Jugendliche als Zeitungsverweigerer - Eine Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition der Zielgruppe Jugend

3. Perspektive der Jugendlichen
3.1 Kritik und Themeninteressen
3.2 Ursachen für das Desinteresse an Zeitungen

4. Wer wird Zeitungsleser - Sozialisationsfaktoren

5. Angebote der Tageszeitungen für Jugendliche
5.1 Onlineangebote
5.2 Weitere Angebote für Jugendliche

6. Die Jugend erreichen
6.1 Struktur und Ordnung der Zeitung
6.2 Optische Aufmachung und Sprache der Zeitung

7. Resümee

Literaturhinweise

1. Einleitung

Lesen bildet und macht Spaß. Das sagen zumindest die, die lesen. Aber immer weniger Kinder und Jugendliche lesen gerne. Dies macht sich vor allem in der Zeitungsbranche bemerkbar. Hieß es im Jahre 1891 in den Deutschen Schriften für Literatur und Kunst noch: „man kann die Jugend nicht dringend genug ermahnen, das Zeitungslesen möglichst spät […] zu beginnen, wenn sie jeden Rest von Halbbildung überwunden hat“[1], so versucht man heutzutage in deutschen Zeitungsverlagen alles erdenkliche, um die Zielgruppe Jugend für das Medium Zeitung zu interessieren. Die Tageszeitung scheint im Zeitalter des Internets und des Fernsehens gänzlich an Bedeutung für die Jugend zu verlieren.

„Für die Zeitungsverlage ist die Zielgruppe der unter 30jährigen [sogar] sosehr zur Problemgruppe geworden, daß im Jahrbuch des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) von 1996 bereits eine ’strukturelle Unverträglichkeit zwischen Jugend und Tageszeitung’ diagnostiziert wird.“[2]

Erschwerend kommt auch der demographische Wandel hinzu, der von einer Veränderung der Werte und Einstellungen begleitet wird. Verständlich, dass die Zielgruppe Jugend im Fokus der Verlage und Verleger ganz vorne rangiert. Die Jugend wird zu einem hart umkämpften Gut, denn schon von frühester Kindheit an entscheidet sich, ob man Zeitungsleser wird und bleibt. Dies bestimmen verschiedene Prädiktoren, die das Kind und den Jugendlichen von außen beeinflussen. Wer also wird zum Zeitungsleser und was macht das Medium Zeitung so unattraktiv für die Jugendlichen? Warum ist es überhaupt wichtig, dass die Jugendlichen die Zeitung lesen und welche Angebote und Möglichkeiten bieten die Tageszeitungen den jungen Lesern? Diese und weitere Fragen sollen im Anschluss erläutert werden.

Vorerst soll hier aber die genaue Definition der Zielgruppe Jugend geklärt werden.

2. Definition der Zielgruppe Jugend

Im Juli 2004 führten die Zeitungs Marketing Gesellschaft (im folgenden nur noch ZMG) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. (im folgenden nur noch BDZV) die „Verlagsbefragungen Jugend“[3], eine schriftliche Befragung unter Chefredakteuren, durch. Ziel der Umfrage, an der sich insgesamt 154 Verlage beteiligten, war es, das Engagement der Verlage für die Zielgruppe Jugend heraus zu filtern. Denn eines ist sicher: „Automatisch wird heutzutage kein Jugendlicher mehr zum Zeitungsleser“[4]. Aus diesem Grund werben die Verlage mit äußerst umfang- und einfallsreichen Angeboten um die jugendlichen Leser. Dieses Engagement ist enorm wichtig und von den Jugendlichen gerne gesehen, doch wäre es wesentlich effektiver einsetzbar, wenn die Verlage eine genau Vorstellung ihrer Zielgruppe hätten. Denn obwohl die Mehrzahl der Verlage angibt, sich in Form von Jugendseiten und Jugendthemen zu engagieren, haben doch die wenigsten Verlage eine genaue Definition der Zielgruppe Jugend. Von den insgesamt 154 befragten Verlagen haben zehn Prozent überhaupt keine Definition der Zielgruppe Jugend und in den übrigen Verlagen existieren 54 verschiedene Definitionen. Im Durchschnitt haben also nur 2,9 Verlage die gleiche Definition.[5]

Die ZMG und die BDZV zeigen bei Ihrer Befragung sehr detaillierte Ergebnisse. So sagt zum Beispiel die Mehrheit der Verlage, dass die Jugend mit dem Alter von 14 (dies gaben 31 Prozent der Verlage an) beginne und für 19 Prozent ende die Jugend im Alter von 20. Am zweithäufigsten wurde die Zeitspanne von zwölf (dies gaben 25 Prozent an) bis 18 Jahren (genannt von 15 Prozent) angegeben.[6] Auffallend ist bei diesen Ergebnissen, das sich sowohl unter der Rubrik „Beginn Jugend“, als auch unter „Ende Jugend“ mehrfach Einzelnennungen, in Prozent jeweils ein Prozent also, finden. Dies ist Ursache für die insgesamt 54 verschiedenen Definitionen der befragten Verlage. Und wie schon der Leipziger Journalistikdozent Professor Michael Haller sagte: „Den größten Fehler, den Zeitungen machen, ist es, nicht genau über ihre Zielgruppe und deren Interessen Bescheid zu wissen.“ Denn was nutzen die umfangreichsten Angebote, wenn man sich kein oder ein falsches Bild von seiner Zielgruppe macht? Und warum ist es überhaupt so wichtig, die Jugendlichen zum Zeitungslesen zu bringen? Um diesen Fragen weiter auf den Grund zu gehen, sollen im folgenden Kapitel die Kritik und Wünsche der Jugendlichen, sowie die Ursachen des Desinteresses der Jugendlichen an Zeitungen zunächst näher erläutert werden.

