Gottfried Benn - Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke - Eine Interpretation


Essay, 2005
7 Seiten, Note: 2,3

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Form

Das lyrische Bild

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

In einer Zeit, in der Menschen stetig nach dem Idealen Ausschau halten, und dabei alles verdrängen, das uns an unsere Vergänglichkeit erinnern könnte, zeigen Veröffentlichungen, wie das Lyrikband „Morgue“ aus dem Jahre 1912, von Gottfried Benn in aller Deutlichkeit, dass die Realität mit Entwicklungen einhergeht, die den meisten von uns mühsam vor Augen geführt werden müssen. Wir versuchen uns immer den Blicken auf die Hässlichkeit erfolgreich zu entziehen.

„Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“ handelt, dem Titel entsprechend, von dem Gang durch eine Krebsbaracke. Mit jedem Schritt vorbei an den Krankenlagern wird das Elend deutlicher. Mit jedem Schritt wird aber auch umso deutlicher, dass das Leid in der Erlösung des Todes mündet. Aber auch der religiöse Einfluss im Moment der Hilflosigkeit wird in Benns Gedicht verarbeitet. Im Folgenden wird zu zeigen sein, dass Gottfried Benn sehr explizit das naturgebundene Leiden von Menschen und deren Erlösung beschreibt.

Form

Benn hält sich in seinem Gedicht, ganz im Sinne des Expressionismus, an keine stilistischen Traditionen der Lyrik. Seine Dichtung ist Ausdruck des Lebens am Rande des Daseins.

Das Gedicht wird weder von Versmaß noch Reimen geschmückt. Die bildhaften und kurzen, aneinander gereihten Sätze verleiten zu sofortiger Assoziation („Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken sind wund. Du siehst die Fliegen.“).

Die erste Zeile lädt zu der Vorstellung ein, dass „Der Mann“ die im Titel erwähnte Frau durch die Krebsbaracke führt und dabei den Anblick kommentiert.

Die Strophen teilen sich jeweils in vier- und dreizeilige Verse. Die letzten zwei Zeilen lesen sich dabei wie die Formel „Asche zu Asche. Staub zu Staub“.

Das Gedicht besitzt kein klassisches Metrum. Vielmehr lässt sich Darstellung durch individuelle Betonung unterstützen.

Das lyrische Bild

Benn verzichtet völlig auf illusorische Schönheit. Er setzt den Alltag in der Krebsbaracke mit Aussagen wie „Manchmal wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht“ (Z.20) rücksichtslos und krass in Szene. Gleichzeitig wird der Mensch dadurch zu einem Gegenstand degradiert und lässt ihn wertlos erscheinen.

Die erste Strophe schildert die Krebsbaracke wie einen Verwesungsautomaten, in dem Reihe an Reihe Krankheitsopfer liegen und „Bett an Bett stinkt“ (Z.4).

Der Mann stößt die Frau in der dritten Strophe regelrecht auf die Ekelhaftigkeit, indem er sie durch aufheben der Decke drängt, „diesen Klumpen Fett und Säfte“ (Z.6) zu sehen. Der Mann selbst scheint dabei gelassen zu bleiben und seine Aufgabe als Führer durch die Krebsbaracke zu erfüllen.

Die dritte Strophe, mit „Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten? Fühl ruhig hin.“ weckt ein bisschen Hoffnung, da es auch Patienten gibt, deren Narben verheilen und entsprechend auch genesen. Andererseits ist Benns Lyrikband geprägt von Sinnleere und Gottverlassenheit. Deswegen ist die Rolle des Rosenkranzes kritisch zu betrachten. In Strophe Vier ist der Mann seltsam erstaunt, als er sagt: „Kein Mensch hat soviel Blut“ (Z.13). Selbst vor dem Ursprung neuen Lebens macht Benn nicht halt. „Aus dem verkrebsten Schoß.“ schneiden sie ein Kind, das geradezu belanglos genannt wird. Ganz im Gegensatz zur klassischen, Segen bringenden Geburt eines Kindes.

Das Gedicht wendet sich mit der letzten Strophe dem Ende des Elends zu. In den letzten Zeilen werden Begriffe der Natur mit Verben personifiziert, die zum Ausdruck bringen, wie vergänglich das menschliche Leben ist, im Gegensatz zur Natur.

Letztendlich, wenn die „Erde ruft“ (Z.24), ist die Erlösung von dem Leiden nahe. Das Fleisch, das aus dem „Acker“ erwachsen ist, „ebnet sich `wieder´ zu Land“ (Z.23). So wie es in biblischen Schilderungen in Bezug auf den Lehmboden, aus dem Adam erschaffen wurde, gezeigt wird.

Schluss

Im Hinblick auf die Ästhetik der Hässlichkeit lässt Gottfried Benn unsere, von Schönheit verwöhnten Seelen mit seiner unverhüllten Darstellung vom Sterben erstarren. Auch ruft Hässlichkeit in einem Gedicht eine stärkere Wirkung hervor, als etwa eine Beschreibung von schönen Dingen. Verglichen sei hierbei verwesendes Fleisch mit dem Erblühen einer Rose.

Dieses Gedicht macht ebenfalls deutlich, dass Ärzte und Pflegepersonal nicht, wie oft angenommen, immun sind gegen die Gefühle, die beim Bewusstwerden von Schicksalen kranker Menschen zu Tage treten. Gottfried Benn war Arzt und scheint durch seine Lyrik das Erlebte zu verarbeiten. Andererseits wir der Mensch, verkörpert durch die Patienten, vom Autor zu einem Gegenstand degradiert. Er erscheint wertlos im Angesicht seiner Schwäche und drückt somit das neue Menschenbild vieler Autoren des Expressionismus aus.

Gottfried Benn ist eine ausgesprochen nüchterne Abbildung der menschlichen Vergänglichkeit gelungen, indem er den Menschen in seiner Hilflosigkeit darstellt, und den Prozess des Vergehens durch die Hässlichkeit des Organischen untermauert.

Literaturverzeichnis

Quellen und Primärliteratur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sekundärliteratur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Gottfried Benn - Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke - Eine Interpretation
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Proseminar - Neuere Deutsche Literatur
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V50662
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "Sprache und Stilistik Ihrer Hausarbeit sind auf einem recht hohem Niveau. Auch inhaltlich sind ihre Thesen kaum anfechtbar. Sie haben ein sehr schön lesbares Essay über Benns Gedicht geschrieben, das man gut und gerne auch im Feuilleton einer großen Tageszeitung lesen könnte."
Schlagworte
Gottfried, Benn, Mann, Frau, Krebsbaracke, Eine, Interpretation, Proseminar, Neuere, Deutsche, Literatur
Arbeit zitieren
Daniel Clausen (Autor), 2005, Gottfried Benn - Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke - Eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50662

Kommentare

  • Diana Raschke am 19.5.2011

    Leider sehr große schrift und lediglich 50% der seiten beschrieben dazu muss man auch noch deckblatt, inhaltsverzeichnis sowie letzte nahezu leere seite abbrechnen, womit man also 3,49€ für ca. 2 seiten bezahlt, in welcher die versprochene "interpretation" lediglich eine oberflächliche analyse ist. ENTÄUSCHUNG!

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