Die Erfahrungen von Männern in Frauenberufen im Vergleich zu Kanters tokenism-These.


Seminararbeit, 2001
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung :

Einleitung

1. Theoretische Voraussetzungen S.
1.1 Token-Theorie von Kanther
1.1.1 Grundsätzliche Annahmen
1.1.2 Visibilität
1.1.3 Polarisierung
1.1.4 Assimilation
1.2 Kritik an Kanters These

2. Erfahrungen von Männern in Frauenberufen
2.1 Grundlagen der Untersuchung
2.2 Visibilität
2.3 Polarisierung
2.4 Assimilation

Zusammenfassung / Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Einleitung :

Mit ihrer These von den Auswirkungen von reinen numerischen Effekten auf die Beziehungen eines dominanten Teils einer Gruppe zu einer sehr kleinen Minderheit hat Rosabeth Moss Kanter einen neuen Erklärungsansatz für die Gründe der Benachteiligung gerade auch von Frauen in männerdominierten Berufsfeldern geschaffen. Nach diesem Muster sind diese nicht in den Eigenheiten der beiden Geschlechter begründet, sondern allein ein Ausdruck der besonderen Situation, in dem sich diese Frauen befinden.

Diese Erkenntnisse von Kanter riefen aber auch Widerspruch hervor. So wurde insbesondere die allgemeine Anwendbarkeit dieser beschriebenen Effekte der Visibilität, Assimilation und Polarisation bestritten und behauptet, daß diese nur eine Erfahrung von einzelnen Angehörigen einer gesellschaftlich niederrangigeren Gruppe in einem von höherrangigen dominierten Umfeld sei. Beispielsweise Männer in einem von Frauen dominierten Umfeld würden ganz andere Erfahrungen machen.

Ob dies der Wahrheit entspricht und was für andere Erfahrungen Männer in einem von Frauen dominierten Umfeld eventuell machen, soll Inhalt dieser Hausarbeit sein.

Dazu wird zunächst die These Kanters dargestellt und anhand ihrer Untersuchungen über Frauenerfahrungen in Männerberufen erläutert. Weiterhin werden dann die Anmerkungen von Janice D. Yoder als Beispiel der Kritik an Kanters Erkenntnissen vorgestellt.

Im zweiten Teil der Arbeit werden zum Zwecke der Überprüfung dieser Erkenntnisse die Erfahrungen von Männern in Frauenberufen, wie sie in einigen Untersuchungen zu finden sind, dargestellt. Dies geschieht um einen Vergleich mit den Erfahrungen, die sie nach Kanter eigentlich machen müßten, zu ermöglichen. Zusätzlich soll noch geklärt werden, was für andere Erfahrungen Männer in Frauenberufen machen, wie sie damit umgehen und ob aufgrund dieser ein Hinweis über ihre anhaltende Rarheit in diesen Berufsbereichen zu finden ist.

1.Theoretische Voraussetzungen

1.1 Token-Theorie von Kanther

1.1.1 Grundsätzliche Annahmen

Rosabeth Moss Kanther hat in ihrer Arbeit1 ein analytisches Modell geschaffen, in welchem sie zeigen will, daß das zahlenmäßige Verhältnis zweier Arten von Mitgliedern einer Gruppe ein wichtiger Aspekt des sozialen Lebens dieser Gruppe darstellt. Besonders deutlich wird dies ihrer Ansicht nach, wenn diese verschiedenen Mitglieder unterschiedlichen kulturellen Kategorien angehören oder ein gesellschaftliches Statusgefälle zwischen diesen beiden Gruppenteilen herrscht. Dabei kommt es für die zu beobachtenden Prozesse für sie hauptsächlich auf das jeweilige anteilmäßige Größenverhältnis der beiden Gruppenteile an.2

Für sie gibt es grundsätzlich vier Arten von solchen Gruppen :

Zunächst uniforme Gruppen, wo alle Mitglieder einem sozialen Typ angehören. Weiterhin dann „schiefe“ Gruppen. Diese sind solche, wo ein starkes Übergewicht eines sozialen Types über den anderen herrscht, also ungefähr ein Verhältnis von 85 zu 15.

Dann gibt es noch geteilte Gruppen, hier sind die numerischen Unterschiede nicht mehr so groß, sie liegen ungefähr bei einer zwei Drittel- ein Drittel-Verteilung. Hier sind die einen einfach die Mehrheit und die anderen einfach die Minderheit, es kommt zu keinen solchen Konflikten.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die ausgeglichenen Gruppen, in der kein Typ eine deutliche Mehrheit hat.

Genauer untersucht hat Kanther die Merkmale der „schiefen“ Gruppe, zum Einen, da hier die Effekte einer geteilten Gruppe besonders deutlich sichtbar werden und zum Anderen, weil dieser Effekt oft von Frauen in bisher männerdominierten Berufsfeldern wahrgenommen wird.3

Die bisherigen Untersuchungen zu diesem Thema haben, nach Meinung Kanters, sich zu sehr auf die Effekte der Biologie oder Sozialisation von Frauen und Männern konzentriert und die numerischen außer Acht gelassen. Der Vorteil dieses Ansatzes sei jedoch, daß er sich auch verallgemeinern lassen kann. So könnte man grundsätzlich jede andere Gruppe mit einer extremen Schieflage auf die gleiche Weise analysieren, auch wenn sich hier auf Frauen beschränkt wird.4

