Robotic Process Automation (RPA) im Unternehmen. Erfolgsfaktoren und Empfehlungen für die Einführung


Fachbuch, 2020

106 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Vorwort

Glossar

1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Forschungsproblem
1.3 Forschungsfrage
1.4 Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung
1.5 Aufbau und Vorgehensweise

2 Theoretischer Teil
2.1 Literaturrecherche
2.2 Stand der Forschung
2.3 RPA Grundlagen
2.4 Einsatzbereich von RPA
2.5 Nutzen von RPA
2.6 Grenzen und Herausforderungen
2.7 Erfolgsfaktoren
2.8 Theoretische Erkenntnisse

3 Methodische Vorgehensweise
3.1 Qualitative Forschung
3.2 Leitfadeninterview als Experteninterview
3.3 Vorgehen
3.4 Datenerhebung
3.5 Datenauswertung

4 Empirischer Teil
4.1 Kategorie: Ausgangslage/Motivation
4.2 Kategorie: Projektinitialisierung
4.3 Kategorie: Prozesskandidaten
4.4 Kategorie: Herausforderungen
4.5 Kategorie: Faktoren
4.6 Kategorie: Nutzen
4.7 Kategorie: Betrieb

5 Schlussfolgerungen
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Kritische Würdigung der Ergebnisse
5.3 Ausblick und weiterer Forschungsbedarf
5.4 Abschlussbemerkung/Reflexion

Anhang

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

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„Robotic Process Automation takes the Robot out of the human“

Leslie Willcocks

Zusammenfassung

Fragestellung und Zielsetzung

Zahlreiche Aufgaben eines Unternehmens folgen einem strukturierten Ablauf und könnten automatisiert werden, treten jedoch zu selten auf, um den Automatisierungsaufwand zu rechtfertigen. Mit Robotic Process Automation (RPA) soll sich dies ändern: Indem ein Roboter die Eingaben auf einer bestehenden Benutzeroberfläche emuliert, sind keine Änderungen in der Zielapplikation notwendig, wodurch eine Automatisierung zeitnah und kostengünstig möglich ist. Das Potenzial von RPA und die Erfahrungen aus bereits realisierten Einführungen sind zwar vielversprechend, jedoch stehen dieser Zuversicht auch zahlreiche gescheiterte RPA-Projekte gegenüber. Der Kern dieser Thesis beleuchtet aus diesem Grund die zentralen Erfolgsfaktoren bei der Einführung eines RPA-Systems mit dem Ziel, einem Kreis von Interessierten die Essenz der Erfahrungen erfolgreicher Einführungen mit auf den Weg zu geben.

Theorie

Der theoretische Teil gibt einen Einstieg und Überblick über das Thema RPA, zeigt die Merkmale und die Funktionsweise von RPA-Systemen auf und geht auf die Abgrenzung zu Business Process Management System (BPMS) ein. Die Eigenschaften geeigneter Prozesse werden beleuchtet, und auf die Wichtigkeit der systematischen Auswahl von Prozesskandidaten wird hingewiesen. Aus den umfangreichen Literaturquellen werden der potenziell vielseitige Nutzen und die Grenzen sowie Herausforderungen, die eine RPA-Einführung mit sich bringen kann, konzentriert aufgezeigt. Als Abschluss des theoretischen Teils folgen die Empfehlungen und Erkenntnisse für eine erfolgreiche Einführung, die anschliessend in der Empirie überprüft werden.

Methode

In der Offenheit und der dialog-fokussierten qualitativen Forschung sieht der Verfasser die beste Möglichkeit, um auf die verschiedenen Umgangsweisen der Unternehmen bei der Einführung eines RPA-Systems einzugehen. Die Erfolgsfaktoren werden mithilfe von Leitfadeninterviews mit Experten aus den Zielgruppen Anwender/Applikationsverantwortliche, Hersteller und Berater aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Die transkribierten Interviews dienen anschliessend als Datenmaterial für die qualitative Inhaltsanalyse, welche die Ergebnisse strukturiert verdichtet.

