Diese Bachelorarbeit widmet sich dem Thema Mediation, einer Form der Konfliktbewältigung, und untersucht, inwiefern sich Mediation auch in betriebswirtschaftliche Abläufe integrieren lässt. Unter der Themenstellung "Über den Einsatz von Mediation zur Lösung innerbetrieblicher Konflikte aus einer unternehmensstrukturellen Sicht und daraus resultierender Implementierungsvorschläge" wird erörtert, welchen Nutzen innerbetriebliche Mediation stiften kann. Darüber hinaus steht die Frage im Raum, was bei der Einführung von Mediation als Tool des Konfliktmanagementsystems zu beachten ist. Diese Untersuchung ist daher in zwei Abschnitte unterteilt. Zunächst wird sich eingehend mit den theoretischen Bestandteilen von Konflikten, Mediation und Konfliktmanagementsystemen beschäftigt, um einen geeigneten Zugang zu diesem Themenbereich zu schaffen und ein einheitliches Verständnis zu entwickeln. Darauf folgend werden die theoretischen Erkenntnisse mit den Erfahrungen aus der Praxis abgeglichen. Als Vergleichsgrundlage dienen dabei Experteninterviews mit Mediatoren und Personalmanagern verschiedener Unternehmensformen und Branchen. Die Expertise dieser Personen wird genutzt, um mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen einen Implementierungsvorschlag zu unterbreiten. Dabei stehen auch Fragen nach Stärken, Schwächen, Vor- und Nachteilen von Mediation als innerbetriebliches Konfliktmanagementsystem im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Der Konflikt
2.1.1 Definition
2.1.2 Konfliktarten und -dimensionen
2.1.3 Die neun Eskalationsstufen
2.1.4 Konflikte in der Praxis: Unternehmenstypische Konflikte
2.1.5 Psychologische Aspekte von Konflikten und ihre Folgen
2.2 Mediation
2.2.1 Definition und Wortherkunft
2.2.2 Geschichtliche Herkunft der Mediation
2.2.3 Prinzipien und Methodik der Mediation
2.2.4 Verlauf und Phasen der Mediation
2.2.5 Methoden und Techniken der Mediation
2.2.6 Vorteile durch Mediation
2.3 Betriebliches Konfliktmanagement
3 Theorie-Praxis-Transfer
3.1 Marktanalyse für Mediationsdienstleistungen
3.2 Untersuchungsmethode und Herangehensweise: Experteninterviews
3.2.1 Suche und Auswahl der Experten
3.2.2 Interviewform und –struktur
3.3 Auswertung der Experteninterviews
3.4 Conclusio
3.4.1 SWOT-Analyse
3.4.2 Zielgerichtete Empfehlungen zur Implementierung von Mediation
4 Schlussbetrachtung
4.1 Fazit und Ausblick
4.2 Persönliche Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Mediation als Methode zur Lösung innerbetrieblicher Konflikte und entwickelt Implementierungsvorschläge aus einer unternehmensstrukturellen Perspektive, um Mediation nachhaltig in betriebliche Abläufe zu integrieren.
- Grundlagen von Konflikten, Mediation und Konfliktmanagementsystemen
- Analyse des Marktes für Mediationsdienstleistungen in Deutschland
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews mit Mediatoren und Personalmanagern
- SWOT-Analyse zur Bewertung von Mediation als Konfliktlösungstool
- Praktische Handlungsempfehlungen für Unternehmen zur Implementierung von Mediation
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Die neun Eskalationsstufen
In diesem Abschnitt soll der Konfliktverlauf untersucht werden. Ein Konflikt kann sich in zweierlei Hinsicht entwickeln. Ein zwar vorliegender Konflikt führt nicht zwangsläufig zu einer problematischen Situation. Dies ist vor allem im betrieblichen Kontext denkbar, wenn Abmahnungen oder Kündigungen ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung bzw. Einschränkungen verlangen. Wird er allerdings offen ausgetragen, hängt der Konfliktverlauf wesentlich von den Persönlichkeitsdispositionen, der Leistungs- und Anreizstruktur, dem vorherrschenden sozialen Druck sowie den existierenden Normen ab (Baranova, 2008).
