Touristifizierung und touristische Erlebniswelten am Beispiel Dubais


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Touristifizierung durch Erlebniswelten
1. Nutzung von für den Tourismus ungeeigneten Räumen
2. Wirkung der Erlebniswelten auf den Touristen

III. Dubai: Vom Ölstaat zum Erlebnisstaat
1. Geschichte und Gegenwart
2. Neue Einnahmequellen nach der Ölförderung
3. Tourismusprojekte

IV. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang: Fotos der Tourismusprojekte

I. Einleitung

Die Eignung einer Region für den Tourismus hängt nicht mehr nur von den natürlichen Gegebenheiten, wie geographische Lage, Vegetation oder Bevölkerung ab. Bei vielen neuen Tourismusprojekten wird nicht nach den vorhandenen Elementen gestaltet, sondern die Landschaft wird dem geplanten Projekt angepasst.

Besonders bei der Konstruktion von touristischen Erlebniswelten spielt die Qualität der Umwelt nur eine untergeordnete Rolle. Die Natur bietet nur noch den Baugrund. Sämtliche Faktoren, die den Touristen in die Region, bzw. in die Einrichtung locken sollen, sind in der Anlage installiert. Ziel ist, dass sich der Urlauber zuhause an die ihm gebotenen schönen Erlebnisse erinnert, an eine paradiesische Welt in der es keine Unzufriedenheit und keine bösen Überraschungen gibt.

Die so genannten „Center-Parks“ verdeutlichen dies. Im platten holländischen Land, das offensichtlich außer der Möglichkeit zum Radfahren wenig zu bieten hat, wurden gigantische Erlebnislandschaften, teils freistehend, teils überdacht, errichtet. Der Tourist wohnt in ausschließlich für diesen Zweck erbauten Hotels und Ferienwohnungen, er kann das Angebot an Schwimmbädern und Sportmöglichkeiten wahrnehmen oder sich einfach nur entspannen. Zur besseren Verbindung der einzelnen Attraktionen fahren kleine Shuttle-Busse auf dem, den Park vernetzenden Straßensystem. Die tropischen Badelandschaften mit Palmen und Badegrotten sollen Südsee-Flair vermitteln und der Werbespruch, „Es ist immer Center-Parks Wetter“, macht die absolute Unabhängigkeit vom mitteleuropäischen Klima und anderen Umweltfaktoren deutlich.

Der Nutzer der Anlage wird schnell die ihn umgebende natürliche Landschaft vergessen und nur die für ihn inszenierte Welt wahrnehmen.

Das Projekt hat Schule gemacht und mittlerweile findet sich eine große Anzahl an derartigen touristischen Einrichtungen, die sich über den ganzen Globus verteilt. Weitere Beispiele für derartige Erlebniswelten sind thematisch gegliederte Freizeitparks, in denen sich jeder Besucher mit einem Aspekt identifizieren kann. Auch in sich geschlossene Hotelanlagen mit dazugehörendem Service, der es vermag, alle Bedürfnisse und Wünsche des Urlaubers zu erfüllen, und mit einem Freizeitangebot, das so vielseitig ist, dass der Tourist das Hotel nicht verlassen muss um Erlebnisse und Eindrücke von dem Ort zu erlangen, an dem er sich befindet.

Was neue Tourismusprojekte angeht, so richtet die Welt ihren Blick verstärkt auf Dubai. Das kleine Emirat am Persischen Golf errichtet eine Erlebniswelt nach der Anderen. Anfangs erreichte man Aufmerksamkeit durch den Bau riesiger Luxushotels, die neue Qualitätsstandards setzten. Angetrieben durch die Idee, aus Dubai ein Tourismuszentrum zu machen, gaben die Verantwortlichen immer größere Projekte in Auftrag. Mit dem Bau von „The Palm“, zwei riesigen, ins Meer ragenden künstlichen Inseln in Palmenform, auf denen die Reichsten dieser Welt ihren Urlaub in Luxushotels verbringen sollen oder sich gleich ihre eigene Villa kaufen können, schien die Grenze des möglichen erreicht. Doch mit „The World“, ein 5 Kilometer vor der Küste entstehender Nachbau aller Kontinente, geformt aus kleinen Inseln, ist ein noch gigantischeres Projekt in Planung.

