Zunehmende Fixkosten- und Gemeinkostendominanz sowie die Mängel traditioneller Kostenrechnungssysteme, geeignete Informationen für das Fixkosten- und Gemeinkostenmanagement zu liefern, haben in den letzten Jahren die Diskussion um eine Weiterentwicklung von Kostenrechnungssystemen immer wieder belebt. Vor allem die gemeinkostenverursachenden indirekten Leistungsbereiche stellen für die Unternehmen häufig eine "black box" dar und können nicht verursachungsgerecht erfasst und verrechnet werden. [Vgl. Mayer (1998), o.S.]
Die Prozesskostenrechnung als Mittel des strategischen Kostenmanagements versucht dabei diesen Problemen auf den Grund zu gehen. Sie vermeidet die Unzulänglichkeiten traditioneller Kostenrechnungssysteme, trennt sich von zweifelhaften Zuschlags- und Verrechnungssätzen für Gemeinkosten und erfasst bzw. verrechnet stattdessen die Kosten an den Stellen des Leistungsprozesses, wo sie als Verursacher (Cost Driver) auch tatsächlich identifiziert werden können. [2 Vgl. Olshagen (1991), o.S.] Dies ist ein neuartiger Ansatz, den der Autor im Rahmen seiner wissenschaftlichen Arbeit umfassend vorstellen und näher erläutern möchte.
Die Struktur und der Aufbau meiner Arbeit sollen dabei einen roten Leitfaden darstellen und durch die Thematik der Prozesskostenrechnung führen. So wird der Autor zu Beginn im zweiten Kapitel die Grundlagen und die Notwendigkeit der Prozesskostenrechnung in unserer Zeit beleuchten.
Das dritte Kapitel gibt dem Leser einen Überblick über den Aufbau und die einzelnen Schritte, die zur Einführung der Prozesskostenrechnung notwendig sind. Bestandteil dieses Kapitels sind auch die Anwendung und Umsetzung der Prozesskostenrechnung in der Praxis, die explizit an konkreten Beispielen erläutert werden. So bilden dann am Ende eine kritische Beurteilung und die Schlussbemerkung den inhaltlichen Abschluss dieser Arbeit, die in ihrer Gesamtheit einen umfassenden Überblick über die Thematik der Prozesskostenrechnung geben soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlagen der Prozesskostenrechnung
2.1 Problemstellung
2.2 Entstehung der Prozesskostenrechnung
2.3 Aufgaben und Ziele der Prozesskostenrechnung
3 Aufbau und Anwendung der Prozesskostenrechnung
3.1 Analyse der Tätigkeiten
3.2 Definition von Prozessen und Bildung einer Prozesshierarchie
3.3 Bestimmung der prozessbezogenen Kostentreiber/-mengen
3.4 Kostenzuordnung zu Prozessen
3.5 Berechnung der Prozesskostensätzen
3.6 Planung und Kontrolle mit Prozesskosten
3.7 Kalkulation mit Prozesskosten
4 Kritische Beurteilung der Prozesskostenrechnung
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Prozesskostenrechnung als strategisches Instrument des Kostenmanagements vorzustellen, um die Mängel traditioneller Kostenrechnungssysteme bei der Verrechnung von Gemeinkosten in indirekten Leistungsbereichen zu überwinden.
- Ursachen und Auswirkungen des steigenden Gemeinkostenanteils in Unternehmen.
- Methodische Vorgehensweise bei der Einführung der Prozesskostenrechnung.
- Analyse und Strukturierung von Tätigkeiten, Prozessen und Kostentreibern.
- Anwendung der Prozesskostenrechnung für Planung, Kontrolle und Kalkulation.
- Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen des Verfahrens.