Ergebnisse und Schlussfolgerung

Die Erkenntnisse des theoretischen Teils spiegeln sich in den Erkenntnissen der Empirie deutlich wider und werden durch diese ergänzt und konkretisiert. Am Anfang eines Vorhabens ist es zentral, sich fundiert Gedanken darüber zu machen, wie RPA in einem Unternehmen langfristig positioniert werden soll. Der initiale Einsatz und der Ausbau können in kleinen Schritten erfolgen, wobei es wichtig ist, eine Vision zu haben. Weiter sollen die Mitarbeitenden im Rahmen eines Change-Managements von Prozessbeginn an involviert sein. Eine klare Kommunikation über die Ziele des Vorhabens zerstreut die meist übertriebenen Ängste der Mitarbeitenden. Essenziell ist die Unterstützung der Geschäftsleitung. So soll ein Vertreter des Managements vorangehen, die Wichtigkeit der Einführung betonen und die Mitarbeitenden dazu motivieren, intern beizuwohnen. RPA wird attraktiv, wenn es skalieren kann, was meist nur möglich ist, wenn die Prozesskandidaten in der ganzen Unternehmensbreite identifiziert werden können. Dabei sollte das aktuell mögliche Spektrum mit klarer Abgrenzung zur künstlichen Intelligenz von RPA aufgezeigt und die Erwartungen des Managements frühzeitig abgeholt werden.

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die frühzeitige Beteiligung der IT-Abteilung, die eine Voraussetzung für den Aufbau einer skalierbaren und sicheren Robotik-Infrastruktur ist. Da die bestehenden IT-Policies meist (noch) nicht auf einen Einsatz von RPA ausgelegt sind, empfiehlt es sich, genügend Zeit für Aufklärungs- und Überzeugungsarbeiten einzuplanen. Zusätzlich sollte gemeinsam mit der IT-Abteilung geprüft werden, ob auf der jeweiligen Zielapplikation bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Die Integration über die schon vorhandene Applikationslandschaft ist das primäre Ziel, während ein Roboter, abgesehen von taktischen und vorübergehenden Lösungen, nur die zweit- oder drittbeste Lösung darstellt. Ferner ist eine Governance für den mittel- und langfristigen Erfolg eines RPA-Einsatzes unentbehrlich. Von Vorteil kümmert sich eine zentrale Stelle respektive ein zentrales Team darum, beispielsweise in Form eines Center of Excellence.

Vorwort

Auf das Thema RPA hat mich mein Arbeitskollege, Herr Stefan Michel, der mir auch stets mit wertvollen Ratschlägen zur Seite stand, aufmerksam gemacht, wofür ich ihm danken möchte. Als Wirtschaftsinformatiker bin ich seit über 20 Jahren im Bereich von Kernbankensystemen tätig und betrachtete die Entwicklung von RPA bisher nur aus der Ferne. Den Medien konnte ich in meist oberflächlichen Berichten sowohl äusserst positive als auch negative Erfahrungen entnehmen. Als ich vernahm, dass sich mein Arbeitgeber über einen Einsatz von RPA Gedanken macht, nahm ich diesen Umstand zum Anlass, das Thema RPA und dessen erfolgreiche Einführung im Detail zu beleuchten.

Danken möchte ich an dieser Stelle allen Interviewpartnern, die sich trotz ihrer sehr gefüllten Agenden für die Gespräche zur Verfügung gestellt haben und bereit dazu waren, ihre Erfahrungen mit mir zu teilen.

Ein spezielles Dankeschön geht an meinen Referenten, Herrn Guido Schlobach, der mit seiner fachlichen Beratung und präzisen Antworten auf meine Fragen zur Entstehung und Entwicklung dieser Arbeit beigetragen hat. Ebenfalls speziell danken möchte ich meinen Schwiegereltern, Frau Uschy Fuchs für das Korrektorat und Herrn Emmerich Fuchs für seine stets wertvollen und konstruktiven Inputs, nicht nur im Rahmen dieser Thesis, sondern während meiner bisherigen beruflichen und schulischen Laufbahn.

Zum Schluss gilt mein besonderer Dank meinen Eltern und meiner Familie für die stetige Unterstützung, insbesondere meiner Frau Karin und meinen Kindern Lenny und Malea, die mich immer wieder entbehren mussten und die anstrengende Zeit mit viel Geduld ertragen haben. Zudem bedanke ich mich bei Frau Sara Furler für das Lektorat dieser Arbeit.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit des Textes wird in dieser Arbeit auf die Schreibweise mit -er/-innen verzichtet. Stattdessen werden die generellen Bezeichnungen von Personen in der kürzeren, männlichen Schreibweise verwendet. Diese Schreibung wird als Synonym für die weibliche und männliche Form genutzt, es werden also alle weiblichen und männlichen Personen gleichberechtigt angesprochen.