Es wird im Folgenden auf die Touristifizierung durch Erlebniswelten eingegangen. Das Beispiel Dubai soll die Ergebnisse veranschaulichen und den momentanen Stand der Entwicklung dieser Art des Tourismus darstellen.

II. Touristifizierung durch Erlebniswelten

An dieser Stelle soll der Begriff der Erlebniswelt definiert werden. Erlebniswelten sind Orte, an denen der Besucher auf gestaltete Umweltausschnitte trifft. Hier wird es ihm ermöglicht, das Erleben in den Vordergrund seiner Aktionen zu stellen. (Goronzy, 2003; Wöhler, 2003)

Mit der Erschaffung von Erlebniswelten stellen die dem Tourismus gesetzten natürlichen Grenzen keine Hindernisse mehr da. Die Erlebniswelt kann an jedem Ort entstehen, der die zu ihrer Errichtung und Nutzung notwendige Infrastruktur bereitstellt.

1. Nutzung von für den Tourismus ungeeigneten Räumen

In der Vergangenheit hing die touristische Nutzung einer Region von ihren Vorzügen gegenüber anderen Regionen ab, sei es die Lage am Meer, an einem See oder im Gebirge. Aus den Gegebenheiten ergaben sich die Möglichkeiten zur touristischen Nutzung des Ortes.

Eine neue Form des Tourismus entsteht, wenn Orte mit den Voraussetzungen für erlebnisorientierte Ereignisse ausgestattet werden. Die Installation einer Erlebniswelt kann überall erfolgen, denn diese Ereignisse sind ortsunabhängig und das Erleben hängt nicht zwangsläufig mit einem natürlichen Raum zusammen. Die Qualität einer Erlebniswelt hängt weniger von ihrer Lage ab, sondern mehr von den dort gebotenen Attraktionen. Dadurch wird die Vermarktung erleichtert, denn die Einrichtung ist frei von ortsbezogenen Vorbelastungen. (Wöhler, 2003, S. 5) Der Reiz für den Touristen, die Erlebniswelt aufzusuchen, liegt nicht in ihrer Lage, sondern an dem, was man dort erleben kann. Der Ort selbst erfährt einen Bedeutungsverlust. (Wöhler, 2003, S. 2)

Viele Orte profitieren vom Tourismus, aber nicht wegen der natürlichen Gegebenheiten, sondern weil dort beispielsweise ein Freizeitpark zu finden ist. So bestimmen die örtlichen Voraussetzungen auch nicht das Handeln der Touristen. Dieser muss sich am Angebot der Anlagen orientieren.

Da es durch Erlebniswelten möglich ist, einen Ort mit bestimmten Vorstellungen, Werten und Gefühlen aufzuladen (Wöhler, 2003, S. 1), kann deren Standort völlig frei gewählt werden. Für den Tourismus eigentlich ungeeignete Räume werden durch Erlebniswelten attraktiv gemacht, und die Region kann, sofern die Anlage auf Dienstleistungen von außen angewiesen ist, von dieser Art des Tourismus profitieren. Um einen maximalen Gewinn zu erzielen, konzentrieren sich die Betreiber allerdings darauf, alle Bedürfnisse des Besuchers selbst zu erfüllen, so dass er nicht auf die Außenwelt angewiesen ist. Als Beispiel hierfür ist wieder die in den Center-Parks eigens angelegte Infrastruktur anzuführen. Vorteil für die Bevölkerung ist natürlich die Möglichkeit, in der Tourismusanlage Arbeit zu finden.

Gerade bei diesen Ungunsträumen ist es für das Wohlergehen des Gastes notwendig, alle unschönen Verfasstheiten des Ortes zu eliminieren. Der Tourist kann das Erlebnis am Urlaubsort nur dann als angenehm wahrnehmen, wenn ihm all die Aspekte des Ortes vorenthalten werden, die das schöne Erlebnis trüben könnten. Die geschlossenen Hotelanlagen in Dritte Welt-Ländern verschanzen sich hinter hohen Mauern und durch teilweise bewaffnetes Sicherheitspersonal vor der herrschenden Armut und Kriminalität im Umland. Somit kann eine paradiesische Luxusurlaubswelt errichtet und betrieben werden, in einer Region, deren Wohlstands- und Entwicklungsniveau ein völlig anderes ist, als das der Urlauber. Diese können sich ungestört ihren Erlebnissen widmen. Es hat eine Ortsvernichtung stattgefunden, die Erlebnisse sagen nichts mehr über die Region aus, sondern nur über den Touristen sowie den Anbieter bzw. Betreiber. (Wöhler, 2003, S. 6)

2. Wirkung der Erlebniswelt auf den Touristen

Es stellt sich nun die Frage, wie diese Erlebniswelten auf den Touristen wirken.

