Demographischer Wandel in Deutschland bis 2020


Seminararbeit, 2005
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist der demographische Wandel?
2.1 Der Erste Demographische Übergang in Deutschland

3. Konstitutive Merkmale einer Bevölkerung
3.1 Die Geburtenentwicklung in Deutschland
3.2 Lebenserwartung und Alterung
3.3 Migration in Deutschland

4. Die Bevölkerungsentwicklung bis 2050
4.1 Die Fertilitätsrate bis 2050
4.2 Die Lebenserwartung bis 2050
4.3 Das Wanderungssaldo bis 2050
4.4 Die Entwicklung der Bevölkerungszahl bis 2050

5. Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Arbeitskräfteangebot

6. Politische Optionen beim demographischen Wandel

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das häufig in den Medien diskutierte Schlagwort „Demographischer Wandel“ ist ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Industrienationen, vor allem in Japan und praktisch allen Staaten Europas, zu verzeichnen ist. Demographische Entwicklungen entfalten sich in langen Zeiträumen. Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen bestimmen den Umfang und den Aufbau einer Bevölkerung. Die resultierende Bevölkerungsstruktur setzt den Rahmen für die weitere Entwicklung. Im gesamten Bundesgebiet Deutschlands ist die zukünftige demographische Entwicklung durch niedrige Geburtenhäufigkeit und steigende Lebenserwartung geprägt. Die Folgen sind Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft.

In dieser Hausarbeit wird im Folgenden dargestellt, was genau unter dem demographischen Wandel zu verstehen ist und von welchen Faktoren er abhängt. Dabei steht zunächst die allgemeine Beschreibung im Vordergrund, bevor explizit das Beispielland Deutschland analysiert wird. Um den demographischen Übergang zu erläutern, ist es notwendig bis ins 19. Jahrhundert zurückzugehen.

Nach der generellen Behandlung der konstitutiven Merkmale einer Bevölkerung – Fertilität, Mortalität und Migration – wird, basierend auf der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistisches Bundesamtes, die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2020 bzw. 2050 analysiert.

Den Abschluss dieser Arbeit wird die Betrachtung der Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Erwerbspersonenpotenzial und eventueller Ansatzpunkte einer demographieorientierten Politik bilden.

2. Was ist der demographische Wandel?

Das Altern der Bevölkerung kann synonym genutzt werden für das Schlagwort des demographischen Wandels. Sowohl in Deutschland als auch in anderen Gesellschaften Europas sind säkulare demographische Tendenzen aufzuzeigen, die durch zwei Merkmale geprägt sind:

1. Eine zunehmende alternde Bevölkerung, die zum einen durch einen Geburtenrückgang, zum anderen durch eine steigende Lebenserwartung hervorgerufen wird. Das hat einen Wandel in der Altersstruktur zur Folge, der nicht durch eine Zunahme der Zahl älterer Menschen, sondern durch Anteilsverschiebungen entsteht,
2. Zuwanderungen, die in mehreren Phasen stattfanden und ohne die Bevölkerung Deutschlands bereits in den 1970er Jahren zurückgegangen wäre.

(DEUTSCHER BUNDESTAG 2002: 15)

Unter dem Begriff „Altern der Bevölkerung“ versteht man einen globalen, langsam und langfristig verlaufenden Wandel in einigen grundlegenden demographischen Verhaltensmustern. Dieser Prozess begann in Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wird im Verlauf des 21. Jahrhunderts alle Länder dieser Welt in unterschiedlichem Ausmaß betreffen.

Ausgangspunkt des heute mit zunehmender Dynamik verlaufenden Alterungsprozesses ist der sogenannte Erste Demographische Übergang. Dieser beschreibt das Zusammenspiel von Geburten- und Sterbehäufigkeiten bei ihrer Transition von einem sehr hohen zu einem niedrigen Niveau. In Deutschland fand dieser Übergang in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im damaligen Deutschen Reich statt (BUNDESINSTITUT FÜR BEVÖLKERUNGSFORSCHUNG 2004: 9).

Idealtypisch verläuft dieser Übergang in fünf Phasen (s. Abb.1):

Die Phase 1, auch Vortransformationsphase genannt, ist durch eine sehr hohe Geburten- und Sterbehäufigkeit charakterisiert, wobei die Geburtenhäufigkeit im Trend etwas höher als die Sterbehäufigkeit ausfällt. In diesem historisch gesehen langen Zeitraum stieg die Bevölkerungszahl, wenn auch durch Kriege, Seuchen und Hungersnöte unterbrochen, kontinuierlich an.

In Phase 2, der Frühtransformation, die zur Zeit der beginnenden Industrialisierung stattfand, beginnen anfangs die Sterbeanteile zu sinken, hervorgerufen durch ein steigendendes Lebensalter, während die Geburtenraten unverändert hoch bleiben und erst gegen Ende dieser Phase einem leicht rückläufigen Trend folgen.