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

Im Fokus von betrieblichen Optimierungen steht seit Jahrzehnten die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Seit den 1990er-Jahren konnten dank integrierter Datenbanken und der darauf aufbauenden Enterprise Resource Planning -Systeme, kurz ERP-Systeme, wesentliche Produktivitätssteigerungen erzielt werden, indem diese mit dem Ziel entwickelt wurden, die Geschäftsprozesse möglichst ganzheitlich zu unterstützen (Scheer, 2017a).

Darüber hinaus haben sich seit den 1990er-Jahren zahlreiche Unternehmen für ein Business Process Management (BPM) entschieden und damit für die Einführung einer Prozessorganisation. Das bessere Verständnis von Problemen in den Geschäftsprozessen und die Verbesserungsmöglichkeiten der bestehenden Organisation sind dabei die wesentlichen Ziele. In der Regel wird eine Ist-Situation durch ein Prozessmodell abgebildet und deren Mängel werden diskutiert. Anschliessend wird ein Soll-Modell unter Berücksichtigung der Möglichkeiten von einzuführenden Softwaren wie bspw. eines ERP- oder eines Customer Relationship Management- Systems, kurz CRM-System, erstellt. Dabei soll durch Customizing des ERP- oder CRM-Systems das Soll-Modell umgesetzt werden. Ein weiterer Ansatz zur Umsetzung des Soll-Modells stellt Business Process Management System (BPMS) dar, das – vereinfacht formuliert – die Software aus dem Modell generieren kann. Ein BPMS stösst mittels einer zentralen Process Engine die Aufgaben gemäss Soll-Modell an und gibt dabei die benötigten Daten weiter. Obwohl eine Prozess-Implementation mittels BPMS im Vergleich zu einem fest programmierten Ablauf einfacher und flexibler ist, verursachen die notwendigen Anbindungen der Applikationen nach wie vor meist hohe Aufwände (Scheer, 2017a).

Die Automatisierung von Aufgaben mithilfe von ERP- und CRM-Systemen sowie BPMS konnten unter anderem die Produktivität steigern. Da solche Vorhaben jedoch meist mit hohen Aufwänden verbunden sind, werden gezielt nur jene Aufgaben automatisiert, die sehr häufig vorkommen. Wie die nachfolgende Abbildung zeigt, gibt es in einem Unternehmen zahlreiche Aufgaben, die ebenfalls einem strukturierten Ablauf folgen und daher automatisiert werden könnten, aber zu selten auftreten, um den Automatisierungsaufwand zu rechtfertigen (siehe nachfolgende Abbildung, gelb markiert). Diese Aufgaben werden auch sog. long tail -Aufgaben genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verteilung von Aufgaben nach Häufigkeit und Verschiedenheit

Quelle: in Anlehnung an von der Aalst, Bichler, & Heinzl (2018, S. 270)

1.2 Forschungsproblem

Im Rahmen der Digitalisierung bringen neue Technologien wie Cloud Computing und das Internet der Dinge veränderte Organisationen mit sich. In diesem Kontext entsteht auch eine neue Welle der Automatisierung, getrieben durch Robotik (Czarnecki & Auth, 2018). Diejenigen long tail -Aufgaben, die einem strukturierten Ablauf folgen, aber zu selten auftreten, um ihren Automatisierungsaufwand mit bisherigen Lösungen zu rechtfertigen, sollen nun durch RPA effizient automatisiert werden können.

RPA ist ein neuartiger Ansatz zur Prozessautomatisierung, im Rahmen dessen Aufgaben von Robotern erlernt und automatisch ausgeführt werden. Im Kontext von RPA wird unter Roboter keine physische Maschine, sondern ein Softwareprogramm verstanden. „Die innovative Idee ist die Transformation der bestehenden Prozessausführung von manuell zu digital, was RPA von traditionellen Ansätzen des BPM unterscheidet“ (Czarnecki & Auth, 2018, S. 113). Der Roboter emuliert die Eingaben auf der bestehenden Benutzeroberfläche, sodass weder eine Änderung der Applikation noch eine Anbindung von Schnittstellen notwendig ist.