Für den Touristen stellt der Besuch einer Erlebniswelt die neue, moderne Form der Urlaubsgestaltung dar. Die anschließende Reflexion über die verbrachten Ferien wird womöglich anders ausfallen, als bei einer alternativen Form der Freizeitgestaltung. Die persönlichen Erlebnisse werden eher in Erinnerung bleiben als die natürlichen Eigenschaften des Ortes.

Ziel der Betreiber ist es eine Parallelwelt mit Paradiescharakter zu schaffen, die in Kontrast zum Alltag steht. Hierfür ist es notwendig, durch geschicktes „Gefühlsmanagement“ Unzufriedenheit und Unglück zu vermeiden und den Nutzer in einen anderen Gefühlszustand zu versetzten. (Goronzy, 2003, S.224; Wöhler, 2003, S.4) Sind dem Touristen viele verschiedene Optionen zur Freizeitgestaltung gegeben und kann er den Ablauf seines Aufenthalts frei bestimmen, so mag ihm die Erlebniswelt als ein Tor zu einer besseren Welt erscheinen, die er nach seinen Bedürfnissen und Wünschen selbst gestalten kann, oder gestalten lässt. Für die Erschaffung einer nach seinen Vorstellungen konstruierten Urlaubswelt muss der Besucher mit außergewöhnlichen, nicht alltäglichen Erlebnissen konfrontiert werden. Das Erlebte soll dann auch als nicht alltäglich, sondern als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben. So zeichnet sich dann auch der Ort durch die Qualität der Erlebnisse aus und wirkt auf den Tourist als Ort, an dem man außergewöhnliches erleben kann. (Wöhler, 2003, S.6) Es wird von Seiten der Betreiber darauf geachtet, dass der Kunde mit der Möglichkeit der Eigenaktivität und des selbstständigen Gestaltens nicht zu sehr überfordert ist. Denn daraufhin könnte der Eindruck entstehen, man müsse für sein Erlebnis erst eine Vorarbeit leisten. Dieses Gefühl der Arbeit verursacht Unbehagen und erinnert zu sehr an die Alltagswelt, an die der Tourist, für die Dauer seines Aufenthalts, nach Möglichkeit nicht denken soll.

Dubai mit seinen Tourismuseinrichtungen bietet die Möglichkeit, seinen Urlaub, oder gar sein restliches Leben in genau so einer Paradieswelt zu verbringen.

III. Dubai: Vom Ölstaat zum Erlebnisstaat

Es soll nun die Entwicklung Dubais von einem Ölstaat u einem Erlebnisstaat veranschaulicht werden.

Die spektakulärsten Touristeneinrichtungen dieser Art werden derzeit in Dubai errichtet. Das Angebot beinhaltet eine große Anzahl an Freizeitparks, besonders im Bereich der Erlebnisbäder, Shopping Malls, ausgestattet mit den exklusivsten Boutiquen, Multiplex-Kinos und diversen anderen Spiel- und Unterhaltungssaloons, und die beeindruckendsten Hotelbauten. Dubai wirbt auf diesem Gebiet unter anderem mit dem einzigen 7-Sterne Hotel, dem Burj al Arab, und den Domizilen auf der sich im Bau befindlichen Anlage „The Palm“.

Im Folgenden wird auf die Geschichte und Gegenwart Dubais, die Wirtschaft und die Notwendigkeit, neue Einnahmequellen für eine Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen zu erschließen, eingegangen. Einige dieser Tourismusprojekte sowie deren Einfluss auf das Land und die Bewohner werden vorgestellt und analysiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Touristifizierung und touristische Erlebniswelten am Beispiel Dubais
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Geowissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Kulturgeographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V50660
ISBN (eBook)
9783638468428
ISBN (Buch)
9783638818063
Dateigröße
756 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Touristifizierung, Erlebniswelten, Beispiel, Dubais, Proseminar, Kulturgeographie
Arbeit zitieren
Christopher Späth (Autor), 2004, Touristifizierung und touristische Erlebniswelten am Beispiel Dubais, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50660

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