Erarbeitung einer Fabel mit szenischer Darstellung in einer 6. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2019
20 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Durchdringung und Analyse der Sache
1.1 Fabeln
1.2 Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren

2. Rahmenbedingungen und heterogene Lernvoraussetzungen
2.1 Darstellung der Schule
2.2 Klassensituation
2.3 Analyse der Lernvoraussetzungen

3. Didaktische Analyse
3.1 Bildungswert des Unterrichtsgegenstandes
3.2 Bezug zum Bildungsplan

4. Aufgabenstellung und Differenzierung
4.1 Aufgabenanalyse
4.2 Formen der Differenzierung

5. Methodische Entscheidung und unterrichtspraktische Umsetzung

6. Strukturskizze/ Verlaufsplanung

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Durchdringung und Analyse der Sache

1.1 Fabeln

Die Fabel (lat. fabula = Erzählung) ist die epische Kurzform einer Erzählung. Dabei handelt es sich meist um eine Tierdichtung, die in Vers oder Prosa erzählt wird. In dieser Gattung handeln und sprechen Tiere. Sie tragen typische menschliche Eigenschaften. So wird der Fuchs meist als schlau und hinterlistig, der Esel als dumm, der Wolf als gierig und der Löwe als stark beschrieben. Durch das Handeln der Tiere können die Dichter Kritik an der Gesellschaft üben, ohne dies direkt aussprechen zu müssen. Einer der ersten uns bekannten Fabeldichter ist Äsop (6. Jahrhundert vor Chr.). Auch er versucht in seinen Fabeln „verkleidete“ Wahrheiten zu erzählen und dadurch auf gesellschaftliche Missstände oder Schwächen hinzuweisen. Seine Fabeln werden bis heute gern gelesen und die Motive und Figuren seiner Fabeln wurden vielfach von anderen Dichtern variiert und aufgegriffen.

Der Aufbau einer Fabel folgt einem dreigliedrigen Schema. Zunächst wird die Ausgangssituation beschrieben. Da die Tiere häufig Gegner sind, kommt es anschließend meist zu einem Konflikt, welcher sich in einer überraschenden Wende löst, in der oft das listigere oder schwächere Tier gewinnt. Am Ende einer Fabel steht in vielen Fällen eine Lehre, die den Leser über allgemeine Wahrheiten belehren und aus der er Schlüsse für sein eigenes Verhalten ziehen soll.

In der vorliegenden Fabel „Der Fuchs und der Ziegenbock“ von Äsop geht es in der vordergründigen Handlung um einen Fuchs, der in einem Brunnen gefangen ist und nicht mehr herauskommt. Doch durch die Überlistung eines Ziegenbocks gelingt es dem Fuchs aus dem Brunnen herauszusteigen.

Aufbau:

Ausgangssituation: In der Ausgangssituation wird dargestellt, dass der Fuchs in einen Brunnen gefallen ist und nicht mehr herauskommt. Dann kommt ein Ziegenbock zum Brunnen, da er sehr durstig ist. Der Fuchs lobt das Wasser und fordert den Ziegenbock auf, zu ihm in den Brunnen zu steigen.

Konflikt: Als der Ziegenbock unten ist, bittet der Fuchs ihn, sich auf die Vorderbeine zu stellen, damit er über seinen Rücken nach oben klettern kann. Er verspricht dem Ziegenbock im Gegenzug, ihm auch herauszuhelfen, wenn er oben ist.

Überraschende Wende: Der Fuchs macht sich davon und lässt den Ziegenbock im Brunnen zurück.

Lehre: Bedenke vorher, was du tust!