Die Idee einer Integration über die Benutzeroberfläche ist nicht neu und wird seit langer Zeit von sog. Screen Scraping Tools verwendet (Allweyer, 2016). RPA verspricht jedoch, wesentlich mächtiger und flexibler zu sein. Dieser Ansatz hat das Ziel von signifikanten Kosteneinsparungen bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz und der Prozessleistungsqualität (Allweyer, 2016, S. 5). Automatisierungen mittels RPA sollen zudem schneller umgesetzt werden als mit vergleichbaren IT-Lösungen wie BPMS (Czarnecki & Auth, 2018, S. 117). Erfahrungen aus bereits realisierten Projekten haben das Potenzial von RPA bestätigt (Schmitz, Dietze, & Czarnecki, 2019). Dank solchen positiven Erfahrungen prognostizieren Beratungsinstitute einen stark wachsenden Bedarf an RPA-Systemen (ATKearney & Arvato, 2018). Demgegenüber steht aber die Tatsache, dass bisher 30–50 % der initialen RPA-Projekte gescheitert sind (Ernst & Young, 2016). Gemäss dem Gartner Hypecycle für Emerging Technologies erreichte das Thema RPA, unter Smart Robots geführt, im Jahre 2017 seinen Höhenpunkt. Was geschieht nun nach dem Hype – schafft RPA den Übergang in die produktive Phase?

1.3 Forschungsfrage

Die sog. long tail -Aufgaben machen einen erheblichen Anteil der Tätigkeiten in einem Unternehmen aus, auch in jenem des Verfassers. Aus diesem Grund scheint der Ansatz und das Potenzial von RPA vielversprechend, weshalb im Rahmen dieser Master-Thesis folgende Forschungsfragen beantwortet werden sollen:

1. Welche Merkmale weisen RPA-Systeme auf? Worin bestehen die elementaren Unterschiede zwischen BPMS und RPA-Systemen?

Arbeitshypothese: Stark strukturierte Routineaufgaben, die bislang von Menschen ausgeführt wurden, werden von Robotern übernommen. Die Roboter werden nicht programmiert, sondern von Fachexperten ohne Programmierkenntnisse konfiguriert. Die Integration erfolgt über die Benutzeroberflächen. Es werden keine Veränderungen am vorhandenen System vorgenommen und auch keine technischen Schnittstellen verwendet. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu BPMS ist die Art der Integration. BPMS nutzt Anwendungsprogrammierschnittstellen, Web Services oder ähnliche Technologien als Zugriff auf Drittsysteme, wohingegen RPA-Systeme die existierenden Benutzeroberflächen direkt ansteuern (Allweyer, 2016).

2. Worin liegen zentrale Erfolgsfaktoren bei der Einführung eines RPA-Systems in Unternehmungen?

Arbeitshypothese: Die Erfolgsfaktoren sind mannigfach. Die Automation mittels RPA dient nicht dazu, Probleme in den Abläufen zu beheben, weshalb die Prozesse vor dem Einsatz von RPA optimiert werden sollten. „Der digitale Input muss akkurat und strukturiert sein“ (ATKearney & Arvato, 2018, S. 7). Alle Stakeholder sind früh in die Kommunikation einzubinden. Mit einem Proof of Concept (PoC), der schnell Erfolge zeigt und damit Vertrauen schafft, sollte begonnen werden. Das Implementierungsdesign sollte das gesamte betroffene Team berücksichtigen, da sich Rollen und organisatorische Strukturen verändern werden. Es sollte eine agile Vorgehensmethodik gewählt werden, in der in Sprints getestet und verfeinert wird (ATKearney & Arvato, 2018).

Bei der ersten Forschungsfrage steht im Fokus, was RPA-Systeme kennzeichnen und worin sie sich von BMPS unterscheiden. Der Leser soll thematisch abgeholt werden. Die Beantwortung dieser Fragestellung erfolgt im Rahmen einer Literaturrecherche.

Die zweite Forschungsfrage bildet den Kern der Thesis und geht auf die zentralen Erfolgsfaktoren einer RPA-Systemeinführung ein. Im Mittelpunkt der Thesis stehen eine Reihe von praxisbezogenen Interviews, welche die Kernforschungsfrage aus der Sicht von Anwendern/Applikationsverantwortlichen, Herstellern und Beratern betrachten.

1.4 Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung

Ein erstes und zugleich prioritäres Ziel dieser Master-Thesis besteht darin, die erwähnten Forschungsfragen systematisch, methodisch korrekt und zugleich fundiert zu beantworten und dabei auf die erarbeiteten Arbeitshypothesen zu referenzieren.

