Integrationsmotor Vereinssport? Ein Instrument der sozialen Integration


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
17 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Integrationstheorie nach Esser
2.1 Integrationsbegriff
2.2 Dimensionen der sozialen Integration

3 Integrative Potenziale des Sportvereins

4 Voraussetzungen sozialer Integration durch Sport
4.1 Kulturation
4.2 Platzierung
4.3 Interaktionen
4.4 Identifikation

5 Probleme sozialer Integration durch den Sportverein von Migranten

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Migration von Menschen anderer Kulturen stellt im heutigen Jahrhundert eine der größten Problematiken für die moderne Gesellschaft dar. Aufgrund von Verfolgung, Gewalttaten, Krieg oder Menschenrechtsverletzungen waren im Jahr 2018 über 70,8 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, welche nie zuvor dieses Ausmaß erreicht hat (UNO, 2018). Auch in Deutschland wird diese Problematik sichtbar. In Deutschland hatten im Jahr 2018 fast 20,8 Millionen Personen einen Migrationshintergrund, was fast ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands beträgt (Statistisches Bundesamt, 2019b). Nach den außergewöhnlich hohen Wachstumsraten zwischen 2014 und 2016 aller registrierter Schutzsuchender stabilisiert diese sich im Jahr 2018 auf 6 % (BAMF, 2016, S. 39; Statistisches Bundesamt, 2019a), bleibt aber relevant wie nie zuvor. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund deren unterschiedlichen Kultur, Sprache und Ethnien stellt eine gesellschaftspolitische Herausforderung dar, die einer genaueren Betrachtung bedarf. Die deutsche Bundesregierung versucht mithilfe desNationalen Integrationsplansdieser Herausforderung gerecht zu werden. Neben den Maßnahmen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt stellt der Integrationsmotor Sport einen entscheidenden Bestandteil für das erfolgreiche Integrieren in die Aufnahmegesellschaft dar. Dabei würdigt die Bundesregierung das Engagement der Sportvereine dafür, dass sich durch Sport die Menschen unterschiedlicher Herkunft freundschaftlich und fair begegnen können (Bundesregierung, 2007, S. 20).

Sport spricht alle SprachenoderMit Fairplay Vielfalt verbinden,sind gern zitierte Slogans des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und anderer gesellschaftspolitischer Diskussionsrunden. Dadurch zeigt sich, dass sportliche Aktivitäten per se eine weitreichende sozialintegrative Eigenschaft besitzen, welche für Zuwanderer alsTüröffner für die Gesellschaftfür die Integration genutzt werden kann (Braun Finke, 2010, S. 13ff). Die Folgen des gemeinsamen Sporttreibens eröffnen Möglichkeiten des kulturellen Austausches, Gelegenheiten der Selbstverwirklichung und Selbstbehauptung, den Umgang und die Akzeptanz mit Regeln. Zudem unterstützt Sport die Förderung der Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen und vermittelt soziale Kompetenzen (BAMF, 2016).

Im Jahr 1989 startet des Deutschen Olympischen Sportbundes anfangs mit dem Namen „Sport für alle – Sport für Aussiedler“ die Integrationsarbeit, welches an Spätaussiedler gerichtet ist. 2001 entstand aus diesem Projekt das ProgrammIntegration durch Spot, mit der Zielgruppe von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Circa 750 Sportvereine sind im Rahmen des Integrationsprojektes mit dem DOSB verbunden, welche als Stützpunktvereine zertifiziert sind. Weitere 4000 Vereine erhalten Unterstützung bei der Integrationsförderung. Die Finanzierung findet über Bundesmittel des Bundesministeriums des Innern (BMI) das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Bayrischen Landes-Sportverbands statt. Jährlich wird der DOSB mit 11,4 Millionen Euro gefördert (Heinze, 2018, S. 6–7). Dieses Jahr feiert das Integrationsprojekt sein 30-jähriges Jubiläum und Flüchtlingsintegration ist relevant wie nie.Integration durch Sportleistet Pionierarbeit und als Nachfolger entstanden andere Partnerprogramme wieWillkommen im SportoderSport für alle(DOSB, 2019). Auch im Rahmen anderer Integrationsprojekte wieBiss- Bewegung im sozialintegrativen SchulsportoderSport schafft Heimatwird eine Förderung der Willkommenskultur in den Sportvereinen angestrebt.

Deshalb soll im Rahmen dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, inwiefern der vereinsorganisierte Sport zur sozialen Integration von Migranten und Migrantinnen beiträgt. Zu Beginn wird im zweiten Kapitel ein Überblick über die Integrationstheorie aufgezeigt. Hierbei gibt das Konzept der Sozialintegration nach Hartmut Esser über die Begriffsdefinition und Integrationstheorie einen Überblick. Anschließend findet eine Analyse des Integrationsmediums Sportverein anhand vier verschiedener Varianten statt. Nachfolgend wird die Sozialintegration vom Soziologen Hartmut Esser nochmals aufgegriffen und auf den Sportverein übertragen. Im Fazit werden die Ergebnisse nochmals zusammengefasst und kritisch hinterfragt sowie Antwort auf die einleitende Problemstellung gegeben.

2 Integrationstheorie nach Esser

2.1 Integrationsbegriff

Als Ersten Schritt soll der Ansatz nach Hartmut Esser seine Begrifflichkeit und den theoretischen Rahmen als Grundlage dienen.