Auszug aus dem Buch
3.2 Definition von Prozessen und Bildung einer Prozesshierarchie
Die so gewonnen Tätigkeiten werden dann zunächst zu Teilprozessen und schließlich zu Hauptprozessen verdichtet. Tätigkeiten bzw. Aktivitäten, die die kleinste, aus kostenrechnerischer Sicht nicht mehr sinnvoll unterteilbare Handlungseinheit darstellen, werden auf der nächsten Ebene zu Teilprozessen innerhalb einer Kostenstelle zusammengefasst. Dabei wird differenziert, ob das Arbeitsvolumen von der Leistungsmenge des indirekten Bereichs abhängt (=lmi-Prozesse, d.h. leistungsmengeninduzierte Prozesse), oder von der Leistungsmenge des indirekten Bereichs unabhängig ist (=lmn-Prozesse, d.h. leistungsmengenneutrale Prozesse).17
Im nächsten Schritt werden dann mehrere sachlich zusammenhängende Teilprozesse kostenstellenübergreifend zu Hauptprozessen verdichtet, so dass letztendlich eine Prozesshierarchie entsteht:18
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Erläutert die Problematik der Fixkosten- und Gemeinkostendominanz sowie die Zielsetzung der Arbeit, die Prozesskostenrechnung als Lösungsweg darzustellen.
2 Grundlagen der Prozesskostenrechnung: Analysiert den Gemeinkostenanstieg und beschreibt die historische Entstehung sowie die Aufgaben und Ziele des Instruments.
3 Aufbau und Anwendung der Prozesskostenrechnung: Beschreibt detailliert die praktische Umsetzung von der Tätigkeitsanalyse bis hin zur Kalkulation mit Prozesskosten.
4 Kritische Beurteilung der Prozesskostenrechnung: Diskutiert die Kontroversen zwischen dem hohen Implementierungsaufwand und dem Nutzen als strategisches Management-Instrument.
5 Schlussbemerkung: Resümiert die Prozesskostenrechnung als wertvolles Element eines umfassenden Prozessmanagements.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Gemeinkostenmanagement, Tätigkeitsanalyse, Kostenstelle, Kostentreiber, Prozesshierarchie, Teilprozesse, Hauptprozesse, Variantenkalkulation, Allokationseffekt, Komplexitätseffekt, Degressionseffekt, Prozessmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Prozesskostenrechnung als ein Instrument des strategischen Kostenmanagements, um indirekte Gemeinkosten effizienter zu erfassen und zu verrechnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Wertschöpfungsstrukturen, der Definition von Prozesshierarchien sowie der Anwendung der Prozesskostenrechnung in Kalkulation und Kontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über den Aufbau und die Anwendung der Prozesskostenrechnung zu geben und deren Eignung zur Beseitigung von Unzulänglichkeiten traditioneller Kostenrechnung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse und verdeutlicht die methodischen Schritte der Prozesskostenrechnung anhand von Modellen und mathematischen Kalkulationsbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Gemeinkostenanstiegs sowie eine ausführliche Anleitung zur praktischen Einführung und Anwendung der Prozesskostenrechnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Prozesskostenrechnung, Kostentreiber, Prozesshierarchie, Variantenkalkulation sowie die verschiedenen Effekte (Allokations-, Komplexitäts- und Degressionseffekt).
Warum spielt die Differenzierung zwischen lmi- und lmn-Prozessen eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist notwendig, da lmi-Prozesse (leistungsmengeninduziert) direkt über Kostentreiber verrechenbar sind, während lmn-Prozesse (leistungsmengenneutral) als Gemeinkosten auf die lmi-Prozesse umgelegt werden müssen.
Was besagt der Allokationseffekt?
Der Allokationseffekt beschreibt die durch die Prozesskostenrechnung veränderte, verursachungsgerechtere Zuweisung von Gemeinkosten im Vergleich zur traditionellen Zuschlagskalkulation.
Welche Kritikpunkte werden gegenüber der Prozesskostenrechnung angeführt?
Kritiker bemängeln vor allem den hohen personellen und finanziellen Aufwand bei der Implementierung sowie die Problematik, dass es sich in der Praxis oft um eine Vollkostenrechnung mit potenziell verzerrter Fixkostenverteilung handelt.
- Arbeit zitieren
- Christian Holfelder (Autor:in), 2006, Prozesskostenrechnung. Grundlagen, Anwedung, kritische Beurteilung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50636