Das sie hier den Begriff token, also Symbol, für die extreme Minderheit benutzt, hat mit der speziellen Eigenart dieser Situation zu tun. Tokens unterscheiden sich nämlich gleich in mehreren Dimensionen von dem die Gruppe beherrschenden Typ. Meist sind dies zugeschriebene Eigenschaften wie Geschlecht, Rasse, Alter usw ,mit welchen für die Gruppenmehrheit eine Anzahl von Annahmen über den Status, Verhalten und Kultur der Minderheit verbindet und unter welche sie diese unterordnet. Laut Kanter ist das besonders der Fall, wenn die Mehrheit früher mit der Minderheit anders umgegangen ist als in der gegenwärtigen Situation. Und da die tokens per Definitionem immer fast die einzigen ihrer Art in der Gruppe sind, werden sie diesen Annahmen untergeordnet, ob sie wollen oder nicht. Noch weiter verstärken kann sich dieser Effekt, wenn der Unterschied deutlich sichtbar ist, wie bsp. Geschlecht und die tokens neu in einer solchen Gruppe sind. Dabei spielt nach ihrer Aussage die Herkunft des tokens keine Rolle.

Kanter sieht als Folge einer solchen token-Situation die Phänomene der Visibilität, der Polarisation und der Assimilation auftreten, die im folgenden in ihren Auswirkungen näher beschrieben werden. Sie stellte diese in einer Untersuchung über Frauen in einer token-Sitation im Vertretergewerbe fest, verallgemeinert diese Erfahrungen aber.5

1.1.2 Visibilität

Durch ihre Andersartigkeit sind tokens in der Gruppe leicht erkennbar. Daraus ergibt sich, das ihre Leistungen leicht beobachtbar und, bei den untersuchten Frauen, so einen höheren Leistungsdruck ergibt.

Aus ihrer Rolle als Stellvertreter ihrer Kategorie ergibt sich, daß die Konsequenzen ihres Handelns erweitert werden. Ihr Handeln wird als das aller zukünftigen (hier) Frauen in diesem Gebiet bewertet.

Die anderen Gruppenmitglieder neigen dazu, die tokens auf die ihnen zugeschriebenen Eigenschaften zu reduzieren. Deswegen müßen die tokens mehr arbeiten, damit auch ihre Leistungen anerkannt werden. Zugleich dürfen sie aber nicht ein Mitglied der dominanten Gruppe übertreffen, da dies ja für alle, auch die anderen Gruppenmitglieder sichtbar ist und sie dann Angst vor einer Vergeltung haben muß.

Nach Kanters Meinung gibt es zwei typische Verhaltensmuster, wie Frauen oder allgemein alle tokens mit diesen Problemen umgehen:

Zum einen reagieren sie mit einer Selbstüberhöhung auf den großen Leistungsdruck. Sie verbreiten bei jeder Gelegenheit ihren Erfolg und den ihrer Arbeit. Dies hat aber meist die erwähnte Vergeltung durch die zurückgesetzten Mitglieder der dominanten Gruppe zur Folge.

Zum anderen, und dies ist die verbreiterte Reaktion, gibt es Versuche, sozial unsichtbar zu werden. Dies geschieht durch unauffällige Kleidung, Vermeiden von Kontakt zu den „Dominanten“ oder Rückzug vom Arbeitsplatz. Auch seine Erfolge versucht dieses token zur Konfliktvermeidung geheim zu halten.6

1.1.3 Polarisierung

Durch das Auftreten der tokens werden sich die Mitglieder der dominanten Gruppe ,da eine Änderung der Zusammensetzung der Gesamtgruppe zu iheren Ungunsten zu erfolgen droht, vielmehr ihrer gemeinsamen Merkmale bewußt. Sie neigen nach Kanters Meinung dazu, sich untereinander zu solidarisieren und die tokens auszugrenzen. Dazu dient auch eine Überbetonung der Mehrheitskultur, jede Handlung wird, im hier beschriebenen Fall, geschlechtsbezogen gesehen.

Weiterhin wird den tokens bei ihrem Eintritt in die Gruppe und auch später immer wieder klargemacht, daß es Unterschiede zwischen ihnen und den Dominanten gibt und daß sie als Eindringlinge gesehen werden. Sie werden nicht in die Gemeinschaft aufgenommen.

Von bestimmten Aktivitäten der Mehrheitsgruppe werden die tokens ausgeschlossen, da die Dominanten nicht wissen, in welchem Maße sie jenen trauen können. Dies bedeutet häufig auch einen Ausschluß aus den informellen Netzwerken, was sich negativ auf die Kariere auswirken kann. Was aber auch von tokens oft erwartet wird, ist, daß sie ihre Loyalität der Hauptgruppe gegenüber beweisen. Wenn sie dies nicht tun, werden sie weiter isoliert, bei „Bestehen“ werden sie in mehr Aktivitäten miteinbezogen. Dadurch können diese sich versichern, daß das token die Gruppe nicht beschädigen will.

[...]


1 Vgl.Kanter, S.965-990.

2 Vgl. dies., S.965f.

3 Vgl Kanter, S.966.

4 Vgl. dies., S.967f.

5 Vgl. dies., S.968-971.

6 Vgl. Kanter, S.972-974.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Erfahrungen von Männern in Frauenberufen im Vergleich zu Kanters tokenism-These.
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Übung 'Arbeit, Profession und geschlechtliche Segregation des Arbeitsmarktes'
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V50681
ISBN (eBook)
9783638468589
ISBN (Buch)
9783640300976
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfahrungen, Männern, Frauenberufen, Vergleich, Kanters, Profession, Segregation, Arbeitsmarktes“
Arbeit zitieren
M. A. Jochen Lehnhardt (Autor), 2001, Die Erfahrungen von Männern in Frauenberufen im Vergleich zu Kanters tokenism-These., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50681

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