwendung des Gelernten einen Sinn hinter der Musiktheorie erkennen. Die Lernstärkeren haben zudem die Möglichkeit - je nach Niveau - auch eine Begleitung dazu zu üben.

[...]


1 Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Taktarten. Erarbeitung eines Musikstücks im 4/4-Takt am Beispiel "An die Freude"
Untertitel
Eine musikpraktische Vertiefung
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V506065
ISBN (eBook)
9783346051066
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, 5. Klasse, Taktarten, 4/4-Takt, An die Freude, Ludwig van Beethoven, Metrum, Takt, Zählzeiten
Arbeit zitieren
Ramona Frommknecht (Autor), 2018, Taktarten. Erarbeitung eines Musikstücks im 4/4-Takt am Beispiel "An die Freude", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506065

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