3. Perspektive der Jugendlichen

3.1 Kritik und Themeninteressen

Die Jugendlichen haben viel zu kritisieren an den heutigen Tageszeitungen. Und es ist von großer Wichtigkeit diese Kritik genau zu analysieren, denn die Jugendlichen sind mit ihrer „Zeitungsflucht“[7] Trendsetter. Lesen die heutigen Jugendlichen keine Zeitung, so werden die nachfolgenden Generationen mit großer Wahrscheinlichkeit diesem Trend folgen. Zur Erklärung dieses Trends können unterschiedliche Faktoren herbei gezogen werden: „Schulbildung, Geschlecht, Elternhaus, Lesesozialisation, Politikinteresse und -engagement, Freizeitverhalten, die Nutzung der Parallelmedien Hörfunk und Fernsehen.“[8] Diese Faktoren werden auch „Prädiktoren“[9] genannt und in Kapitel 4. noch näher erläutert. Natürlich kann man anhand der Interessen und Wünsche der Jugendlichen kein generalisiertes Leser-Profil erstellen, dennoch gibt es Faktoren die häufiger auftreten als andere und anhand derer „Umrisse eines spezifischen Nutzungsprofils jugendlicher Zeitungsleser erkennbar“[10] werden. Dabei handelt es sich, zunächst in Kurzform, anschließend um folgende Faktoren:

I. Die Jugendlichen haben bestimmte Themenvorstellung und Forderungen an Tageszeitungen, die so von den Verlagen nicht oder nur ungenügend erfüllt werden. So war zum Beispiel die häufigste Begründung für die Zeitungsflucht (bei einer Befragung Remscheider Jugendlicher): „Weil nichts interessantes drin steht“.[11] Wie genau die Themenwünsche der Jugendlichen von den Themen einer Tageszeitung differieren soll im Anschluss noch genauer erläutert werden.
II. Jugendliche sind zu wenig vertraut mit dem Medium Tageszeitung und haben somit ein Defizit in der Nutzungskompetenz.[12]
III. Die Jugend empfindet Tageszeitungen als grau und unspektakulär und die Zeitungssprache als zu trocken und kompliziert.[13] Im Zeitalter des Fernsehens und des Internets ist die Mediennutzung der meisten Jugendlichen stärker visuell als textuell geprägt. Kritisiert werden hier also vor allen Dingen die optische Aufmachung, die Struktur und Ordnung und die Sprache einer Tageszeitung.

Jugendliche haben also zunächst ganz andere Interessen, als man im Repertoire einer Tageszeitung findet. Die Inhalte einer Zeitung umfassen vor allem die Themen: Kunst und Kultur, Wirtschaft und regionale sowie überregionale Politik. Diese Themen wurden zwar von Jugendlichen als Wunschthemen genannt, rangieren jedoch auf den letzten Plätzen wie folgende Tabellen zeigen:

Themeninteressen Jugendlicher (Tabelle 1, Angaben in Prozent)[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Siehe Bucher, Hans-Jürgen: Zeitungsentwicklung und Leserinteressen. Neue Formen der Informations- und Wissensvermittlung in den Printmedien. In: Der Deutschunterricht. Heft 3. Seelze: Erhard Friedrich Verlag 1997, S. 66-78., S. 1.

[2] Siehe Ebd. S. 66.

[3] Siehe Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. 2004:http://www.bdzv.de/junge_leser_umfrage.html Ergebnisse der Chefredakteursbefragung. <08.10.2005>

[4] Siehe Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. 2004:http://www.bdzv.de/junge_leser_umfrage.html Ergebnisse der Chefredakteursbefragung. <08.10.2005>

[5] Siehe Ebd.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Siehe Bucher, H.-J.: Zeitungsentwicklung und Leserinteressen. Neue Formen der Informations- und Wissensvermittlung in den Printmedien. S. 1.

[8] Siehe Ebd. S. 2.

[9] Siehe Rager, Günther: Jugendliche als Zeitungsleser: Lesehürden und Lösungsansätze. Ergebnisse aus dem Langzeitprojekt "Lesesozialisation bei Informationsmedien". In: Media Perspektiven 4/2003, S. 180-186, S. 180.

[10] Siehe Bucher, H.-J.: Zeitungsentwicklung und Leserinteressen. Neue Formen der Informations- und Wissensvermittlung in den Printmedien, S. 2.

[11] Siehe Ebd. S. 2.

[12] Vgl. Ebd. S. 2.

[13] Vgl. Rager, G.: Jugendliche als Zeitungsleser: Lesehürden und Lösungsansätze. Ergebnisse aus dem Langzeitprojekt "Lesesozialisation bei Informationsmedien". S. 180.

[14] Siehe Feierabend, Sabine und Rathgeb, Thomas: Medienverhalten Jugendlicher 2004. Neueste Ergebnisse der JIM-Studie Jugend, Information, (Multi-) Media. In: Media Perspektiven 7/2005, S. 324.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Jugendliche als Zeitungsverweigerer - Eine Analyse
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar "Geschäftsfelder für Zeitungsverlage"
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V50677
ISBN (eBook)
9783638468565
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendliche, Zeitungsverweigerer, Eine, Analyse, Hauptseminar, Geschäftsfelder, Zeitungsverlage
Arbeit zitieren
Ina Hämmerling (Autor), 2005, Jugendliche als Zeitungsverweigerer - Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50677

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