1.2 Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren

Besonders in einem handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht ist nunmehr nicht allein das literarische Objekt (der Text), sondern das Subjekt mit all seinen Sinnen, Gefühlen und Phantasien im Mittelpunkt des unterrichtlichen Geschehens (vgl. Hochstadt/Krafft/Olsen 2013, S.134). Vor allem die Rolle des Lesers soll dadurch gestärkt werden. Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht richtet den Fokus nicht direkt auf das Lesen selbst, sondern eher auf Anschlussaktionen nach dem Lesen (Texte umschreiben, szenische Umsetzung, Lesetagebuch). Damit wird vor allem „die Verlagerung vom Sprechen über hin zum Handeln mit dem Unterrichtsgegenstand mit dem Ziel der Produktion von etwas Neuem und gegebenenfalls Eigenem“ (von Brand 2015, S. 126) erzielt. Besonders die Produktionsorientierung legt den Fokus auf textproduktive Verfahren. Diese verfolgen das Ziel der Restauration, Antizipation oder Transformation eines Textes (z.B. Textabschnitte ordnen) (vgl. ebd., S. 127). Durch einen spielerischen Umgang mit dem Fabeltext und daran anschließender szenischer Umsetzung des Textes können Textmuster und Strategien durchschaut werden und eine aktive Sinnbildung durch Anregung eigener Textvorstellung erreicht werden (vgl. Paefgen 2006, S.137ff.; Hochstadt/Krafft/Olsen 2013, S.136). Bekannte Vertreter des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts sind insbesondere Haas, Menzel, Waldmann und Spinner. Letzterer stellt die Förderung kreativer Fähigkeiten und die Entfaltung der inneren Imaginationskraft in den Mittelpunkt. Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht bietet darüber hinaus die Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern1 auf unterschiedlichen Niveaustufen gerecht zu werden, Lesemotivation sowie die Selbsttätigkeit zu steigern und einen individualisierten Unterricht zu ermöglichen (vgl. ebd.).

2. Rahmenbedingungen und heterogene Lernvoraussetzungen

2.1 Darstellung der Schule

Die XXX Schule ist ein organisatorischer Zusammenschluss der beiden Schularten Werkrealschule und Realschule mit einer gemeinsamen Schulleitung. Dieser Verbund soll den Schülern sowohl den Hauptschulabschluss in Klasse 9 oder 10 als auch den Werkreal- oder Realschulabschluss ermöglichen. Dieser Zusammenschluss erleichtert den Schülern zudem einen einfachen Wechsel in die für sie passende Schulart. Im Schuljahr 2018/19 werden in diesem Verbund 697 Schüler von 61 Kollegen unterrichtet. Die XXX Schule verfügt des Weiteren über ein inklusives Bildungsangebot in der Abteilung der Werkrealschule mit dem Schwerpunkt „Lernen“ sowie über eine Vorbereitungsklasse. Unterstützung erhält das Kollegium dabei durch zwei Schulsozialarbeiterinnen, zwei Beratungslehrerinnen und zwei Bundesfreiwillige.

Das Leitbild der XXX Schule lautet „Gemeinsam zur Selbstständigkeit“, sie möchte die Schüler besonders gut auf das Berufsleben vorbereiten. Die Schüler sollen zu selbstständigem Lernen und Arbeiten angehalten werden. Dies wird durch eine angenehme Atmosphäre, die Vermittlung von demokratischen Werten und eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern, Lehrern und außerschulischen Partnern unterstützt.

Aufgrund der Abbrucharbeiten des ehemaligen Werkrealschulgebäudes, die seit den Sommerferien laufen, befindet sich die gesamte Schule nun im Realschulgebäude. Des Weiteren stehen vier Klassenzimmer im Altbau sowie drei Container zur Verfügung. Die räumliche Situation ist daher etwas angespannt und auch die technische Ausstattung ist nicht in allen Räumen optimal.

2.2 Klassensituation

Die Klasse 6b der XXX Schule ist eine Realschulklasse und besteht aus 23 Schülern, 11 Jungen und 12 Mädchen. Das Klassenklima in dieser Klasse ist sehr gut. Ich unterrichte vier Stunden Deutsch in dieser Klasse, welche nach dem Doppelstundenmodell durchgeführt werden. Eine der vier Stunden ist eine Differenzierungsstunde, in der eine zusätzliche Lehrkraft als Unterstützung dabei ist.

Insgesamt nimmt die Klasse im Unterricht immer sehr aktiv teil. Die Bereitschaft im Unterricht mitzuarbeiten, ist in der Klasse sehr ausgewogen. Sowohl die Mädchen, als auch die Jungen beteiligen sich am Unterricht. Besonders A, B, C und D und die Mädchen E, F, G und H nehmen rege am Unterricht teil und tragen durch ihre oft sehr guten und kreativen Beiträge wesentlich zum Fortlauf der Stunde bei. I ist oft sehr unruhig im Unterricht und fällt durch Zwischenrufe auf. Er muss daher von der Lehrkraft mit viel Verständnis und Geduld dazu ermuntert und aufgefordert werden, Arbeitsaufträge zu erledigen und sich angemessen zu verhalten. K zählt zu den ruhigeren Schülern. Ihm fällt es noch ziemlich schwer sich in die Klassengemeinschaft zu integrieren. Besonders in Gruppenarbeitsphasen fällt dies auf, da es ihn Überwindung kostet mit anderen zusammenzuarbeiten oder sich einer Gruppe zuzuordnen. Hier muss die Lehrkraft unterstützend wirken und eine möglichst gute Einbindung des Schülers durch bereits eingeteilte Gruppen schaffen oder den Schüler immer wieder dazu ermuntern sich in die Gemeinschaft einzugliedern.