1.4.1 Zielgruppe

Bei der Suche nach Interviewpartnern wird bewusst ein Schwerpunkt auf die Finanzdienstleistungsbranche gelegt, in welcher der Verfasser selber auch tätig ist. Die Ergebnisse können daher spezifische Elemente der Finanzdienstleistungsbranche enthalten. Grundsätzlich richtet sich diese Master-Thesis an ein Fachpublikum, das sich für neue Erkenntnisse rund um RPA interessiert und gegebenenfalls die Einführung eines RPA-Systems in Betracht zieht. Für diese Master Thesis gelten nachfolgende Zielsetzungen und inhaltliche Abgrenzungen:

1.4.2 Zielsetzungen

1. Es soll verständlich dargelegt werden, was genau unter RPA verstanden wird und damit ein klares RPA-Begriffsverständnis geschaffen werden.
2. Auf Basis einer Literaturrecherche wird die Frage beantwortet, worin sich BPMS und RPA-Systeme grundlegend unterscheiden. Diese Ausführungen werden aufgrund des Themenrahmens bewusst kompakt abgehalten.
3. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit Anwendern/Applikationsverantwortlichen, Herstellern und Beratern. Die qualitative und praxisbezogene Datenerhebung verfolgt dabei das Ziel, einem Kreis von Interessierten Inputs für eine RPA-Implementierung und Hinweise zu den damit verbundenen Herausforderungen mit auf den Weg zu geben.

1.4.3 Abgrenzungen

1. Die Einführung von RPA-Systemen erfolgt oft im Kontext von übergeordneten Digitalisierungsstrategien, die aber im Rahmen dieser Thesis aus Aufwand- und Zeitgründen nicht näher betrachtet werden.
2. Der Evaluationsprozess eines RPA-Systems ist nicht Bestandteil dieser Thesis. In den meisten Unternehmen – und so auch in jenem des Verfassers – haben sich standardisierte Beschaffungsprozesse etabliert, nach denen auch die Evaluation eines RPA-Systems erfolgen kann. In diesem Zusammenhang wird im Rahmen dieser Thesis auch keine Landschaft von verfügbaren RPA-Systemen erarbeitet oder gar bewertet, sondern auf bereits publizierte Landschaften von Beratungsunternehmen verwiesen.
3. Die Thesis beinhaltet keine technischen Aspekte zur Funktionsweise von spezifischen RPA-Systemen oder deren technischen Integration im Unternehmen.
4. Für die Beantwortung der ersten Forschungsfrage, was die Merkmale eines RPA-Systems sind, wird unter anderem auf die grundlegende Unterscheidung zu BPMS eingegangen. Die Thesis behandelt BPMS jedoch nicht im Detail, sondern nur soweit wie für die Differenzierung zu RPA-Systemen notwendig.
5. Im Rahmen dieser Thesis wird die Vorgehensweise zur Identifikation von geeigneten Prozessen für eine Automatisierung mittels RPA näher betrachtet. Das Erarbeiten eines Kriterienkataloges ist jedoch nicht Bestandteil dieser Thesis (dazu sind bereits Publikationen verfügbar).
6. Als nächste Entwicklungsstufe von RPA-Systemen wird die Kombination von RPA mit Ansätzen der Künstlichen Intelligenz (KI) gesehen. In diesem Zusammenhang wird auch von intelligenten Robotern gesprochen. Die Kombination von RPA und KI ist aktuell noch Gegenstand von Forschungen und hat noch keine Marktreife erreicht (Czarnecki & Auth, 2018). Im Rahmen dieser Thesis werden daher die Ansätze von KI nicht betrachtet und der Fokus liegt auf den sog. einfachen RPA-Anwendungen (Scheer, 2017a, S. 35).

1.5 Aufbau und Vorgehensweise

Diese Thesis gliedert sich in fünf Teile: Einleitung, Theorie, methodische Vorgehensweise, Empirie sowie Schlussfolgerung. Im theoretischen Teil wird ein Überblick über die bestehende Literatur zum Themenfeld von RPA geschaffen, indem auf den aktuellen Stand der Forschung, auf die Grundlagen sowie die bisher typischen Einsatzbereiche von RPA eingegangen wird. Weiter werden der Nutzen und die Herausforderungen von RPA beleuchtet. Wie mit bestimmten Herausforderungen umgegangen werden kann, wird anschliessend durch publizierte Erfolgsfaktoren und Empfehlungen aufgezeigt. Die Literatur soll insofern verdichtet werden, um die Untersuchung der Kernforschungsfrage nach Erfolgsfaktoren bei der Einführung eines RPA-Systems zu ermöglichen. Als Abschluss des theoretischen Teils werden die Erkenntnisse aus der Theorie der Arbeitshypothese gegenübergestellt.