Innerhalb der Konfliktforschung hat sich ein Neun-Phasen-Modell durchgesetzt, das einen Konflikt zeitlich einteilt. Friedrich Glasl prägte dabei den Terminus „Neun Eskalationsstufen eines Konfliktes“. Dabei wird ein Konflikt als dynamischer und neunstufiger Prozess betrachtet. Für jede Eskalationsstufe wird die Intensität der Auseinandersetzung und Möglichkeiten zur Konfliktlösung beschrieben. Der Eskalationsprozess ist dabei eine Abwärtsbewegung, in deren Verlauf sich der Konflikt sukzessive zuspitzt (Glasl, 1990).
„Die jeweilige Eskalationsstufe kann an den verbalen Äußerungen, der Körpersprache, den Strategien und Verhaltensweisen sowie an der gesamten Gesprächsatmosphäre der Konfliktparteien identifiziert werden. Die Zuordnung zu einer Eskalationsstufe ist wiederum stark von der Wahrnehmung der betrachtenden Person abhängig“ (Wenzel, 2008, S. 64).
Die neun Eskalationsstufen sind dabei Verhärtung (1), Debatte und Polemik (2), Taten statt Worte (3), Images und Koalitionen (4), Gesichtsverlust (5), Drohstrategien (6), Begrenzte Vernichtungsschläge (7), Zersplitterung (8) und Gemeinsam in den Abgrund (9). Während dieser Stufen und Phasen spitzt sich der Konflikt zunehmend und schneller zu. Die Streitparteien verändern währenddessen auch ihr Verhalten und überschreiten sogenannte Regressionsschwellen: „Sie fallen zunehmend in wenig reflektierte, irrationale Reaktionsmuster zurück. Die eigenen Handlungsmöglichkeiten werden immer stärker eingeengt, weil Handlungsalternativen zunehmend ausgeschlossen werden“ (Kals & Ittner, 2008, S. 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Mediation als alternative Streitbeilegung in Unternehmen und formuliert die Forschungsfrage bezüglich ihrer betriebswirtschaftlichen Integration.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Begriffsdefinitionen von Konflikten, Mediation sowie betrieblichem Konfliktmanagement und stellt psychologische sowie strukturelle Modelle dar.
3 Theorie-Praxis-Transfer: Der Hauptteil analysiert den Mediationsmarkt, präsentiert Ergebnisse aus Experteninterviews mit Mediatoren und Personalmanagern und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab.
4 Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und Bedeutung der Mediation in der betrieblichen Praxis.
Schlüsselwörter
Mediation, Konfliktmanagement, innerbetriebliche Konflikte, Konfliktlösung, Personalwesen, Wirtschaftsmediation, Implementierung, Win-Win-Lösung, Konfliktkultur, Experteninterviews, SWOT-Analyse, Organisationsstruktur, Konflikteskalation, Feedback, Unternehmensführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Nutzung von Mediation als Methode zur Konfliktbewältigung in Unternehmen und untersucht, wie diese in betriebliche Strukturen integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Konflikt und Mediation, analysiert den Status quo des Mediationsmarktes und wertet Expertenmeinungen aus verschiedenen Branchen aus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, auf Basis theoretischer Erkenntnisse und praktischer Experteninterviews konkrete Implementierungsvorschläge für die Einführung von Mediation in Unternehmen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse für den theoretischen Rahmen sowie qualitative Experteninterviews (teilstrukturiert) mit Mediatoren und Personalverantwortlichen für den praktischen Teil.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Theorie-Praxis-Transfer, der Durchführung und Auswertung der Experteninterviews sowie der Ableitung von Empfehlungen durch eine SWOT-Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Mediation, betriebliches Konfliktmanagement, Konfliktkultur, Win-Win-Strategie und Implementierungsvorschläge.
Ab welcher Unternehmensgröße rentiert sich laut den Experten eine interne Mediation?
Die befragten Experten geben an, dass eine interne Mediationslösung erst sinnvoll ist, wenn das Unternehmen eine ausreichende Größe erreicht hat, um Unabhängigkeit zu gewährleisten, und eine entsprechende Personalabteilung existiert.
Warum ist die Wahl des richtigen Mediators entscheidend für den Erfolg?
Der Erfolg hängt stark vom "Matching" zwischen dem Mediator und der Unternehmenskultur sowie von den persönlichen Eigenschaften des Mediators ab, da dieser als neutrale bzw. allparteiliche Instanz akzeptiert werden muss.
- Quote paper
- Laura Kleinhans (Author), 2014, Wie Mediation zur Lösung innerbetrieblicher Konflikte aus unternehmensstruktureller Sicht beiträgt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506757