Phase 3 entspricht der eigentlichen Transformationsphase, die durch schnell sinkende Geburten- und Sterbeziffern gekennzeichnet ist, wobei die Sterberate weiterhin geringer ausfällt.

In der vierten Phase nähert sich die Geburtenhäufigkeit dem bereits niedrigen Niveau der Mortalität, das nur noch geringfügig sinkt. Das Tempo des Geburtenrückgangs verringert sich einhergehend mit dem des Bevölkerungswachstums.

Die fünfte Phase ist die sogenannte Nachtransformationsphase, in der sich Geburten- und Sterbeziffern auf einem gemeinsamen niedrigen Niveau eingependelt haben. Der demographische Übergang ist hier abgeschlossen (BUNDESINSTITUT FÜR BEVÖLKERUNGSFORSCHUNG 2004: 9f.)

Abb.1: Das allgemeine Schema des Ersten Demographischen Übergangs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Durchschnitt aller Länder gesehen, nähert sich die Weltbevölkerung heute dem Ende der Phase 3 des demographischen Übergangs.

2.1 Der Erste Demographische Übergang in Deutschland

In welcher Form der Erste Demographische Übergang in Deutschland vorzufinden ist, weist Abb. 2 auf. Die Vortransformationsphase, die die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt, ist durch eine sehr hohe Geburten- und Sterberate charakterisiert, was sich in einem Altersaufbau widerspiegelt, der als Pagodenform[1] bezeichnet wird. Typisch ist hierbei eine sehr junge, langsam wachsende Bevölkerung, in der die Fertilität zwar hoch ist, aber durch die enorme Säuglings- und Kindersterblichkeit dezimiert wird.

In der Frühtransformationsphase fallen die Sterbeziffern, wohingegen die Geburtenrate unverändert hoch bleibt. In Deutschland setzt der demographische Übergang um das Jahr 1865 ein. Der Rückgang der Sterblichkeit ist zunächst vor allem durch einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit zu erklären, was zu einem Wandel im Altersaufbau und dem Übergang von der Pagoden- in der Dreiecksform führt (Vgl. Jahr 1910). Dies ist die Voraussetzung für den einsetzenden Alterungsprozess, da das verstärkte Überleben der Kinder einerseits eine Erhöhung ihres Anteils an der Bevölkerung bewirkt und andererseits die Chance für ein höheres Lebensalter bietet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Somit beginnt in der eigentlichen Transformationsphase, der Phase 3, die Bevölkerung zu altern. Der Altersaufbau nimmt die Glockenform an, die durch die relativ niedrige Mortalität und das damit verbundene Hineinrücken von stärkeren Jahrgängen in das mittlere Lebensalter hervorgerufen wird. Die älteren Jahrgänge bleiben auf schwachem Niveau und es ist eine hohe Geburtenrate vorhanden.

Die besondere Situation in Deutschland mit den beiden Weltkriegen verursacht ein Abweichen der Fertilitätskurve vom Schema des demographischen Übergangs insofern, dass diese rascher absinkt. Es kam zu einem starken Rückgang um 1915, der bereits in der Altersgliederung der Bevölkerung im Jahr 1939 wiederzufinden ist. Die Einbuchtungen um die Altersjahre 23 bis 25 zeigen die Dimension des Geburtenrückgangs in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Aber auch Jahrzehnte später sind historische Einflüsse noch auszumachen. Die Gegebenheiten in Deutschland führten dazu, dass der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung nicht mehr eindeutig die im demographischen Übergang klassischen Formen annimmt, sondern viele Unregelmäßigkeiten aufweist.

Die Posttransformationsphase ist durch die Urnenform gekennzeichnet. Es erfolgt eine Annäherung der Geburtenrate an das bereits niedrige Niveau der Sterblichkeit, die eine fertilitätsgeleitete Alterung zur Folge hat, die sich durch eine Alterung von der Basis des Altersaufbaus her ausdrückt.

Für das Jahr 2050 wird der klassische urnenförmige Aufbau prognostiziert, der erst durch eine über einen längeren Zeitraum ungestörte Bevölkerungsentwicklung entstehen kann (BUNDESINSTITUT FÜR BEVÖLKERUNGSFORSCHUNG 2004: 12f.).

[...]


[1] Die Altersgliederung kann in Form der Bevölkerungspyramide grafisch dargestellt werden. Neben den verschiedenen Jahrgängen wird dabei zusätzlich nach dem Geschlecht differenziert.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Demographischer Wandel in Deutschland bis 2020
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V50626
ISBN (eBook)
9783638468138
ISBN (Buch)
9783638791632
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographischer, Wandel, Deutschland
Arbeit zitieren
Antje Minde (Autor), 2005, Demographischer Wandel in Deutschland bis 2020, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50626

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