Im dritten Teil wird die methodische Vorgehensweise, also wie die Erkenntnisse gewonnen wurden, aufgezeigt. Dabei wird auf die qualitative Forschung eingegangen und deren Verwendung begründet. Für die Datenerhebung wurden die Interviewleitfäden basierend auf sensibilisierenden Konzepten erarbeitet. Die Leitfragen übersetzen dabei die Kernforschungsfrage und die Erkenntnisse der Theorie in Form von Fragen an die Empirie. Für die anschliessende Auswertung der transkribierten Interviews wurde im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse ein Kategoriensystem aufgebaut.

Die Ergebnisse aus dem Diskurs mit der Empirie werden im vierten Teil entlang des Kategoriensystems beschrieben und mit Zitaten belegt.

Im fünften Teil werden als Zusammenfassung die Erkenntnisse der Empirie den Erkenntnissen der Theorie gegenübergestellt und ein Fazit über die Beantwortung der Kernforschungsfrage gezogen. Entlang des Forschungsprozesses folgt eine kritische Würdigung der Ergebnisse. Die vorliegende Thesis wird mit einem kurzen Ausblick auf den weiteren Forschungsbedarf und mit einer Abschlussbemerkung abgerundet.

Die nachfolgende Abbildung dient als roter Faden und visualisiert damit den Weg vom Forschungsproblem bis zur Schlussfolgerung. Im linken Bereich der Abbildung sind die verschiedenen Teile dieser Thesis ersichtlich (grau markiert), während im mittleren Bereich die wesentlichen Schritte dieser Teile aufgeführt (blau markiert) und rechts davon weitere Ergänzungen (gelb markiert) aufgeführt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufbau und Vorgehensweise der Thesis

Quelle: in Anlehnung an Meier (2018)

2 Theoretischer Teil

Zu Beginn des theoretischen Teils wird aufgezeigt, wie die Literaturrecherche durchgeführt wurde, um eine möglichst grosse Abdeckung im Kontext der Forschungsfragen zu erreichen.

2.1 Literaturrecherche

Das sog. ‘Schneeballprinzip’, in dem ausgehend von bekannten Titeln von Literaturverzeichnis zu Literaturverzeichnis navigiert wird, ermöglicht das schnelle Sammeln von Literatur. Damit die Recherche möglichst breit abgestützte Resultate hervorbringt, wurde im Rahmen dieser Arbeit ein systematisches und methodisches Vorgehen gemäss dem Handout der Wirtschaftswissenschaften der Zentralbibliothek Zürich (2018) verwendet (siehe nachfolgende Abbildung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Vier Schritte der Recherche

Quelle: in Anlehnung an Stettler (2018, S. 3)

Im ersten Schritt, der Vorbereitung, wurden die Forschungsfragen in einzelne Schlüsselbegriffe zerlegt und nach passenden Synonymen sowie Ober- und Unterbegriffen gesucht. Basierend auf diesen Begriffen und der Verwendung von booleschen Operatoren wurden anschliessend verschiedene Suchbegriffe zusammengestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Aufbau Suchbegriff (Beispiel)

Quelle: in Anlehnung an Stettler (2018)

Während der Vorbereitung wurde auch die Recherchetiefe festgelegt. Mit Unterstützung der Zentralbibliothek ermittelte der Verfasser dieser Arbeit im Rahmen einer individuellen Rechercheberatung neben dem Bibliothekskatalog weitere geeignete Fachdatenbanken aus den Fachgebieten Informatik und Wirtschaftswissenschaften sowie geeignete E-Ressourcen und Suchmaschinen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die ausgewählten Quellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Robotic Process Automation (RPA) im Unternehmen. Erfolgsfaktoren und Empfehlungen für die Einführung
Autor
Jahr
2020
Seiten
106
Katalognummer
V506109
ISBN (eBook)
9783960957928
ISBN (Buch)
9783960957935
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robotic Process Automation (RPA), Einführung, Erfolgsfaktoren, Robotic Desktop Automation, Agilität, Agile Vorgehensmethodik, Business Process Management System, BPMS
Arbeit zitieren
Björn Freivogel (Autor), 2020, Robotic Process Automation (RPA) im Unternehmen. Erfolgsfaktoren und Empfehlungen für die Einführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506109

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