Die Klasse ist insgesamt sehr leistungsstark. Sozialformen wie Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit und Plenum sind der Klasse im Deutschunterricht vertraut und können problemlos eingesetzt werden. In dieser Klasse ist zudem ein Belohnungssystem etabliert. Je nachdem, wie gut die Klasse im Unterricht mitarbeitet, können zum Abschluss der Stunde ein bis drei Murmeln erreicht werden, die in einem Glas gesammelt und am Ende des Schuljahres gegen eine kleine Belohnung eingetauscht werden können.

Technisch ist das Klassenzimmer gut ausgestattet. Es verfügt über einen Beamer, einen Laptop, eine Dokumentenkamera und einen OHP, was den vielfältigen Einsatz von Materialien möglich macht.

2.3 Analyse der Lernvoraussetzungen

Der Lerngegenstand der Stunde ist im Bereich der literarischen Texte unter „Zugang zu Texten gewinnen und Texte untersuchen“ einzuordnen. In der Unterrichtseinheit zum Thema Fabeln wurden bereits die Merkmale und der Aufbau einer Fabel behandelt. Außerdem wurden Eigenschaften von Tieren in Fabeln näher untersucht. Zudem wurde auf die Bedeutung der Lehre eingegangen. Die Schüler haben mehrere Fabeln kennengelernt und eine Fabel weitergeschrieben. In der vorangegangenen Doppelstunde wurde die wörtliche Rede in Fabeln thematisiert. Darauf aufbauend werden die Schüler in der hier vorgestellten Stunde eine Fabel ganzheitlich erfassen und szenisch umsetzen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der intensiven inhaltlichen Durchdringung der Fabel.

Aus den bisherigen Unterrichtsstunden konnte ich feststellen, dass die Schüler bei handlungs- und produktionsorientierten Verfahren sehr viel Spaß am Unterricht haben und sehr motiviert sind. Ich möchte in meiner Unterrichtsstunde deshalb besonderen Wert auf einen diesen Zugang zum Thema Fabeln legen und die Schüler durch die Verknüpfung von textproduktiven und szenischen Verfahren in ihrem literarischen Verständnis unterstützen.

Stellung der Stunde in der Einheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Didaktische Analyse

3.1 Bildungswert des Unterrichtsgegenstandes

„Der Literatur kommt im Deutschunterricht eine besondere Bedeutung zu: In ihr erfahren die Schülerinnen und Schüler die ästhetische Gestaltung von Welten. Der Literaturunterricht gibt zudem vielfältige Gelegenheit, in der Vermittlung durch Literatur die Problemlagen vergangener wie moderner Gesellschaften zu verstehen und kritisch zu hinterfragen“ (Bildungsplan 2016 Deutsch Sek I, S.3).

Literaturunterricht ist nicht nur in vielen Lebensbereichen relevant und hilft den Schülern sich in einer zunehmend komplexeren Lebenswelt zurechtzufinden, sondern regt auch künstlerisch-ästhetische Prozesse an. Dies ermöglicht einen ganzheitlichen und aufbauenden Kompetenzerwerb (vgl. ebd.).

Fabeln sind aufgrund ihrer didaktischen Eignung aus dem Literaturunterricht nicht mehr wegzudenken. Durch die knappen, kindgemäßen Texte werden die Schüler angesprochen und zum Lesen motiviert (vgl. Watzke 2018, S.6). Die Beschäftigung mit Fabeln im Unterricht unterstützt zudem kritisches Wirklichkeitsverständnis. Sie klären auf, welche Fehlverhalten und Ungerechtigkeiten es unter uns Menschen gibt und laden zur Parteinahme für Schwächere und Benachteiligte ein (vgl. Fischer/Krapp 1999, S.7). Darüber hinaus wird der Leser dazu angehalten seine eigene Meinung oder Ansicht zu reflektieren. Die Fabel vermittelt überdies durch ihre gleichnishafte Struktur Einsichten in die Modellhaftigkeit von Literatur. Durch ihre kurze und prägnante Form eignet sich die Fabel auch für einen produktiven Umgang mit Literatur. Um die Kreativität und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Schüler zu fördern, können eigene Fabeln im Unterricht verfasst werden. Zudem kann immer wieder eine Übertragung auf menschliche Verhaltensweisen im Alltag stattfinden, um die Aufklärungsfunktion zu verdeutlichen (vgl. ebd., S.8).

