In dieser Hausarbeit wird geklärt, wie Kinder ein Todeskonzept entwickeln und inwiefern dieses von Bilderbüchern beeinflusst wird. Dazu wird eine beispielhafte Analyse an dem Bilderbuch "Kommt Papa gleich wieder?" von Elke Barber (illustriert von Anna Jarvis) durchgeführt. Um die Fragestellung beantworten zu können, wird zunächst gezeigt, was die Funktion von Literatur im Allgemeinen ist. Einen Schwerpunkt wird hier auf Individuation, Enkulturation und Sozialisation gelegt. Danach werden Bilderbücher im Allgemeinen erläutert und deren Relevanz im Bezug zum Thema Tod herausgestellt. Außerdem wird auf die Todesvorstellungen und -konzepte eingegangen, die ein Kind mit der Zeit entwickelt. Mit diesem Wissen wird das Bilderbuch "Kommt Papa gleich wieder?" analysiert.
Der Tod eines geliebten Menschen ist eins der schlimmsten Erlebnisse im Leben, das aber leider unumgänglich ist. Früher oder später kommt jeder Mensch in Kontakt mit dem Tod, was Vielen Ängste und Sorgen bereitet. Auch die Gedanken an den eigenen Tod werden meist aus Angst verdrängt. Dennoch ist es ein sehr wichtiges Thema, das für jeden Menschen relevant ist. Auch Kinder sollten sich früh mit dem Tod beschäftigen, um ein angstfreies Verhältnis aufzubauen. Die heutigen Einstellungen zum Thema Tod sind geprägt durch die geistesgeschichtlichen, gesellschaftlichen und sozialpsychologischen Entwicklungen der Vergangenheit. In der heutigen Gesellschaft lassen sich, in Bezug auf das Verhältnis zum Tod, grundsätzlich zwei Richtungen unterscheiden. Zum einen wird der Tod und das Sterben tabuisiert beziehungsweise verdrängt und zum anderen findet eine Gegenbewegung statt, die dazu drängt, sich mit den verschiedenen Aspekten des Todes auseinanderzusetzen.
Die Mitglieder der zweiten Richtung kritisieren die gesellschaftliche Weigerung, Tod als eine Selbstverständlichkeit des Lebens zu betrachten. Denn die Verdrängung des Todes kann der psychischen und der physischen Entwicklung und somit der positiven Bewältigung des Lebens im Weg stehen. Nach verschiedenen Autoren ist die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten der Endlichkeit des Lebens eine der wichtigsten Voraussetzung für eine realitätsbewusste Haltung gegenüber Tod und Sterben. Dies kann auch in Form von Bilderbüchern geschehen, die sich für Vorschulkinder und Schülerinnen und Schüler aus der ersten und zweiten Klasse eignen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktion von Literatur
2.1 INDIVIDUATION
2.2 ENKULTURATION
2.3 SOZIALISATION
3. Bilderbücher
3.1 DEFINITION
3.2 RELEVANZ
4. Die Todesvorstellung und das Todeskonzept
5. Analyse des Buches Kommt Papa gleich wieder?
5.3 NARRATIVE EBENE
5.4 BILDLICHE EBENE
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kinder ein Todeskonzept entwickeln und inwieweit Bilderbücher diesen Prozess beeinflussen können, wobei als beispielhafte Analyse das Werk "Kommt Papa gleich wieder?" herangezogen wird.
- Literatur als Medium der Identitätsbildung und Sozialisation
- Psychologische Entwicklung des Todesverständnisses bei Kindern
- Die Rolle von Bilderbüchern bei der Ent-Tabuisierung sensibler Themen
- Das Wechselspiel zwischen narrativer und bildlicher Ebene in der Kinderliteratur
- Unterstützung bei der Bewältigung existentieller Lebensfragen
Auszug aus dem Buch
5.3 Narrative Ebene
Anfangs fragt der Sohn Alex nach dem Tod seines Vaters häufig „Kommt Papa gleich wieder?“ oder „Ist er zur Arbeit gegangen?“. Er befindet sich also anfangs in der Phase, in der viele Fragen gestellt werden. Seine Fragen verdeutlichen, dass er den Tod als eine vorübergehende Abwesenheit versteht und sich nicht der Endgültigkeit des Todes bewusst ist. Auch die Aussagen „Ich will nicht, dass er weggeht“ oder „Ich will, dass er wiederkommt!“ zeigen, dass er nicht versteht, was es bedeutet, tot zu sein. Die Mutter wiederholt mehrfach die Ursache des Todes: „Das ist ein Herz [...]. Jeder Mensch hat ein Herz. Wenn es aufhört zu schlagen, kann man nicht. Mehr atmen. Man kann nicht. Mehr herumrennen oder sprechen oder lachen oder kleine Jungs auf dem Kopf tragen oder Jemanden durchkitzeln. Papas Herz hat aufgehört zu schlagen und er kann nie wieder zurückkommen.“
Die mehrfache Wiederholung dieser Erklärung ist darin begründet, dass Alex die Ursache des Todes seines Vaters noch immer nicht verstanden hat: „Aber Mama, hat er denn bitte gesagt?“ „Ja, Alex, er hat bitte gesagt.“ „Aber hat er auch gesagt: Bitte, bitte, bitte, ich muss zu meinem kleinen Jungen?“ „Ja, Alex, das hat er.“ „Aber Mama… hat er gesagt, Entschuldigen sie bitte?“ „Ja. Er hat Entschuldigen sie bitte gesagt. Aber die Ärzte in dem Krankenwagen konnten ihm nicht helfen. Sein Körper hat aufgehört zu arbeiten und er ist gestorben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Themas Tod für Kinder ein und formuliert die Fragestellung zur Rolle von Bilderbüchern bei der Entwicklung eines Todeskonzepts.