Der Soziologe Hartmut Esser prägt bis heute im deutschsprachigen Raum die Integrations- und Migrationsforschung. Er versteht unter dem Ausdruck Integration im allgemeinen Kontext „Zusammenhalt von Teilen in einem systematischen Ganzen“ oder „die Einbeziehung und Eingliederung in ein größeres Ganzes“. Das Bestehen von gegenseitiger Abhängigkeit zwischen den Teilen ist als wichtiger Bestandteil des Ganzen zu verstehen ( Esser, 1999, S. 13). Durch den Zusammenhalt entsteht eine Abgrenzung des Systems von seiner Umwelt und wird als eigenständiges System erkennbar (Esser, 2001, S. 3ff). Diese Begriffsdefinition ist auf andere soziale Systeme wie Gesellschaften oder Teile davon übertragbar. Eine Differenzierung der sozialen Systeme findet in Sozialintegration und Systemintegration statt (ebd.: 3). In der vorliegenden Arbeit dient die Sozialintegration nach Esser durch die logische Strukturierung als theoretischen Rahmen, welche auf Integrationsprozesse in und durch Sportvereine übertragen werden, kann. Andere Begriffe wie Eingliederung, Absorption oder Inkorporation finden in der Literatur Anwendung (Brinkmann Sauer, 2016, S. 25). Die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen und Bedeutungszusammenhänge stellen in der Soziologie einen umstrittenen Bereich dar.

Esser unterscheidet in Anlehnung an David Lockwood zwischen der Systemintegration und Sozialintegration. Die Systemintegration bezieht sich auf die Integration eines sozialen Systems als Ganzes, bei der sich der Zusammenhalt anonym, sprich unabhängig von Motiven, Absichten und untereinander bestehender Beziehungen der Akteure ergibt und durchsetzt. Je integrierter zum Beispiel ein Verein ist, desto enger und intensiver sind die Beziehungen der bestehenden Mitglieder. Die Begrifflichkeit Sozialintegration bezeichnet die Beziehung der Akteure zueinander und zum „Gesamt“ System. Der Einbezug der Individuen in den gesellschaftlichen Zusammenhang steht im Fokus (Esser, 1999, S. 15, 2001, S. 3ff). Soziale Integration steht für die Begriffe Mitgliedschaft, Anteilnahme und Zugehörigkeit zu der neuen Gesellschaft (Heckmann, 2015), diese Ansichtsweise kann auf den Sportverein und deren Mitglieder übertragen werden.

Im Rahmen der Sozialintegration wird innerhalb der Mikroebene von Beziehungen der Akteure zueinander und zum „Gesamt“-System gesprochen. Dabei unterscheidet der Autor Esser vier Dimensionen hinsichtlich des sozialen Einbezugs in eine Gesellschaft welche im Kapitel 2.2 erläutert werden (Esser, 1999, S. 15). Die Sozialintegration von Migranten in eine Aufnahmegesellschaft durchläuft verschiedene Prozesse, wobei am Ende die Assimilation als vollzogene Sozialintegration in die Aufnahmegesellschaft von Zuwanderern steht. Die Mehrfach-Integration steht für die Sozialintegration eines Akteurs in beide Gesellschaften und wird in der Realität kaum erfahren. Wodurch die Sozialintegration nur in Form der Assimilation möglich ist. Die Aufnahme von interethischen Kontakten, sozialen Beziehungen und Tauschakten mit den Einheimischen und die emotionale Unterstützung nicht der Herkunfts- , sondern der Aufnahmegesellschaft (ebd.: 22). Die Beziehungen zwischen Gruppen ist ein Indikator für die soziale Integration. Sie signalisieren Akzeptanz oder Nichtakzeptanz, Offenheit oder Geschlossenheit und das Bilden oder Verschwinden von Grenzen innerhalb des sozialen Gefüges. Zentrales Element des sozialen Kapitals von Individuen stellen (Heckmann, 2015, S. 181ff). Bezüglich der vorliegenden Seminararbeit stellen Essers Aussagen zur Sozialintegration den entscheidenden theoretischen Rahmen dar, welche im Weiteren näher erläutert werden. Durch die logische Strukturierung der Integrationsprozesse kann diese auf den Vereinssport übertragen werden.

2.2 Dimensionen der sozialen Integration

Die soziale Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern meint den Einbezug der Individuen in die Gesellschaft zum Beispiel durch den Erwerb von Sprachkenntnissen, Beteiligung am Bildungssystem und Arbeitsmarkt, Gewährung von Rechten und die Entstehung von Akzeptanz und Identifikation.

Im Rahmen der Sozialintegration wird innerhalb der Mikroebene von den Beziehungen der Akteure zueinander und zum „Gesamt“-System gesprochen (Esser, 1999). Innerhalb der Mikroebene können folgende vier Dimensionen unterschieden werden:

1. Kulturation
2. Platzierung
3. Interaktion und
4. Identifikation (Esser, 1999)

Der Begriff Kulturation meint den Prozess des Erwerbs des jeweiligen Wissens oder der Kompetenzen, um innerhalb der Aufnahmegesellschaft erfolgreich handeln zu können. Das Wissen und die Kompetenzen bezieht sich auf soziales Handeln unter Berücksichtigung der geltenden Normen und sozialen Drehbücher. Das erlangte Humankapital ist Voraussetzung, um für andere Akteure interessant zu sein. Kulturation ist Teil der kognitiven Sozialisation, was im Themengebiet der Integration von Migranten und ethnischen Minderheiten als Prozess der Akkulturation bezeichnet wird. Im Alltag zählen dazu der Spracherwerb, Regelkenntnisse und kulturspezifische Rituale (z.B. Regeln, Rituale, Sprache, Symbole, Umgangsformen und Normen).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Integrationsmotor Vereinssport? Ein Instrument der sozialen Integration
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V506790
ISBN (eBook)
9783346069337
ISBN (Buch)
9783346069344
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Integration, Esser, Vereinssport
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Integrationsmotor Vereinssport? Ein Instrument der sozialen Integration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506790

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