Da die Stunde keine Einführungsstunde zum Thema Fabeln darstellt, sondern sich gezielt mit der ganzheitlichen Erarbeitung einer Fabel und der Transformation in ein Rollenspiel beschäftigt, baut sie auf den vorangegangenen Stunden auf und legt die Basis für eine weitere Beschäftigung mit epischen Kurzformen (z.B. Sagen). Bereits in der Grundschule werden Erfahrungen mit Fabeln gemacht und im Sinne spiralförmigen Lernens in der Orientierungsstufe wieder aufgegriffen, vertieft und vernetzt. Ein gutes literarisches Textverständnis kann den Schülern helfen sich nicht nur mit den Figuren zu identifizieren, sondern sich auch von ihnen abzugrenzen.

3.2 Bezug zum Bildungsplan

Im Umgang mit Literatur lernen die Schüler „sich in einer technisch-medial beschleunigten und zunehmend komplexeren Lebenswelt zu orientieren und mit den Anforderungen und Möglichkeiten der modernen Informationsgesellschaft umgehen zu können“ (Bildungsplan 2016, Deutsch Sek I, S.3).

Der Bildungsplan 2016 für die Sekundarstufe beschreibt in seinen Leitgedanken zum Kompetenzerwerb die Bedeutung des Literaturunterrichts. Der Umgang mit Literatur trägt zur ästhetischen und kulturellen Bildung, gesellschaftlichen Orientierung, Werteerziehung und Persönlichkeitsbildung bei (vgl. ebd., S. 7). Literaturunterricht trägt auch dazu bei, Problemlagen vergangener wie moderner Gesellschaften kritisch zu hinterfragen. Der Deutschunterricht muss daher den Aufbau und die Weiterentwicklung von Sensibilität und Empathie fördern sowie Freude an der Sprache und der ästhetischen Wahrnehmung vermitteln (vgl. ebd.).

Literarische Texte bieten den Schülern einen Spiel- und Simulationsraum der Fiktionalität und tragen entscheidend durch Identifikation oder Abgrenzung zur Ausbildung einer Lesebiografie bei. Dies ermöglicht den Schülern am literarischen Leben und am kollektiven kulturellen Gedächtnis teilzuhaben.

Die hier vorgestellte Stunde trägt darüber hinaus zu der Leitperspektive „Prävention und Gesundheit (PG)“ bei, da bei der Beschäftigung mit fiktionaler Literatur das Einnehmen fremder Perspektiven und das Nachvollziehen von Gedanken und Gefühlen literarischer Figuren zentrale Komponenten sind. Des Weiteren wird auch die Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ durch die Behandlung gesellschaftlich relevanter Fragen vermittelt. Dadurch soll die Urteilsfähigkeit gestärkt sowie ein differenziertes Textverständnis ermöglicht werden.

Ziele der Unterrichtsstunde:

Das Thema „Fabeln“ fördert dabei besonders die folgenden, im Bildungsplan für die Sekundarstufe 1 in Deutsch genannten inhaltlichen Kompetenzen im Bereich „Literarische Texte“:

Stundenziel:

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Fabel „Der Fuchs und der Ziegenbock“ von Äsop mit allen Sinnen und setzen die Fabel anschließend szenisch um (LZ4).

[...]


1 Nachfolgend wird nur die männliche Form verwendet, weibliche Personen sind jedoch stets inbegriffen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Erarbeitung einer Fabel mit szenischer Darstellung in einer 6. Klasse
Note
2,5
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V506071
ISBN (eBook)
9783346069825
ISBN (Buch)
9783346069832
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erarbeitung, fabel, darstellung, klasse
Arbeit zitieren
Ramona Frommknecht (Autor), 2019, Erarbeitung einer Fabel mit szenischer Darstellung in einer 6. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506071

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