2. Funktion von Literatur: Es wird erläutert, wie Literatur durch Individuation, Enkulturation und Sozialisation zur Persönlichkeitsentwicklung und Integration in die Gesellschaft beiträgt.
2.1 INDIVIDUATION: Dieses Unterkapitel beschreibt den Prozess der Ich-Werdung und wie Literatur Identifikation oder Abgrenzung unterstützt.
2.2 ENKULTURATION: Hier wird der Prozess der kulturellen Teilhabe durch Sprache und literarische Vermittlung existenzieller Lebensfragen beleuchtet.
2.3 SOZIALISATION: Der Abschnitt fokussiert auf die Bedeutung der Lesesozialisation und die verschiedenen Modi des Lesens für das handlungsfähige Subjekt.
3. Bilderbücher: Es wird die besondere Eignung von Bilderbüchern zur Unterstützung von Lern- und Entwicklungsprozessen bei Kindern definiert und begründet.
3.1 DEFINITION: Das Kapitel grenzt das Bilderbuch als eigenständiges Medium mit einer spezifischen Verzahnung von Text und Bild ab.
3.2 RELEVANZ: Hier wird der Nutzen von Bilderbüchern für die Auseinandersetzung mit sensiblen Themen und die visuelle Unterstützung kindlicher Lernprozesse dargestellt.
4. Die Todesvorstellung und das Todeskonzept: Dieses Kapitel behandelt die kindliche Entwicklungspsychologie im Umgang mit dem Tod und die Phasen der Entstehung eines realistischen Todeskonzepts.
5. Analyse des Buches Kommt Papa gleich wieder?: Es erfolgt die Anwendung der theoretischen Grundlagen auf das gewählte Bilderbuch unter Berücksichtigung von Motiven, Themen und der narrativen Struktur.
5.3 NARRATIVE EBENE: Analyse der sprachlichen Vermittlung des Todes im Buch und der Entwicklung des kindlichen Protagonisten Alex.
5.4 BILDLICHE EBENE: Untersuchung der illustrativen Gestaltung und wie diese die Trauerarbeit sowie das Verständnis medizinischer Fakten unterstützt.
6. Schluss: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und Fazit zur Bedeutung des Bilderbuchs bei der kindlichen Bewältigung des Todes.
Schlüsselwörter
Todeskonzept, Bilderbuch, Kinderliteratur, Sozialisation, Individuation, Enkulturation, Trauerarbeit, Todesvorstellung, Lesesozialisation, narrative Ebene, bildliche Ebene, Rezeptionsästhetik, Bewältigungsstrategie, Entwicklung, Kommt Papa gleich wieder?
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Unterstützung von Kindern bei der Entwicklung eines realistischen Todeskonzepts durch das Medium des Bilderbuchs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Sozialisation durch Literatur, kindliche Todesvorstellungen, die Funktion von Illustrationen in Bilderbüchern und die Analyse eines spezifischen Trauer-Bilderbuchs.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder durch literarische Medien befähigt werden können, den Tod zu verstehen und emotional zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die Konzepte der Sozialisationsforschung und Rezeptionsästhetik auf ein konkretes Bilderbuch anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Funktionen von Literatur, definiert die Rolle von Bilderbüchern und analysiert das Buch "Kommt Papa gleich wieder?" auf narrativer und bildlicher Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Todeskonzept, Bilderbuch, Sozialisation, Trauerarbeit, kindliche Entwicklung und narrative Struktur.
Warum spielt das Herz in der Analyse des Bilderbuchs eine so zentrale Rolle?
Das Herz dient im Buch als konkrete, medizinisch beschriftete Illustration, um den Kindern den biologischen Aspekt des Todes und das Aufhören lebensnotwendiger Funktionen verständlich zu machen.
Welche Bedeutung haben die "sieben Lesemodi" in dieser Arbeit?
Sie dienen als theoretischer Rahmen, um zu begründen, wie Kinder durch das Lesen von Bilderbüchern als gesellschaftlich handlungsfähige Subjekte sozialisiert werden.
Was versteht man unter der "hybriden Entwicklungsphase" bei Kindern im Kontext des Todes?
Es ist ein Stadium, in dem Kinder zwischen realistisch-naturwissenschaftlichem Verständnis und magisch-mythischen Vorstellungswelten schwanken.
- Arbeit zitieren
- Denise Borgmann (Autor:in), 2019, Die Entwicklung der Todesvorstellung im Kindesalter mit Hilfe von Bilderbüchern. Eine Untersuchung des Buches "Kommt Papa gleich wieder?" von Elke Barber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506714